Kouvola [] ist eine Stadt im Süden Finnlands. Sie ist die elftgrößte Stadt Finnlands, der Verwaltungssitz der Landschaft Kymenlaakso und ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt. Die Stadt ist geprägt vom durchfließenden Fluss Kymijoki und der umliegenden Natur mit ihren zahlreichen Seen. Kouvola hat zirka 80 000 Einwohner (Stand 2021), von denen ein gutes Drittel in der Kernstadt lebt.
Kouvola ist eine Stadt des Sports, der Kultur und der Natur und eine seltene Mischung aus Stadt und Land.
Die Kernstadt von Kouvola liegt 134 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Helsinki. Daneben gehört zum administrativen Stadtgebiet seit einer großen Gemeindefusion zum Jahresbeginn 2009 ein ausgedehntes Gebiet im Umland mit einer Fläche von insgesamt 2883 km² (etwas mehr als Luxemburg). Dieses Gebiet ist größtenteils ländlich strukturiert mit einzelnen dazwischenliegenden Siedlungszentren (taajama). Die größten Siedlungszentren neben der Kernstadt sind Kuusankoski, Koria, Myllykoski und Inkeroinen.
Der Höhenzug Salpausselkä teilt das Gebiet von Kouvola in einen seenreichen und stark bewaldeten Nordteil und einen Südteil, der arm an Binnengewässern ist und intensiver landwirtschaftlich genutzt wird.
Nachbargemeinden von Kouvola sind Mäntyharju im Norden, Savitaipale im Nordosten, Luumäki im Osten, Hamina im Südosten, Kotka im Süden, Loviisa und Lapinjärvi im Südwesten, Iitti im Westen sowie Heinola im Nordwesten.
Geschichte mini|links|200px|Karte der Regionalverbände Kouvola und Kuusankoski. Die Gegend von Kouvola, das nördliche Kymenlaakso, gehört historisch zum Grenzgebiet der Landschaften Uusimaa und Karelien. Im Frieden von Åbo wurde das Gebiet 1743 entlang des Flusslaufs des Kymijoki zwischen Schweden und Russland geteilt. 1809 kam schließlich das gesamte Gebiet des heutigen Finnland zu Russland und wurde zum Großfürstentum Finnland. Der Ort Kouvola ist bereits seit dem 15. Jahrhundert belegt; er war bis ins 19. Jahrhundert ein unbedeutendes Dorf des Kirchspiels Valkeala. Der Aufschwung Kouvolas begann, nachdem der Ort 1875 einen Halt an der Bahnstrecke von Riihimäki nach Sankt Petersburg erhielt. Binnen der nächsten zwei Jahrzehnte wurden weitere Bahnstrecken nach Norden in Richtung Kuopio und nach Süden in Richtung Kotka fertiggestellt, sodass Kouvola zu einem Eisenbahnknotenpunkt wurde und bald zu einem einwohnerstarken Ort anwuchs. Im Zuge der Industrialisierung entstanden im ausgehenden 19. Jahrhundert an den Stromschnellen des Kymijoki in der Gegend von Kouvola mehrere Papierfabriken. In Kuusankoski wurde 1872 die Aktiengesellschaft Kymin osakeyhtiö gegründet. Aus dieser ging der Kymmene-Konzern hervor, der 1996 wiederum in UPM-Kymmene, einem der weltweit größten Forst- und Papierkonzerne, aufging.
1922 wurde Kouvola aus der Gemeinde Valkeala gelöst. Bereits ein Jahr später wurde der Ort zu einem Marktflecken (kauppala) erhoben. Das Stadtrecht erhielt Kouvola 1960. Von 1955 bis zur Provinzreform von 1997 war Kouvola die Hauptstadt der Provinz Kymi. Im Zuge der laufenden Umstrukturierung der finnischen Gemeinden kam es zum Jahresbeginn 2009 zu einer großen Gemeindefusion, in welcher sich die Städte Anjalankoski und Kuusankoski sowie die Gemeinden Valkeala, Jaala und Elimäki mit Kouvola vereinigten. Dadurch verdreifachte sich die Einwohnerzahl Kouvolas; die Fläche vergrößerte sich gar über das mehr als Sechzigfache.
Politik Stadtrat
Der Stadtrat von Kouvola hatte während der Amtszeit vom 1. August 2021 bis 31. Mai 2025 insgesamt 59 Delegierte. Die größten Parteien im Stadtrat waren die Sammlungspartei, Sozialdemokraten und Wahre Finnen.
+ Zusammensetzung des Stadtrats (2021–2025)Kuntavaalit (Kommunalwahl) 2021: Ergebnis KouvolaErgebnis der Kommunalwahl 2021 in Kouvola Partei Stimmenanteil +/− %p Sitze +/− Sammlungspartei (KoK) 23,6 % + 1,3 15 + 2 Sozialdemokraten (SDP) 22,0 % − 3,2 13 − 3 Wahre Finnen (PS) 21,5 % + 12,3 13 + 8 Zentrum (Kesk) 12,4 % + 2,3 8 − 1 Grüner Bund (Vhr) 7,5 % − 2,7 4 − 2 Christdemokraten (KD) 4,9 % − 1,5 3 − 1 Linksbündnis (Vas) 4,3 % − 0,1 2 ± 0 Liike Nyt 2,6 % + 2,6 1 + 1 Die Wahlbeteiligung lag 2021 bei 52,3 %.
Wappen mini|hochkant=0.6|links|Wappen von Kouvola mini|hochkant=0.6|Altes Wappen von Kouvola Die Stadt Kouvola nahm nach der Gemeindefusion von 2009 ein neues Wappen an, das vom Künstler Tapani Talari entworfen wurde. Es zeigt in Schwarz ein goldenes sechsspeichiges Glevenrad über einem mit Wellenschnitt abgesteilten silbernen Schildfuß. Die sechs Speichen symbolisieren die sechs Gemeinden, die in Kouvola aufgingen, während die Gleven für die Schwertlilie, die Landschaftsblume von Kymenlaakso, stehen. Die Wellen weisen auf den Fluss Kymijoki hin. Schwarz und Silber sind die heraldischen Farben der Landschaft Kymenlaakso. (finn.)Website der Stadt Kouvola: Tunnus ja vaakuna. Abgerufen am 15. Juli 2019.
Vor der Gemeindefusion führte Kouvola von 1952 bis 2008 ein vom Heraldiker Gustaf von Numers gezeichnetes Wappen. Es zeigte in Schwarz ein silbernes Schragenkreuz, darin zwei gekreuzte Schlüssel in Rot.
Städtepartnerschaften Kouvola unterhält Städtepartnerschaften mit:
Balatonfüred, Komitat Veszprém, Ungarn Wologda, Vologda Oblast, Russland (wegen Ukrainekrieg suspendiert) Mülheim an der Ruhr, Nordrhein-Westfalen, Deutschland Poltawa, Oblast Poltawa, Ukraine
Die Stadtpartnerschaft mit Mülheim an der Ruhr stammt aus der zuvor noch unabhängigen Stadt Kuusankoski. Mit der Vereinigung von Kuusankoski und vier weiteren Städten wurde diese Gemeindepartnerschaft im Jahr 2009 mit den Worten "Freundschaften kann man nicht kündigen" vom Rat der Stadt Kouvola fortgeführt.
Verkehr Kouvola ist ein bedeutender Eisenbahnknotenpunkt. Von hier führen Bahnstrecken in viele Richtungen: nach Helsinki, Kotka und Mikkeli und von dort weiter nach Pieksämäki und Joensuu. Die Hauptstadt Helsinki ist in unter anderthalb Stunden zu erreichen. Die Züge halten am „Reisezentrum“ von Kouvola, einem kombinierten Busbahnhof und Eisenbahnhalt.
Durch Kouvola führen die Staatsstraßen 6 von Koskenkylä nach Kajaani sowie 15 von Kotka nach Mikkeli. Zudem ist Kouvola Endpunkt der aus Rauma kommenden Staatsstraße 12. Die Staatsstraße 6 ist eine der attraktivsten Touristenrouten in Finnland.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Kartonfabrik von Verla Einige wertvolle Baudenkmäler finden sich außerhalb der Kernstadt: Im Dorf Verla befindet sich eine 1882 gegründete Kartonfabrik, die 1964 in ein Industriemuseum umgewandelt wurde. 1996 wurde der Fabrikkomplex als herausragendes Beispiel für die Industriearchitektur des 19. Jahrhunderts in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Sehenswert sind ferner die Gutshöfe Anjala und Sippola. Im Norden des Stadtgebiets von Kouvola liegt ein Teil des Nationalparks Repovesi.
Die moderne Zentralkirche von Kouvola wurde 1977 fertiggestellt. Die orthodoxe Heiligkreuzkirche stammt aus dem Jahre 1915, ist im russisch-byzantinischen Stil erbaut und diente ursprünglich als Garnisonskirche für russische Soldaten. Nach der finnischen Unabhängigkeit wurde sie in eine evangelisch-lutherische Kirche umgewandelt, mit der Fertigstellung der Zentralkirche aber wieder den orthodoxen Gläubigen überlassen. In der Kernstadt von Kouvola befinden sich ferner die Kirche von Käpylä (1952) und die römisch-katholische St.-Ursula-Kirche (1993). Unter den Kirchen in den übrigen Orten im Stadtgebiet ist die 1638 erbaute und 1678 zur Kreuzkirche umgewandelte Kirche von Elimäki die Älteste. Auch die 1755–56 erbaute Kirche von Anjala ist eine hölzerne Kreuzkirche. Den Stil der Neugotik vertreten die hölzerne Kirche von Jaala (1878) und die aus Backstein erbaute Kirche von Sippola (1879).
Sport Aus Kouvola stammen der Pesäpallo-Verein Kouvolan Pallonlyöjät (KPL), die Basketballmannschaft Kouvot und der Eishockeyverein KooKoo, der in der Liiga, der höchsten finnischen Eishockeyliga, spielt.
In Kouvola steht die Skisprungnormalschanze Palomäen Hyppyrimäki. Kouvola war ein Austragungsort der U-18-Fußball-Europameisterschaft 1982. 1997 fand in der Stadt die Europameisterschaft im Ringen statt. Zweimal, am 18. Juli 1937 und am 1. September 1949, wurde in Kouvola der Weltrekord im 10.000-Meter-Lauf gelaufen.
Söhne und Töchter der Stadt
Olli Partanen (1922–2014), Leichtathlet Juhani Aaltonen (* 1935), Jazzmusiker Hannu Salama (* 1936), Schriftsteller Niilo Halonen (1940–2025), Skispringer Kaisa Häkkinen (* 1950), Sprachwissenschaftlerin und Finnougristin Arto Bryggare (* 1958), Hürdensprinter Sami Hyypiä (* 1973), Fußballspieler Tommi Nikunen (* 1973), Skisprungtrainer Toni Gardemeister (* 1975), Rallyefahrer Niki Sirén (* 1976), Eishockeyspieler Sami Kaartinen (* 1979), Eishockeyspieler Ville Nousiainen (* 1983), Skilangläufer Roope Tonteri (* 1992), Snowboarder Alisa Efimova (* 1999), Eiskunstläuferin Emil Liekari (* 2001), Skilangläufer
Musikband Metal-Band Viikate
Einzelnachweise
Weblinks
Stadt Kouvola (englisch) VisitKouvola
Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1960