mini|Vorläufe zum Teamsprint beim FIS Skilanglauf-Weltcup in Dresden (2018) Der Skilanglauf-Weltcup ist eine jährlich in der Zeit von Oktober bis März ausgerichtete Wettkampfserie im Skilanglauf, die durch den Skisport-Weltverband FIS organisiert wird. Die Ergebnisse der teilnehmenden Athleten werden nach einem Punktesystem bewertet, auf dessen Grundlage am Ende einer Saison Sieger in verschiedenen Wertungen ermittelt werden. Der Skilanglauf-Weltcup wird sowohl für Damen als auch für Herren ausgetragen.
Geschichte Der erste offiziell anerkannte Weltcup fand in der Saison 1981/82 statt. Inoffizielle Weltcupwettbewerbe gab es schon in der Saison 1973/74, wo aber nach drei Konkurrenzen das FIS-Langlaufkomitee, möglicherweise wegen des Desinteresses der nordischen Länder, die offizielle Einführung im Februar 1974 ablehnte. Inoffiziell bestand der Weltcup jedoch weiterhin, was aus den offiziellen Berichten zum 31. FIS-Kongress 1977 in Bariloche hervorgeht, wobei es in Kurzform heißt: „Provisorische Anerkennung des Skilanglauf-Weltcups, welcher inoffiziell zum vierten Mal 1976/77 stattfindet“. In den Saisons 1978/79 und 1980/81 führte die FIS den Weltcup versuchsweise durch. Seit der Saison 1985/86 wird pro Wettbewerb die zu verwendende Technik vorgeben. Zuvor gab es keine Regelung der Technik, so dass die Athleten in allen Wettbewerben sowohl den klassischen Stil als auch den Skating-Stil verwenden konnten. Ab 1988/89 wurden die Jagdrennen ins Programm aufgenommen, die an zwei Tagen zur Austragung kommen und beide Stilarten aufweisen; am zweiten Tag starten die Läufer nach Maßgabe der erreichten Zeit des Vortages und nehmen die gegenseitige Verfolgung (Jagd) auf.
In der Saison 1996/97 wurden Sprintwettbewerbe in das Programm des Skilanglauf-Weltcups aufgenommen. Die FIS entschied sich daraufhin, Weltcupwertungen in den Disziplinen Sprint und Distanzrennen einzuführen. Der Distanzweltcup wurde allerdings zwischenzeitlich von 2001 bis 2003 nicht ausgetragen. Seit der Saison 2003/04 gehören die 5-Kilometer-Distanzen bei den Frauen und die 10-Kilometer-Distanzen bei den Herren nicht mehr zum Weltcupprogramm. Das Etappenrennen Tour de Ski gehört seit der Saison 2006/07 zum Weltcupprogramm. Dabei werden sowohl für die Gesamtwertung als auch für Tageswertungen Weltcuppunkte vergeben. Diese Regelung gilt auch für das in der Saison 2007/08 eingeführte Weltcupfinale, das am Ende der Saison als 4-Etappenrennen ausgetragen wird. Seit der Saison 2010/11 gehört das Nordic Opening zum Weltcupprogramm, das zum Saisonauftakt als 3-Etappenrennen ausgetragen wird.
Organisation Wettkämpfe mini|Sprintwettkampf in Prag 2007 Der Skilanglauf-Weltcup umfasst sowohl Einzel- als auch Mannschaftswettkämpfe. Zu den Einzelwettbewerben gehören Sprintwettbewerbe mit einer Streckenlänge kürzer als 1,4 Kilometer und Distanzwettbewerbe mit einer Streckenlänge länger als 5 Kilometer. Die Distanzwettbewerbe umfassen Einzelstartwettbewerbe, bei denen die Sportler allein gegen die Uhr kämpfen, Massenstartwettbewerbe, bei denen alle Wettkämpfer gleichzeitig starten und Verfolgungswettbewerbe, bei denen ebenfalls alle Sportler gleichzeitig starten, aber die Skilanglauftechnik zur Hälfte des Rennens gewechselt wird. Die Anzahl der Wettkämpfe in Distanz- und Sprintwettbewerben wird im Verhältnis 2:1 aufgeteilt. So werden pro Saison doppelt so viele Distanzrennen ausgetragen wie Sprints. Zu den im Weltcup veranstalteten Mannschaftswettbewerben gehören Staffeln mit vier Athleten und Teamsprints mit zwei Athleten pro Nation.
Die Aufteilung der Techniken erfolgt im Verhältnis 1:1, so dass die gleiche Anzahl an Wettkämpfen in der freien Technik und in der klassischen Technik durchgeführt wird. Diese Aufteilung betrifft sowohl die Distanzrennen als auch die Sprintrennen.
Die Gesamtanzahl der Wettbewerbe ist in einem meisterschaftsfreien Jahr höher als in Jahren, in denen Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele stattfinden. So werden maximal 16 Distanzwettbewerbe und acht Sprintwettbewerbe ausgetragen. Hinzu kommen noch jeweils drei Staffelwettbewerbe und Teamsprints. In Jahren mit internationalen Titelkämpfen reduziert sich die Anzahl der Distanzwettbewerbe auf 12 bis 13 und es wird jeweils ein Staffelwettbewerb und Teamsprint weniger veranstaltet.
Teilnehmer Um an Weltcupwettbewerben teilnehmen zu können, muss ein Sportler offiziell bei der FIS als Skilangläufer registriert sein. Für Distanzrennen gilt des Weiteren, dass der Athlet in mindestens einem von der FIS veranstalteten Wettbewerb, wie z. B. Continental Cup oder FIS-Cup, ein Ergebnis von höchstens 60 FIS-Distanz-Punkten bei den Herren bzw. 90 FIS-Distanz-Punkten bei den Damen aufweist. Für den Sprintweltcup müssen bei beiden Geschlechtern 120 FIS-Sprint-Punkte unterschritten werden. Die FIS-Punkte sind ein Bewertungssystem der FIS, das die Leistungsfähigkeit der Athleten einordnet. Grundlage für die Berechnung bilden die Siegerzeit, die Zeit des Athleten und ein Faktor, der für Sprint-, Massenstart- und Einzelwettkämpfe unterschiedliche Werte aufweist.
Die Anzahl der Teilnehmer an Weltcupwettbewerben wird durch eine Quotenregelung bestimmt. Grundsätzlich hat jede Nation das Recht pro Wettkampf zwei Athleten zu melden. Anhand der vergangenen Weltcupsaison wird zusätzlich eine Quote ermittelt, die weitere Startplätze zusichert. Diese Quote wird für Sprint- und Distanzweltcup separat ermittelt. Basis für die Berechnung der Quote ist die Anzahl der Athleten einer Nation, die in der vergangenen Weltcupsaison mindestens einen Weltcuppunkt erringen konnten und somit in der Gesamtwertung der jeweiligen Disziplin platziert waren.
Quotenberechnung zusätzlicher Startplätze pro Nation Anzahl platzierter Athleten im Weltcup 1 – 2 2 – 5 6 – 8 9 + Anzahl zusätzlicher Startplätze 1 2 3 4
Können sich alle Athleten einer Nation unter den besten 30 Athleten des Weltcups, der sogenannten Roten Gruppe, platzieren, erhält die Nation einen weiteren Startplatz, wobei maximal neun Athleten einer Nation über die Nationenquote starten dürfen. Zusätzlich zu dieser Quotenregelung haben der Weltcupgesamtsieger und die Sieger der Disziplinenwertungen der letzten Saison ein automatisches Startrecht für die darauffolgende Saison. Des Weiteren hat die veranstaltende Nation eines Weltcupwettbewerbes das Recht zusätzlich eine nationale Gruppe von maximal zehn Athleten starten zu lassen.
Veranstaltungsorte
mini|Weltcup in Falun 2007
Wettkämpfe für Damen und Herren werden parallel an einem Veranstaltungsort durchgeführt. Meist werden die Wettkämpfe an einem Wochenende ausgetragen, an dem für Herren und Damen jeweils zwei Wettbewerbe veranstaltet werden. Die Orte, an denen Weltcupwettbewerbe stattfinden, werden vor Beginn einer neuen Saison festgelegt. Die bis zu 17 verschiedenen Wettkampforte pro Saison variieren allerdings stark. Nur wenige Orte wie zum Beispiel Oslo, Falun, Davos oder Ruka werden nahezu jedes Jahr in den Wettkampfkalender aufgenommen.
Die meisten Wettkämpfe werden in Europa ausgetragen. Aber auch in Nordamerika und Asien finden Weltcupwettbewerbe statt, wie zum Beispiel 2008 im kanadischen Canmore oder 2007 im chinesischen Changchun. Traditionelle Veranstaltungsorte in Nordeuropa sind Oslo in Norwegen, Lahti in Finnland, Falun in Schweden sowie Otepää in Estland. Das österreichische Ramsau am Dachstein, das tschechische Nové Město na Moravě und das italienische Val di Fiemme sind ebenso wie das deutsche Düsseldorf häufig Austragungsorte in Mitteleuropa.
Der Saisonauftakt fand von 2002 bis 2007 im Oktober in Düsseldorf statt. Dort wurden in der Innenstadt ein Sprintwettbewerb und ein Teamsprint durchgeführt. Des Weiteren wurden in Deutschland mehrfach Weltcupwettbewerbe in Garmisch-Partenkirchen, Reit im Winkl, Oberhof und Oberstdorf ausgetragen. 2006 wurde im Rahmen der Tour de Ski ein Sprintrennen im Münchener Olympiastadion durchgeführt. Aufgrund der finanziellen Situation des deutschen Skiverbandes konnten in der Saison 2007/08 jedoch keine Veranstaltungen außer dem Saisonauftakt in Düsseldorf durchgeführt werden. Im Jahr 2008 fand der Skilanglauf-Weltcup in Düsseldorf im Dezember statt. Hinzu kommt Oberhof als Startort der Tour de Ski.
In der Saison 2017/18 wird erstmals auch die sächsische Landeshauptstadt Dresden einen Weltcup ausrichten (Sprint Freistil und Teamsprint).
Punktesystem Die Ergebnisse der Weltcupwettbewerbe werden auf Grundlage des FIS-Punktesystems in Punkte umgerechnet. Bei Einzelwettbewerben erhalten seit der Saison 2022/23 die besten 50 Athleten bzw. bei Staffelwettbewerben die besten 30 Mannschaften Weltcuppunkte, wobei die Punktetabelle bei Staffelwettkämpfen im Vergleich zu Einzelwettkämpfen bei 200 statt bei 100 Punkten beginnt. Anzumerken ist auch, dass eine Nation mit mehreren Staffeln antreten kann. Weltcuppunkte erhält aber nur eine Staffel, die vor dem Wettkampf benannt werden muss. Bei Teamsprints können pro Nation zwei Teams teilnehmen, die beide Weltcuppunkte erhalten können.
Bei den Etappenrennen Tour de Ski, Lillehammer Triple und Weltcupfinale werden sowohl für die einzelnen Etappen als auch für die Gesamtwertung am Ende des Events Punkte vergeben.
Die Punkte für einzelne Etappen zählen dabei sowohl für den Gesamtweltcup als auch für die Disziplinenweltcups, während die Punkte für die Gesamtwertung nur für den Gesamtweltcup zählen.
Platz 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 Einzel 100 95 90 85 80 75 72 69 66 63 60 58 56 54 52 50 48 46 44 42 40 38 36 34 32 30 28 26 24 22 20 19 18 17 16 15 14 13 12 11 10 9 8 7 6 5 4 3 2 1 Gesamtwertung Etappenrennen incl. Tour de Ski 300 285 270 255 240 225 216 207 198 189 180 174 168 162 156 150 144 138 132 126 120 114 108 102 96 90 84 78 72 66 60 57 54 51 48 45 42 39 36 33 30 27 24 21 18 15 12 9 6 3 Etappe bei Etappenrennen 50 47 44 41 38 35 32 30 28 26 24 22 20 18 16 15 14 13 12 11 10 9 8 7 6 5 4 3 2 1 Staffel / Teamsprint 200 160 120 100 90 80 72 64 58 52 48 44 40 36 32 30 28 26 24 22 20 18 16 14 12 10 8 6 4 2 Weltcup-Bonus-Punkte 15 12 10 8 6 5 4 3 2 1
Seit der Saison 2009/10 werden bei Massenstartwettbewerben Weltcup-Bonus-Punkte bei Zwischenwertungen vergeben. In der Saison 2018/19 erhielten die ersten zehn Punkte. Dabei muss das Rennen beendet werden, die Punkte gehen jedoch nur bei Disqualifikation an den nächsten über, nicht bei Aufgabe. Abhängig von der Länge des Wettbewerbs werden bis zu sechs Zwischenwertungen pro Wettbewerb ausgetragen, zwei bei Etappenrennen.
Weltcup-Bonus-Punkte werden ebenfalls beim Sprint Einzel für die besten 10 Plätze in der Qualifikation vergeben.
Länge des Wettbewerbs 10 km 11–20 km 30 km 50 km Anzahl Zwischenwertungen 1 2 4 6
Wertungen Gesamtweltcup mini|Weltcupgesamtsieger Tobias Angerer bei der Siegerehrung 2007
Während einer Weltcupsaison werden Wertungen im Gesamtweltcup, in Disziplinenweltcups und in der Nationenwertung vergeben. Die Sieger der Wertungen werden mit einer Siegertrophäe und einem Preisgeld belohnt. Zum Gesamtweltcup werden alle von einem Athleten in Einzelwettbewerben errungenen Weltcuppunkte in einer Saison gezählt, wobei die Anzahl der Sprintwettkämpfe, die in die Gesamtwertung eingehen, abhängig von der ausgetragenen Anzahl an Distanzrennen ist. Es wird maximal die Anzahl an Sprintresultaten gewertet, die der Hälfte der ausgetragenen Distanzrennen entspricht. Werden beispielsweise zwölf Distanzrennen ausgetragen, so dürfen maximal sechs Ergebnisse aus Sprintwettbewerben gewertet werden, auch wenn mehr Sprintwettbewerbe ausgetragen wurden. Die Sieger im Gesamtweltcup erhalten eine große FIS-Weltcup-Trophäe (Weltcupkugel). Die ersten sechs Athleten der Wertung werden zusätzlich mit FIS-Medaillen ausgezeichnet. Die Auszeichnung erfolgt direkt im Anschluss an den letzten Weltcupwettkampf.
Disziplinenweltcups