mini|Gedenktafel in der Jesuitenkirche in Wien Alois Grimm SJ (* 24. Oktober 1886 in Külsheim, Deutschland; † 11. September 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden) war ein Jesuit, Theologe (Patrologie), Erzieher und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, der denunziert und wegen Wehrkraftzersetzung zum Tod verurteilt wurde.
Erzieher und Lehrer Alois Grimm konnte sich nach dem Abitur am Gymnasium in Tauberbischofsheim zunächst nicht entscheiden, ob er Marine-Offiziersanwärter oder Priester werden solle. Er machte mit seinem Vetter Einkehrtage in Holland bei Jesuiten, die in Deutschland seit 1872 durch das Jesuitengesetz verboten waren. Im Herbst 1907 trat er in den Jesuitenorden ein. Seine philosophische und theologische Ausbildung wurde im Ersten Weltkrieg durch den Sanitätsdienst im Kriegslazarett unterbrochen. 1920 wurde er zum Priester geweiht. 1921 übernahm Grimm die deutschsprachige Auslandsseelsorge in Florenz. Von 1922 bis 1926 studierte er klassische Sprachen, Geschichte und Germanistik an den Universitäten Wien und Heidelberg. Ab 1926 unterrichtete er im Jesuitenkolleg Stella Matutina in Feldkirch und ab 1934 im Kolleg St. Blasien im Schwarzwald.
Wissenschaftler Als Patrologe und Forscher befasste sich Grimm mit Schriften der Kirchenväter. Unter anderem arbeitete er an einer textkritischen Ausgabe des Ambrosiaster für das Corpus scriptorum ecclesiasticorum latinorum (CSEL) in Wien. Der Ambrosiaster ist ein lateinischer Pauluskommentator des vierten Jahrhunderts, den es in vielen verschiedenen Handschriften mit abweichenden Texten gibt, und wurde Ambrosius von Mailand zugeschrieben. Grimms Forschungen hatten zum Ziel, den „Ur-Ambrosiaster“ durch Vergleiche der Handschriften, ihrer Herkunft, Autoren und mögliche Familiae („familiäre“ Verbindungen mit anderen Handschriften) wiederherzustellen, um so endlich einen Text mit dem ursprünglichen Inhalt, Editio Princeps, zu schaffen. Die Echtheit des Ambrosiasters war auch Gegenstand seiner Veröffentlichungen.
Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus Grimm war mehr als Religions-, Lateinlehrer oder Wissenschaftler. Seine klaren Auseinandersetzungen mit nationalsozialistischem Denken aus christlicher Sicht fielen anderen auf. Ein weltlicher nationalsozialistischer Lehrer-Kollege äußerte: „Grimm hat sich in gemeiner Weise über den neuen Geist geäußert. Ich hoffe, dass ihm bald auf Jahre oder für immer das Handwerk gelegt wird.“ Grimm rechnete mit Spitzeln, hielt sich aber nicht mit seiner Meinung zurück: „Wenn mir etwas zustößt, wäre es für mich die größte Ehre, das größte Glück.“Benedicta Maria Kempner: Priester vor Hitlers Tribunalen. München 1967, S. 128.
Nach der Schließung des Kolleg St. Blasien durch die Nationalsozialisten ging Pater Grimm 1939 wieder nach Tisis, Vorlberg, wo er im Noviziat Latein unterrichtete und in der Pfarrseelsorge aushalf. 1943 bat ihn ein Gefreiter aus Berlin um Aufnahme in die Kirche. Er kam regelmäßig zum privaten Unterricht, ließ sein Kind von Pater Grimm taufen und brachte schließlich „seinen Freund“ ebenfalls mit zum Glaubensunterricht. Im Oktober 1943 wurde Pater Grimm von der Gestapo verhaftet und ins Gestapogebäude nach Innsbruck gebracht. Dort trat ihm zu seiner Überraschung dieser „Freund“ als Gestapobeamter gegenüber. mini|hochkant=0.5|Gedenkstein für Alois Grimm in Külsheim Pater Grimm wurde von der Gestapo verhört und misshandelt, nach Berlin gebracht, angeklagt und nach weiteren Misshandlungen am 12. August 1944 von Roland Freisler wegen Wehrkraftzersetzung in zwei Fällen sowie Defätismus zum Tode verurteilt und für ehrlos erklärt. Sein Verteidiger am Volksgerichtshof, Joachim Lingenberg, schrieb nach der Verhandlung: Benedicta Maria Kempner: Priester vor Hitlers Tribunalen. München 1967, S. 125.
Nach seiner Verurteilung schrieb Pater Grimm:
Fünf Jahre nach der Vollstreckung des Todesurteils wurde die Urne im Kolleg St. Blasien beigesetzt.Benedicta Maria Kempner: Priester vor Hitlers Tribunalen. München 1967, S. 135.
Zitate
Ehrungen Fünf Jahre nach seinem Tod wurde die Urne von P. Grimm dem Kolleg St. Blasien anvertraut. Rektor Otto Faller sagte bei der Beisetzung der Asche von P. Grimm:
mini|Pater-Alois-Grimm-Schule in Külsheim Schulen, Gebäude und Straßen wurden nach Pater Alois Grimm benannt, so die Pater-Alois-Grimm-Schule in Külsheim und das Alois-Grimm-Haus in St. Blasien. In der Innsbrucker Jesuitenkirche und in Pullach gibt es Ehrentafeln mit seinem Namen. Seine wissenschaftliche Bibliothek befindet sich heute in der Hochschule für Philosophie München.
Die katholische Kirche hat Alois Grimm als Glaubenszeugen in das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen.
Weblinks
Literatur Otto Faller: Ansprache zur Beisetzung der Asche von † P.Alois Grimm SJ. In: Kolleg-Brief Weihnachten 1949. Kolleg St. Blasien, 1949, S. 13–16.
Roman Bleistein, Art.: Pater Alois Grimm, in: Helmut Moll (Hrsg. im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz), Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts, Paderborn u. a. 1999, 8. erweiterte und aktualisierte Auflage 2024, Band II, S. 956–958. Günther Schüly: Pater Alois Grimm. Kolleg Brief Weihnachten 1956, Kolleg St. Blasien 1956, S. 35–48. Clemens Siebler: Grimm, Joseph Alois, in: Badische Biographien, NF 2, S. 107–108 (E-Text). Elmar Weiss, Irmtraut Edelmann, Helmuth Lauf (Autoren): Geschichte der Brunnenstadt Külsheim. 2 Bände. Stadt Külsheim (Hrsg.). Tauberbischofsheim, FN Druck 1992. Band 1. Mit Beiträgen von Dieter Frank, Walter Dietz, Pfarrer Franz Gehrig, Herwig John, Fritz Krug. S. 308–319. Albrecht J. Schmitt: Von keiner Macht gezwungen, 2024, Verlag Books on Demand GmbH ISBN 9783758373299
Einzelnachweise
Kategorie:Pädagoge (20. Jahrhundert) Kategorie:Jesuit Kategorie:Römisch-katholischer Geistlicher (20. Jahrhundert) Kategorie:Römisch-katholischer Theologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Römisch-katholische Kirche im Deutschen Reich 1933–1945 Kategorie:Person (Widerstand gegen den Nationalsozialismus) Kategorie:Autor Kategorie:Opfer der NS-Justiz Kategorie:Hingerichtete Person (NS-Opfer) Kategorie:Märtyrer Kategorie:Deutscher Kategorie:Person (Külsheim) Kategorie:Geboren 1886 Kategorie:Gestorben 1944 Kategorie:Mann