Schwaben, inoffiziell auch verdeutlichend Bayerisch-Schwaben genannt, ist ein Gebiet im südwestlichen Teil des Freistaates Bayern, das – wie in Bayern üblich – sowohl als staatlicher Regierungsbezirk als auch als kommunaler Bezirk verwaltet wird. Verwaltungssitz des Regierungsbezirks sowie des Bezirks ist Augsburg. Die längste Grenze des Bezirks verläuft im Westen mit Württemberg.
Name – Herkunft und Sinngebung Der seit 1803 zu Bayern gehörende Bezirk Schwaben umfasst etwas mehr als ein Drittel desjenigen Raumes, der heute als Schwaben wahrgenommen wird. Dieses Gesamt-Schwaben ist territorial nicht mehr fassbar, sondern hat seinen Ursprung in den früheren politischen Gebilden, nämlich dem frühneuzeitlichen Schwäbischen Kreis und dem mittelalterlichen Herzogtum Schwaben. Schwaben in Bayern wird leicht mit diesem gesamtschwäbischen Raum verwechselt. Analog dazu wird auch das, was heute als die andere Hälfte Schwabens wahrgenommen wird, nämlich Württemberg, oft fälschlicherweise mit dem Raum Schwaben insgesamt gleichgesetzt. Abseits des amtlichen Sprachgebrauchs wird deshalb verdeutlichend auch von Bayerisch-Schwaben gesprochen.
Der Regierungsbezirk Schwaben in Bayern ist derzeit das einzige politische Territorium, das den Namen Schwaben verwendet. Die Region Oberschwaben zählt nicht als politisches Territorium, sie gehört ungefähr zu drei Vierteln zu Württemberg und zu einem Viertel zu Bayern. Die Unterbezirke Mittel- und Nordschwaben liegen komplett in Bayern. Obgleich es im bayerischen Schwaben seit der Gebietsreform der 1970er Jahre nun auch kleinere Gebiete östlich des Lechs gibt, die seitdem zwar zu Schwaben, aber eben doch zum bairischen Mundartgebiet gehören (siehe Abschnitt Sprachliche Abgrenzung), wirbt die Tourismusbranche mit dem Motto „Wo Bayern schwäbisch schwätzt“. Andersherum gibt es seit dieser Gebietsreform auch Gebiete, die schwäbisch sind, aber nun zu Oberbayern gehören.
Gliederung Schwaben umfasst vier kreisfreie Städte und zehn Landkreise:
Kreisfreie Städte Augsburg Kaufbeuren Kempten (Allgäu) Memmingen
Landkreise Landkreis Aichach-Friedberg Landkreis Augsburg Landkreis Dillingen an der Donau Landkreis Donau-Ries Landkreis Günzburg Landkreis Lindau (Bodensee) Landkreis Neu-Ulm Landkreis Oberallgäu Landkreis Ostallgäu Landkreis Unterallgäu
Eine vollständige Übersicht befindet sich in der Liste der Städte und Gemeinden im Regierungsbezirk Schwaben.
Frühere Landkreisnamen: Der Landkreis Aichach-Friedberg hieß in der Übergangszeit vom 1. Juli 1972 bis zum 30. April 1973 Landkreis Augsburg-Ost. Der Landkreis Augsburg hieß in der Übergangszeit vom 1. Juli 1972 bis zum 30. April 1973 Landkreis Augsburg-West. Der Landkreis Donau-Ries hieß in der Übergangszeit vom 1. Juli 1972 bis zum 30. April 1973 Landkreis Nördlingen-Donauwörth. Der Sitz der Kreisverwaltung befand sich in Nördlingen. Der Landkreis Günzburg hieß in der Übergangszeit vom 1. Juli 1972 bis zum 30. April 1973 Günzkreis. Der Landkreis Neu-Ulm hieß in der Übergangszeit vom 1. Juli 1972 bis zum 30. April 1973 Illerkreis. Der Landkreis Ostallgäu hieß in der Übergangszeit vom 1. Juli 1972 bis zum 30. April 1973 Landkreis Marktoberdorf. Der Landkreis Unterallgäu hieß in der Übergangszeit vom 1. Juli 1972 bis zum 30. April 1973 Landkreis Mindelheim.
Gliederung vor der Kreisreform mini|Alte Landkreisgrenzen
Vor der Landkreisreform am 1. Juli 1972 hatte Schwaben zehn kreisfreie Städte und 20 Landkreise:
Kreisfreie Städte vor der Kreisreform Augsburg Dillingen an der Donau (heute Große Kreisstadt im Landkreis Dillingen an der Donau) Günzburg (heute Große Kreisstadt im Landkreis Günzburg) Kaufbeuren Kempten (Allgäu) Lindau (heute Große Kreisstadt im Landkreis Lindau) Memmingen Neuburg an der Donau (heute Große Kreisstadt im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen) Neu-Ulm (heute Große Kreisstadt im Landkreis Neu-Ulm) Nördlingen (heute Große Kreisstadt im Landkreis Donau-Ries)
Landkreise vor der Kreisreform Landkreis Augsburg Landkreis Dillingen an der Donau Landkreis Donauwörth (heute Teil des Landkreises Donau-Ries) Landkreis Friedberg (heute Teil des Landkreises Aichach-Friedberg) Landkreis Füssen (heute Teil des Landkreises Ostallgäu) Landkreis Günzburg Landkreis Illertissen (heute aufgespalten; die südliche Hälfte ging an den Landkreis Unterallgäu, die nördliche an den Landkreis Neu-Ulm) Landkreis Kaufbeuren (heute Teil des Landkreises Ostallgäu) Landkreis Kempten (Allgäu) (heute Teil des Landkreises Oberallgäu) Landkreis Krumbach (Schwaben) (heute Teil des Landkreises Günzburg) Landkreis Lindau (Bodensee) Landkreis Marktoberdorf (heute Teil des Landkreises Ostallgäu) Landkreis Memmingen (heute Teil vom Landkreis Unterallgäu) Landkreis Mindelheim (heute Teil vom Landkreis Unterallgäu) Landkreis Neuburg an der Donau (heute weitgehend Teil des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen (Oberbayern)) Landkreis Neu-Ulm Landkreis Nördlingen (heute Teil des Landkreises Donau-Ries) Landkreis Schwabmünchen (heute Teil des Landkreises Augsburg) Landkreis Sonthofen (heute Teil des Landkreises Oberallgäu) Landkreis Wertingen (heute aufgespalten; die südliche Hälfte ging an den Landkreis Augsburg, die nördliche an den Landkreis Dillingen an der Donau)
Geschichte mini|Sitz der Regierung von Schwaben in der ehemaligen Fürstbischöflichen Residenz in Augsburg mini|Westportal der ehemaligen fürstbischöflichen Residenz in Augsburg
Im Jahre 1803 wurde die Baierische Provinz Schwaben unter einer Landesdirektion in Ulm aus schwäbischen Gebieten, die durch den Reichsdeputationshauptschluss an Bayern fielen, gebildet. Teile wurden allerdings erst zwei Jahre später mit dem Frieden von Pressburg bayerisch, als zeitweise ganz Vorarlberg an Bayern fiel. Andere Teile wie Höchstädt an der Donau gehörten bereits seit dem Mittelalter zu Bayern, als Ludwig der Strenge seinen Neffen Konradin von Schwaben beerbte, beziehungsweise später zu Pfalz-Neuburg. 1809 musste Bayern westliche Teile Schwabens, darunter Ravensburg und Ulm, an das Königreich Württemberg abgeben, die damals festgelegte Grenze wurde seitdem nicht mehr verändert. 1814 fiel Vorarlberg bis auf die Westallgäuer Teile der Herrschaften Bregenz und Hohenegg, die bayerisch blieben, an das Kaisertum Österreich zurück. Ein Grenzvertrag vom 30. Januar 1844 klärte strittige Abschnitte der Grenze zwischen dem Königreich Bayern und dem zu Österreich gehörenden Gubernium Tirol und Vorarlberg. So gehört beispielsweise Spielmannsau erst seither zu bayerisch Schwaben.
Im neuen Königreich Bayern wurden die bayerischen Teile Schwabens 1808 in drei Kreise untergliedert (Oberdonaukreis, Lechkreis, Illerkreis), die 1817 zum Oberdonaukreis mit Verwaltungssitz Augsburg vereinigt wurden. Der jeweilige bayerische König führte die traditionsreichen Nebentitel „Herzog von Franken und in Schwaben, Pfalzgraf bei Rhein“; die Einschränkung „in“ (statt „von“ Schwaben) beruhte auf der Teilung Schwabens zwischen dem bayerischen und dem württembergischen Königreich.
Im Jahre 1837 wurde der Oberdonaukreis in Anlehnung an das Herzogtum Schwaben, dessen ehemaligen Ostteil er bildet, in Kreis Schwaben und Neuburg umbenannt, wobei das Landgericht Neuburg an der Donau neu zum Kreis kam, die Landgerichte Aichach, Friedberg und Rain aber wieder zurück an Oberbayern fielen. Rain kam 1879 wieder an den Kreis. Im Jahre 1900 wurde im Zuge einer Neugliederung der Bezirke das Bezirksamt Schwabmünchen durch Aufteilung des Bezirksamts Augsburg errichtet. Im Jahre 1929 wurde das Bezirksamt Zusmarshausen aufgelöst. Die Gemeinden dieses Bezirksamtes wurden anschließend den Bezirksämtern Augsburg und Wertingen zugeordnet.
In der Weimarer Republik war, beginnend mit der Revolution 1918, die Region Schauplatz intensiver Arbeitskämpfe und Streiks – eine Statistik des Historikers Claus-Peter Clasen zählt insgesamt 131 Streiks und Aussperrungen vor allem in der Textil- und Metallindustrie, aber auch im Baugewerbe.Claus-Peter Clasen: Streikstatistik für Bayerisch Schwaben 1919 bis 1934. In: Arbeit – Bewegung – Geschichte, Heft 3/2017, S. 130–145. Die Lohnstreiks waren eine Fortsetzung der mit Weltkrieg und Revolution zunehmenden Aktivität der Arbeiterbewegung, die nach Verbesserung der Lebensbedingungen für die arbeitende Bevölkerung strebte.
Diese Bewegung fand jedoch nach der Machtergreifung Hitlers 1933 ihr Ende – Sozialdemokratie und Gewerkschaften wurden auch in Bayerisch-Schwaben verboten, Streiks waren illegal. 1938 wurde der Name Schwaben und Neuburg zu Schwaben gekürzt. Im Jahre 1939 wurden die Bezirksämter in Landkreise umbenannt. Im Jahr 1940 verlor die Stadt Donauwörth den Status einer kreisunmittelbaren Stadt. Im Jahre 1944 trat der Landkreis Friedberg vom Regierungsbezirk Oberbayern zum Regierungsbezirk Schwaben über.
General Eisenhower stellte mit der Proklamation Nummer 2 vom 28. September 1945 Bayern offiziell als Staat wieder her; die Exekutive lag zwischen 1945 und 1952 in den Händen von US-amerikanischen Militärgouverneuren. Nach der Besetzung durch US-Truppen wurde Bayern Bestandteil der amerikanischen Besatzungszone, während im Jahr 1946 die in der französischen Besatzungszone gelegene stark industrialisierte Rheinpfalz dem neugebildeten Land Rheinland-Pfalz eingegliedert wurde. Der Landkreis Lindau wurde 1945 als Bayerischer Kreis Lindau Teil der französischen Besatzungszone aus dem Gebiet aus-, 1955 jedoch durch einen Volksentscheid wieder eingegliedert. Während der Zeit trug es das historische deutsche Kfz-Kennzeichen FBY für „Französisch-Bayern“. Im Jahre 1972 fielen im Zuge der großen Gebietsreform in Bayern die Stadt und der Hauptteil des Landkreises Neuburg a.d. Donau sowie die Fuchstalgemeinden des bisherigen Landkreises Kaufbeuren an Oberbayern und der Hauptteil des bisherigen Landkreises Aichach an Schwaben.
Kultur Liste von Burgen und Schlössern in Schwaben (Bayern) Liste von Pfarrhäusern in Bayern (Schwaben)
Geografie mini|Topographische Karte des Regierungsbezirks Schwaben
Die Landschaft Bayerisch-Schwaben liegt im Südwesten Bayerns und reicht vom Ries im Norden bis zum bayerischen Allgäu im Süden. Im Westen wird Bayerisch-Schwaben weitgehend von der Iller begrenzt, im Süden teilweise durch den Bodensee und im Osten durch den Lech bzw. durch den Lechrain. Es grenzt im Norden an Mittelfranken, im Osten an Oberbayern, im Süden an Tirol und Vorarlberg in Österreich, im Bodensee an den Kanton St. Gallen in der Schweiz und im Westen an Baden-Württemberg. Der geographische Mittelpunkt liegt bei der Ortschaft Eppishausen.Die Vermessungsverwaltung stellt die geographische Mitte Schwabens vor Der höchste Gipfel ist die Hochfrottspitze in den Allgäuer Alpen.
Naturräumliche Einheiten
Nördlinger Ries als Teil des Schwäbischen Keuper-Lias-Landes Schwäbische Alb Donau-Iller-Lech-Platte Bayerisches Alpenvorland Nördliche Kalkalpen
Landschaften Allgäu Donauried Lechfeld Mittelschwaben Nordschwaben (Bayern) Naturpark Augsburg – Westliche Wälder Nördlinger Ries Oberschwaben Schwäbisches Donaumoos
Flüsse Brenz Donau Egau Günz Iller Kammel Kessel (Donau) Lech Mindel Nau Paar Schmutter Singold Wertach Wörnitz Vils (Lech) Zusam
Näheres siehe unter Liste der Flüsse im Regierungsbezirk Schwaben
Seen Alatsee Alpsee (bei Füssen) Großer Alpsee (bei Immenstadt) Autobahnsee im Stadtgebiet Augsburg Bannwaldsee Bodensee Forggensee Grüntensee Hopfensee Ilsesee (Bayern) in Augsburg Kuhsee in Augsburg Niedersonthofener See Rottachsee Schwansee Stempflesee in Augsburg Weißensee
Wirtschaft Die Wirtschaft in Schwaben ist geprägt vom produzierenden Gewerbe, hier vor allem vom Maschinenbau, sowie vom Tourismus. Schwaben hat sich in den vergangenen Jahren im Verbund mit Nachbarregionen zu einem der innovationsstärksten Räume Europas entwickelt.Technologieachse-Süd
Wirtschaftskraft