Planet Earth ( für „Planet Erde“) ist das 32. Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Prince, der alle Songs arrangierte, komponierte und produzierte. Er nahm es mit seiner Begleitband The New Power Generation auf; erstmals erschien das Album am 15. Juli 2007 als CD-Beigabe der britischen Sonntagszeitung The Mail on Sunday, mit der Prince einen eigenen Vertrag geschlossen hatte. Sony BMG Music England wertete diese Veröffentlichung als Affront und verzichtete auf einen regulären Vertrieb des Albums in Großbritannien. Am 24. Juli 2007 folgte eine weltweite Veröffentlichung – mit Ausnahme Großbritanniens – über Columbia Records / NPG Records.

Musikalisch ist das Album den Genres Contemporary R&B, Funk, Pop und Rock zuzuordnen; als Gastmusiker wirkten Bria Valente, Christian Scott, Lisa Coleman, Maceo Parker, Sheila E. und Wendy Melvoin mit. Musikkritiker bewerteten Planet Earth überwiegend positiv; der Song Future Baby Mama wurde mit einem Grammy Award ausgezeichnet. Kommerziell erreichte das Album in der Schweiz Goldstatus.

Die Tournee zum Album war kommerziell sehr erfolgreich; die Konzertreihe „21 Nights in London: The Earth Tour“ absolvierte Prince ausschließlich in der The O2 Arena in London und bestritt dort 21 ausverkaufte Konzerte, womit er einen bis heute (2026) gültigen Rekord in dieser Arena aufstellte.

Entstehung Wie bereits beim Vorgängeralbum 3121 (2006) ist über die Entstehung von Planet Earth öffentlich nur wenig bekannt. Prince spielte alle Stücke entweder in seinem Paisley Park Studio in Chanhassen (Minnesota) oder im 3121 at The Rio in Las Vegas (Nevada) ein, wo er vom 11. November 2006 bis zum 29. April 2007 eine Konzertreihe mit 40 Auftritten absolvierte.

Bereits am 19. November 2004 nahm Prince im Paisley Park Studio mit dem Titelsong und Guitar die ersten beiden Songs auf, die er auf Planet Earth platzierte.Clerc (2023), S. 468. 2006 nahm er dort am 4. April Resolution sowie am 4. September Lion of Judah und The One U Wanna C auf; bei The One U Wanna C wirkten Lisa Coleman und Wendy Melvoin aus seiner ehemaligen Begleitband The Revolution mit.Lizie (2020), S. 260. Die genauen Aufnahmedaten der Stücke All the Midnights in the World, Chelsea Rodgers und Future Baby Mama sind nicht bekannt; vermutlich entstanden sie Ende 2006 oder Anfang 2007, zudem überarbeitete Prince Guitar.

Erst nach seinem Liveauftritt in der Halbzeitpause des Super Bowl XLI in Miami (Florida) am 4. Februar 2007 widmete sich Prince weiteren Aufnahmen zum Album.Ro (2011), S. 351. Im März überarbeitete er vermutlich im 3121 at The Rio das Titelstück sowie Lion of Judah und The One U Wanna C; zudem nahm er Mr. Goodnight und Somewhere Here on Earth auf und überarbeitete später auch Resolution.Clerc (2023), S. 469.

Vertrag mit The Mail on Sunday Ursprünglich war vorgesehen, Planet Earth in Großbritannien am 16. Juli 2007 über Sony Music Entertainment zu veröffentlichen. Anfang Juli 2007 kündigte jedoch Stephen Miron, damaliger Chief Executive Officer der britischen Sonntagszeitung The Mail on Sunday, an, das Album bereits am 15. Juli 2007 als CD-Beigabe zu vertreiben. Prince hatte hierzu einen eigenen Vertrag mit der Zeitung geschlossen, ohne die Führungsebene von Sony zu informieren; ein Pressesprecher des Major-Labels erklärte damals: „Wir wussten von dem Mail-on-Sunday-Vertrag nichts. Das kam erst vor ein paar Tagen ans Tageslicht.“ Prince bezeichnete diese Marketingstrategie als „Direktvertrieb“ und sah darin einen Ausweg aus dem „Spekulationsgeschäft der Schallplattenindustrie“.Ro (2011), S. 352.

Sony BMG Music England reagierte verärgert auf Prince’ Entscheidung und beschloss, Planet Earth in Großbritannien nicht zu veröffentlichen. Ein Pressesprecher erklärte: „Es war absurd, einen britischen Vertrag zu haben, wenn zwei Millionen CDs kostenlos mit Zeitungen rausgehen.“Draper (2016), S. 182. Gleichzeitig betonte das Major-Label, Prince’ Vertrag mit The Mail on Sunday ändere nichts daran, dass Sony weiterhin „begeistert“ sei, mit ihm „weiterzuarbeiten“; dennoch beendete das Label kurze Zeit später die Zusammenarbeit. Der Vertrag mit The Mail on Sunday galt ausschließlich für Großbritannien; die weltweite Vermarktung von Planet Earth blieb davon unberührt.

Auch britische Schallplattenläden reagierten verärgert auf Prince’ Vertrag mit The Mail on Sunday, da sie Planet Earth nicht verkaufen konnten und Einnahmeverluste befürchteten. Die überregionale US-Tageszeitung The New York Times wertete den Vertragsabschluss hingegen als Beleg dafür, dass Prince „über das Geschäftsleben anders denkt“. Die beiden größten britischen Einzelhandelsketten HMV und Virgin Megastore gerieten wegen Planet Earth in einen öffentlichen Konflikt; HMV entschied, The Mail on Sunday mitsamt der CD-Beigabe im regulären Sortiment zu verkaufen, obwohl der Konzern Prince’ Vertragsabschluss zuvor kritisiert hatte. Simon Douglas, damaliger Chef von Virgin Megastore, zeigte sich über die Entscheidung von HMV „fassungslos“ und erklärte: „Vor nur einer Woche waren sie [HMV] über den Schaden so verärgert, den es verursachen wird.“

Das US-Magazin Billboard analysierte Prince’ Vertragsabschluss wie folgt: „Einzelhändler glauben, dass er bei ihnen in der Schuld steht, weil sie ihn in seinen Anfangsjahren unterstützt haben. Wahrscheinlich glaubt Prince jedoch, dass er sie längst ausgezahlt hat, indem er ihnen im Verlauf seiner Karriere Multi-Platin-Verkäufe bescherte.“ Paul Quirk, damaliger Vorsitzender des Unterhaltungs-Einzelhändlerverbands Entertainment Retailers Association, warnte, Prince laufe Gefahr, vom einstigen „The Artist Formerly Known as Prince“ („Der früher als Prince bekannte Künstler“) zum „The Artist Formerly Known as Available in Record Stores“ („Der früher als in Schallplattenläden verfügbare Künstler“) zu werden.

The Mail on Sunday erreichte am 15. Juli 2007 eine reguläre Auflage von 2,3 Millionen Exemplaren sowie eine Zusatzauflage von 600.000 Stück. Die Zeitung kostete umgerechnet 2,18 Euro; Prince erhielt für den Vertrag 362.619 Euro (damals 500.000 US-Dollar) sowie sämtliche Royaltys pro verkaufter CD.Ro (2011), S. 351–352.Draper (2016), S. 183. Am 15. Juli 2007 verkaufte The Mail on Sunday so viele Exemplare wie zuletzt nach dem Tod von Lady Diana im August 1997; Prince erklärte später, er habe „über Nacht“ drei Millionen CDs abgesetzt, was „ein gutes, klares Geschäft“ gewesen sei.Draper (2011), S. 212.

Gestaltung des Covers Die Covergestaltung übernahm Artdirector Sam Jennings; die Fotografien stammen von Afshin Shahidi. Jennings arbeitete von 1998 bis 2007 mit Prince zusammen, zunächst als Webmaster seiner Websites, später auch als Artdirector für Schallplattencover, darunter Xpectation (2003), Musicology (2004) und 3121 (2006). Shahidi war von 2002 bis 2007 als Fotograf für Prince tätig.

Die CD ist in einem Digipak untergebracht; ein Booklet fehlt, ebenso ist die Tracklist nicht abgedruckt.CD Planet Earth von Prince and The New Power Generation, Sony Music Entertainment / NPG Records, 2007 Das Albumcover ist überwiegend in Rottönen gehalten und zeigt auf der Vorderseite ein Linsenrasterbild von Prince, das eine scheinbare Bewegung erzeugt. Je nach Blickwinkel ist entweder Prince zu sehen, wie er sich über eine Erdkugel beugt, während Planeten um ihn kreisen, oder es erscheint sein unaussprechbares Symbol, das er von 1993 bis 2000 als Pseudonym verwendete.

Das Cover der CD-Beigabe von The Mail on Sunday sowie der Beilage zum Konzertticket verzichtet auf das Linsenrasterbild und besteht aus Pappe. Stattdessen zeigt es ausschließlich Prince, wie er sich über die Erdkugel beugt und von umherkreisenden Planeten umgeben ist. Eine Tracklist ist auch hier nicht abgedruckt.

Sam Jennings erklärte nach Prince’ Tod im Jahr 2016, die Covergestaltung von Planet Earth sei im Vergleich zum Vorgängeralbum 3121 „ein bisschen schneller“ erfolgt. „Die Liedtexte wurden nicht abgedruckt, und er kontrollierte das Artwork nicht so streng wie sonst. Er stellte es sich so vor: ‚Ich stehe auf der Erde, um mich herum sind ein paar Planeten.‘ So einfach war das.“Azhar (2016), S. 118

Musik und Liedtexte Musikalisch ist das Album den Genres Contemporary R&B, Funk, Pop und Rock zuzuordnen. Prince’ Stimme ist auf dem Album in unterschiedlichen Tonlagen zu hören, darunter auch in dem für ihn typischen Falsettgesang.

Im Titelstück thematisiert Prince im Liedtext die Globale Erwärmung. Der folgende Song Guitar ist der Rockmusik zuzuordnen und erinnert stellenweise an I Will Follow (1980) von U2. Der Liedtext ist stellenweise augenzwinkernd gehalten; so singt Prince etwa: „Ich liebe dich, Baby, aber nicht, wie ich meine Gitarre liebe“. Somewhere Here on Earth ist eine Jazz-angehauchte Crooning-Ballade. Der Grammy-prämierte Song Future Baby Mama ist dem Smooth Jazz zuzuordnen; im Liedtext thematisiert Prince die Liebe zu einer neuen Partnerin.

Der Liedtext des sanft wirkenden R&B-Songs Mr. Goodnight nimmt unter anderem Bezug auf den Film Chocolat – Ein kleiner Biss genügt (2000) mit Johnny Depp. Das dem Pop zuzuordnende All the Midnights in the World behandelt erneut das Thema Liebe. Chelsea Rodgers ist dem Musikgenre Disco zuzuordnen; das gleichnamige imaginäre Model diente Prince als Inspiration für den Liedtext, zudem nimmt er Bezug auf Jimi Hendrix. Im Songtext von Lion of Judah stellt sich Prince die Frage, ob sein Verfallsdatum bereits überschritten sei; in Resolution äußert er Verbitterung darüber, dass nicht alle Menschen Frieden wollen.Thorne (2012), S. 406–407.

Titelliste und Veröffentlichungen #TitelDauer1Planet Earth5:512Guitar3:453Somewhere Here on Earth5:454The One U Wanna C4:295Future Baby Mama4:476Mr. Goodnight4:257All the Midnights in the World2:218Chelsea Rodgers5:419Lion of Judah4:1010Resolution3:40Spieldauer: 45:00 min.Autor aller Songs ist Prince Planet Earth erschien erstmals am 15. Juli 2007 als CD-Beigabe der britischen Sonntagsausgabe von The Mail on Sunday.Parke (2017), S. 214 Am 24. Juli 2007 folgte die weltweite Veröffentlichung auf herkömmlicher CD,Lizie (2020), S. 261. später auch als Download. Im CD-Text einiger Exemplare ist der letzte Song Resolution fälschlicherweise als Revelation programmiert; da keine Tracklist abgedruckt ist, wird das Stück häufig mit dem falschen Titel angegeben.

Am 8. Februar 2019 veröffentlichte The Prince Estate („der Prince-Nachlass“) das Album erstmals auf LP über das zu Sony Music Entertainment gehörende Label Legacy Recording; es erschien als Doppelalbum auf lilafarbenem Vinyl.

Singles Vom Album wurde mit Guitar lediglich eine Single ausgekoppelt, die am 31. Mai 2007 über Verizon Wireless als kostenloser Download erschien; diese Version unterscheidet sich geringfügig von der Albumfassung. Am 9. Juli 2007 erschien Guitar zudem mit der B-Seite Somewhere Here on Earth als CD-Single, die jedoch nicht weltweit veröffentlicht wurde. Beide Fassungen entsprechen der jeweiligen Albumversion.

Darüber hinaus wurden drei Promo-Singles aus Planet Earth ausgekoppelt. Am 6. August 2007 erschien in den USA Chelsea Rodgers als CD-Single sowie als 12″-Maxi-Single; Mr. Goodnight fungierte als B-Seite. Ende 2007 folgten zwei weitere Promo-CDs: In Frankreich erschien Future Baby Mama, in Dänemark und den Niederlanden The One U Wanna C. Beide Titel sind ausschließlich als 1-Track-CD-Single erhältlich; sämtliche Promo-Singles entsprechen der jeweiligen Albumversion.

Musikvideos mini|Die Karlsbrücke ist im Musikvideo Somewhere Here on Earth zu sehen Zu vier Songs des Albums entstanden insgesamt sechs Musikvideos: zu Guitar und The One U Wanna C jeweils zwei sowie je eines zu Somewhere Here on Earth und Chelsea Rodgers.