HRK Izviđač [] ist ein 1956 gegründeter Handballverein aus Bosnien und Herzegowina, der in Ljubuški beheimatet ist.

Geschichte Gründung und Namensgebung (1956–1963) Handball wurde in Ljubuški erstmals im städtischen Gymnasium kurz nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführt. So spielten bei Izviđač nach seiner Gründung im Jahre 1956 als Jugendhandballverein Partizan Ljubuški (Omladniski Rukometni Klub Partizan Ljubuški) hauptsächlich Schüler des Gymnasiums. Als Anfang der 1960er Jahre die Pfadfinderbewegung (izviđači) auch Jugoslawien erfasst hatte, wurde 1963 der Verein in ORK Izviđač umbenannt. Der Name hat seitdem kontinuierlich bestand, wobei nur das Kürzel (ORK → RK → HRK) kleine Wandlungen durchgemacht hat. Der heutige Name Hrvatski Rukometni Klub (Kroatischer Handballverein) ist eine Folge des Bosnienkrieges in dessen Verlauf landesweit auch Sportvereine häufig eine nationale Konnotation erhalten haben.

Die Zeit als provinzialer Amateurverein (1963–1990) Im sozialistischen Jugoslawien spielte Izviđač zwischen den übrigen Handballvereinen des Staates eine untergeordnete Rolle. Die ersten Jahre nach seiner Gründung war Izviđač Teilnehmer einer regionalen herzegowinisch-dalmatinischen Meisterschaft (Hercegovačko-dalmatinska Liga), deren prominentestes Mitglied RK Mehanika Metković war. Erst einige Jahre später wurde, zunächst eine rein herzegowinische, dann eine bosnisch-herzegowinische Landesliga ins Leben gerufen. Izviđač wurde in die Südsektion der zweithöchsten Spielklasse gesetzt und spielte dort mehrere Jahre lang mit durchwachsenen Resultaten, allerdings ohne jemals aus dieser abzusteigen. In den 1970er Jahren geriet der Verein in eine Krise und musste zwischenzeitlich sogar den Spielbetrieb einstellen. Der Verein wurde bald aber wieder formiert und erlebte 1986 einen echten Höhenflug mit dem Aufstieg in die höchste Spielklasse der bosnisch-herzegowinischen Landesliga im Jahre. Allerdings forderte das Regelwerk der ersten Landesliga, dass die Meisterschaftsspiele nur in adäquaten Sporthallen austragen werden, weshalb Izviđač seine Heimspiele von nun an in Metković austragen musste, da Ljubuški damals noch keine eigene Sporthalle hatte. Trotzdem gelang es dem Verein sich in der Liga zu etablieren, so dass er aus dieser bis zum Kriegsausbruch nicht mehr abgestiegen ist.

Professionalisierung, sportlicher Durchbruch und Bau der Sporthalle (1994–1998) Mit dem Kriegsausbruch in Bosnien und Herzegowina stellte Izviđač zum zweiten Mal in seiner Geschichte den Spielbetrieb ein und nahm diesen erst 1994 als Mitglied einer im Parallelstaat Herceg-Bosna organisierten Meisterschaft wieder auf. Ab 1995 war der Verein eine dominante Größe dieser und konnte bis zu ihrem Aufgehen in der gesamtstaatlichen Premijer Liga sämtliche Meisterschaften und Pokale holen. Bereits 1998 wurde der gesamtstaatliche Meister erstmals in zwei Entscheidungsspielen zwischen dem Meister Bosniens und dem Meister der Herceg-Bosna ausgetragen. Zwar musste Izviđač sich damals dem bosnischen Meister RK Borac Travnik geschlagen geben, nahm aber dennoch in der darauf folgenden Saison erstmals an einem internationalen Wettbewerb, dem Euro-City-Cup, teil. Durch die Platzierung zu einem europäischen Wettbewerb stand Izviđač erneut vor dem Problem, keine eigene Sporthalle für große Heimspiele zu haben. Also stellte man sich erneut die Frage, ob der Verein in die nächstgelegene Halle ausweichen sollte, oder ob man nicht doch eine eigene Sporthalle in Ljubuški bauen sollte. Als der Bau erneut wegen Geldmangel ein hoffnungsloses Unterfangen zu sein schien, entschloss sich der damalige Spieler und Bauunternehmer Stanislav Mucić dazu, auf Eigeninitiative mit dem Bau zu beginnen, übernahm so die Kosten zusammen mit der Gemeinde und wurde kurz darauf zum neuen Sportdirektor des Vereins gewählt. Anfang Mai 1998 begannen schließlich die Bauarbeiten, die rechtzeitig zur europäischen Heimpremiere am 10. Oktober 1998 gegen RK Lovćen Cetinje fertiggestellt wurde.

Etablierung auf nationaler Ebene und erste internationale Auftritte (1998–2001) Die erste Europapokalsaison 1998/99 war nach zwei hohen Niederlagen gegen Lovćen Cetinje (17:41 A, 30:38 H) schnell wieder vorbei. Allerdings holte sich Izviđač in der gleichen Saison mit dem gesamtstaatlichen Pokal den ersten nationalen Titel der Vereinsgeschichte und war somit für den Europapokal der Pokalsieger qualifiziert. Diesmal überstand man die erste Runde mit einem Sieg und einem Remis gegen den estnischen Vertreter Kehra Tallinn, schied aber in der zweiten Runde knapp gegen Drammen HK (24:22 H, 21:26 A) aus. Doch wie im Vorjahr konnte Izviđač auch 1999/2000 das frühe Scheitern im Europapokal mit einem Erfolg auf nationaler Ebene kompensieren und feierte nach Play-offs gegen die Meister von Bosnien und der Republika Srpska seinen ersten gesamtstaatlichen Meistererfolg. Im Jahr darauf folgte der erste Auftritt in der EHF Champions League, von wo man sich allerdings nach zwei Niederlagen gegen den ukrainischen Meister ZTR Zaporozhye schnell wieder verabschieden musste. Zu allem Überfluss hatte man einen nicht eingetragenen Spieler eingesetzt, weshalb Izviđač nicht wie im Spielplan vorgesehen in der zweiten Runde des EHF-Pokals weiterspielen durfte. National wurde 2000/01 auch kein gesamtstaatliches Play-off ausgetragen, da die drei subnationalen Verbände zu sehr damit beschäftigt waren den Modus einer vereinheitlichen Premijer Liga auszuhandeln.

Nationale Dominanz und ein erster Achtungserfolg in Europa (2001–2003) Nach dreijähriger Zusammenarbeit mit Trainer Josip Glavaš schien die Zeit für Veränderungen reif zu sein, weshalb zu Beginn der Saison 2001/02 der ehemalige jugoslawische und kroatische Nationalspieler Boris Jarak mit dem Traineramt betraut wurde. International änderte sich in dieser Saison noch wenig; so musste sich Izviđač bereits nach 4 Spielen aus dem EHF Challenge Cup verabschieden. Doch umso positiver wirkte sich der Wechsel auf die nationalen Turniere aus. In der seit dieser Saison durch die Premijer Liga vereinheitlichten Meisterschaft marschierte Izviđač ohne gleichwertige Konkurrenz an der Spitze und gewann seine zweite Meisterschaft mit 14 Punkten Vorsprung. Ein ähnlich dominantes Bild konnte auch im Pokal geboten werden, der ebenfalls zum zweiten Mal gewonnen wurde, wodurch Izviđač sein erstes und bislang einziges Double gelang.

Im Jahr darauf (2002/03) konnte ein erster kleiner Achtungserfolg auch im Europapokal erzielt werden. Zwar musste Izviđačs verjüngte Mannschaft gegen Pallamano Trieste – vor allem auswärts, wo man eine Pausenführung von 14:11 verspielt hatte – noch Lehrgeld zahlen (27:33 A, 27:26 H) und scheiterte so erneut in der Qualifikationsrunde an der Teilnahmeberechtigung zur EHF Champions League. Doch konnte die Mannschaft diesmal im EHF-Pokal weiterspielen, wo man in der zweiten Runde den niederländischen Vertreter Fiqas Aalsmeer in zwei Spielen, die beide in den Niederlanden ausgetragen wurden, mit 32:25 und 29:28 besiegen konnte. Nach der Auslosung der dritten Runde kam mit dem mehrfachen Europapokalsieger FC Barcelona erstmals ein echter Gigant der Sportwelt nach Ljubuški. Mit Chancen auf ein Weiterkommen rechneten weder Verein noch Fans, vielmehr fürchteten unter den Anhängern die meisten ein erneutes Schaulaufen und eine Ü-20-Tore-Niederlage, wie beim allerersten Europapokalauftritt von 1998.

Beim Hinspiel in Ljubuški am 9. November 2002 hatten sich mehr als 4.000 Zuschauer in der überfüllten und erstmals ausverkauften Sporthalle eingefunden. Die Anfangsminuten der Partie schienen die Prognosen der Pessimisten zu bestätigten; Barcelona dominierte das Spielgeschehen, doch hielt der damals 18-jährige Torhüter Mirko Alilović, der an diesem Abend seinen Durchbruch feiern sollte, seine Mannschaft im Spiel. Nachdem Izviđačs Spieler ihre Nervosität abgelegt hatten, spielten sie gegen den späteren Turniersieger Barcelona die bis dato wohl beste Halbzeit der Vereinsgeschichte und hielten zur Pause ein 15:15-Unentschieden. Auch in der zweiten Halbzeit gelang es den Katalanen nicht zu enteilen, doch die größere Qualität in der Breite war letztendlich ausschlaggebend, dass Izviđač in den Schlussminuten nicht mehr dagegenhalten konnte und sich mit 27:31 geschlagen geben musste.

Zu diesem Zeitpunkt war der Verein sowohl sportlich, als auch populär an einem ersten Höhepunkt angelangt, da die Partie gegen Barcelona als wichtiger Prestigegewinn für den Handball in Bosnien und Herzegowina im Allgemeinen gewertet wurde. Doch schon im Rückspiel kündigte sich an, dass die junge Mannschaft mit den Erfolgen nicht richtig umgehen kann. Izviđač verlor in Barcelona mit 19:39, wobei sich die Mannschaft vor allem in der ersten Halbzeit (5:19) regelrecht abschlachten ließ. Auch in der nationalen Meisterschaft verlor Izviđač zusehends an Boden und musste am Ende der Saison beide Titel des Vorjahres an RK Bosna Sarajevo abgeben.

Die zweite Ära Josip Glavaš und Höhepunkt im Europapokal (2003–2005) Die verpasste Meisterschaft kostete Trainer Boris Jarak schließlich seinen Job; zum Nachfolger wurde sein Vorgänger wieder bestellt: Josip Glavaš. Glavaš erkannte schnell das Potential der noch immer jungen Mannschaft, die er lediglich um zwei weitere Flügelspieler für die neue Saison verstärkte. National stellte sich der Erfolg schon bald wieder ein, so dass Izviđač in der Saison 2003/04 seine dritte Meisterschaft in Bosnien und Herzegowina feiern konnte. Im EHP-Pokal, in dem Izviđač erst in der zweiten Runde eingreifen musste, traf man mit THW Kiel gleich auf einen großen Brocken. Allerdings war die Zuschauerresonanz bedeutend geringer als gegen Barcelona, so dass die Sporthalle mit 2.800 Zuschauern nur gut gefüllt blieb. Izviđač, dem man die neu gewonnene internationale Erfahrung anmerken konnte, erspielte sich gegen starke Kieler zur Pause sogar eine Zwei-Tore-Führung (14:12). Doch ähnlich wie gegen Barcelona in der Saison zuvor ging der Mannschaft kurz vor Schluss die Puste aus, so dass man sich 25:28 geschlagen geben musste. Auch die schwache Leistung im Rückspiel bot Parallelen zu Barcelona, wenngleich man sich in der Ostseehalle mit 23:38 nicht ganz so hoch abschlachten ließ, wie ein Jahr zuvor in Katalonien. Bemerkenswert ist aber, dass man erneut vom späteren Turniersieger aus dem Wettbewerb geschossen worden ist.

Das frühe Aus im EHF-Pokal gegen Kiel hatte einen positiven Aspekt: die europäischen Spitzenvereine bekamen nicht Gelegenheit, Izviđačs Spieler genau unter die Lupe zu nehmen, so dass der Kader für die Saison 2004/05 nahezu unverändert blieb. Als Meister konnte Izviđač einen dritten Anlauf starten sich für die Gruppenphase der EHF Champions League zu qualifizieren. Zu Gast bei Panellinios Athen ließ man die Chance diesmal nicht ungenutzt verstreichen: Die Griechen waren mit Izviđačs eingespielter Mannschaft von der ersten Minute an völlig überfordert und mussten sich in der eigenen Halle mit 35:27 geschlagen geben. Das Rückspiel in Ljubuški wurde damit zur reinen Formalität und wurde vor 3.500 Zuschauern mit 24:23 eher kräftesparend über die Bühne gebracht.