In der Seeschlacht bei Finisterre verhinderte die britische Flotte unter Vizeadmiral Sir Robert Calder am 22. Juli 1805, dass die französisch-spanische Flotte unter Admiral Pierre de Villeneuve in den Ärmelkanal segeln konnte, um Napoleon bei der geplanten Invasion Großbritanniens zu unterstützen. Die Seeschlacht wird dem Dritten Koalitionskrieg zugerechnet.

Hintergrund Nachdem Napoleon am 18. Mai 1803 den italienischen Staat Piemont annektiert hatte, kam es erneut zum Krieg. Napoleon beabsichtigte eine Invasion Großbritanniens.Wilson: Empire of the deep, Phoenix, London, 2014, S. 431. Um die britische Flotte unter Admiral Nelson, die den Ärmelkanal bewachte, von Europa wegzulocken, war Vizeadmiral Pierre de Villeneuve Ende März 1805 von Toulon aus mit einer französisch-spanischen Flotte in die Karibik gesegelt, wo er die dortigen britischen Kolonien bedrohte. Am 7. Juni erfuhr er durch die Kaperung eines britischen Handelsschiffs von Nelsons Ankunft in Antigua. Villeneuve segelte daraufhin am 11. Juni wieder in Richtung Europa, ohne eines seiner Ziele in der Karibik erreicht zu haben.Mostert: The Line upon a Wind, Random House, London 2007, S. 458 ff., S. 463.

Auftakt Am 7. Juli erhielt der erste Lord der Admiralität John Jervis die Nachricht, dass Villeneuve auf dem Weg zurück nach Europa sei. Daraufhin erhielt Admiral Calder den Befehl, die Blockade der Häfen von Rochefort und Ferrol zu beenden und in Richtung Kap Finisterre zu segeln. Dort sollte er Villeneuve abfangen.Marcus: The age of Nelson, Viking Press, New York, 1971, S. 258.

Die Seeschlacht Am 22. Juli gegen 11:00 Uhr sichteten die Briten die französisch-spanische Flotte mit Steuerbordbug etwa 115 Seemeilen nordwestlich von Kap Finisterre. Die Briten segelten mit Backbordbug in Richtung Nordnordost. Um 12:00 Uhr ließ Calder zum Gefecht klarmachen und eine Stunde später gab er den Befehl, eine Schlachtlinie zu bilden. Calders Flotte, die den Feind durch den Nebel kaum sehen konnte, befand sich fast querab und war etwa sieben Meilen entfernt. Als Kapitän Gardner an Bord der Hero feststellte, dass die Franzosen eine Wende vollzogen hatten, wendete er selbst ohne Signal und eröffnete um 17:20 Uhr das Feuer mit seinen Steuerbordgeschützen auf die Argonauta. Um 17:45 Uhr wendete die Ajax achteraus der Hero, aber anstatt der Hero zu folgen, entfernte sie sich, um Calder über die Positionsänderung zu informieren. Danach nahm sie ihren Platz in der Reihe achtern der Glory ein. Um 17:50 Uhr, als das Signal zum aufeinanderfolgenden Wenden gehisst wurde, hatten die Triumph, die Barfleur, die Agamemnon, die Windsor Castle und die Defiance dies bereits getan. Schließlich folgte Calder mit seinem Flaggschiff Prince of Wales. Um 18:00 Uhr befanden sich alle Schiffe, mit Ausnahme der Dragon, in Luv mit Steuerbordhalsen. Durch den Rauch und den Nebel bildete sich ein dichter undurchdringlicher Schleier, sodass die Schiffe nahezu blind aufeinander feuerten. Zu den Schiffen, die am schwersten getroffen wurden, gehörten die Windsor Castle, die Malta und die Ajax. Auf französischer Seite wurden die San Rafael, die Firme und die Hispana, die nach Lee abgefallen waren, schwer beschädigt. Kurz nach 20:00 Uhr kapitulierte die Firme und wenig später die San Rafael. Bei immer noch dichtem Nebel und Rauch gab Calder um 20:25 Uhr mit hereinbrechender Nacht das Signal zur Beendigung des Kampfes. Die französisch-spanische Flotte befand sich zu diesem Zeitpunkt in Luv, immer noch in Schussreichweite. Da mehrere Schiffe das Signal nicht sahen, dauerten die Kämpfe bis 21:30 Uhr an. Gegen 21:45 Uhr drehten die Briten Richtung Westsüdwest ab, um die Schäden zu beheben.

Am Morgen des 23. Juli betrug der Abstand zwischen den beiden Flotten 27 km. Calder war nicht bereit, noch einmal einen überlegenen Gegner anzugreifen. Außerdem hatte er die beschädigten Schiffe Windsor Castle und Malta zu schützen. Er fürchtete auch, dass die Flotten, die in den bislang blockierten Häfen Rochefort und Ferrol lagen, entkommen und sich mit Villeneuves Flotte zusammenschließen könnten. Daher griff er nicht mehr an und segelte mit seinen Prisenschiffen in Richtung Nordosten. Am 24. Juli drehte der Wind zugunsten der Franzosen. Dennoch unterließ Villeneuve einen Angriff und segelte stattdessen in Richtung Süden.Clowes: The Royal Navy, A History from the Earliest Times to 1900 Bd V, Chatham Publishing, London, 1997, S. 111 f.

Auswirkungen Aus taktischer Sicht blieb die Schlacht ohne klares Ergebnis. Aus strategischer Sicht bedeutete sie jedoch einen weiteren Rückschlag für Napoleons Invasionspläne. Die britischen Verluste betrugen 198 Tote und Verwundete. Auf Seite der Franzosen und Spanier waren 490 Tote und Verletzte zu verzeichnen. Calder wurde wegen seiner Zurückhaltung im Kampf am 23. und 24. Juli seines Kommandos enthoben, vor das Kriegsgericht gestellt und erhielt dort eine ernste Rüge. Er erhielt danach nie wieder ein Kommando auf See.Adkin: The Trafalgar companion, Aurum Press, London 2005, S. 54–57.

Britische Flotte mini|Admiral Robert Calder Calder hatte 15 Linienschiffe, zwei Fregatten und zwei kleinere Schiffe zur Verfügung.

Schiff Kanonen Kommandant Verluste Anmerkungen getötet verwundet Insgesamt Hero 74 Alan Hyde Gardner 1 4 5 Ajax 74 William Brown 2 18 Triumph 74 Henry Inman 5 6 11 Barfleur 98 George Martin 3 7 10 Agamemnon 64 John Harvey 3 3 Windsor Castle 98 C. Boyles 10 35 45 Defiance 74 Philip Durham 1 7 8 Prince of Wales 98 W. Cumming 3 20 23 Flaggschiff von Admiral Calder Repulse 64 Arthur Keye-Legge 0 4 4 Raisonnable 64 Josias Rowley 1 1 2 Dragon 74 Edward Griffith 0 4 4 Glory 98 Samuel Warren 1 1 2 Flaggschiff von Konteradmiral Sir Charles Stirling Warrior 74 S. Hood Linzee 0 0 0 Thunderer 74 William Lechmere 7 11 18 Malta 80 Granger 5 40 45

Französisch-spanische Flotte mini|rechts|Admiral Pierre de Villeneuve Villeneuve hatte 20 Linienschiffe (6 spanische und 14 französische) sowie sieben Fregatten und zwei Briggs zur Verfügung.

Schiff Kanonen Kommandant Verluste Anmerkungen getötet verwundet Insgesamt Argonauta 80 Rafael de Hore 6 5 11 Flaggschiff von Generalleutnant Federico Gravina Terrible 74 Francisco Vázquez de Mondragón 1 7 8 América 64 Juan Darrac 5 13 18 España 64 Bernardo Muñoz 5 23 28 San Rafael 80 Francisco de Montes 41 97 138 gekapert Firme 74 Rafael de Villavicencio 35 60 95 gekapert Pluton 74 Julien Marie Cosmao-Kerjulien 14 24 38 Mont-Blanc 74 La Villegris 5 16 21 Atlas 74 15 52 67 Kommandant getötet Berwick 74 Camas 3 11 14 Neptune 80 Maistral 3 9 12 Bucentaure 80 5 5 10 Flaggschiff von Admiral Pierre de Villeneuve Formidable 80 Jean-Marie Letellier 6 8 14 Flaggschiff von Konteradmiral Pierre Dumanoir Le Pelley Intrépide 74 Ifernet 7 9 16 Scipion 74 Berenguer – – 0 Swiftsure 74 Villemadrin – – 0 Indomptable 80 Jean Joseph Hubert 1 1 2 Aigle 74 Gourrege 6 – 6 Achille 74 Nieport – – 0 Algésiras 74 Brouard – – 0 Flaggschiff von Konteradmiral Magon

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

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