mini|hochkant 1.5|Miss MadisonMiss Madison in der englischsprachigen Wikipedia Unlimited Hydroplane, 2007 mini|Ellstrom Elam Plus, bei der Madison Regatta, 2006 Unlimited Hydroplane (seit 2009 H1 Unlimited) ist eine Rennbootklasse, die fast ausschließlich in den USA und einigen Staaten des Nahen Ostens gefahren wird. In Europa waren derartige Boote bisher nur bei Show- und Demonstrationsläufen zu sehen. Anders als es der Name „Unlimited“ (unbegrenzt) suggeriert, unterliegen die Boote durchaus einem Reglement, das aber deutlich breiter gefächert ist als bei den anderen Hydroplane-Klassen.

Anmerkung: Der Begriff „Unlimited“ darf hier nicht mit der Versicherungs-Kategorie „Unlimited“ (Ratingregistrierung) von Lloyd’s verwechselt werden, mit der die Rekordboote von M. und D. Campbell und anderen katalogisiert wurden.

Die Boote mini|Slo-Mo-Shun IV, eines der ersten erfolgreichen Unlimited Hydroplanes, ausgestellt im Museum of History & Industry (MOHAI) in Seattle, Washington mini|Miss Budweiser Unlimited Hydroplane. Gut zu erkennen, die beiden seitlichen Ausleger („Tatzen“) Hydroplane-Boote sind ein sehr spezieller Motorboottyp, der fast ausschließlich bei Rennen eingesetzt wird. Das hervorstechendste Merkmal ist, dass sie das Wasser, auf dem sie sich befinden, nur zum Antrieb und Lenken, nicht aber zum Schwimmen nutzen. Wenn sie mit voller Geschwindigkeit fahren, werden sie hauptsächlich durch das Prinzip der Fluiddynamik über Wasser gehalten. Dieser Zustand wird als „Planing“ bezeichnet. Die Boote liegen unter Volllast nur mit einem winzigen Bruchteil ihres Rumpfes tatsächlich auf dem Wasser auf.

Nach dem aktuellen Reglement (seit 2019) sind die Boote in der Kategorie „Unlimited“ zwischen 28 Feet (8534 mm) und 32 Feet (9753 mm) langhttps://www.h1unlimited.com/wp-content/uploads/2019/03/H1-2019-Rule-Book-Final-Approved.pdf Rule 12 / Punkt C / Seite 42–43 und müssen (je nach Antrieb) ein Gewicht von mindestens 2982-1742 kg aufweisen.https://www.h1unlimited.com/wp-content/uploads/2019/03/H1-2019-Rule-Book-Final-Approved.pdf Rule 12 / Punkt F / Seite 44 Die Leistung des Antriebs kann unter den Einschränkungen des gegenwärtigen Reglements bis zu 3000 PS (2200 kW) betragen. Unlimited Hydroplanes können auf der Geraden Geschwindigkeiten von über 200 Meilen pro Stunde (320 km/h) erreichen, und die durchschnittliche Rundengeschwindigkeit liegt zwischen 130 und 165 Meilen pro Stunde (210–265 km/h).

Bauweise Zum Einsatz kommen groß dimensionierte Dreipunkter. Der Bootsboden hat links und rechts eine „Tatze“. Bei hoher Geschwindigkeit liegt das Boot nur mit diesen beiden Tatzen-Enden und dem Bootsende (Heck) auf dem Wasser.

Erste Boote, die man der Kategorie Unlimited Hydroplane zuordnen kann, wie zum Beispiel Slo-Mo-Shun IV oder Ferrari Arno XI, waren in Spanten-Bauweise mit Mahagoni-Beplankung angelegt. Moderne Rümpfe bestehen aus Verbundwerkstoffen wie Aluminium-Sandwichplatten mit Wabenkern oder aus mit Glas- oder Kohlenstofffasern verstärktem Kunstharz. (GFK, KFK),

Antrieb In den Anfangsjahren (Ende der 1940er, Anfang 1950er) wurden die Boote von hubraumstarken V12-Motoren, oft Flugmotoren aus den WWII-Beständen der US-Streitkräfte, angetrieben. Heutzutage überwiegen Gasturbinen (Wellenturbinen). Der Vortrieb erfolgt trotzdem hauptsächlich durch Propeller im Wasser.

Sehr oft diente ein Lycoming T55-L7-Turbinentriebwerk (das von der Vietnam-Ära bis heute im CH-47 Chinook-Militärhubschrauber verwendet wird) als Antrieb. Unter dem aktuellen Reglement sind damit Leistungen bis zu 3000 PS möglich. Das Triebwerk erzeugt eine sehr hohe Rotationsenergie, die durch ein Getriebe mit einer Untersetzung von etwa 50 % übertragen wird, um die Propellerdrehzahl zu verringern. Seit 1998 ist das Lycoming T55-L7 als einziges Turbinen-Triebwerk zugelassen.https://www.h1unlimited.com/wp-content/uploads/2019/03/H1-2019-Rule-Book-Final-Approved.pdf Rule 13 / Punkt A / Seite 56

Sonstiges Die Boote heißen traditionell sehr oft „Miss“, gefolgt von dem Namen des Sponsors. Am bekanntesten sind „Miss Budweiser“, die im Laufe der Jahrzehnte mehrfach neu gebaut wurde, und „Miss Madison“ aus dem gleichnamigen Film.

Das letzte propellergetriebene Boot, das den „absoluten“ Geschwindigkeitsweltrekord auf dem Wasser erringen konnte, war Slo-Mo-Shun IV. Der US-amerikanische Besitzer und Skipper des Bootes, Stanley Sayres, holte 1950 und noch mal 1952 (mit 287,263 km/h) den Rekord in die USA

Den höchsten „Klassenrekord“ für propellergetriebene Boote hält seit 2004 der Amerikaner Dave Villwock mit „Miss Budweiser“. Er erreichte 354,86 km/h. Schneller sind nur Boote ohne Propeller, wie zum Beispiel Bluebird K7, Hustler oder Spirit of Australia, die von einem Strahltriebwerk angetrieben werden. Seit 1978 hält der Australier Ken Warby den Rekord mit 511,13 km/h.

Die Rennserie Die Rennen wurden „Unlimited Race“ genannt, weil sie die einzige Kategorie von Bootsrennen der American Power Boat Association (APBA) waren, die keine Einschränkungen hinsichtlich der Hubraumgröße ihrer Kolbenmotoren hatten. Die Bezeichnung Unlimited ist in die Turbinen-Ära der Klasse übernommen worden, obwohl es durchaus bauliche Einschränkungen für das Turbinentriebwerk und seinen Kraftstoff, und die Abmessungen und das Gewicht der Boote gibt.mini|Finale der 2017er H1-Unlimited-Saison in Seafair. Deutlich zu sehen: die auffälligen „Rooster Tails“ Historie Die Unlimited Hydroplane Racing Series wurde 1946 gegründet und ermöglichte in dieser Klasse, Rennen für Boote zu veranstalten, die mit nach dem Zweiten Weltkrieg in großer Zahl vorhandenen (überschüssigen) Flugzeugtriebwerken ausgestattet waren. Die Serie ging aus der 1922 eingeführten „Gold Cup Class“ hervor.

Die Boote waren zunächst auf Motoren mit maximal 625 cui (10,24 Liter) beschränkt, später auf 732 cui (12,00 Liter). Rümpfe mit „Stufen“ oder „Schindeln“ (einer Art Schuppenstruktur) an der Unterseite waren verboten.

Ein Grund für diese Reglementierung war der Versuch eine ähnliche Dominanz wie die von Garfield Wood, der ab 1917 fünf Gold Cups in Folge gewonnen und insgesamt auch sechs absolute Geschwindigkeitsrekorde auf dem Wasser errungen hatte, zu verhindern. „King Gar“ hatte in seinen Spitzenjahren fünfzehn Gold-Cup-Runden absolviert. Er wurde zwölfmal Erster und dreimal Zweiter. Im Laufe der Jahre tauchten nur zwei Boote auf, um ihn und sein Boot „Miss America“ herauszufordern. Eines von ihnen („Miss Chicago“) wurde von George Wood, Gar’s jüngerem Bruder, pilotiert. Ein weiterer Grund für die Reglementierung war, die Rennen auch für finanziell schwächer gestellte Teams erschwinglicher zu machen.

1929 wurde die 725-cui-Klasse (11,88 l) der Mississippi Valley Power Boat Association (MVPBA) in die Serie aufgenommen. Die meisten dieser Boote wurden von Hispano-Suiza-8-Flugzeugtriebwerken oder Curtiss OX-5 angetrieben. Diese Klasse war im südlichen und mittleren Westen der USA sehr beliebt, konnte jedoch landesweit nicht die Aufmerksamkeit der Medien erringen, die die teuren und exotisch aussehenden Gegenstücke der Gold-Cup-Klasse bevorzugten.

1946, nach der kriegsbedingten Unterbrechung, wurde die MVPBA in die APBA aufgenommen und die 725er- mit der Gold-Cup-Klasse zur APBA Unlimited Class zusammengelegt.

Erste Versuche mit Turbinentriebwerken fanden 1974 mit dem Boot Whiz-per statt, das im Wettbewerb eingesetzt im August in Seattle sank. Es folgten weitere Versuche, die aber auch keine nennenswerten Erfolge erzielten. Erst in den 1980er Jahren verdrängte das Turbinentriebwerk nach und nach den kolbengetriebenen Verbrennungsmotor.

Gegenwart: „H1 Unlimited“ Bis 2009 war die Serie als „ABRA Unlimited Hydroplane“ bekannt. Seit 2009 nennt sie sich H1 Unlimited und ist durch die American Power Boat Association (APBA) in Nordamerika und durch die UIM, einem internationalen Gremium, sanktioniert. Die H1 Unlimited-Saison dauert in der Regel von Juli bis September und besteht aus fünf Rennen.

Titel („Championships“) Die High Point Championship ist die Team-Weltmeisterschaft, und mit der Konstrukteurs-WM der FIA in der Formel 1 vergleichbar, obwohl in der H1 Unlimited-Serie die Teams nicht gezwungen sind komplett eigene Boote / Rümpfe herzustellen.

Die Fahrerwertung, die seit 2011 „Bill Muncey Trophy“ heißt entspricht der Fahrer-WM.

Der APBA Gold Cup ist ein Einzelrennen, das seit 1904 alljährlich im Rahmen der Rennserie in Detroit Michigan ausgetragen wird.