Die Neue Mainzer Straße in Frankfurt am Main ist ein Teil des Anlagenrings und führt als hochfrequentierte Verbindungsstraße den Verkehr aus Sachsenhausen von der Untermainbrücke um den westlichen Bereich des Stadtzentrums in Richtung Opernplatz. Nördlich davon bildet die Hochstraße die direkte Fortsetzung in Richtung Eschenheimer Tor.
Die Neue Mainzer Straße entstand ab 1809 nach der Schleifung der Frankfurter Stadtmauer, deren Verlauf sie zwischen dem ehemaligen Mainzer Bollwerk und dem Bockenheimer Tor markiert. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine bevorzugte Wohngegend der Frankfurter Oberschicht, wandelte sie sich ab etwa 1870 mit dem Durchbruch der Junghofstraße und der Kaiserstraße sowie dem Bau der Untermainbrücke zur Geschäftsstraße. Bereits 1929 wurde sie in einem Zeitungsartikel als Bankenklamm bezeichnet. Bis auf wenige Ausnahmen wurden die teils klassizistischen, teils gründerzeitlichen Bauten im Zweiten Weltkrieg bei den Luftangriffen auf Frankfurt am Main 1944 zerstört.
Heute bildet die an beiden Seiten von Hochhäusern gesäumte Straßenschlucht der Neuen Mainzer Straße das Zentrum des Frankfurter Bankenviertels.
Lage Die Neue Mainzer Straße beginnt am nördlichen Brückenkopf der Untermainbrücke. Am Maintor-Gelände entlang verläuft sie in annähernd nordwestlicher Richtung. In Höhe der Städtischen Bühnen Frankfurt schneidet sie den östlichen Rand des Willy-Brandt-Platzes an der Einmündung Friedensstraße/Weißfrauenstraße. Nördlich davon kreuzt sie die Kaiserstraße in ihrem Verlauf vom Hauptbahnhof zum Roßmarkt und quert die Große Gallusstraße am Taunustor. In Höhe des ehemaligen Junghofbollwerkes macht die Straße einen scharfen Knick um fast 90 Grad nach Nordosten. Nach der Kreuzung mit der Junghofstraße verläuft sie weiter bis zur Einmündung der Goethestraße am Opernplatz und geht in die Hochstraße über, die entlang der Bockenheimer Anlage zum Eschenheimer Tor führt.
Name mini|Das Mainzer Bollwerk um 1806
Die Neue Mainzer Straße erhielt ihren Namen vom Mainzer Bollwerk, einer 1520 angelegten besonders starken Verteidigungsanlage zum Schutz der südwestlichen Eckbastion der Stadtmauer, die an dieser Stelle auf das Mainufer traf. Nach den hier betriebenen Schneidmühlen, die ihr Wasser über einen Mühlengraben erhielten, wurde die Bastion auch Schneidwall genannt. Als letzter Teil der ehemaligen Stadtbefestigung begann man 1809 ihren Abriss, der sich bis 1818 hinzog. Aus den Mauerquadern des Schneidwalles entstand die neue Kaimauer, vor der Stadtgärtner Sebastian Rinz um 1860 eine Grünanlage mit exotischen Pflanzen, das Nizza anlegte.
Verkehr Die Neue Mainzer Straße ist heute eine viel befahrene Einbahnstraße in nördlicher Richtung. Ursprünglich eine ruhige Wohnstraße, erhöhte sich das Verkehrsaufkommen ab 1839 mit dem Bau der Frankfurter Westbahnhöfe deutlich. Einzige Querstraßen waren zunächst die Weißfrauenstraße am Gallustor und die Große Gallusstraße am Taunustor, die den gesamten von und nach Westen führenden Straßenverkehr der Innenstadt aufnehmen mussten. Bereits um 1860 stieg die Zahl der mit der Bahnstrecke Frankfurt am Main–Heidelberg Reisenden auf über eine Million im Jahr. Um den Verkehr zu den neuen Bahnhöfen zu bewältigen, legte man deshalb 1860 mit der Junghofstraße und 1874 mit der oberen Kaiserstraße neue Straßendurchbrüche zur Innenstadt an.
Heute gehört die Neue Mainzer Straße zwischen Willy-Brandt-Platz und Taunustor mit einer durchschnittlichen Verkehrsbelastung von über 25.000 Kraftfahrzeugen an Werktagen zu den am stärksten befahrenen Straßen der Frankfurter Innenstadt. Auf den übrigen Abschnitten verkehren etwa 16.000 bis 18.000 Kraftfahrzeuge pro Werktag.Gesamtverkehrsplan 2004 (PDF-Datei; 23,9 MB), Ergebnisbericht des Magistrates vom 18. Februar 2005
Straßenbahn Am 16. Juni 1882 eröffnete die Frankfurter Trambahn-Gesellschaft eine Pferdebahnlinie vom Opernplatz über die Neue Mainzer Straße und die Untermainbrücke nach Sachsenhausen. Am 10. April 1899 wurde die inzwischen in den Besitz der Städtischen Straßenbahn übergegangene Strecke als erste Frankfurter Straßenbahnlinie elektrifiziert.
Bereits in den 1920er Jahren kam es in der Neuen Mainzer Straße zu regelmäßigen Verkehrsstauungen. Ein Frankfurter Journalist bezeichnete sie 1929 als Frankfurter Thermopylen und Bankenklamm, eine noch heute übliche Charakterisierung der Straße.
Am 21. Mai 1955 endete der Straßenbahnbetrieb in der Neuen Mainzer Straße nördlich des Theaterplatzes (heute Willy-Brandt-Platz). Der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg verfolgte das Ziel einer autogerechten Stadt, bei der dem Individualverkehr der Vorrang gegenüber dem öffentlichen Personenverkehr zukam; dies ließ einen parallelen Betrieb der Straßenbahn neben dem Straßenverkehr in der schmalen Straße nicht länger zu.
Im südlichen Teil verkehrte die Straßenbahn noch bis zum 11. Oktober 1986 über die Untermainbrücke.
Am Willy-Brandt-Platz kreuzt die sogenannte Altstadtstrecke, auf der die Linien 11, 12 und 14 sowie der Ebbelwei-Expreß verkehren. Von 1889 bis 1950 gab es auch eine Straßenbahnkreuzung in Höhe der Kaiserstraße, dann wurden die Schienen in die Große Gallusstraße verlegt. Mit der Eröffnung der S-Bahn 1978 endete der Betrieb auf dieser Strecke. Die Straßenbahnkreuzung Opernplatz/Goethestraße am nördlichen Ende der Neuen Mainzer Straße bestand von 1882 bis 1986.
U- und S-Bahn Die Neue Mainzer Straße ist sowohl am nördlichen als auch am südlichen Ende durch die Bahnhöfe Willy-Brandt-Platz und Opernplatz mit dem Stadtbahnnetz verknüpft. Am Willy-Brandt-Platz kreuzen sich seit 1974 die Stammstrecke A, die von hier aus seit 1984 unter der Neuen Mainzer Straße in Richtung Sachsenhausen weiterläuft, und die Stammstrecke B. Am Opernplatz unterquert seit 1986 die Stammstrecke C die Neue Mainzer Straße. Außerdem quert in Höhe der Freßgass die Stammstrecke der S-Bahn Rhein-Main.
Geschichte, Einzelbauten mini|Ansicht der Straße von Süden mit vollendeter klassizistischer Bebauung, 1845(Stahlstich von Jakob Ludwig August Buhl nach Vorlage von Jakob Fürchtegott Dielmann)
1809 erließ Stadtbaumeister Johann Georg Christian Hess eine städtische Bauordnung, in der er den Klassizismus als verbindlichen Baustil festschrieb. Alle Häuser mussten künftig in einfachen, symmetrischen Formen errichtet werden. Die zuvor für Frankfurt charakteristischen Architekturelemente – steile Giebeldächer, Zwerchhäuser, Überhänge, Erker und Mansarden – wurden verboten. Auf dem Gelände der ehemaligen Stadtmauern legte der Stadtgärtner Sebastian Rinz öffentliche Grünanlagen an, die seit 1827 durch eine Wallservitut gegen Bebauung geschützt sind.
Lediglich die Parzellen entlang der inneren Wallstraßen wurden ab 1809 auf beiden Seiten bebaut. 1811 erhielt die westliche Wallstraße zwischen Schneidwall und Bockenheimer Tor den Namen Neue Mainzer Straße. In rascher Folge entstanden nun die Neubauten, die von renommierten Architekten wie Nicolas Alexandre Salins de Montfort, Stadtbaumeister Johann Friedrich Christian Hess und Friedrich Rumpf für die wohlhabendsten und angesehensten Bürger der Freien Stadt Frankfurt errichtet wurden. Unter ihnen finden sich die Familien Andreae, Bernus, Brentano, du Fay, Grunelius, Guaita, Hauck, Jordan de Rouville, Mülhens, Metzler, Passavant, Rothschild und von Saint George. 1852 bis 1858 wohnte Otto von Bismarck in der Neuen Mainzer Straße Nr. 23. Er war in dieser Zeit preußischer Gesandter beim Bundestag.
Haus Nr. 49/51 Als erster Neubau entstand 1809 das Haus des Gasthalters Lippert (Neue Mainzer Straße 49/51). Nachdem es lange Zeit dem Thurn und Taxisschen Oberpostmeister Freiherr von Vrints-Treuenfeld gehört hatte, ging es 1829 in den Besitz des Städelschen Kunstinstituts über. Friedrich Maximilian Hessemer baute das Haus zu einem Kunstmuseum um. Nachdem das Städel 1878 seinen Neubau am südlichen Mainufer bezogen hatte, erwarb die Polytechnische Gesellschaft den Bau und ließ ihn um einen Anbau erweitern, den die Frankfurter Sparkasse von 1822 bezog. Die Polytechnische Gesellschaft richtete in ihrem Haus 1881 das Kunstgewerbemuseum ein, aus dem das heutige Museum Angewandte Kunst hervorging.
Haus Nr. 54 1819 erbaute Friedrich Rumpf dieses Haus für den Bankier Jordan de Rouville, der es 1833 an Kurfürst Wilhelm II. verkaufte. Er bewohnte das Jordansche Palais mit seiner morganatischen Ehefrau, der Gräfin Emilie von Reichenbach-Lessonitz bis zu deren Tod 1843. Nachdem der Kurfürst erneut geheiratet hatte, kam das Palais in den Besitz von Luise von Bose, der ältesten Tochter des Kurfürsten und der Gräfin Reichenbach-Lessonitz. Sie vermachte es 1883 testamentarisch der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft, die hier ihre Verwaltung einrichtete. Im 20. Jahrhundert befand sich hier bis zur Zerstörung des Hauses 1944 die Intendanz der Städtischen Bühnen.
Haus Nr. 55 mini|Neue Mainzer Strasse 55 mini|Frankfurt Neue Mainzer Straße 59
Das Haus Nr. 55 ist der einzige noch bestehende klassizistische Bau in der Neuen Mainzer Straße. Er entstand 1830 als Stammhaus der Familie Pfeiffer-Belli. Mit seinen schlichten, schmucklosen Formen ist er charakteristisch für die Zeit seiner Erbauung. Die Schmuckelemente an Dach und Giebel stammen von einer Renovierung in den 1960er Jahren. Das Gebäude wurde von der Bank Merck Finck & Co genutzt.
Haus Nr. 57 Das von Salins de Montfort für Lulu Brentano entworfene Haus lag auf der westlichen Straßenseite unmittelbar vor dem Knick. Es kam später in den Besitz der Familie du Fay, später erwarb es der Unternehmer Paul Adolf Hirsch. Er legte in dem langen Seitenflügel entlang des ehemaligen Junghof-Bollwerkes seit 1896 eine bedeutende Musikbibliothek an, die schließlich rund 20.000 Bände umfasste. Dort befand sich auch die bedeutende Buntpapiersammlung von Olga Hirsch. Der Konzertsaal der Bibliothek war Mittelpunkt zahlreicher gesellschaftlicher Ereignisse Frankfurts, z. B. des Strawinski-Festes 1925 und der Tagung der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik 1927. Zu Hirschs Freundeskreis zählten Bruno Walter und Ludwig Rottenberg. Bei seiner erzwungenen Übersiedelung nach Cambridge 1936 konnte Hirsch seine Bibliothek mitnehmen. Sie gehört seit 1946 dem Britischen Museum. Der Garten des Palais beherbergte bis 1950 das Schweizerhäuschen, ein beliebtes Café. Heute gehört der Garten zur Taunusanlage. Hier befindet sich das Beethoven-Denkmal Georg Kolbes.
Haus Nr. 59 Das anschließende Haus Nr. 59, 1817 ebenfalls von Salins für den Bankier Koester entworfen, erwarb 1839 Amschel Mayer Rothschild für seinen Wiener Neffen. Später kam es in den Besitz des Pariser Rothschilds, Edmond de Rothschild, der es 1867 an den nach der Preußischen Annexion zurückgetretenen ehemaligen Herzog von Nassau, Adolph von Nassau, vermietete. 1889 bis 1892 ließ die damalige Eigentümerin, die Darmstädter Bank für Handel und Industrie, das Palais abreißen und durch die Architekten Neher und von Kauffmann ein historistisches Bankgebäude errichten, das noch heute besteht.
Verlauf Von der Untermainbrücke zum Willy-Brandt-Platz mini|hochkant|Blick von der Untermainbrücke in die Neue Mainzer Straße, 2005mini|links|hochkant|Blick vom Main Tower (noch mit dem mittlerweile abgerissenen Degussa-Gelände)
Die Neue Mainzer Straße beginnt am nördlichen Brückenkopf der Untermainbrücke. Auf der westlichen, in Blickrichtung linken Seite steht mit der Hausnummer 1 als markanter Torpfosten zur Innenstadt das National-Hochhaus. Das 1962/63 errichtete siebzehnstöckige, 56 Meter hohe Gebäude ist nach seinem Eigentümer, der in Basel ansässigen National-Versicherung, benannt. Das markante Hochhaus mit seinen kupferverkleideten Stützen und der Vorhangfassade aus dunkelgrünem Leichtmetall und Glas ist ein Entwurf der Architekten Max Meid und Helmut Romeick.