mini|400px|Baumring, ein Beispiel für ein Holzstück mit einem Holzfehler

Als Holzfehler oder Wuchsfehler werden im Warenverkehr mit Rohholz diejenigen Holzmerkmale bezeichnet, die die Holznutzung beeinträchtigen. Durch Holzfehler wird der Wert des Holzes vermindert, indem die Verwendbarkeit eingeschränkt oder die Ausbeute (die Menge des Endprodukts) verringert wird. Holzfehler sind die Grundlage der Einteilung in Güteklassen bei Rohholz. In Einzelfällen können solche Fehler oder auch besondere Holzmerkmale allerdings auch weitere Verwendungsmöglichkeiten eröffnen und somit den Preis steigern. So sind Hölzer mit Maserknollen aufgrund ihrer Optik für die Furnierherstellung oder in der Drechslerbearbeitung gefragt.Wolfgang Nutsch: Holztechnik Fachkunde. Europa Lehrmittel, 2001, ISBN 3-8085-4018-4. Sogenannte Krummhölzer (Stämme mit krummem oder bogenförmigem Wuchs) finden häufig eine besondere Verwendung im Schiffbau oder werden für Treppenwangen verwendet.

Gleichmäßiger Holzaufbau Merkmale eines normalen und regelmäßigen Holzaufbaus sind: kreisrunde Jahresringe etwa gleiche Jahresringbreiten gleiche Früh- und Spätholzanteile Markröhre (Herz) läuft mittig nahezu zylindrische Stammform (Vollholzigkeit, Walzigkeit) keine Schädigung durch äußere Einflüsse holzartentypische Färbung

Nur für manche Baumarten regelmäßig sind: Wipfelschäftig (durchlaufender Stamm) – typisch für Nadelholz, Laubholz ist meist kurzstämmig

Stämme höchster Wuchsreinheit nennt man Schälholz, es eignet sich besonders zur Furnierherstellung.

Liste von Holzfehlern Als Mängel am Holz werden folgende Merkmale betrachtet:

Fehler im Längsholz Krummschäftigkeit mini|hochkant=0.4|Krummschäftigkeit Diese geht meist einher mit Reaktionsholzbildung und einer extremen Form der Faserabweichung; Es entstehen verschieden stark gekrümmte Stämme. Ein Hauptgrund hierfür ist der Wildverbiss, bei dem die Tiere die obersten Knospen und Triebe fressen, weshalb dann ein Seitentrieb deren Funktion übernimmt. Aber auch ungünstiger Lichteinfall, einseitige Wind- und Schneebelastung sowie Bodenbewegungen an Hängen können Krummschäftigkeit verursachen. Eine einseitige Krümmung wird als einschnürig und eine mehrseitige Krümmung als unschnürig bezeichnet. Formen der Krummschäftigkeit sind z. B. Säbelwuchs, Bajonettwuchs oder Posthornwuchs.

Abholzigkeit mini|hochkant=0.4|Abholzigkeit Ein Stamm ist abholzig, wenn die Abnahme des Stammdurchmessers auf einen Meter Stammlänge mehr als einen Zentimeter beträgt. Bei einem abholzigen Stamm fallen im Sägewerk viele Schwarten an, und das Holz hat vor allem eine verringerte Biegefestigkeit, da vermehrt Fasern durchgeschnitten werden.

Typisch ist etwa die Abholzigkeit der Fichten in Freistand (in Unterscheidung zur Tanne), weshalb sie im Verbandsschluss ausgebaut werden muss. Die Rundholzausnutzung bzw. die Ausbeute eines Sägewerks wird durch den Zopfdurchmesser, die Länge und die Abholzigkeit beeinflusst.

Drehwuchs mini|Aufgespaltene drehwüchsige 120-jährige Eiche mit einer Torsion von 90° auf 2,5 m Länge Drehwuchs ist eine innere Verdrillung des Stammes. Dieses verdrillte Wachstum kann die Standfestigkeit eines Baumes verbessern.Christoph Richter: Drehwuchs – ein Konstruktionsprinzip der Natur – anwendbar auch im Ingenieurholzbau, TU-Dresden Drehwuchs findet sich daher vor allem bei Bäumen, die besonders intensiven Bewindungsverhältnissen ausgesetzt sind. Dies ist zum Beispiel in Küstenlagen oder in Hochgebirgszonen der Fall.Böhlmann: Warum Bäume nicht in den Himmel wachsen. 2009, S. 15. Die meisten Hölzer sind in gewissem Maß natürlich immer leicht drehwüchsig, als Holzfehler gilt nur abnorm starker Drehwuchs. Der Fehler äußert sich in werfendem Flachholz und drehenden Balken, weil sich die inneren Spannungen im Holz beim Trocknen lösen. Diese können enorme Kräfte entwickeln und sogar sauber ausgeführte Holzverbindungen sprengen.

Typisch stark drehwüchsig ist die Kastanie, wobei die Rosskastanie in der Regel rechtsdrehend und die Esskastanie linksdrehend wächst. Ebenfalls neigt die Lärche stärker zu Drehwuchs als andere Nadelbäume.

Faserabweichung (Wechseldrehwuchs) Wechseldrehwuchs ist eine bei verschiedenen Tropenhölzern (z. B. Cumarú, Massaranduba, Lapacho) vorkommende arteigene Struktur. Sie entsteht durch eine ein bis acht Zentimeter breite, im wechselnden Drehsinn spiralig um die Stammachse (Markröhre) laufende Schichtung der Zellen. Da von Schicht zu Schicht die Richtung der Zellachse wechselt bzw. sich kreuzt, heben sich die Spannungen im Schnittholz weitgehend auf.Wolfgang Nutsch und Andere: Holztechnik Fachkunde, 22. Auflage, Verlag Europa–Lehrmittel, Haan–Gruiten 2010, Seiten 43 und 45, ISBN 978-3-8085-4045-9 Bei radialem Anschnitt entstehen Flächen aus Streifen mit unterschiedlich gerichteten Zellen. Hierdurch wird eine wechselnde Reflexion des Lichtes erzeugt, die einen Wechsel von matten und glänzenden Streifen hervorruft. Wechseldrehwuchs schränkt nicht die Verwertung des Holzes ein. Es kann sich beim Bearbeiten allerdings nachteilig durch eine streifige Widerspänigkeit (Ausreißen) und durch ein stärkeres Verziehen bei Seitenbrettern geringer Dicke auswirken.

Wimmerwuchs Wimmerwuchs nennt man in der Längsrichtung nicht gerade verlaufende Jahresringe ohne sonstige Schäden. Sie ergeben ein unruhiges Maserungsbild und führen zu schlecht hobelbarem Holz. Sie sind nur bei manchen Hölzern ein Holzfehler im eigentlichen Sinne, bei anderen kann Wimmerwüchsigkeit auch modisch werden und kurzfristig zu höherem Preis führen.

Zwieselwuchs (Gabelwuchs), Doppelkern mini|hochkant=0.4|Zwieselwuchs Bei der Zwieselung sind zwei oder mehr Stämme der gleichen Baumart oder eines Baumes miteinander verwachsen: Es entsteht ein Doppelkern, oder es hat sich ein junger Baum gegabelt, mit fehlwüchsigen Einzelstämmen. Die Zwieselung gilt als Stammformfehler. Das Schnittholz ist häufig für den Tischler unbrauchbar, insbesondere dann, wenn der Doppelkern unvollkommen verwachsen ist. Bei einigen Holzarten, z. B. bei Nussbaum und Mahagoni, ist eine Verarbeitung der Zwiesel zu wertvollem Pyramidenmaserfurnier möglich. Hierbei ist zu unterscheiden zwischen sogenannten Druckzwiesel und Zugzwiesel.

Fehler im Querholz Exzentrischer Wuchs mini|Exzentrischer Wuchs Die Stammform ist ellipsenförmig und die Markröhre befindet sich meist nicht in der Stammmitte. Zudem entstehen am Stammmantel rillenförmige Einbuchtungen, die sich bei einigen tropischen Baumarten zu Brettwurzeln ausbilden. Bäume wie z. B. Buche, Birke oder Teak, die zu einer Unrundheit neigen, weisen eine über den Stammquerschnitt stark schwankende Rohdichte auf und neigen deshalb bei der Trocknung zu Rissbildung und sind schwer zu bearbeiten.

Spannrückigkeit mini|hochkant=0.4|Spannrückigkeit Als spannrückig wird ein Stamm bezeichnet, der sich in seinem Querschnitt nicht einer Kreisform annähert, sondern sich sternartig entwickelt. Dies ist besonders häufig am unteren Stammende zu beobachten und wird durch eine ungleichmäßige Teilungsaktivität im Kambium verursacht. Spannrückigkeit ist genetisch bedingt oder entsteht infolge von Verletzungen. Meistens liegt sie zwischen zwei Wurzelanläufen. Sie kommt oft bei Hainbuche, Eibe, Wacholder, Weißdorn, Hickory und Robinie vor.

Reaktionsholz (Druckholz/Zugholz)

Das sogenannte Reaktionsholz ist ein aktives Richtgewebe eines Baumes. Dies ist ein aufgrund von physikalischen Kräften unter hoher Spannung befindliches Baumstück, etwa Äste oder ein Teil des Stammes, welcher aus seiner ursprünglichen Lage befördert wurde und ähnlich einem gespannten Bogen wieder zurück in seine vorherige Stellung strebt. Hierbei entstehen Zonen mit einem vermehrten Zuwachs. Diese finden sich bei den Nadelhölzern an der Unterseite sowie bei den Laubhölzern an der Oberseite des Astes. Das so entstandene Reaktionsholz unterscheidet sich sowohl anatomisch, chemisch als auch physikalisch-mechanisch von dem Normalholz. Meist geht die Ausbildung von Reaktionsholz mit einem exzentrischen Wuchs einher, bei dem die Markröhre aus dem Mittelpunkt des Stammquerschnitts verschoben ist. Wird ein Baum durch Hanglage, durch exponierte Windlage, durch den Druck von Schneemassen oder durch eine anderweitige einwirkende Kraft (wie umgestürzte Bäume, Felsbrocken etc.) einseitig belastet, bildet sich Reaktionsholz.

Nadelhölzer an Berghängen können auf der talwärts belasteten Seite Druckholz bzw. Buchs(holz) ausbilden.Erläuterung der auf Proholz.at Dieses unterscheidet sich vom Normalholz durch eine dunklere rötlichbraune Färbung und wird daher auch Rotholz genannt. Aufgrund der Ausbildung dickwandiger Frühholztracheiden gestaltet sich eine Unterscheidung zwischen Früh- und Spätholz innerhalb eines Jahrrings sehr schwer oder wird gar unmöglich. Da das Druckholz eine erhöhte Lignineinlagerung aufweist, besitzt es eine erhöhte Rohdichte, Härte sowie ein verstärktes Schwindmaß in axialer Richtung gegenüber dem Normalholz. Mikroskopisch betrachtet zeigen Druckholztracheiden eine typische Faltenbildung in der zentralen Sekundärwand.

Demgegenüber steht die Ausbildung von Zugholz bei den Laubbäumen. Es wird an der Oberseite schiefstehender Stämme oder an Ästen ausgebildet. Hierbei ist der Ligningehalt geringer, jedoch der Zellulosegehalt gegenüber dem Normalholz erhöht. Es erscheint heller und wird deshalb auch als Weißholz bezeichnet. Die Eigenschaften des Zugholzes bestehen darin, dass es sowohl Verformungserscheinungen als auch Zugspannungen bewirkt. Ebenso ist das gewöhnliche Quell- und Schwindverhalten des Holzes stark negativ beeinflusst und eine mechanische Bearbeitung aufgrund einer zum Teil wolligen Oberfläche erschwert.

Ästigkeit und Beulen Ein Baumstamm ist grob in drei Zonen unterteilbar, das Zopfstück, den Mittelstamm und den Erdstammblock. Im untersten Teil, dem Erdstammblock, befinden sich keine oder nur verwachsene Äste. Der Mittelstamm enthält tote Äste, während das oberste Stück, das Zopfstück, grüne Äste enthält. Äste besitzen einen höheren Ligninanteil und sind damit dunkler und spröder und schwinden stärker als Stammholz. Die Holzausnutzung ist durch Aussortieren oder Herausschneiden der Äste geringer und mindert dadurch den Wert. Es gibt allerdings auch Ausnahmen wie z. B. die Zirbelkiefer oder den Vogelaugenahorn. Bricht bei einem Baum ein Ast ab, wird die entstandene Wunde im Laufe der Zeit überwallt, was ebenfalls zu einem gestörten Faserverlauf führt (Beulen).

Wundüberwallung Alte, verheilte Wunden (Überwallungen) sind Holzfehler, sowohl weil sie abgestorbenes, oft schon angefaultes Holz enthalten, als auch durch die verworfene Maserung.

Maserknollen und Maserwuchs mini|Maserknolle An den Stämmen einiger Baumarten zeigen sich gelegentlich auffällige Zellwucherungen, die gewöhnlich als Maserknollen bezeichnet werden. Sie werden in der Regel durch das Bakterium Agrobacterium tumefaciens ausgelöst. Dieses schleust mit Plasmiden Bruchstücke des eigenen Genoms in das Genom von Zellen höherer Pflanzen ein und löst im Befallsbereich ein ungehemmtes Wachstum aus.Böhlmann: Warum Bäume nicht in den Himmel wachsen. 2009, S. 36.

Maserknollen bestehen aus einer meist kugelförmigen Verdickung am Baumstamm, häufig im unteren Stammabschnitt zu finden. Die sehr wirbelige, lebhafte und mit sogenannten Augen durchsetzte Textur des Holzes wird oft zu dekorativem Furnier aufgearbeitet. Gesucht sind vor allem die Maserknollen des Walnussbaums, die als Nussbaummaser gehandelt werden und viele Jahre die Innenausstattungen an klassischen britischen Automobilen geprägt haben. Die Verarbeitung und Trocknung von Maserholz kann sich aber als schwierig erweisen. Der Begriff Wurzelmaserholz hingegen beruht auf einer laienhaften Vermischung der Begriffe Maserholz und Wurzelholz, nur in den seltensten Fällen entwickeln Bäume an den Wurzeln auch gleichzeitig Maserknollen.

Verwachsung