mini|Selbstporträt 1942mini|Frau in andalusischer Tracht 1911–1913 Ignacio Zuloaga y Zabaleta (* 26. Juli 1870 in Éibar; † 31. Oktober 1945 in Madrid) war ein spanischer Maler des beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts, dessen Frühwerke teilweise Züge des sozialen Realismus, teilweise des Impressionismus aufweisen, während sein Hauptwerk der Tradition der spanischen Klassik folgt und der Ästhetik der España Negra zuzurechnen ist.
Leben Ignacio Zuloaga y Zabaleta wurde am 26. Juli 1870 als drittes Kind von Placido Maria Zuloaga y Zuloaga und Lucia Zamora Zabaleta in Eibar, Baskenland, im Haus seiner Eltern geboren. Er entstammte einer alten angesehenen Kunsthandwerkerfamilie: Sein Urgroßvater Blas Antonio Zuloaga y Ubera war oberster königlicher Waffenschmied, sein Großvater Eusebio Zuloaga y Gonzalez Direktor der königlichen Rüstkammer. Sein Vater Placido Zuloaga hatte in Paris und später in Dresden die Kunst des Damaszenierens und Tauschierens gelernt und in diesem Beruf internationales Renommee erlangt. Nach Besetzung Eibars im dritten Carlistenkrieg durch die Truppen des Generals Lizarraga lebte die Familie von 1873 bis 1876 in Saint-Jean-de-Luz, Frankreich. Seinen Sohn Ignacio schickte Placido Zuloaga 1881 oder 1882 nach Paris, vermutlich auf die Schule des Instituts Notre-Dame de Sainte-Croix (Unserer Frau vom Heiligen Kreuz) in Neuilly-sur-SeineMilhou S. 20. und anschließend auf das ehemalige, inzwischen säkularisierteLertxundi Galiana S. 17. Jesuitencolleg de l'Immaculée Conception (der Unbefleckten Empfängnis) in Paris-Vaugirard.Lertxundi Galiana S. 17 weist durch entsprechende Zeugnisse diese Daten nach, abweichend von Milhou.
1884 wieder im Baskenland, besuchte Ignacio 2 Jahre die Handelsschule der Dominikaner in Bergara.Lertxundi Galiana S. 17. Trotz guter Noten wollte er nicht wie sein älterer Bruder Eusebio Ingenieurwissenschaften studieren,gemäß einem Brief vom 31. Oktober 1906 an Miguel Utrillo wünschten seine Eltern, dass er Kaufmann oder Architekt werden solle, siehe Lertxundi Galiana S. 20. sondern interessierte sich von Kindheit an für Kunst. Neueste Quellenrecherchen verweisen das bisher von seinen Biographen berichtete Erweckungserlebnis im Pradomuseum auf einer Reise mit seinem Vater nach Madrid mit all seinen Ausschmückungen ins Reich der Legende. Vielmehr bewarb sich Ignacio Zuloaga im Oktober 1886 bei der Universität Madrid um die Zulassung zu einem Kunststudium, eine Bewerbung, die er jedoch zurückzog, um sich privat von einem Maler in Madrid ausbilden zu lassen.Lertxundi Galiana S. 17f. Die Ergebnisse dieser Ausbildung stellte er im Sommer 1887 in Madrid, im Herbst 1887 in Eibar und 1888 in Gernika aus.Lertxundi Galiana S. 18.
Im Herbst des folgenden Jahres begleitete er schließlich seinen Vater auf einer Reise zu einem Geschäftspartner nach London und traf schließlich gegen Weihnachten in Rom zur weiteren malerischen Fortbildung ein. Entgegen seiner ursprünglichen Absicht, dort zwei oder drei Jahre zu bleiben,Lertxundi Galiana S. 21 Fn 44. war er schon im August 1889 zurück in Eibar anlässlich der Hochzeit seiner Schwester Candida und kehrte nicht wieder zurück nach Rom. Vielmehr reiste er Ende des Jahres 1898 oder zu Anfang 1899 nach Paris und schrieb sich dort in der Académie libre de la rue Verniquet bei Henri Gervex ein, einem damals in der Kunstszene gut vernetzten Maler, Gründungsmitglied des Salon de la Société nationale des beaux-arts. Hier lernte er seinen späteren Schwager, den Maler Maxime Dethomas kennen, der für Zuloaga zum Türöffner zur Pariser Gesellschaft wurde. Bald machte er auch Bekanntschaft mit einem baskischen Landsmann, dem Maler Pablo Uranga, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verbinden sollte. Sein in Rom entstandenes Bild A la forge konnte er im Frühjahrssalon 1890 von Paris und zeitgleich das Bild Forjador bei der Exposición Nacional de Madrid präsentieren. In der Galerie Boussod, Valadon & Cie. fand im April 1891 eine Ausstellung von Bildern mit Motiven – vermutlich aus Vororten von Paris – statt. Nach einem kurzen Ausflug nach Rom im Winter 1891 und einer ersten Teilnahme an einer Ausstellung in Barcelona im Mai 1891 sowie der Präsentation von 24 Werken in Bilbao im September 1891 war Zuloaga im Dezember erstmals in der Galerie Le Barc de Boutteville zusammen mit Paul Gauguin, Vincent van Gogh, Henri de Toulouse-Lautrec, Émile Bernard, Maurice Denis, Édouard Vuillard, Charles Cottet, Odilon Redon und Pierre Bonnard vertreten,Lafuente Ferrari S. 55 1892 und 1893 im Salon de la Société des Artistes Indépendants. Von der Académie libre de la rue Verniquet wechselte Zuloaga zu Eugène Carrière in der Académie Huimbez,so Milhou S. 63 unter Berufung auf Auskunft des Sohnes von Carrière. Boulevard de Clichy, vermutlich identisch mit der sogenannten Académie de la Palette. Hier traf er mit der in Paris lebenden Gruppe katalanischer Maler um Santiago Rusiñol, Ramón Casas und Miquel Utrillo zusammen.
Lange konnte Zuloaga jeweils nicht in Paris bleiben, wohl der Mangel an finanziellen Mitteln trieb ihn immer wieder zurück nach Spanien, wo er in Bilbao Anschluss an die Mitglieder des Kurding-Club fand.Lafuente Ferrari S. 56; Lertxundi Galiana S. 32. So wechselten auch seine Pariser Adressen von der Rue des Saules 1889–1890 zur Rue Durantin 1891, zum Impasse Helene (im selben Haus mit Paul Signac) und zur Rue Cortot 1892.Milhou S. 67. Ungewiss ist eine angebliche erste Reise nach Sevilla im Jahr 1892, die u. a. von Portillo in seinem Buch Ignacio Zuloaga en Sevilla berichtet wird, jedoch nicht belegt ist. Danach habe sein besorgter Vater, der bei einem Besuch in Paris 1891 seine Befürchtungen bezüglich des Lebens seines Sohnes in Montmartre mit nächtlichen Festen und Cabarets bestätigt gesehen habe – dieses Leben ihm wie das eines Clochards erschien,Portillo S. 38 und ihn gedrängt habe, eine einträglichere und besser angesehene Beschäftigung anzunehmen–, worauf auch die heimliche finanzielle Unterstützung durch seine Mutter versiegt sei. Zuloaga verdingte sich durch Vermittlung seiner Freunde aus Bilbao bei einer Minengesellschaft (Compañía Argentífera Sevillana) als eine Art Buchhalter; mit der weiteren Aufgabe, als berittener und bewaffneter Geldbote den Wochenlohn der Arbeiter von Sevilla zur Silbermine zu bringen.Portillo S. 39. Diese Beschäftigung habe er jedoch bald wieder aufgegeben, um sich neben der Malerei als Händler von Antiquitäten, Bildern und Sammlerstücken zu betätigen, eine Tätigkeit, die er neben der Malerei während einer langen Zeit seines Lebens beibehielt, um seinen Lebensunterhalt und seine Reisen zu finanzieren.Portillo S. 36; ausführlich dazu Marías S. 330–335. Belegt ist die vorübergehende Anstellung Zuloagas bei dem Minenunternehmen für die Zeit zwischen Juni und Oktober 1898 aus einem Brief Zuloagas an Emile Bernard.Lertxundi Galiana S. 45 und Fn. 213. Tatsächlich war Zuloaga noch im März 1892 in Paris mit fünf Bildern beim Salon de la Société des Artistes Indépendents mit positiver Resonanz in der Presse, danach zusammen mit Pablo Uranga in Bermeo, wo er sich der Pleinairmalerei widmete; ferner malte er im Sommer in Olabeaga, einem Vorort von Bilbao, und war am 15. November 1892 wieder in Paris bei einer Ausstellung der Galerie Le Barc de Boutteville.
Auch weitere Daten seines Werdegangs bedürfen einer Berichtigung aufgrund der umfangreichen von Lertxundi Galiana recherchierten Dokumente: Aus dem Jahr 1893 belegt sind die Teilnahme Zuloagas an Pariser Ausstellungen im März beim Salon de la Société des Artistes Indépendents und der Galerie Le Barc de Boutteville, seine Abreise nach Spanien im Sommer, wo er zusammen mit Pablo Uranga zwei Monate an der Dekoration und Ausmalung des im September eröffneten neuen Casinos von Bermeo arbeitete, Bilder, die später durch ein schweres Unwetter weitgehend zerstört wurden.Lafuente Ferrari S. 243. Das Honorar für diese Arbeiten, 1.500 Real, deckte kaum die Materialkosten.Lertxundi Galiana S. 30. Noch im November malte er für den Kurding-Club von Bilbao das modernistische Bild El AmanecerLertxundi Galiana S. 32. und bezog schließlich gegen Ende November in Paris zusammen mit den Katalanen Rusiñol und José María Jordá und seinem baskischen Freund Pablo Uranga ein Haus am Quai Bourbon auf der Île Saint-Louis. Von hier brachen Rusiñol und Zuloaga im Frühjahr 1894 auf zu einer Reise nach Italien und in die Schweiz. Da Zuloaga dafür kein Geld hatte, engagierte ihn Rusiñol als Zeichner für die Illustrierung des von ihm in der Zeitschrift La Vanguardia zu veröffentlichenden Reiseberichts. Seine Absicht, an einer Ausstellung in Barcelona im Mai 1894 teilzunehmen, gab er auf und reiste Ende Juni nach London zur Familie Morrison, Geschäftsfreunden seines Vaters, porträtierte die ganze Familie und wohnte bei ihr in Fonthill House, Wiltshire während des ganzen Sommers.Lertxundi Galiana S. 38.
Im Herbst 1894 reiste Zuloaga schließlich nachweislich nach Sevilla, mietete sich Atelierräume in der Casa de los Artistas, einem ehemaligen, zur Herberge armer Leute heruntergekommenen Adelspalast und malte in dieser neuen ungewohnten Bohème Gitanas, Tänzerinnen, Blumen- und Zigarettenverkäuferinnen, Bilder, die er im Januar 1895 nach Paris brachte. Hier bereitete er seine erste Individualausstellung in der Galerie Le Barc de Boutteville vor, die unter der Bezeichnung Espagne blanche vom 9. bis 19. April 1895 stattfand und ein starkes Echo in der Presse hatte. Gleichwohl konnte nur ein einziges Bild an den amerikanischen Maler William Turner Dannat verkauft werden. Ihn, den deprimierten Mittellosen, der kein Geld hatte, um ein Modell zu bezahlen, nahm sein Kollege und Freund Maxime Dethomas in seine Wohnung auf, stellte ihm sein Atelier zur Verfügung und führte ihn in seine Familie ein. Damals entstand auch das Porträt seiner späteren Ehefrau Valentine Dethomas, der Schwester von Maxime.entgegen der Datierung bei Lafuente Ferrari heute unstrittig, Milhou S. 84 f; Lertxundi Galiana S. 200. Bis zum Sommer 1895 teilten sich Zuloaga, Paco Durrio und Gauguin – nach dessen Rückkehr von Tahiti – ein Atelier in Paris. Angesichts seiner mageren Erfolge nach fünf Jahren Arbeit in Paris verließ Zuloaga Paris wieder und reiste über Eibar zurück nach Sevilla, um gleichsam wie Gauguin das Ursprüngliche suchend, die Raffinements von Paris zu vergessen und sich zu „defranzösisieren“, wie er an Maxime Dethomas schrieb. Hier blieb er das ganze Jahr 1896 über und schickte sein Gemälde Las dos amigas zur dritten Kunstausstellung von Barcelona, wo es mit einer Silbermedaille ausgezeichnet und für das Museum der Stadt für moderne Kunst angekauft wurde.
Gegen Jahresende begegneten sich in Sevilla Zuloaga und Émile Bernard nach dessen Rückkehr aus Ägypten. Ihn hatte der Baske in seiner ersten Zeit in Paris kennen gelernt, jener konnte sich aber zwar nicht an ihn erinnern, freute sich jedoch so sehr, einen wahren Künstler getroffen zu haben, dass er Ignacio Zuloaga die Patenschaft für sein im Februar 1897 zur Welt gekommenes zweites Kind antrug.Milhou S. 111. Ab diesem Zeitpunkt verband beide Künstler eine lebenslange Freundschaft.
In Sevilla ging Zuloaga in seiner Leidenschaft für Stierkämpfe, der er bereits in der Pariser Arena La Pergolese hatte frönen können,Portillo S. 57 einen Schritt weiter. In der Schule für Toreros von Manuel Carmona an der Puerta de la Carne ließ er sich zum Torero ausbilden, eine Tatsache, die er später zwar energisch ins Reich der Legenden verweisen wollte, die aber durch Briefe und ein erhaltenes Plakat belegt ist, auf dem er mit der Bezeichnung El Pintor namentlich genannt ist. Seine erste Vorstellung gab er am 17. April 1897, war dabei aber offenbar wenig erfolgreich. Nach angeblich 17 getöteten Stieren und möglicherweise einer schweren Verletzung soll er diesen Beruf auf Bitten seiner MutterArsène Alexandre: Ignacio Zuloaga. In: Utrillo S. 35. aufgegeben und sich wieder ausschließlich der Malerei gewidmet haben.