Die Eulengebirgsbahn AG war eine preußische Kleinbahn in der Provinz Schlesien, respektive Niederschlesien. Namensgebend war das Eulengebirge.
Die Strecke der Gesellschaft begann in Reichenbach im Eulengebirge (Dzierżoniów), überquerte bei Silberberg den Gebirgskamm des Eulengebirges und führte über Mittelsteine (Ścinawka Średnia) nach Wünschelburg (Radków) am Fuß des Heuscheuergebirges. Dazu kamen einige nur dem Güterverkehr dienende Zweigbahnen.
Die Gesellschaft erlosch im Mai 1945, nachdem das Bahngebiet infolge des Zweiten Weltkrieges an Polen fiel. Die Strecke kam in die Verwaltung der Polnischen Staatsbahnen (PKP). Zwischen 1972 und 1987 wurde die Strecke stillgelegt. In Betrieb blieb lediglich ein kurzer Abschnitt für den Güterverkehr im Neuroder Steinkohlenrevier.
Das wojewodschaftseigene Eisenbahnverkehrsunternehmen Koleje Dolnośląskie (KD) plant die zeitnahe Instandsetzung und Wiederaufnahme des Reiseverkehrs in den Abschnitten Bielawa Góra–Srebrna Góra sowie Ścinawka Średnia–Radków. Seit 14. Juni 2026 ist der Abschnitt Bielawa Zachodnia–Bielawa Góry Sowie wieder in Betrieb.
Geschichte Die Eulengebirgsbahn AG wurde am 25. Juli 1899 durch Preußen, die Kreise Frankenstein, Neurode und Reichenbach, die Städte Reichenbach und Silberberg nebst drei weiteren Gemeinden sowie durch die Bahnbau- und Betriebsgesellschaft Lenz & Co., ferner weitere 43 Unternehmungen und Privatanleger gegründet. mini|links|Aktie über 1000 Mark der Eulengebirgsbahn AG vom 1. Juli 1901 Sitz der Gesellschaft und der Bahnverwaltung war Reichenbach. Den Betrieb führte bis 1945 die Firma Lenz & Co.
Die erste Teilstrecke der normalspurigen Kleinbahn wurde am 1. Juni 1900 eröffnet. Sie begann in der Kreisstadt Reichenbach und führte am Rand des Eulengebirges nach Süden bis zur Stadt Silberberg (26 km), wo Anschluss an die Frankensteiner Kreisbahn bestand, die ebenfalls von Lenz & Co. betrieben wurde.
Dann durchquerte sie ab dem 4. August 1902 mit Hilfe einer Steilstrecke, die ihren Scheitelpunkt mit 513 m Seehöhe im Bahnhof Silberberg Festung hatte, und der Spitzkehre im Kopfbahnhof Volpersdorf das Gebirge. Auf dem 6,6 km langen Abschnitt bis Neudorf war eine Zahnstange System Abt eingebaut. Nach insgesamt 19 km wurde in Mittelsteine die Staatsbahnstrecke Waldenburg–Neurode–Glatz erreicht. mini|links|Viadukt auf der 1930 aufgegebenen Steilstrecke bei Silberberg (2013) Die elf Kilometer lange Fortsetzung führte ab 1. Dezember 1903 in westlicher Richtung bis nach Wünschelburg in das Heuscheuergebirge nahe der böhmischen Grenze.
Auf den Kreis Reichenbach entfielen 19 km der Stammstrecke, 12 km auf den Kreis Frankenstein und 24 km auf den Kreis Neurode, der am 1. Oktober 1932 in den Kreis Glatz eingegliedert worden war. Dazu kamen noch Anschlussbahnen von sieben Kilometer Länge, die stets nur dem Güterverkehr dienten.
Am 15. Dezember 1931 wurde der Abschnitt Silberberg–Neudorf stillgelegt und damit auch der Zahnradbetrieb. Auf dem anschließenden Abschnitt bis Mittelsteine verkehrten danach nur noch Güterzüge, so dass die Kleinbahn keine Personen mehr über das Eulengebirge beförderte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die beiden Streckenstücke von der polnischen Staatsbahn übernommen. Der Personenverkehr wurde zwischen 1972 und 1987 eingestellt. Zwischen Ścinawka Średnia (Mittelsteine) und dem Gabbrowerk bei Słupiec (Schlegel) gibt es weiterhin Güterverkehr.
Der 1931 stillgelegte Abschnitt im Eulengebirge zwischen Srebrna Góra und Wolibórz wurde am 1. Oktober 2020 von der Wojewodschaft Niederschlesien als Kulturdenkmal unter staatlichen Schutz gestellt.https://www.lok-report.de/news/europa/item/21571-polen-eulengebirgsbahn-im-kulturregister-aufgenommen.html
Von Seiten der Woiwodschaft Niederschlesien als Aufgabenträger für den öffentlichen Personennahverkehr ist die Strecke für eine Wiederinbetriebnahme von Bielawa Zachodnia bis Srebrna Góra vorgesehen. Am 14. Juni 2026 wurde der Eisenbahnverkehr von Bielawa Zachodnia bis Nowa Bielawa wieder aufgenommen.Fahrplan der Linie D40 – gültig vom 14. Juni bis 29. August 2026 Im Jahr 2026 begann auch der Wiederaufbau des Abschnittes Ścinawka Średnia–Radków.„Dolní Slezsko chystá návrat vlaků do Radkówa, koleje zmizely před téměř 30 lety“ auf zdopravy.cz
Strecken Reichenbach (Eulengeb)–Langenbielau–Mittelsteine–Wünschelburg (Heuscheuer) (Siehe auch: Bahnstrecke Nowa Ruda Słupiec–Radków) Neubielau–Suckertshof: zwei Kilometer (bis 1930) Ebersdorf–Johann-Baptista-Grube: zwei Kilometer Mittelsteine Klb–Bahnkraftwerk: ein Kilometer Wünschelburg–Heuscheuer Ladestelle: zwei Kilometer
Fahrzeugeinsatz Für den Betrieb auf der Zahnradstrecke lieferte die Maschinenfabrik Esslingen drei Zahnradlokomotiven des Lenz-Typs z. Im Jahr 1939 waren sieben Dampflokomotiven, 22 Personen-, vier Pack- und 96 Güterwagen vorhanden.
Literatur Siegfried Bufe: Eisenbahnen in Schlesien. Bufe-Fachbuch-Verlag, Egglham u. a. 1989, ISBN 3-922138-37-3 (Ostdeutsche Eisenbahngeschichte 4). Ryszard Stankiewicz und Marcin Stiasny: Atlas Linii Kolejowych Polski 2014. Eurosprinter, Rybnik 2014, ISBN 978-83-63652-12-8, S. F4 u. G4
Weblinks
Dzierżoniów–Radków auf bazakolejowa.pl
Eulengebirgsbahn bei Jens Merte
Einzelnachweise
Kategorie:Bahngesellschaft (Deutschland) Kategorie:Bahnstrecke in der Woiwodschaft Niederschlesien Kategorie:Lenz & Co. Kategorie:Ehemalige Aktiengesellschaft in Deutschland Kategorie:Zahnradbahn in Polen Kategorie:Unternehmensgründung 1899