Die Saumfarngewächse (Pteridaceae) sind eine Pflanzenfamilie in der Ordnung der Tüpfelfarnartigen (Polypodiales) innerhalb der Echten Farne (Polypodiopsida). Diese Farne wachsen auf dem Erdboden (terrestrisch), auf Felsen oder als Epiphyten.
Beschreibung mini|links|Illustration von Argyrochosma nivea var. tenera aus Curtis’s Botanical Magazine, Tafel 3055 mini|Illustration aus Die Farrnkräuter in kolorirten Abbildungen naturgetreu Erläutert und Beschrieben, 1848 von Aleuritopteris farinosa
Es handelt sich um ausdauernde krautige Pflanzen. Die langen bis kurzen, kriechenden, aufsteigenden bis aufrechten Rhizome tragen Schuppen, seltener nur Haare.
Die Blattwedel sind meist in Blattstiel und -spreite gegliedert. Die Blattspreiten sind einheitlich (monomorph), hemidimorph oder bei einigen Gattungen auch verschieden gestaltet (dimorph). Bei einigen Gattungen, besonders den Vittarioiden, ist die Spreite einfach (nicht gegliedert). Ansonsten ist sie gefiedert, manchmal fußförmig. Die Blattadern sind frei und gabelig verzweigt, oder verschiedenartig verbunden (anastomosierend) und formen dann ein netzartiges Muster.
Die Sori stehen am Blattrand (marginal) oder etwas innerhalb (intramarginal). Sie besitzen kein echtes Indusium, sind häufig vom zurückgebogenen Blattrand geschützt. Die Sporangien können auch auf den Blattadern sitzen. Die Sporangien besitzen einen senkrechten Annulus. Die Sporen sind kugelig oder tetraedrisch, trilet (dreistrahlige Narbe) und sind verschieden ornamentiert.
Chromosomensätze Die Chromosomengrundzahl beträgt in den meisten Fällen x = 29 oder 30.
Ökologie Die Arten gedeihen terrestrisch, lithophytisch, epiphytisch oder als Sumpf- oder Wasserpflanze. Die Ausbreitung der Diasporen, es sind die Sporen, erfolgt durch den Wind.
Systematik und Verbreitung mini|Illustration aus Die Farrnkräuter in kolorirten Abbildungen naturgetreu Erläutert und Beschrieben, 1840 von Astrolepis sinuata
Taxonomie Die Familie Pteridaceae wurde 1831 durch Ernst Daniel Martin Kirchner in Schul-Botanik – Kurze Naturgeschichte der Pflanzen überhaupt, S. 109 aufgestellt. Typusgattung ist Pteris Ein Homonym ist Pteridaceae (veröffentlicht in Handbuch des Natürlichen Pflanzensystems, 1837, 138).
Äußere Systematik Die Familie Pteridaceae gehört zur Ordnung der Tüpfelfarnartigen (Polypodiales) innerhalb der Klasse der Echten Farne (Polypodiopsida, Syn.: Filicopsida, Pteridopsida); dies sind die leptosporangiaten Farne. Innerhalb der leptosporangiaten Farne gehört ein Anteil von etwa 10 % der Arten zur Familie der Saumfarngewächse (Pteridaceae).
Innere Systematik (Stand 2016) Nach Christenhusz et al. 2011 wird die Familie Pteridaceae in fünf Unterfamilien gegliedert, dies wurde beispielsweise durch Pteridophyte Phylogeny Group = PPG I 2016 bestätigt: Unterfamilie Cheilanthoideae : Sie enthält etwa 23 Gattungen mit etwa 426 Arten. Unterfamilie Cryptogrammoideae : Sie enthält etwa drei Gattungen mit etwa 31 Arten. Unterfamilie Parkerioideae : Sie enthält etwa zwei Gattungen mit etwa neun Arten. Unterfamilie Pteridoideae : Sie enthält mit einer 2017 aufgestellten Gattung etwa 14 Gattungen mit etwa 400 Arten. Unterfamilie Vittarioideae : Sie enthält etwa zwölf Gattungen mit etwa 345 Arten.
mini|Acrostichum aureum mini|Actiniopteris radiata mini|Anogramma adscensionis mini|Dünnblättriger Nacktfarn (Anogramma leptophylla) mini|Ceratopteris cornuta mini|Wasserhornfarn (Ceratopteris thalictroides) mini|Cheilanthes distans mini|Wolliger Pelzfarn (Cosentinia vellea) mini|Krauser Rollfarn (Cryptogramma crispa) mini|Llavea cordifolia mini|Notholaena standleyi mini|Pellaea ternifolia mini|Pellaea truncata mini|Kretischer Saumfarn (Pteris cretica) mini|Vittaria lineata
Gattungen und ihre Verbreitung Die Familie Pteridaceae ist annähernd kosmopolitisch verbreitet, die meisten Vertreter wachsen jedoch in tropischen und ariden Gebieten. In China gibt es fünf Unterfamilien mit 20 Gattungen und 233 Arten, davon kommen 89 Arten nur dort vor. In Brasilien gibt es vier der fünf Unterfamilien mit insgesamt 24 Gattungen.
Die Familie Pteridaceae enthält etwa 48 Gattungen mit 950 bis 1373 Arten und 55 Naturhybriden (Stand 2022):
Mangrovenfarne (Acrostichum ) (Syn.: Chrysodium nom. superfl.): Die etwa drei Arten gedeihen von warm-gemäßigten über subtropischen bis tropischen Gebieten fast weltweit. Actiniopteris : Die etwa fünf Arten sind in Afrika und auf angrenzenden Inseln verbreitet; bei einer Art reicht das Areal auch bis Sri Lanka, Indien, Nepal sowie Afghanistan. Adiantopsis (Syn.: Actinopteris , Adiantastrum , Cheilanthastrum ): Die etwa 34 Arten und eine Naturhybride sind in der Neotropis verbreitet. Frauenhaarfarne (Adiantum , Syn.: Adiantellum , Apotomia , Hewardia , Mesopleuria ): Die etwa 232 Arten und sechs Naturhybriden sind fast weltweit verbreitet. Sie gedeihen hauptsächlich an feuchten Standorten in Bergregionen, besonders in den Anden. Aleuritopteris (Syn.: Allosorus , Gymnia , Leptolepidium , Negripteris , Sinopteris ): Die etwa 44 Arten und elf Naturhybriden sind hauptsächlich von Indien über Indochina bis China verbreitet; nur drei Arten kommen in Afrika und nur zwei Arten in der Neotropis vor. Ananthacorus : Sie enthält nur eine Art: Ananthacorus angustifolius : Sie ist in der Neotropis weitverbreitet und ist in Malesien ein Neophyt. Nacktfarne (Anogramma , Syn.: Pityrogramma subgen. Anogramma , Dicranodium ): Von den etwa drei Arten ist eine in den subtropischen Gebieten verbreitet, eine kommt im südlichen Südamerika vor und eine kommt auf dem Indischen Subkontinent vor; darunter: Dünnblättriger Nacktfarn (Anogramma leptophylla ) Antrophyum (Syn.: Bathia ): Die etwa 32 Arten sind in pantropisch, aber hauptsächlich in Südostasien, verbreitet. Antrophyopsis (Syn.: Antrophyum subgen. Antrophyopsis ): Seit 2016 hat sie den Rang einer Gattung und ihre Arten wurden aus der Gattung Antrophyum ausgegliedert. Die etwa vier Arten kommen vom tropischen Afrika über Madagaskar bis auf Inseln im Indischen Ozean vor. Argyrochosma (Syn.: Notholaena sect. Argyrochosma ): Etwa 18 Arten sind in Neotropis verbreitet. Eine Art (Argyrochosma connectens ) kommt in China vor. Aspidotis (Syn.: Hypolepis sect. Aspidotis ): Die etwa vier Arten sind von Kanada über die USA bis Mexiko verbreitet. Astrolepis : Die etwa acht Arten sind in den südlichen USA und in der Neotropis verbreitet. Austrogramme (Syn.: Aspleniopsis ): Von den etwa sechs Arten kommen drei in Neukaledonien vor, davon eine auch auf Vanuatu sowie Vanikoro; je eine auf den Molukken sowie Neuguinea und eine auf zwei Inseln der Philippinen. Baja : Sie wurde 2019 aufgestellt und enthält nur eine Art: Baja brandegeei : Sie kommt nur im mexikanischen Baja California Norte sowie Baja California Sur und den Inseln Isla Magdalena sowie Isla Cedros vor. Bommeria (Syn.: Gymnopteris subgen. Bommeria ): Die etwa fünf Arten sind von den südwestlichen Vereinigten Staaten über Mexiko, Guatemala, Honduras, El Salvador bis Costa Rica verbreitet. Calciphilopteris : Sie wurde 2010 aufgestellt. Die etwa vier Arten sind im tropischen Asien bis zum südlichen China und von Malesien bis zum nördlichen Australien verbreitet und eine Art kommt auch auf den Kleinen Sunda-Inseln vor. Wasserhornfarne (Ceratopteris , Ellebocarpus nom. superfl., Furcaria nom. superfl., Parkeria , Teleozoma ): Die etwa sechs Arten sind als Wasserpflanzen pantropisch verbreitet sind. Darunter: Wasserhornfarn (Ceratopteris thalictroides ): Er wird in Warmhäusern und Aquarien oft gepflanzt. Cerosora (Syn.: Anogramma sect. Monosorus , Cerosora , Gymnogramma sect. Cerosora , Idiogramma ): Von den etwa vier Arten kommen drei im tropischen Asien sowie im südlichen China vor und eine Art kommt im tropischen Afrika, Madagaskar sowie auf Inseln im Indischen Ozean vor. Cheilanthes nom. cons. (Syn.: Cheilanthastrum ): Von den etwa 53 Arten und eine Naturhybride kommen die meisten in Afrika und Inseln des Indischen Ozeans, sowie Australien vor, aber nur etwa vier in Mexiko sowie El Salvador vor. Cheiloplecton : Es gibt nur eine Art: Cheiloplecton rigidum : Die zwei Varietäten sind von Mexiko über Guatemala bis Honduras und El Salvador verbreitet. Coniogramme (Syn.: Dictyogramme , Dyctiogramme , Neurosorus , Notogramme , Syngramme ): Die etwa 26 Arten kommen von China bis Indochina vor und nur wenige Arten tropischen Afrika, Japan, Java und auf pazifischen Inseln bis Hawaii sowie Samoa vor. Cosentinia : Es gibt nur eine Art: Wolliger Pelzfarn (Cosentinia vellea , Syn.: Cheilanthes vellea ): Die zwei Unterarten kommen von Makaronesien über den Mittelmeerraum bis Indien vor. Rollfarne (Cryptogramma , Syn.: Homopteris , Phorolobus ): Von den etwa acht Arten hauptsächlich in Asien sowie Nordamerika vor; je eine Art kommt in Europa und Südamerika vor. Sie gedeihen in den alpinen und borealen Gebieten. Doryopteris : Die 24 bis 35 Arten kommen in Afrika, Madagaskar, Asien, Australien und in der Neotropis vor. Gaga Die etwa 18 Arten kommen von den südwestlichen Vereinigten Staaten über Mexiko bis Zentralamerika vor. Gastoniella : Sie wurde 2017 aufgestellt. Von den nur drei Arten kommen zwei in der Neotropis vor und eine ist ein Endemit auf der Insel Ascension. Haplopteris (Syn.: Vittaria sect. Haplopteris , Vittaria subgen. Haplopteris , Vittaria sect. Schizolomatopsis , Pleurofossa , Pleurogramme ): Die 39 Arten kommen in tropischen Asien und Australien vor. Hecistopteris : Die etwa drei Arten sind in der Neotropis verbreitet. Hemionitis (Syn.: Ampelogramma , Cardinitis , Definitifolium , Dictyogramme , Gymnogramma , Gymnopteris , Neurogramma nom. superfl., Schizogramma ): Die etwa sechs Arten sind der Neotropis verbreitet. Jamesonia (Syn.: Eriosorus , Nephopteris , Psilogramme , Psilogramme sect. Jamesonia , Gymnogramma sect. Jamesonia ): Die etwa 65 Arten und 6 Naturhybriden gedeihen hauptsächliche in den tropischen Anden, meist in größeren Höhenlagen. Sie kommen auch in Mexiko, Costa Rica, südöstlichen Brasilien und eine Art auf Tristan da Cunha vor. Llavea (Syn.: Botryogramma , Ceratodactylis ): Sie enthält nur eine Art: Llavea cordifolia : Sie kommt von Mexiko über Guatemala bis Costa Rica vor. Lytoneuron (Syn.: Doryopteris sect. Lytoneuron ): Sie hat seit 2015 den Rang einer Gattung und ihre Arten wurden aus Doryopteris ausgegliedert. Sie ist in Südamerika, hauptsächlich in Brasilien verbreitet. Mickelopteris : Sie wurde 2016 aufgestellt und enthält nur eine Art: Mickelopteris cordata : Sie ist im tropischen Asien und Malesien weitverbreitet. Mildella : Die nur zwei Arten kommen von Mexiko über Zentralamerika bis Ecuador und in Haiti sowie auf Galapagos vor. Myriopteris (Syn.: Cheilosoria , Eriochosma , Physapteris , Pomatophytum ): Von den etwa 42 Arten und zwei Naturhybriden sind fast alle in der Neuen Welt verbreitet. Es gibt Fundortangaben von den USA über Mexiko bis Chile. Das Zentrum der Artenvielfalt ist mit etwa 34 Arten Mexiko. Nur eine Art kommt in Südafrika vor. Pelzfarne (Notholaena , Syn.: Cheilanthes sect. Notholaena , Chrysochosma ): Die etwa 45 Arten sind in der Neuen Welt verbreitet. Oeosporangium (Syn.: Cheilosoria , Parallosorus ): Die etwa 28 Arten und acht Naturhybriden sind in der Alten Welt verbreitet. Onychium (Syn.: Cryptogrammopsis , Leptostegia ): Die etwa zehn Arten und eine Naturhybride sind hauptsächlich in Asien weitverbreitet. Eine davon kommt auch bis Australien vor. Eine Art kommt vom im nordöstlichen Afrika über die arabische Halbinsel bis zum südwestlichen Iran vor. Ormopteris : Die etwa fünf Arten wurden 2015 aus Pellaea ausgegliedert und kommen Brasilien sowie Venezuela vor. Paragymnopteris (Syn.: Paraceterach , Parahemionitis ): Die etwa sechs Arten sind in der Alten Welt verbreitet. Darunter: Europäischer Pelzfarn (Paragymnopteris marantae ): Er kommt von Mittel- und Südeuropa bis China, in Afrika und auf der Arabischen Halbinsel vor.