Die Freunde des Nationaltheaters e.V. sind ein gemeinnütziger Verein zur Förderung der Bayerischen Staatsoper, der Bayerischen Theaterakademie August Everding im Prinzregententheater sowie anderer Kultureinrichtungen und -projekte der Stadt München. Der Verein, 1951 gegründet von Münchener Bürgern, trug maßgeblich zum Wiederaufbau des Nationaltheaters am Max-Joseph-Platz in seiner jetzigen Form bei. Die enge Verbundenheit mit dem Nationaltheater und die Liebe zur Kunstform Oper kennzeichnen bis heute das bürgerschaftlich-mäzenatische Engagement der „Freunde“.

Ziele und Engagement mini|LED-Beleuchtung der Fassade des Nationaltheaters München ab 2017 Der Verein wurde 1951 mit dem Ziel gegründet, den möglichst raschen Wiederaufbau des 1943 durch Bomben zerstörten Nationaltheaters in seiner historischen Form durchzusetzen.Paul Schallweg: Und die „Freunde“ sammeln weiter. 40 Jahre Freunde des Nationaltheaters e.V. 1951–1991, München 1991, S. 9. Zudem sah der Verein im Wiederaufbau des Nationaltheaters eine verbindende Idee für alle Schichten der städtischen Gesellschaft der Nachkriegszeit. Den „Freunden des Nationaltheaters“ lag daran, in allen Schichten der Bevölkerung aktives Interesse für die Oper zu wecken, eine entsprechende Bildungsarbeit für Jugendliche und Erwachsene zu organisieren und als Voraussetzung dafür ausreichend Opernkarten für alle Liebhaber dieser Kunstform in München anbieten zu können. Nach der erfolgreichen Durchsetzung des Wiederaufbaus des Nationaltheaters entwickelte der Verein als Ziel und Aufgabe ein fortgesetztes bürgerschaftliches Engagement für das Nationaltheater, für die Kunstform der Oper sowie für das allgemeine Musikleben in München und die Förderung des künstlerischen Nachwuchses. Auch für den Erhalt kirchlicher und profaner Baudenkmäler setzt sich der Verein ein. Die ideelle und finanzielle Unterstützung durch die „Freunde“ zielt darauf ab, kulturelle Projekte in München zu fördern, deren Realisierung zu unterstützen oder zu ermöglichen. Die „Freunde“ sammeln dazu Unterstützer und treten öffentlich für ihre Vorhaben ein. An Finanzmitteln hat der Verein seit seiner Gründung über 32 Millionen Euro zur Förderung des Münchener Kulturlebens gesammelt.https://www.freunde-des-nationaltheaters.de/informieren/#sec4; abgerufen am 31. Juli 2019. Die jahrzehntelange Arbeit des Vereins hat einige Stifter und Mäzene dazu bewegt, durch großzügig dotierte Stiftungen und Schenkungen das Engagement für das Musik- und Sprechtheater in München langfristig sicherzustellen. Der Verein betreut unter anderem die Dr. Richard und Astrid Brunner Stiftung oder die August Everding Stiftung.https://www.theaterakademie.de/stiftung.html; abgerufen am 31. Juli 2019. Die Schenkung der Opernsängerin Anita Davis organisierte der Verein als „Künstlerhilfe der Freunde des Nationaltheaters“.

Aktivitäten für seine Mitglieder mini|Zuschauer des Jahreskonzert der „Freunde“ im Nationaltheater 2013 Für seine heute rund 1.000 Mitglieder bietet der Verein als ältester Förderer der Bayerischen Staatsoper die Möglichkeit einer besonderen Nähe zum Nationaltheater. Die Mitglieder können an vielen Veranstaltungen des Nationaltheaters, des Vereins und anderer Institutionen, die durch die „Freunde“ gefördert werden, teilnehmen.https://www.freunde-des-nationaltheaters.de/mitglied-werden/#sec1; abgerufen am 31. Juli 2019. Regelmäßig laden sie zur jährlichen Konzertmatinee der „Freunde“ im Nationaltheater, zu vom Verein organisierten Konzerten und Opernaufführungen, zu Führungen und Sonderveranstaltungen in der Bayerischen Staatsoper und dem Prinzregententheater oder zu Blicken hinter die Kulissen. Die Mitglieder werden durch den frühzeitigen Versand der Programme über die Produktionen der Bayerischen Staatsoper und der Münchener Opernfestspiele informiert. Die „Freunde“ bieten für ihre Mitglieder gemeinsame Kultur-, Konzert- und Opernreisen in Kulturmetropolen wie Mailand, Dresden, Luzern, Berlin, Wien und Hamburg an. Um Kinder und Jugendliche für die Kunstform Oper zu begeistern, laden die „Freunde“ immer wieder auch die jüngsten Familienmitglieder zu speziellen Kinderprogrammen im Nationaltheater und dem Prinzregententheater ein, etwa den „Sitzkissenkonzerten“ in der Parkettgarderobe des Nationaltheaters.; abgerufen am 31. Juli 2019.

Organisation Organe des Vereins „Freunde des Nationaltheaters“ sind die Mitgliederversammlung der „Beratenden Mitglieder“ und der Vorstand. Die Mitglieder setzen sich zusammen aus „Beratenden Mitgliedern“ und „Fördernden Mitgliedern“. Zur Führung der Verwaltungsangelegenheiten kann der Vorstand einen Geschäftsführer bestellen.

Geschichte Die Gründung der „Freunde des Nationaltheaters“ mini|Nationaltheater in Trümmern Der drohende Abriss der Ruine des Nationaltheaters am Max-Joseph-Platz aktivierte 1951 den Bürgersinn und das kulturelle Engagement einiger Münchener. In der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 1943 war das Gebäude durch Bombentreffer fast völlig zerstört worden. Mit Wiederaufblühen des Münchener Kulturlebens in der Nachkriegszeit machte bald das Wort vom „Opernkartennotstand“Kurz, Josef: Theatergemeinde München. Chronik 1947–1997. München 1997, S. 44. die Runde. Die Zuschauerplätze der intakten und unzerstörten Spielstätten, wie etwa das Prinzregententheater, reichten für die riesige Nachfrage nicht aus. Überlegungen kamen auf, die Ruine des Nationaltheaters abzutragen und an gleicher Stelle oder an einem anderen Ort ein neues, modernes Theatergebäude bzw. Opernhaus zu errichten. Auf einer Sitzung der „Theatergemeinde e.V. München“ im November 1951 wurden als Reaktion auf diese Überlegungen der Verein „Freunde des Nationaltheaters in München e.V.“ gegründet. Ihre Motivation: „Wenn nicht innerhalb eines Jahres was geschieht – dann kommt der Bagger!“Schallweg, Paul: Und die „Freunde“ sammeln weiter... 40 Jahre Freunde des Nationaltheaters e.V. 1951–1991, München 1991, S. 8. Ziel des Vereins war, den Wiederaufbau des Nationaltheaters durchzusetzen – am alten Platz und im Stil des 1818 von Carl von Fischer erbauten und durch Leo von Klenze erweiterten Hauses.Schallweg, Paul: Und die „Freunde“ sammeln weiter... 40 Jahre Freunde des Nationaltheaters e.V. 1951–1991, München 1991, S. 15. Der erste Vorsitzende des neuen Vereins wurde der Münchener Stadtrat Jakob Baumann, der sich wie seine Mitgründer mit großem Elan und vielen Ideen der Sache verschrieb.

miniatur|hochkant|Hans Knappertsbusch Für ihr Vorhaben erhielten die „Freunde des Nationaltheaters“ die Unterstützung von prominenten Persönlichkeiten wie der Dirigenten Hans Knappertsbusch und Eugen Jochum, des Komponisten Carl Orff oder des Münchener Oberbürgermeisters Thomas Wimmer.Schallweg, Paul: Und die „Freunde“ sammeln weiter... 40 Jahre Freunde des Nationaltheaters e.V. 1951–1991, München 1991, S. 8–9 und S. 15. Die immens hohen Kosten eines Wiederaufbaus und der Wunsch nach einer originalgetreuen Wiederherstellung des Gebäudes führten auch zu ablehnenden Reaktionen. Gegenvorschlag war ein kompletter Neubau des Nationaltheaters einschließlich der Umgestaltung des Max-Joseph-Platzes. Ein neues „Theaterzentrum“ auf dem Gelände der früheren „Türkenkaserne“ sollte entstehen. Mit hohem persönlichem Einsatz und nach vielen Gesprächen konnten die „Freunde“ ihren Wunsch eines Wiederaufbaus des Nationaltheaters mit seiner historischen Architektur durchsetzen. Das Innere des Hauses sollte dagegen auf dem neuesten Stand der Technik sein. Das Engagement der „Freunde“ – wohl die erste Bürgerinitiative Münchens mit einem kulturellen Ziel – stieß auch auf Unverständnis. Dass sich „normale“ Bürger so vehement für den Aufbau eines staatlichen Opernhauses einsetzten, erschien einigen ungewöhnlich.Schallweg, Paul: Und die „Freunde“ sammeln weiter... 40 Jahre Freunde des Nationaltheaters e.V. 1951–1991, München 1991, S. 15–16.

Sammeln für ihr Ziel 1952–1963 mini|Losverkäufer der von den „Freunden“ organisierten Weihnachtstombola vor der Ruine des Nationaltheaters Mit Einfallsreichtum und Tatendrang gingen die „Freunde des Nationaltheaters“ das Problem der hohen Kosten für den Wiederaufbau an. Gleich die erste Aktion verlief spektakulär. Für eine große Tombola konnten die „Freunde“ Gewinne im Wert von 240.000 D-Mark von Münchener Unternehmen sammeln und über den Losverkauf 625.000 D-Mark einnehmen.Bürgersinn und Mäzenatentum, Text: Franz Freisleder, München o. J., S. 6. Die Tombolas gehörten in der Folgezeit zum alljährlichen Erscheinungsbild der Münchener Innenstadt: Sie wurden von prominenten Politikern eröffnet, Schauspieler und Sänger verkauften Lose und gaben Autogramme, der Losverkauf erfolgte unter großer Anteilnahme der Münchener Bevölkerung. Allein aus den Erlösen der Tombolas konnten die „Freunde“ 4.353.000 D-Mark zum Bau des Nationaltheaters beitragen.Schallweg, Paul: Und die „Freunde“ sammeln weiter... 40 Jahre Freunde des Nationaltheaters e.V. 1951–1991, München 1991, S. 11 Weitere Veranstaltungen folgten: Die „Freunde“ organisierten Benefizveranstaltungen, zu denen Konzerte und Theatervorstellungen und sogar ein Flugtag auf dem heutigen Olympiagelände gehörten. Ein Highlight war ein Konzert des Bayerischen Staatsorchesters unter der Leitung von Hans Knappertsbusch. In diesem Konzert ereiferte sich Knappertsbusch wie folgt: Er werde so lange nicht mehr am Dirigentenpult stehen, „bis der Bayerische Landtag den Wiederaufbau des Nationaltheaters beschlossen hat“.Kurz, Josef: Theatergemeinde München. Chronik 1947–1997. München 1997, S. 46.

Eröffnung des Nationaltheaters 1963 Tatsächlich schrieb im Sommer 1954 das Bayerische Finanzministerium den Wettbewerb zum Aufbau des Nationaltheaters nach den Vorstellungen der „Freunde“ aus: Die Außenansicht des alten Gebäudes sollte wiederhergestellt, im Inneren ein „neuzeitlicher, theatertechnisch einwandfreier und wirtschaftlicher Bühnenbetrieb“Schallweg, Paul: Und die „Freunde“ sammeln weiter... 40 Jahre Freunde des Nationaltheaters e.V. 1951–1991, München 1991, S. 18. ermöglicht werden. 1957 erteilte der Bayerische Staat schließlich den Auftrag zum Wiederaufbau des Nationaltheaters. Als das Nationaltheater am 21. November 1963 mit einer Aufführung der Oper Die Frau ohne Schatten von Richard Strauss wiedereröffnet wurde, lagen die Baukosten bei 67,7 Millionen D-Mark. Abgesehen von ihrem ideellen Einsatz steuerten die „Freunde des Nationaltheaters“ einen Spendenbeitrag von 6,5 Millionen D-Mark bei.Schallweg, Paul: Und die „Freunde“ sammeln weiter... 40 Jahre Freunde des Nationaltheaters e.V. 1951–1991, München 1991, S. 3. Der große Lüster im Zuschauerraum, die Deckenbemalung im Königssaal, viele Teile des Dekors und fast die komplette Bestuhlung – jeder Stuhl wurde mit einer Plakette und dem Namen des Stifters versehen – konnten durch Spenden der „Freunde“ finanziert werden. Für die „Freunde des Nationaltheaters“ bildete der 29. November 1963 den feierlichen Höhepunkt ihrer Bemühungen. An diesem Tag waren alle Stifter der Zuschauersessel als Ehrengäste zur Aufführung der Meistersinger von Nürnberg eingeladen. Alle Mitglieder des Vereins, alle bedeutenden Spender und ebenfalls alle Mitglieder der Staatsoper erhielten als Erinnerung an diesen Tag eine Plakette aus Nymphenburger Porzellan mit einem Abbild des Nationaltheaters.

Und die „Freunde“ sammeln weiter für das Nationaltheater mini|Der 1995 durch Spenden der „Freunde“ finanzierte Raffvorhang im Nationaltheater