Der FC Viktoria Forst war ein Fußballverein aus dem Stadtteil Berge der Stadt Forst (Lausitz). Er wurde im Jahr 1901 gegründet und bestand bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. In den 1920er Jahren qualifizierte sich Viktoria Forst mehrfach für die Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft. Mit einem Titelgewinn und fünf Vizemeistertiteln gehörte man zu den führenden Klubs des Südostdeutschen Fußball-Verbandes.

Geschichte 1901 bis 1914 Gründung und erster Spielbetrieb mini|140px|links|Altes Logo des FC Viktoria Forst.(1901–1931) mini|150px|links|Andere Variation des Wappens von Viktoria Forst (Artur Piwko)

Saisondaten 1901–1914 Saison Spielklasse Level Platz Tore Punkte 1901/02 keine Daten überliefert 1902/03 keine Daten überliefert 1903/04 keine Daten überliefert 1904/05 VNBV 1. Klasse I 6. 7:8 4:16 1905/06 VNBV 1. Klasse I 2. 19:9 15:5 1906/07 1. Klasse Niederlausitz I 4. 12:11 6:12 1907/08 1. Klasse Niederlausitz I 5. 11:29 4:16 1908/09 1. Klasse Niederlausitz I 5. 14:15 7:13 1909/10 2. Klasse Niederlausitz II 1. 49:5 20:0 1910/11 1. Klasse Niederlausitz I 5. 8:18 6:14 1911/12 1. Klasse Niederlausitz I 3. 5:10 6:2 1912/13 1. Klasse Niederlausitz I 3. 37:22 20:12 1913/14 1. Klasse Niederlausitz I 1. 50:13 25:7 Endrunde SOFV Halbfinale

Niederlausitzer Fußballmeister Aufstieg Abstieg Der FC Viktoria Forst wurde 1901 in der Tuchmacherstadt Forst (Lausitz) gegründet, der Spielplatz befand sich in der Commandantenstr. (Ecke Commandanten- und Heidestraße) im östlich der Lausitzer Neiße gelegenen Stadtteil Berge. Da sich der Verband Niederlausitzer Ballspiel-Vereine zu diesem Zeitpunkt aufgelöst hatte, konnte Viktoria Forst anfangs keine regelmäßigen Punktspiele austragen. Ob Viktoria, ähnlich wie der lokale Konkurrent FC Askania Forst, in anderen Verbänden spielte, konnte bisher nicht ermittelt werden. Zur Saison 1904/05 spielte der Verband Niederlausitzer Ballspiel-Vereine wieder eine Endrunde aus, bei der auch Viktoria Forst teilnahm. Nachdem Forst in dieser Saison auf dem letzten Platz landete, konnte die Leistung in der folgenden Saison gesteigert werden, so dass Forst Platz 2 erreichte und sich nur dem FV Brandenburg Cottbus geschlagen geben musste.

1906 gründete sich der Südostdeutsche Fußball-Verband (SOFV) und richtete die südostdeutsche Fußballmeisterschaft aus, deren Sieger für die Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft qualifiziert waren. Die teilnehmenden Vereine des SOFV wurden in gleichrangige regionale Bezirksklassen eingeteilt, deren Sieger die südostdeutsche Fußballmeisterschaft ausspielten. Viktoria Forst spielte fortan in der Bezirksklasse Niederlausitz. In der Premierensaison erreichte Forst einen Mittelfeldplatz, auch in den kommenden Spielzeiten fanden sich die Forster regelmäßig im Mittelfeld der Tabelle wieder. In der Saison 1908/09 landete Viktoria Forst auf Platz 4 von sechs teilnehmenden Mannschaften, musste jedoch aus unbekannten Gründen am Relegationsspiel gegen den Sieger der 2. Klasse antreten. Dieses Spiel verlor Viktoria gegen den FC Deutschland Forst mit 1:2 und stieg somit ab. Bereits in der kommenden Spielzeit stieg der Verein ohne Punktverlust wieder in die oberste Liga auf. Nach weiteren gesicherten Mittelfeldplätzen in den folgenden Spieljahren gewann Viktoria in der Saison 1913/14 erstmals die Niederlausitzer Fußballmeisterschaft und durfte somit an der südostdeutschen Endrunde teilnehmen. Nachdem die Forster in der 1. Runde ein Freilos gezogen hatten, wartete im Halbfinale der spätere Dauerrivale Verein Breslauer Sportfreunde. In einem knappen Spiel verloren die Forster mit 1:2 und schieden aus. Die kommenden Spielzeiten wurden auf Grund des Ersten Weltkriegs nicht ausgespielt.

1919 bis 1933 Dominanz in der Niederlausitz Saisondaten 1919–1933 Saison Spielklasse Level Platz Tore Punkte 1919/20 Bezirksliga Niederlausitz I 1. 27:8 12:2 Endrunde SOFV Finale 1920/21 Bezirksliga Niederlausitz I 1. 56:12 29:1 Endrunde SOFV Finale 1920/21 Bezirksliga Niederlausitz I 2. 63:28 24:8 Endrunde SOFV Finale DM 1921/22 Viertelfinale 1922/23 Gauliga Forst I 1. 57:9 18:2 Bezirksmeisterschaft Niederlausitz I 2. 11:2 2:2 1923/24 Gauliga Forst I 1. 50:16 19:1 Bezirksmeisterschaft Niederlausitz I 1. 14:2 4:0 Endrunde SOFV 2. 13:3 6:2 1923/24 Gauliga Forst I 1. 60:7 27:1 Bezirksmeisterschaft Niederlausitz I 1. 8:2 4:0 Endrunde SOFV 1. 14:4 8:2 DM 1924/25 Achtelfinale 1925/26 Bezirksliga Niederlausitz I 2. 111:20 34:2 Endrunde SOFV 2. 33:5 11:1 DM 1925/26 Achtelfinale 1926/27 Bezirksliga Niederlausitz I 2. 75:29 26:10 1927/28 Bezirksliga Niederlausitz I 3. 55:37 16:12 1928/29 Bezirksliga Niederlausitz I 2. 37:27 19:9 Endrunde SOFV 3. 20:16 9:7 1929/30 Bezirksliga Niederlausitz I 1. 58:18 22:6 Endrunde SOFV 4. 21:22 8:12 1930/31 Bezirksliga Niederlausitz I 1. 63:19 22:6 Endrunde SOFV 6. 18:24 7:11 1931/32 Bezirksliga Niederlausitz I 1. 57:21 22:6 Endrunde SOFV 6. 11:29 4:16 1932/33 Bezirksliga Niederlausitz I 5. 35:33 14:14 Südostdeutscher & Niederlausitzer Fußballmeister Niederlausitzer Fußballmeister Teilnahme an der deutschen Fußballmeisterschaft als südostdeutscher Vizemeister

Während des Ersten Weltkriegs wurde keine Fußballmeisterschaft ausgespielt. Die erste reguläre Saison fand wieder 1919/20 statt. Obwohl viele Fußballspieler in den Krieg ziehen mussten und an den Kriegsfolgen starben oder als Invaliden zurückkamen, hatte Viktoria Forst keine Mühe, eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen, und wurde in der ersten Saison nach dem Krieg zum zweiten Mal Niederlausitzer Fußballmeister. In der Endrunde erreichten die Forster das Endspiel, mussten sich jedoch erneut den Vereinigten Breslauer Sportfreunde geschlagen geben, diesmal gewann Breslau deutlich mit 6:2. In der Saison 1920/21 wurde Forst ungeschlagen erneut Niederlausitzer Fußballmeister. Wie bereits in den zwei Spielzeiten zuvor erreichte Forst erneut das Endspiel der südostdeutschen Fußballmeisterschaft und musste sich wieder den Vereinigten Breslauer Sportfreunde geschlagen geben. In der Verlängerung verlor Forst mit 1:2, so dass es erneut nur zum Vizemeister in Südostdeutschland gereicht hatte. Glück hatten die Forster dann in der Saison 1921/22. Nachdem Forst in der Niederlausitz hinter dem Cottbuser FV 1898 nur den zweiten Tabellenplatz belegt hatte, Cottbus jedoch aus unbekannten Gründen auf die Teilnahme an der südostdeutschen Endrunde verzichtete, durfte Forst doch noch an dieser teilnehmen. Nach Beendigung dieser Endrunde waren drei Mannschaften (Vereinigte Breslauer Sportfreunde, FC Viktoria Forst, FC Preußen Kattowitz) punktgleich, so dass Entscheidungsspiele nötig wurden. In der Zwischenzeit fiel die Stadt Kattowitz jedoch an Polen, so dass Spieler des FC Preußen Kattowitz wegen Passschwierigkeiten vorerst nicht an der Entscheidungsspielen teilnehmen konnten. Um dennoch einen Teilnehmer für die Endrunde zur deutschen Meisterschaft schicken zu können, fand ein Entscheidungsspiel zwischen den Breslauer Sportfreunden und Viktoria Forst statt, welches die Forster gewannen. Die Entscheidung um die südostdeutsche Meisterschaft fand dann später statt. Dort konnten sich die Breslauer durchsetzen, konnten aber aus zeitlichen Gründen nicht mehr an der deutschen Meisterschaft teilnehmen. Bei der deutschen Fußballmeisterschaft 1921/22 schied Viktoria Forst am 21. Mai 1912 knapp durch eine 0:1-Auswärtsniederlage gegen den SV Norden-Nordwest Berlin im Viertelfinale aus.

In der Saison 1922/23 wurde Viktoria Forst Zweiter in der Niederlausitzer Finalgruppe. Bereits in der folgenden Saison wurde Viktoria Forst erneut Niederlausitzer Fußballmeisterschaft. Bei der darauf folgenden südostdeutschen Endrunde musste sich Forst erneut den Vereinigten Breslauer Sportfreunden geschlagen geben und wurde südostdeutscher Vizemeister. 1924/25 wurde Forst ungeschlagen zum fünften Mal Niederlausitzer Fußballmeister. In der südostdeutschen Endrunde war Forst am Ende punktgleich mit dem Breslauer SC 08, so dass ein Entscheidungsspiel nötig wurde. Dieses fand am 5. April 1925 in Cottbus statt, Viktoria Forst gewann mit 1:0 und wurde erstmals Südostdeutscher Fußballmeister. Mit diesem Sieg qualifizierten sich die Forster für die deutsche Fußballmeisterschaft 1924/25. Am 3. Mai 1925 traf Viktoria im Achtelfinale im Forster Stadion vor 7.000 Zuschauern auf Schwarz-Weiß Essen. Nachdem der frühe Gegentreffer von Schulte kurz vor Ende der ersten Halbzeit durch einen Treffer von Bruno Lehmann ausgeglichen werden konnte, mussten die Forster zehn Minuten vor Ende der Partie einen erneuten Gegentreffer hinnehmen und schieden schließlich mit 1:2 aus. Am 16. August 1925 wurde vor 2.000 Zuschauern in Forst in einem Freundschaftsspiel Betis Sevilla mit 4:0 geschlagen.Günther Anton: 90 Jahre Forster Fußball, Forst 1990, Seite: 9f.

In der Saison 1925/26 wurde Forst Zweiter in der Bezirksliga Niederlausitz, durfte jedoch als südostdeutscher Titelverteidiger ebenfalls an der Endrunde teilnehmen. Wie bereits im Vorjahr waren zum Ende der Endrunde erneut Viktoria Forst und der Breslauer SC 08 punktgleich, so dass wieder ein Entscheidungsspiel nötig wurde. Nachdem das Entscheidungsspiel, welches am 2. Mai 1926 in Beuthen stattfandOberschlesien im Bild, 1926, nr 21, 0:0 ausging, musste ein zweites Entscheidungsspiel ausgetragen werden. Dieses am 9. Mai 1926 ausgetragene Spiel gewann der Breslauer SC 08 mit 3:2, so dass Viktoria Forst zum fünften Mal Vizemeister in Südostdeutschland wurde. Durch die Vizemeisterschaft qualifizierten sich die Forster für die deutsche Fußballmeisterschaft 1925/26, schieden dort wie im Vorjahr bereits im Achtelfinale aus. Der spätere deutsche Fußballmeister SpVgg Fürth war zu stark, Forst verlor Auswärts mit 0:5. In den kommenden drei Jahren musste sich Forst regional den Cottbusern Vereinen geschlagen geben und erreichte vordere Platzierungen in der Niederlausitz. Ab der Saison 1929/30 wurde Viktoria Forst dreimal hintereinander Niederlausitzer Fußballmeister, konnte jedoch in der südostdeutschen Endrunde keine vorderen Platzierungen mehr erreichen. Durch den industriellen Aufschwung in Oberschlesien stieg die Spielstärke dort erheblich an, während Vereine aus der Niederlausitz Anfang der 1930er nur noch Mittelmaß waren. Die letzte Spielzeit des Südostdeutschen Fußball-Verbandes endete für Viktoria Forst auf einem enttäuschenden fünften Platz. Im Zuge der Gleichschaltung wurde der Südostdeutscher Fußball-Verband wenige Monate nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933 aufgelöst.

1933 bis 1945 Vereinsfusion und Zweitklassigkeit Saisondaten 1933–1945 Saison Spielklasse Level Platz Tore Punkte 1933/34 Bezirksklasse Frankfurt (Oder)/Lausitz Süd II 1. 66:46 24:12 1934/35 Bezirksklasse Frankfurt (Oder)/Lausitz Ost II 5. 50:43 24:16 1935/36 Bezirksklasse Frankfurt (Oder)/Lausitz Ost II 5. 35:39 19:19 1936/37 Bezirksklasse Frankfurt (Oder)/Lausitz Ost II 5. 41:42 18:22 1937/38 Bezirksklasse Frankfurt (Oder)/Lausitz West II 11. 21:48 9:31 1938/39 Kreisklasse Forst III 1. ab 1939/40 keine Daten überliefert Teilnehmer an Aufstiegsrunde zur Gauliga Aufsteiger Absteiger

mini|140px|links|Logo der SpVg Viktoria-Fortuna Forst.(1933–1934)