mini|Der Hitler-Attentäter Georg Elser (1939) mini|Die Briefmarke „Verfolgung und Widerstand 1933–1945“ der Deutschen Bundespost von 1983 symbolisiert das Thema mit einer von Stacheldraht umgebenen weißen Rose, dem Kennzeichen der gleichnamigen studentischen Widerstandsgruppe mini|Foto von Sophie Scholl aufgenommen von der Gestapo, 18. Februar 1943 mini|Der Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg

Als Widerstand gegen den Nationalsozialismus wird der Widerstand von Einzelpersonen, Gruppen und Institutionen bezeichnet, der im Gebiet des NS-Staates und in den von der Wehrmacht besetzten Staaten vor und während der Diktatur des Nationalsozialismus gegen das NS-Regime geleistet wurde.mini|Harro und Libertas Schulze-Boysen (1935), Mitglieder der Roten Kapelle Überblick

Widerstand gegen die NS-Diktatur wurde von Menschen und Widerstandsbewegungen mit unterschiedlicher Herkunft beziehungsweise weltanschaulicher Prägung und Motivation geleistet. Solchen Widerstand gab es im gesamten Herrschaftsbereich des Nationalsozialismus; in den im Zweiten Weltkrieg durch das Deutsche Reich besetzten Gebieten nahm die Widerstandsbewegung große Ausmaße an. In Polen entstand die Polnische Heimatarmee und in Frankreich die Résistance. Zum Partisanenkrieg kam es vor allem in den besetzten Gebieten der Sowjetunion und in den Balkanstaaten Serbien, Kroatien, Slowenien, Albanien und Griechenland. Die politischen Vorstellungen der widerständigen Gruppierungen in den besetzten Gebieten waren sehr unterschiedlich (zum Beispiel in Italien die Strömungen der Resistenza bzw. der Andreas-Hofer-Bund), aber sie kämpften jahrelang nebeneinander gegen die Deutschen und das NS-System. Im Deutschen Reich selbst gab es „keine einheitlich auftretende und handelnde deutsche Widerstandsbewegung“.Klaus Hildebrand: Das Dritte Reich, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München, 2009, ISBN 978-3-486-59200-9, S. 96 f. Die Widerstandsaktionen waren auch dort zum Teil unkoordinierte Einzelaktionen, wie zum Beispiel beim Attentat Georg Elsers im Bürgerbräukeller, zum Teil professionell vorbereitet wie bei der Weitergabe von Informationen über NS-Rüstungsbetriebe an die Alliierten durch die Widerstandsgruppe rund um Heinrich Maier, bei der Roten Kapelle oder beim Attentat vom 20. Juli 1944.

Von den Alliierten wurde der Widerstand im Deutschen Reich selbst so gut wie nicht unterstützt. Eine solche Unterstützung hätte darin bestehen können, Städte mit bekannt gewordenen Widerstandsaktionen zu verschonen, also nicht durch alliierte Luftangriffe zu bombardieren.Erläutert von Franz Graf-Stuhlhofer: Nachhaltige Friedenspolitik im Akutfall. Kriegsverkürzung als Ergebnis der Verknüpfung des Kampfes von außen und von innen, in: Gesellschaft & Politik. Zeitschrift für soziales und wirtschaftliches Engagement, 2019, H. 3, S. 135–137. Anders war es in den besetzten Gebieten sowie in Österreich, wo das amerikanische OSS und das britische SOE lokale Widerstandsgruppen unterstützten und versorgten. Der NS-Staat verfolgte mit seinen Organen wie der Gestapo und dem SD innenpolitische Gegner und Widerstandsgruppen.Vgl. u. a. Dams, Stolle: Die Gestapo. Herrschaft und Terror im Dritten Reich (2017), S. 103 ff. Viele Widerstandskämpfer wurden verhaftet, inhaftiert, brutal gefoltert und getötet.

Schon vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten entwickelte sich Widerstand verschiedener Gruppen. In der Zeit des Nationalsozialismus selbst beschränkte sich dann der – immer mit Lebensgefahr verbundene – Widerstand im Deutschen Reich auf eine kleine Minderheit der deutschen Bevölkerung, sei es aus politischen, religiösen oder ethisch motivierten Gründen. Grundsätzlich wird zwischen organisiertem und individuellem Widerstand unterschieden. Individueller Widerstand von Privatpersonen konnte sich auf die Verweigerung des Hitlergrußes beschränken. Es wurden aber auch Zwangsarbeiter mit Lebensmitteln versorgt, Flugblätter produziert, Verfolgte versteckt oder Attentate durchgeführt.

Ein Beispiel für organisierten Widerstand waren die aufgedeckten Pläne von Karl Burian, das Gestapo-Hauptquartier in Wien zu sprengen. Auch in Konzentrationslagern, Gefangenenlagern oder Arbeitslagern bildeten sich Widerstandsgruppen.Vgl. unter anderem Ernst Klee: Widerstand im KZ: Kein Ort für Helden. In: Die Zeit vom 27. März 1981. Wenig beachtet wurde bisher der jüdische Widerstand.Vgl. Bernhard Schulz: Jüdischer Widerstand im NS. Sie kämpften ums Überleben. In: Der Tagesspiegel vom 11. April 2013. Verschiedentlich verweisen Historiker darauf, dass in einer Wertung des Widerstandes die Gefahr der Hierarchisierung bestehe. Sie sei aber nicht angemessen, betrachte man Umfang, Einsatz und Wirkung der unterschiedlichen Formen.

Struktur des Widerstands im Deutschen Reich In Deutschland waren bis 1934 alle Mittel der Verfassung zur Entmachtung Adolf Hitlers ausgeschaltet worden. Deshalb war, anders als bei Benito Mussolini in Italien, keine legale Absetzung Hitlers möglich. Kurz nach der Machtergreifung der NSDAP waren vor allem kommunistische, sozialdemokratische und andere linke Gruppen aktiv. Diese wurden jedoch innerhalb weniger Jahre durch die Gestapo und die SS stark geschwächt. In den folgenden Jahren waren verstärkt religiös und ethisch motivierte Gruppen und Einzelpersonen aktiv. Zu einer umfassenden, staatsstreichartigen Widerstandsaktion war erst die Organisation um den 20. Juli fähig, die sich zu einem Großteil aus Funktionseliten des Dritten Reichs rekrutierte.

Teile der Wehrmacht­führung und sogar wertkonservativ-national gesinnte Politiker (Paul von Hindenburg, Kurt von Schleicher) standen dem Nationalsozialismus von Anfang an eher kritisch gegenüber. Seit der Entmachtung der Wehrmachtführung mit Hilfe der inszenierten Skandale um von Blomberg und von Fritsch (Blomberg-Fritsch-Krise) versuchte General Ludwig Beck, ein gemeinsames Vorgehen der Generalität gegen die Kriegsplanungen Hitlers zu organisieren. Größere Umsturzpläne kamen aber vor dem 20. Juli 1944 nicht zur Ausführung. Meist wurden das System und die Verfolgung etwa der Arbeiterbewegung mitgetragen, solange ein siegreicher Ausgang des Krieges möglich schien.

Allen Gruppen war bewusst, dass sie eine verschwindend kleine Minderheit der Bevölkerung darstellten. Sie besaßen keine realistische Chance, das System grundlegend zu ändern. Die Struktur des Widerstandes und diesbezügliche Entwicklung war im gesamten Deutschen Reich ähnlich. Eine wesentliche Unterstützung durch die Alliierten erhielt der deutsche Widerstand nicht, vielmehr führte die Forderung einer bedingungslosen Kapitulation zu einer Solidarisierung mit der Führung und gab dem Widerstand keine Möglichkeit, durch eine Machtübernahme die Friedensbedingungen zu verbessern. Die bescheidenen Versuche von Heinrich Brüning, Erich Koch-Weser und anderen Exilanten eine deutsche Exilregierung einzurichten, scheiterten.

Nach 1945 diente der Bezug auf den Widerstand oft als Identitäts- und Legitimationsgrundlage neu entstandener Organisationen und Systeme. So bezog (und bezieht) sich die als Resultat der Wiederbewaffnung entstandene Bundeswehr stark auf den 20. Juli, während der kommunistische Widerstand während der NS-Zeit eine der Hauptlegitimationen der DDR wurde. Dies führte meist zu einer Überbetonung einer Form des Widerstandes im geschichtlichen Erinnern, während andere marginalisiert wurden. Einzelne Widerstandskämpfer wie Georg Elser oder die Edelweißpiraten verschwanden fast vollkommen aus dem kollektiven Gedächtnis. Die Einschätzung des Wirkens hängt auch heute noch vom jeweiligen Standpunkt ab.

Darüber hinaus versuchten nach 1945 Personen, die keineswegs Widerstand geleistet hatten oder sogar aktive NS-Täter waren, sich selbst als Widerstandskämpfer zu stilisieren, oftmals unter Beschaffung eines Persilscheins.

Widerstandsgruppen in Deutschland Widerstand aus der Arbeiterbewegung

Kommunistischer Widerstand 1933–1935 Obwohl die KPD bereits in den vorherigen Jahren mehrfach die Arbeit im Untergrund vorbereitet hatte, kam die massenhafte Verfolgung von kommunistischen Funktionären im Frühjahr 1933 für viele Mitglieder als Schock. Anfänglich betrachteten hochrangige Kommunisten die Herrschaft des Nationalsozialismus als zeitweiliges Phänomen vor einer proletarischen Revolution. Schon in Zeiten der Weimarer Republik rückte die KPD den Faschismus der Nationalsozialisten außerdem in eine Reihe mit dem Schlagwort des „Sozialfaschismus“, der die Sozialdemokraten als linke Ausprägung des Faschismus betrachtete. Die Sozialfaschismusthese – schließlich von der Komintern durch die Idee einer linken Einheitsfront gegen den Faschismus ersetzt – verhinderte bis 1935 eine öffentliche Zusammenarbeit mit Sozialdemokraten.

Nach den Verhaftungen von kommunistischen Funktionären im Frühjahr 1933 begann der Übergang in die Untergrundarbeit. Die KPD etablierte Ende Mai eine Auslandsleitung in Paris und viele Kommunisten emigrierten. Organisatorisch beibehielt die kommunistische Partei in Deutschland die drei Ämter des politischen, organisatorischen und Agitpropleiter auf der Bezirksebene. Die Widerstandsarbeit wurde bis 1935 hauptsächlich durch die Inlandsleitung (auch Zentrale Operative Leitung (ZOL) genannt) in Berlin koordiniert. Insbesondere auf der Stadt- und Kreisebene mussten nach den massenhaften Verhaftungen im Frühjahr 1933 neue Funktionäre gefunden werden. Diese weitestgehende Beibehaltung der zentralistischen Strukturen brachte den Vorteil, dass zerschlagene Organisationen von Funktionären schnell wieder aufgebaut werden konnten. Sie erleichtere jedoch – da diese Strukturen bekannt waren – auch die Arbeit der Gestapo.

Der Widerstand konzentrierte sich anfangs insbesondere auf dem Drucken von Schrifterzeugnissen wie Zeitschriften (zum Beispiel die Rote Fahne), Schriften und Aufrufen. In grenznahen Regionen wurden Druckerzeugnisse auch über die Grenze geschmuggelt, so zum Beispiel das Braunbuch. Auch kleinere Sabotageaktionen waren Teil des Widerstandes. Vielfach wurden alte Routinen, wie das Abstempeln der Mitgliedskarte und Kassierung der Beiträge im Untergrund fortgeführt.

In den Jahren 1934/1935 wurde der kommunistische Widerstand stark geschwächt: Die Gestapo setzte Spitzel und V-Leute ein und überwachte Verbindung von kommunistischen Funktionäre, die sie dann häufig innerhalb von Massenverhaftungen verhaftete. Die Gestapo verhörte und folterte viele Kommunisten. Daraufhin wurden sie meist in Gruppen vor den Gerichten angeklagt und verurteilt. Die massenhaften Verhaftungen sorgten für eine weitere Isolierung der verschiedenen kommunistischen Gruppen.

1936–1939 Auf der „Brüsseler Konferenz der KPD“ im Oktober 1935 bei Moskau wurde die Sozialfaschismusthese durch eine Volksfrontpolitik ersetzt. Man folgte damit der Beschlusslage des 7. und letzten Weltkongress der Komintern vom August 1935. Bereits im März 1935 war ein neues Team der Berliner Inlandsleitung verhaftet worden. Man entschied sich daraufhin für eine Restrukturierung: Von nun an sollte die Widerstandsarbeit aus den Nachbarländern mithilfe von sechs Abschnittsleitungen koordiniert werden. Diese Abschnittsleitungen wurden mit der Zeit jedoch zunehmend irrelevanter, da die Exilführung häufig den Kontakt zu Widerstandsgruppen komplett verlor.

Die Aktivität des Widerstandes ging in den Jahren ab 1936 stark zurück, was sich beispielhaft an den illegalen Schrifterzeugnissen zeigt: „Während 1936 etwa 1 500 000 illegale Flugblätter und Schriften festgestellt wurden, sank ihre Zahl bis 1938 auf kaum 100 000, von denen die meisten aus dem Ausland stammten...“. Auch die politischen Verhaftungen nahmen ab. In dieser Zeit verlor der kommunistische Widerstand seinen Massencharakter, den er in den Jahren 1933–1935 noch besessen hatte. Zahlreiche Kommunisten (ca. 4500, so Herlemann) kämpften ab 1936 im Spanischen Bürgerkrieg.

1939–1945