Die Bahnstrecke Oldenburg–Leer ist eine 55 Kilometer lange eingleisige, elektrifizierte Hauptbahn im Nordwesten Niedersachsens. Sie verbindet die Bahnstrecke Rheine–Emden Süd bei Leer mit der Großstadt Oldenburg. Damit dient sie dem Verkehr aus Richtung Hannover und Bremen zur Hafenstadt Emden, dem Emsland sowie dem westlichen Ostfriesland einschließlich der für den Fremdenverkehr wichtigen Inseln Borkum, Juist und Norderney. Zusammen mit der Bahnstrecke Leer–Groningen hat sie auch eine internationale Bedeutung und ist Teil der deutsch-niederländischen Wunderline.
Geschichte
Die Großherzoglich Oldenburgischen Staatseisenbahnen erbauten die Strecke als 55 km lange Hauptbahn zur Verbindung der Residenzstadt Oldenburg mit der preußischen Bahnstrecke Rheine–Emden Süd in Leer und eröffneten sie am 15. Juni 1869.
Die Strecke wurde zweigleisig trassiert, jedoch nur ein Gleis verlegt. Das sich die Hoffnung nicht erfüllte, dass sie Strecke Teil einer Relation Berlin–Amsterdam werden würde, wurde das zweite Gleis nicht ergänzt. Nur der 4 km lange Abschnitt zwischen Kayhauserfeld und Bad Zwischenahn wurde vor 1915 zur Verdichtung der Verkehrs zweigleisig ausgebaut. Zwischen 1945 und 1950 wurde das zweite Gleis dort wieder entfernt.
Anfang der 1990er Jahre wurde die Strecke für insgesamt 24 Millionen Deutsche Mark, davon 11 Millionen Deutsche Mark vom Land Niedersachsen getragen, elektrifiziert. Aufgrund der erwarteten Windlast wurde der Abstand der Oberleitungsmasten um 10 Meter verringert. Der elektrische Betrieb wurde mit einem Sonderzug am 22. Mai 1992 eröffnet und mit dem Beginn des Sommerfahrplans 1992 am 31. Mai planmäßig aufgenommen, wodurch sich in Oldenburg der aufwändige und zeitraubende Lokomotivwechsel erübrigte.
Der Haltepunkt Oldenburg-Wechloy wurde in unmittelbarer Nähe zur Carl von Ossietzky Universität Oldenburg gebaut und im Juni 2015 in Betrieb genommen.
Ausbau
In den Bundesverkehrswegeplan 2003 wurde als „weiterer Bedarf“ ein zweigleisiger Ausbau für den Seehafenhinterlandverkehr vorgesehen.
Langfristiges Ziel der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) ist die Verbesserung der Anschlusssituation in Leer zwischen den Nahverkehrszügen aus Richtung Oldenburg und der Bahnstrecke Rheine–Emden Süd. Hier bestehen aktuell Wartezeiten zwischen 45 und 52 Minuten. Da die Anschlüsse in Bremen, Oldenburg und Münster eine höhere Priorität besitzen, ist der kürzere Umstieg nur durch Infrastrukturausbauten auf der Strecke Rheine–Emden Süd und der Strecke Oldenburg–Leer realisierbar.
Langfristiges Ziel von niederländischer Seite sind durchgehende Fernzüge zwischen Groningen und Bremen mit zwei Stunden Fahrzeit.
Der 2016 beschlossene Bundesverkehrswegeplan 2030 sieht keinen Ausbau der Strecke Oldenburg–Leer vor. Gründe dafür seien die fehlende Zunahme des Schienengüterverkehrs, die nicht gegebene Notwendigkeit einer Kapazitätserweiterung für den Schienenpersonenfernverkehr (SPFV) und die damit einhergehende zu geringe Wirtschaftlichkeit.
Im Februar 2019 haben sich die Länder Niedersachsen und Bremen sowie die Provinz Groningen auf einen 128 Millionen Euro teuren Ausbau der Wunderline Bremen–Leer–Groningen geeinigt. Dieser soll in zwei Stufen geschehen und sieht in der zweiten Stufe (bis 2030) unter anderem einen zweigleisigen Ausbau zwischen den Bahnhöfen Augustfehn und Stickhausen-Velde vor.
Im dritten Gutachterentwurf des Deutschlandtakts ist ein zweigleisiger Ausbau zwischen Bad Zwischenahn und Westerstede-Ocholt geplant. Dafür sind, zum Preisstand von 2015, Investitionen von 61 Millionen Euro vorgesehen. Zudem ist im Betriebsbahnhof Stickhausen-Velde ein drittes Gleis unterstellt, für das, zum Preisstand von 2015, Investitionen von 17 Millionen Euro vorgesehen sind.
Reaktivierung von Stationen
Am 18. Mai 2015 gab das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr bekannt, dass nach interner Prüfung in Zusammenarbeit mit der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) die derzeit geschlossene Station in Apen, als eine von insgesamt 38 Stationen in Niedersachsen, wieder eröffnet werden könne. Im Fall von Apen kann dies aufgrund nötiger Infrastrukturmaßnahmen jedoch erst mittel- bis langfristig erfolgen.
Verkehr
Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2013 wird die Verbindung wieder durch Intercity-Züge im Zweistundentakt von Leipzig/Berlin und Hannover nach Emden und Norddeich bedient. Das Angebot wurde aufgrund eines neunjährigen Vertrages zwischen dem Land Niedersachsen und der DB Fernverkehr AG ganzjährig von drei auf neun Zugpaare verdichtet. In dem Vertrag hat sich das Unternehmen verpflichtet, in seinen Zügen auf der Relation Bremen – Emden – Norddeich alle Fahrscheine des Nahverkehrs zu akzeptieren und moderne Doppelstockwagen einzusetzen, im Gegenzug leistet das Land Niedersachsen Ausgleichszahlungen. Zusammen mit den als Regional-Express verkehrenden Zügen ergibt sich in etwa ein Stundentakt. Seit Mitte Dezember 2010 wird außerdem auf dem Abschnitt Oldenburg–Bad Zwischenahn eine stündlich verkehrende Linie der Regio-S-Bahn Bremen/Niedersachsen angeboten.
Weblinks
Einzelnachweise
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