Die Stadt-Umland-Bahn Nürnberg–Erlangen–Herzogenaurach (StUB) ist ein in Planung befindliches Straßenbahn- bzw. Überlandstraßenbahn-Projekt. Es soll die mittelfränkischen Städte Nürnberg, Erlangen und Herzogenaurach mit einer neu zu bauenden Straßenbahnstrecke verbinden und an das bestehende Netz der Nürnberger Straßenbahn anschließen. Die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren sollen bis Ende 2025 vorbereitet werden. Die abschnittsweise Betriebsaufnahme wird für das Jahr 2031 angestrebt. Das Projekt war Gegenstand mehrerer Bürgerentscheide und wurde 2015 in Herzogenaurach, 2016 in Erlangen und 2024 wiederum in Erlangen jeweils von einer Mehrheit der Abstimmenden befürwortet.
Geschichte Ideen und Planungen mini|700px|Geplanter Linienverlauf des StUB-Projekts mit möglichen Erweiterungen Erste Ideen für eine Lokalbahn oder Überlandstraßenbahn im Knoblauchsland bestanden schon um 1911. Der Erste Weltkrieg und die darauf folgenden Wirren und wirtschaftlichen Probleme führten dazu, dass keine konkreteren Schritte zu einer Umsetzung unternommen wurden. Der 1923 aufgenommene Busverkehr in Nürnberg wurde jedoch noch in den 1920er-Jahren nach Erlangen erweitert. Die von Nürnberg kommende Buslinie war der erste Busverkehr in Erlangen und besteht in leicht abweichender Linienführung noch heute als Linie 30 fort.
Nachdem Siemens auf seinem Firmengelände in Erlangen in den 1970er Jahren eine H-Bahn erprobt hatte, wurde der Bau einer solchen Bahn in der Stadt diskutiert. Dies wurde 1978 vom Erlanger Stadtrat abgelehnt.
Nachdem der Personenverkehr auf der Bahnstrecke Erlangen–Eschenau zwischen 1961 und 1963 sowie auf der Bahnstrecke Erlangen-Bruck–Herzogenaurach 1984 eingestellt worden war, wurde Ende 1985 eine umfangreiche Studie der damaligen „Arbeitsgruppe Franken-Plan“ unter dem Titel Eine Stadtbahn für Erlangen vorgelegt. mini|300px|Ehemalige Bahnstrecke Erlangen-Bruck–Herzogenaurach
Anfang der 1990er-Jahre wurde daraus ein Konzept einer Regionalstadtbahn weiterentwickelt, die vor Ort als Stadt-Umland-Bahn oder kurz als StUB bezeichnet wird. Ab 1992 beteiligte sich Siemens Transportation Systems sowohl technisch als auch finanziell im Projekt. Eine 1994 abgeschlossene Machbarkeitsstudie ergab ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 1,48 für die Stadt-Umland-Bahn. 1995 beschlossen die Stadt Erlangen sowie die Landkreise Erlangen-Höchstadt und Forchheim grundsätzlich den Bau und Betrieb des StUB-Grundnetzes auf Grundlage vorangegangener Kosten-Nutzen-Analysen und Durchführbarkeitsprüfungen.
Eine Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 1993 beziffert die Gesamtkosten für das StUB-Projekt auf knapp eine Milliarde D-Mark, davon allein für die Trassen des Grundnetzes rund 413 Millionen DM. 1996 wurde Siegfried Balleis (CSU), der eher als Kritiker des Projekts gilt, zum Nachfolger des Erlanger Oberbürgermeisters Dietmar Hahlweg (SPD), einen Befürworter und Förderer des Projekts, gewählt. 1997 lehnte das bayerische Wirtschaftsministerium die Aufnahme des Projektes in Förderprogramme des Landes und des Bundes ab. Ohne diese Kofinanzierung stand eine Realisierung der Stadt-Umland-Bahn nicht in Aussicht. Dennoch blieb das Thema regelmäßig Bestandteil der öffentlichen und politischen Debatte in Erlangen und Umgebung. Eine Bürgerinitiative für umweltverträgliche Mobilität im Schwabachtal thematisierte das Projekt ebenso immer wiederBürgerinitiative Umweltverträgliche Mobilität im Schwabachtal e. V.: Die Stadt-Umland-Bahn. Für Erlangen • Für die Region • Für uns, Januar 2002, Buckenhof, Bamberg wie führende Politiker der beteiligten Landkreise.Holger Peter: Vision von der Stadt-Umland-Bahn beschworen. Erlanger Nachrichten, 25. November 2004.
Der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg, die VAG sowie die Städte Nürnberg und Erlangen gründeten 1999 eine Projektgruppe für eine detailliertere Untersuchung. Das ursprüngliche Konzept aus den 1990er Jahren sah eine Verknüpfung von Straßenbahn und Eisenbahn nach dem Karlsruher Modell vor, daher auch der Name Stadt-Umland-Bahn (StUB). Die seit 2006 in Bau befindliche und 2010 als Teil der S1 in Betrieb genommene S-Bahnstrecke von Nürnberg über Erlangen nach Bamberg machte aber eine Umplanung des Projektes notwendig. Das überarbeitete Konzept sah jetzt die Verlängerung der Nürnberger Straßenbahn in Form einer Überlandstraßenbahn bis Erlangen und darüber hinaus vor. Die von Forchheim ausgehenden Strecken entfielen. Auch für dieses neue Konzept wurde die ursprüngliche Bezeichnung Stadt-Umland-Bahn (StUB) beibehalten.
Ab Anfang 2008 wurde eine neue Nutzen-Kosten-Untersuchung für das StUB-Grundnetz erarbeitet.Erlanger Nachrichten: . Artikel vom 2. Februar 2008.Stadt Nürnberg / Ausschuss für Verkehr: Stadtbahn Nürnberg-Erlangen und Stadt-Umland-Bahn Erlangen. Bericht vom 31. Januar 2008. Ebenfalls 2008 wurde vom Nürnberger Stadtrat eine Studie für den Nahverkehrsentwicklungsplan 2025 (NVEP 2025) in Auftrag gegeben, die verschiedene U- und Straßenbahn-Projekte in Nürnberg und Fürth untersuchte. Die Studie ergab 2012, dass eine Verlängerung der Nürnberger Straßenbahn bis an die Stadtgrenze zu Erlangen (ohne Betrachtungen einer möglichen weiteren Verlängerung auf Erlanger Stadtgebiet) nicht förderfähig gewesen wäre, empfahl aber stattdessen eine Verlängerung vom damaligen Endpunkt Nürnberg-Thon nach „Am Wegfeld“. In Folge beschloss der Nürnberger Stadtrat den Bau dieser Verlängerung. Sie ging 2016 in Betrieb und wird gemeinhin als Bauvorleistung oder „erster Teil“ für die Stadt-Umland-Bahn angesehen. Dass hierbei ein relativ dünn besiedeltes Gebiet angebunden wird, war bereits Gegenstand überregionaler Presseberichte. Die Fahrgastzahlen entwickelten sich besser als prognostiziert, sodass die Verlängerung der Straßenbahn in Nürnberg parteiübergreifend als Erfolg gesehen wurde.
Seit etwa 2010 wurden, vor allem auf Initiative der Städte Herzogenaurach und Nürnberg, die Planungen für eine Stadt-Umland-Bahn wieder intensiver verfolgt. Bis zum Frühjahr 2012 entstand eine Standardisierte Bewertung und ein Vergleich zu einem regional optimierten Busnetz (RoBus). Der Ausbau der Infrastruktur für die StUB bezog sich auf das so genannte T-Netz mit einer Nord-Süd-Verbindung von Erlangen Bahnhof nach Nürnberg-Wegfeld und von Erlangen Bahnhof mit einem Ast nach Westen über die neu zu bauende Kosbacher Brücke bis Herzogenaurach sowie nach Osten nur noch bis Uttenreuth. Letzteres würde, im Vergleich zum bisher umsteigefreien Busverkehr, einen Bruch zwischen Erlangen und Eschenau bedeuten. Das Konzept des regional optimierten Busverkehrs nimmt zusätzliche Busspuren und Haltestellen sowie ebenfalls die neue Kosbacher Brücke an. Der Vergleich kam zu dem Schluss, dass die Straßenbahn-Option zwar höhere Kosten im Bau, aber auch höhere volkswirtschaftliche Nutzen, darunter einen stärkeren Effekt der Verkehrsverlagerung vom MIV auf den ÖPNV hätte. Im Rahmen der weiteren Planungen wurden seitens des Zweckverbands und der drei beteiligten Städte verschiedene Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung und Information geschaffen und teilweise auch Vorschläge aus der Bürgerschaft in den Planungsprozess eingebunden. So wurde zum Beispiel die ursprüngliche Kosbacher Brücke mit einer geänderten Linienführung bei der Flussinsel „Wöhrmühlinsel“ in der Regnitz ersetzt, so dass aktuelle Planungen von der Wöhrmühlbrücke sprechen.
Da die neue Regnitzquerung auch von Bussen befahren werden kann und da die Straßenbahn einige Buslinien ganz oder teilweise ersetzt, beinhaltet das Projekt auch Anpassungen beim Busverkehr. Der Zweckverband hat auf seiner Homepage ein vorläufiges Busnetz, wie es nach Inbetriebnahme der StUB aussehen könnte, veröffentlicht.
Die Bestellung der neuesten Fahrzeuggeneration der Nürnberger Straßenbahn vom Typ Siemens Avenio ist so gestaltet, dass Optionen abgerufen werden können, um den zusätzlichen Fahrzeugbedarf der Stadt-Umland-Bahn decken zu können.
Beschlüsse Am 21. September 2012 fasste der Kreistag des Landkreises Erlangen-Höchstadt mit deutlicher Mehrheit den Beschluss, einen Förderantrag für die Stadt-Umland-Bahn mit dem Netz Nürnberg-Am Wegfeld–Erlangen–Herzogenaurach/Uttenreuth einzureichen. Am 27. September 2012 beschloss dies auch der Erlanger Stadtrat. Die Städte Nürnberg und Herzogenaurach hatten jeweils schon früher entsprechende Beschlüsse getroffen. Parallel sollten die Planungen für das Projekt konkretisiert werden. Nach dem Bescheid über die Förderung sollte abschließend entschieden werden, ob das Projekt umgesetzt wird.
Im September 2013 wurde die StUB in die Förderung des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes aufgenommen.Bayerischer Rundfunk: , 25. September 2013, abgerufen am 6. August 2014
Die Städte Erlangen und Nürnberg stimmten im Dezember 2014 für den Beitritt zum Zweckverband für Planung, Bau und Betrieb der Stadt-Umland-Bahn.br.de: , 11. Dezember 2014, abgerufen am 22. April 2015
Im Landkreis Erlangen-Höchstadt dagegen regte sich Widerstand gegen den Bau der Stadt-Umland-Bahn. Die Bürgermeister von Höchstadt, Adelsdorf und Kalchreuth kritisierten seit Sommer 2014 die Planungen, da sie Belastungen für ihre Gemeinden durch die für die Finanzierung notwendige Kreisumlage befürchten. Zusammen mit ihrem Parteikollegen, dem Fraktionsvorsitzenden der Kreistagsfraktion der Freien Wähler Erlangen-Höchstadt, drohten sie damit, einen Kreisentscheid über die Stadt-Umland-Bahn zu initiieren, sofern keine Förderung straßenbündiger Bahnkörper erreicht werden könne.nordbayern.de: Freie Wähler drohen mit Landkreisentscheid zur StUB, 31. Juli 2014, abgerufen am 6. August 2014 Auch die Mittelstandsunion forderte, aufgrund des hohen Finanzvolumens die Erlanger Bürger in einem Bürgerentscheid über die Bahn entscheiden zu lassen.Nürnberger Nachrichten Lokalteil Metropolregion Nürnberg: „Mehr Steuern wegen StUB?“, 15. August 2014
Im Landkreis Erlangen-Höchstadt wurde dieser Bürgerentscheid am 19. April 2015 durchgeführt. Das Kreistagsbegehren für die Stadt-Umland-Bahn wurde mit 45,2 % zu 54,8 % abgelehnt, der Bürgerentscheid wurde mit 59,2 % zu 40,8 % angenommen.Landkreis Erlangen-Höchstadt: , abgerufen am 20. April 2015 Somit tritt der Landkreis nicht dem Zweckverband bei und beteiligt sich finanziell nicht an der Stadt-Umland-Bahn.Landkreis Erlangen-Höchstadt: , abgerufen am 20. April 2015 Daraus resultierend wurden der (bis Uttenreuth gekürzte) Ostast sowie die Planungen für einen optionalen Nordwestast bis auf Weiteres aufgegeben.
Die Stadt Herzogenaurach, deren Bürger mit über 75 % für die Stadt-Umland-Bahn stimmten, verfolgte nun den Plan, eine Verbindung von Erlangen mit eigener Kostenbeteiligung zu erreichen. Der Ast nach Uttenreuth würde dabei entfallen.Nordbayern.de: Mehrheit stellt sich gegen StUB, kommt jetzt die L-Lösung?, abgerufen am 20. April 2015 Um dies in die Wege zu leiten, empfahl Mitte Juli 2015 der Kreisausschuss des Landkreises Erlangen-Höchstadt, dem Kreistag die entsprechenden Aufgaben zur ÖPNV-Finanzierung an Herzogenaurach zu übergeben. Diese kann damit gemeinsam mit Nürnberg und Erlangen einen Zweckverband zum Bau der Stadt-Umland-Bahn gründen.Nordbayern.de: Zweckverband für Stadt-Umland-Bahn kann starten, 21. Juli 2015, abgerufen am 22. Juli 2015
Am 6. März 2016 fand ein Bürgerentscheid in der Stadt Erlangen statt. Dabei wurde der beantragte Ausstieg der Stadt aus dem Vorhaben Stadt-Umland-Bahn mit über 60 Prozent der Stimmen abgelehnt bei einer Wahlbeteiligung von rund 45 Prozent.
Am 17. März 2016 beschloss der Erlanger Stadtrat die Gründung eines Zweckverbands für die weitere Planung der Stadt-Umland-Bahn gemeinsam mit den Städten Herzogenaurach und Nürnberg, die diesen Beschluss bereits zu einem früheren Zeitpunkt gefasst hatten.
Im Jahr 2021 fand ein Architektenwettbewerb für die Brücke über den Regnitzgrund statt. Dabei gewann ein Vorschlag des Ingenieurbüros Grassl. Als wesentliches Designelement ist dabei unter anderem Cortenstahl vorgesehen. Unterhalb der Brücke ist ein Radweg geplant.