mini|Heinrich Hunke, vor 1938 Heinrich August Johann Hunke (* 8. Dezember 1902 in Heipke bei Krentrup; † 8. Januar 2000 in Hannover) war ein deutscher Wirtschaftsideologe, Propagandist und Parteipolitiker der NSDAP und des Bundes der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) sowie Raumplaner. Er war Mitglied des Reichstages, hoher Beamter im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, Wehrwirtschaftsführer sowie NSDAP-Gauwirtschaftsberater.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war er Mitglied des Niedersächsischen Landtages für den BHE und fungierte als hoher Beamter im Finanzministerium des Landes Niedersachsen, zuletzt als Ministerialdirigent.
Leben und Wirken Von 1909 bis 1917 besuchte Hunke die Volksschule und absolvierte anschließend bis 1923 ein Lehrerseminar in Detmold, welches er mit der Prüfung zum Volksschullehrer abschloss. Danach nahm er ein Studium an den Universitäten von Münster, Göttingen, Berlin und Halle in den Fächern Geographie, Volkswirtschaft, Mathematik und Physik auf. Parallel dazu wirkte er mit Unterbrechungen von April 1923 bis November 1926 als Lehrer in Lippe.
Schon 1923 trat er der NSDAP bei. Von 1924 bis 1925 wurde er Kreisleiter der Nationalsozialistischen Freiheitspartei in Lippe und Westfalen, die nach dem Verbot der NSDAP gegründet wurde. Im Jahre 1926 legte er sowohl eine Reifeprüfung für die Oberrealschule in Berlin-Lichterfelde als auch die zweite Prüfung zum Volksschullehrer ab. Im Oktober 1927 errang er die Promotion zum Dr. rer. nat. an der Universität Halle mit dem Thema Über akustische Intensitätsmessung.
Von November 1927 bis Oktober 1933 wirkte er als Referent und wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Heereswaffenamt im Reichswehrministerium. Zum 1. Juni 1928 trat er aus Überzeugung der wiedergegründeten NSDAP bei (Mitgliedsnummer 91.273).Bundesarchiv, R 9361-VIII KARTEI/12961185. Noch im gleichen Jahr begann seine politische Parteikarriere, wobei er als Gauwirtschaftsberater und Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung im Gau Berlin für die NSDAP tätig wurde. Diese Stellung hatte er bis 1945 inne.
Im Jahre 1929 legte er die Prüfung zum Referendar ab, wurde Studienreferendar und war gleichzeitig bis zum Jahre 1933 bei der NSDAP Organisationsleiter II sowie wirtschaftspolitischer Beauftragter der Reichsleitung der NSDAP für den Gau Groß-Berlin. Seine akademische Laufbahn setzte er 1930 mit der Prüfung zum Assessor fort und wurde Studienassessor. Im Jahre 1931 wurde er Herausgeber der neu gegründeten Zeitschrift Die Deutsche Volkswirtschaft. Zeitschrift für nationalsozialistische Wirtschaftsgestaltung, die er bis auf einige Unterbrechungen bis 1945 betreute. Vor allem Gauwirtschaftsberater sollten mit dieser Zeitschrift angesprochen werden.
Ab 1932 war er Sachbearbeiter in Fragen des Luftschutzes für die Fraktion der NSDAP im Reichstag. Weiterhin wurde er zum Leiter des Gaus Groß-Berlin im Kampfbund für den gewerblichen Mittelstand, der 1933 in die Nationalsozialistische Handwerks-, Handels- und Gewerbeorganisation (NS-Hago) überging. 1934 plädierte er in einem Zeitschriftenbeitrag für die Verstaatlichung der Großbanken.
Durch seine Parteiarbeit ergab sich eine nähere Bekanntschaft mit Joseph Goebbels, der ihn förderte und ihm ein Reichstagsmandat im Wahlkreis 3 von Potsdam II von Juli 1932 bis Ende Oktober 1933 für die NSDAP verschaffte. Ein weiteres NSDAP-Mandat im Reichstag im Nationalsozialismus nahm er von November 1933 bis Oktober 1944 wahr.
Zudem wurde Hunke 1933 Mitarbeiter im Wehrpolitischen Amt der NSDAP in Berlin. Von 1934 bis zum Ende des NS-Regimes gehörte er der Prüfungskommission zum Schutze des NS-Schrifttums an. Als Beauftragter von Adolf Hitler überwachte er als Hauptlektor im „Amt Schrifttumspflege“ die Grundlagen zur Erziehung im Nationalsozialismus von 1934 bis 1945.
Im Bereich der deutschen Wirtschaft war er von Ende Oktober 1933 bis Anfang Oktober 1935 hauptamtlicher Geschäftsführer und stellvertretender Präsident im Werberat der deutschen Wirtschaft. Seine akademische Laufbahn setzte er fort als Abteilungsleiter für Wirtschafts- und Sozialpolitik an der Deutschen Hochschule für Politik in Berlin ab Oktober 1933.
Anfang Januar 1935 wurde er an die Technische Hochschule Berlin als Honorarprofessor an die niemals fertiggestellte Wehrtechnische Fakultät für das Fach der Volkswirtschaft berufen. In das Beamtenverhältnis trat er im Oktober 1935 ein. Dies war die Voraussetzung zur Ernennung zum Ministerialrat im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP).
Zusammen mit Bernhard Köhler gründete er im November 1936 die „Wirtschaftswissenschaftliche Gesellschaft“ und bewirkte anschließend maßgeblich die Auflösung des Vereins für Socialpolitik.
Von Ende Januar 1939 bis 1945 war er Präsident des Werberats der Deutschen Wirtschaft und damit gleichzeitig Wehrwirtschaftsführer.
Anfang Januar 1941 wurde er Leiter der Abteilung VII für das Ausland im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda. Nach der Beförderung zum Ministerialdirektor im August 1941 leitete er von April 1942 bis Ende 1943 auch den Ausschuss für die Auslandswerbung im Rundfunk im RMVP.
Hunke war Mitglied im Führerring der Gesellschaft für europäische Wirtschaftsplanung und Großraumwirtschaft, welche die Strukturierung ganz Kontinentaleuropas unter deutscher Herrschaft, das Neue SS-Europa, plante und förderte.
Wechsel zur Deutschen Bank In der Kanzlei der NSDAP war Hunke Mitglied im Bankenausschuss von 1942 bis 1945. Von der Gauwirtschaftskammer wurde in einer Konferenz am 17. November 1942 die Forderung erhoben, Mitglieder der NSDAP in die Vorstandsetage der Deutschen Bank einzubinden.
Da nach Auffassung von Direktor Hans Oesterlink Hunke ein gemäßigter Nationalsozialist war, und Hunke sich in Fragen der Volkswirtschaft und der geschäftlichen Werbung auskannte, fiel die Wahl im Vorstand der Deutschen Bank auf ihn. Hunke hatte sich 1934 in einem Artikel für die Verstaatlichung der großen Banken und Versicherungen mit Sitz in Berlin ausgesprochen, was aber innerhalb der NSDAP zu Widersprüchen führte.
Vorher hatten Hermann Abs und Oswald Rösler Hunke auf einer gemeinsamen Fahrt im Dezember 1942 nach Wien angesprochen, aber er lehnte wegen seiner zahlreichen politischen Verpflichtungen ab. In der Mitte des Jahres 1943 gab es im RMVP Spannungen zwischen Hunke und Goebbels infolge der Aufgabenstellung, die bei Hunke zu Enttäuschungen führten. Durch Vermittlung über Reichsminister Walther Funk wurde ihm darauf ein Wechsel zur Deutschen Bank angeboten.
Am 16. September 1943 erfolgte seine Bestellung durch den Aufsichtsrat in den Vorstand der Deutschen Bank, womit später auch eine Beförderung zum Direktor erfolgte. Seine Tätigkeit nahm er erst am 1. April 1944 auf, da er vorher alle anderen Ämter abtreten musste.Vernehmung des Kurt Freiherr von Schröder durch Vertreter der Anklage beim IMT 1945, Zitat: „Zum Beispiel berief die Deutsche Bank Hunke in ihren Vorstand, der eine führende Person in der Partei war.“ in Dietrich Eichholtz u. a. (Hrsg.): Anatomie des Krieges. Neue Dokumente. VEB Vlg. d. Wissenschaften, Berlin (Ost) 1969, Dok. 18, S. 101, sowie in den Dokumentarbänden der Nürnberger Prozesse. Da Hunke keine Erfahrungen in der Bankpraxis hatte, sei er eine „absolute Null“ in diesen Positionen geblieben, wie Abs in einem Verhör mit einem US-Offizier meinte.
Kriegsende und Nachkriegszeit
Während der Schlacht um Berlin erfuhr Goebbels von Hunkes Absicht, die Aussichtslosigkeit einer weiteren Verteidigung gegenüber der Wehrmachtführung und den politischen Führungskräften auszudrücken. Infolgedessen verließ Hunke früh am 23. April 1945 Berlin, allerdings mit einem „behördlichen Auftrag“. Drei Tage später erreichte er Hamburg. Am 19. Juli 1945 hielt er sich in der Nähe von Detmold auf, wurde aber am 20. Juli 1945 in Schötmar bei Lemgo von den Alliierten verhaftet und verbrachte drei Jahre in US-amerikanischer Internierungshaft.
Im Zuge der Entnazifizierung wurde er im März 1950 vom zuständigen Ausschuss in Detmold als „Mitläufer“ eingestuft. Im gleichen Jahr konnte er schon wieder an seine früheren Tätigkeiten anschließen, als er Mitglied im Vorstand des Zentralausschusses der Werbewirtschaft wurde. Bis 1953 war er Fabrikant für Gummifäden. Danach konnte er wieder auf eine Position im Staatsdienst hoffen.
Politisch orientierte er sich im Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) für Flüchtlinge und hielt regen Kontakt mit Nationalsozialisten. Er gehörte zum inneren Führungszirkel im Naumann-Kreis des ehemaligen Staatssekretärs Werner Naumann, der für eine Wiederherstellung der nationalsozialistischen Herrschaft wirkte.Beate Baldow: Episode oder Gefahr? Die Naumann-Affäre. Dissertation, phil., FU Berlin, 2012, S. 313; diss.fu-berlin.de (PDF). Er gehörte dem Landesvorstand des GB/BHE in Niedersachsen an und wurde bei der Landtagswahl 1955 in den Niedersächsischen Landtag gewählt. Gleichzeitig war er von Mai 1955 bis Dezember 1967 Beamter im Finanzministerium des Landes Niedersachsen. Dort wurde er Leiter der Abteilung für Vermögen und Finanzierungshilfen und zum Ministerialdirigenten befördert. Wegen dieser Tätigkeit legte er sein Landtagsmandat bereits am 14. September 1955 nieder. Für ihn rückte Carl-Alfred Schumacher nach.
Bei der 1946 gegründeten Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL) in Hannover widmete er sich als Generalsekretär den Fragen der Raumentwicklung und Raumwirtschaft; die Akademie war staatlich finanziert. Präsident der ARL war Kurt Brüning, den Hunke schon aus der Vorkriegszeit von seinem Studium als Lehrer kannte. Mit Brüning hatte Hunke das „Institut für Landesplanung und Raumforschung“ gegründet.
Später war er als Heimatforscher tätig. Die Informationen über seine Vergangenheit gerieten in Vergessenheit, z. B. gratulierte die Lippische Landes-Zeitung 1982 zum 80. Geburtstag mit den Worten „Ein um die deutsche Wirtschaft hoch verdienter Lipper“.Lippisches Autorenlexikon mit Nachträgen. 1986, S. 99, bei der Lippischen Landesbibliothek; llb-detmold.de
Hunke, einer der letzten noch lebenden ehemaligen Reichstagsabgeordneten, starb im Januar 2000 in Hannover.
NS-Wirtschaftsideologie
Wesen der NS-Wirtschaftspolitik Nachdem Bernhard Köhler, der Leiter der Kommission für Wirtschaftspolitik der NSDAP, am 25. April 1939 verstorben war, wurde Hunke der herausragende Wirtschaftsideologe im NS-Regime. In seiner Schrift Grundzüge der deutschen Volks- und Wehrwirtschaft, die bis 1943 in sieben unveränderten Auflagen erschien, fasste er seine bis dahin erschienenen Artikel und Reden zusammen.
In acht Punkten beschrieb Hunke in dieser Schrift Das Wesen der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik: die NS-Wirtschaft ist eine volksgebundene Wirtschaft die NS-Wirtschaftspolitik die Führung der NS-Wirtschaftspolitik. Darin gliedern sich die „obersten Prinzipien der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik“ in zwei Grundsätze: die Durchsetzung des Rechts auf Arbeit anstelle einer sozialen Fürsorge, und Verwirklichung des Leistungswettbewerbs als „Ausleseprozess“ des Lebens. völkische Gesamtziele im Zusammenhang mit der NS-Wirtschaft Charakter der NS-Wirtschaftspolitik nach Bernhard Köhler die NS-Wirtschaftspolitik und das Verhältnis von Staat, Politik und Wirtschaft Bestimmung des Wirtschaftsziels Die Wissenschaft der Volkswirtschaftspolitik
Hunke übernahm in diesem Punkt die Aussagen von Max Weber, die dieser 1895 in seiner Antrittsrede Über den Nationalstaat und Volkswirtschaftspolitik äußerte und die zu heftigen Protesten führten:
Die vermeintliche Übereinstimmung dieser These von Max Weber mit der Auffassung der Nationalsozialisten unterschob Hunke der NS-Konzeption von der Wirtschaftspolitik der Führung der NSDAP als eigentliche Machthaber im NS-Regime. Dabei bezog sich Weber eindeutig auf die Nation als Bezugsbasis der Volkswirtschaftspolitik, nicht aber auf eine herrschende Staatspartei.
Die Wehrhaftmachung der deutschen Wirtschaft