mini|Johanneskirche in Freiburg im Breisgau mini|Luftbild von St. Johann Die Johanneskirche ist eine katholische Kirche in Freiburg im Breisgau. Sie wurde 1899 eingeweiht und befindet sich im Stadtteil Wiehre. Um die Kirche herum wurden weitere historisierende repräsentative Bauten errichtet: auf der Westseite das Pfarrhaus der Gemeinde, daneben die Gewerbeschule und auf der Nordseite die Lessingschule. Gleichzeitig mit der Fertigstellung der Johanneskirche erhielten auch die evangelischen Christen mit der Christuskirche in der Nähe eine neue Kirche.
Geschichte Nachdem der Freiburger Stadtteil Wiehre 1825 eingemeindet worden war, setzte eine rege Bautätigkeit ein – die Bevölkerungszahl stieg innerhalb einiger Jahrzehnte sprunghaft an. Da die bisherige Kirche St. Cyriakus und Perpetua für nicht einmal 200 Personen ausgelegt warDie Pfarrkirchen der Vorstädte. In: Badischer Architekten- und Ingenieur-Verein (Hrsg.): Freiburg im Breisgau. Die Stadt und ihre Bauten. H. M. Poppen & Sohn, Freiburg im Breisgau 1898, S. 402 (Digitalisat). und damit der neu zugezogenen Bevölkerung nicht mehr ausreichend Platz geboten hatte, entschied man sich im Jahr 1889 für den Neubau einer Kirche. Auftraggeber war die dem Finanzministerium des Großherzogtums Baden unterstellte Domänendirektion. Der Auftrag ging an den Baudirektor Joseph Durm. Das Ministerium lehnte seinen ersten Entwurf als zu kostspielig ab. Um die geforderten Plätze auf geringerer Grundfläche unterzubringen, forderte das Finanzministerium Emporen. Durm und die Kirchengemeinde lehnten dies zunächst als unpassend für eine katholische Kirche ab, da die Gläubigen auf der Empore nicht angemessen an der Messe teilnehmen könnten. Emporenkirchen galten nur als geeignet für den evangelischen Predigtgottesdienst. Schließlich gab Durm aber nach. In die Gestaltung schaltete sich auch der Stadtrat ein. Durms nächster Entwurf im romanisch-frühgotischen Stil schien dem Stadtrat zu sehr in Konkurrenz zum Münster zu treten, so dass eine Gestaltung im Renaissance-Stil erwogen wurde. So veränderte Durm seinen Entwurf und betonte stärker die romanischen Stilformen. Die Türme gestaltete er massiver und ergänzte sie später um ein weiteres Geschoss. Der Bau diente damit der unter Oberbürgermeister Otto Winterer verfolgten städtebaulichen Leitidee, die expandierende Stadt Freiburg durch Turmbauten zu markieren.Winterer waren die ausgeführten Türme dennoch nicht hoch genug, vgl. Gudrun Matys: „Der Münsterturm erfreut sich am Kranz schöner Kirchen“ – Überlegungen zu den Freiburger Kirchenbauten des 19. Jahrhunderts in ihrem Bezug zum Münster. In: Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins „Schauinsland“ 111, 1992, S. 95–128, hier S. 112.
Die Bauarbeiten auf einem Gelände nahe der Dreisam, auf dem das erste Gaswerk der Stadt gestanden hatte, begannen 1894 und endeten mit der Kirchenweihe 1899. Um das vorhandene Grundstück für einen Kirchenbau, der 900 Sitzplätze haben sollte, möglichst gut zu nutzen, bekam die Kirche ein sehr breites Mittelschiff (11 m) und zwei Seitenschiffe (jeweils 3,5 m) mit Emporen. Die Länge des Bauwerkes beträgt 74,3 m. Die Vierung am Kreuzungspunkt von Mittelschiff und Querschiff hat einen Durchmesser von 16,8 m.
mini|Innenansicht Der repräsentative Bau wurde in rotem Sandstein ausgeführt und trägt typische Merkmale der Neuromanik, die Elemente spätromanischer Kirchenbauten aufnahm. Anders als bei alten Kirchen ist die Kirche nicht geostet – der Altar steht im Westen. Die Fassade mit einem Eingangsvorbau in Form eines halben Achtecks, flankiert von zwei etwa 60 m hohen Türmen mit sehr steilem Turmhelm zeigt in Richtung Osten in die Talstraße, die eine lange Sichtachse auf die Kirche bildet.
Der Architekt Josef Durm nannte in einem Schreiben an die FinanzdirektionSchreiben Durms, nach Ulrike Grammbitter: Josef Durm (1837–1919). Eine Einführung in das architektonische Werk. tuduv, München 1984, S. 378, Anm. 641 (Digitalisat) den Bamberger Dom als Vorbild für die neue Kirche, was sich vor allem auf die Außenansicht von Osten mit der von zwei Türmen flankierten Eingangsapsis bezieht. Dagegen unterscheiden sich sowohl der Grundriss als auch der Innenraum deutlich vom genannten Vorbild. Ulrike Grammbitter: Josef Durm (1837–1919). Eine Einführung in das architektonische Werk. tuduv, München 1984, S. 378 (Digitalisat).
Die Glasfenster der Kirche schuf zwischen 1898 und 1901 der Freiburger Künstler Fritz Geiges.Daniel Parello: Die Glasmalereien von Fritz Geiges. In: Hundert Jahre auf dem Weg. Pfarrgemeinde und Pfarrkirche Sankt Johann in Freiburg-Wiehre. Festschrift, hrsg. von der katholischen Pfarrgemeinde St. Johann. Freiburg 1999, S. 87–102; Daniel Parello: Die Glasmalereien von Fritz Geiges in St. Johann. In: 1000 Jahre Wiehre. Ein Almanach 1008–2008, Promo-Verlag, Freiburg 2007, ISBN 978-3-923288-64-9, S. 152 ff.
Das Uhrwerk wurde 1900 von der Firma Benedikt Schneider Söhne aus Schonach im Schwarzwald gefertigt. Sie ist eine von wenigen Turmuhren in Freiburg, die mechanisch angetrieben werden und noch gut laufen. Heute wird das Uhrwerk, das die Zeiger von insgesamt vier Zifferblättern an den beiden Kirchtürmen steuert, von einer elektronischen Uhr unterstützt. Auch die Umstellung von Winter- auf Sommerzeit erfolgt elektronisch. Alle 15 Minuten ertönt ein Glockenschlag, auch nachts.
Nach einer Innenrenovation in den Jahren 1971 bis 1973, wurde 1975 die Vierung mit Altarinsel und Zelebrationsaltar von Joseph Henger neu gestaltet. Eine weitere Renovierung außen (vor allem Dach, aber auch Schäden am Mauerwerk, Fenstern etc.) und innen fand von 2006 bis 2008 statt.
Sturmschäden Wiederholt haben Winterstürme Schäden an den Türmen angerichtet. Im Januar 2018 hatte der Sturm Burglind Schieferplatten an den 61 Meter hohen Türmen verschoben, im Februar 2019 wurden einige graue Ziegel gelockert und im Februar 2020 griff der Orkan Sabine wieder die Schieferplatten an. Stets werden mit Hilfe eines Autokrans die Schäden repariert.
Die ehemalige Nothelferkapelle In der Johanneskirche befindet sich noch ein altes Gemälde mit der Darstellung der Vierzehn Nothelfer. Es stammt, ebenso wie zwei barocke Figuren und eine mittelalterliche Madonna, aus der untergegangenen Nothelferkapelle. Diese stand dort, wo heute die Basler Straße verläuft, zwischen der Kreuzung mit der Heinrich-von-Stephan-Straße und der Eisenbahnunterführung.Joachim Scheck: Durch die Unterwiehre zum „Galgeneck“. Der alte Freiburger Richtplatz. In: 1000 Jahre Wiehre. Ein Almanach 1008–2008. Freiburg im Breisgau 2007, S. 132–139.
Gegenwart mini|Johanneskirche von Süden aus gesehen mini|Blick auf die Johanneskirche von der Lorettokapelle Die Gemeinde St. Johann bildet mit der Gemeinde St. Cyriak und Perpetua, deren Kirche auch Annakirchle genannt wird, der Liebfrauengemeinde in Günterstal und der Maria-Hilf-Gemeinde in der Oberwiehre die Seelsorgeeinheit Freiburg-Süd. Die Seelsorgeeinheit wurde von 2005 bis 2013 von polnischen Franziskanern betreut, die im Franziskanerkloster an der Günterstalstraße beheimatet waren.
Orgel Die Orgel auf der Ostempore der Kirche wurde 1981 von der Orgelbaufirma Metzler (Dietikon, Schweiz) erbaut. Das Instrument hat 50 Register (3536 Pfeifen) auf drei Manualen und Pedal. Neben dem Hauptspieltisch verfügt das Instrument auch über einen Continuo-Spieltisch im Untergehäuse des Rückpositivs mit angehängtem Pedal. Dieser Spieltisch ist vom Hauptspieltisch unabhängig, so dass zwei Organisten an zwei Spieltischen Literatur für zwei Orgeln darbieten können. Das Instrument hat mechanische Spiel- und Registertrakturen.
I Rückpositiv C–g3 Praestant 8′ Gedeckt 8′ Quintade 8′ Principal 4′ Rohrflöte 4′ Octave 2′ Waldflöte 2′ Sesquialtera II ′ Larigot ′ Scharff IV 1′ Krummhorn 8′ Vox humana 8′ Tremulant Cymbelstern II Hauptwerk C–g3 Principal 16′ Octave 8′ Hohlflöte 8′ Quinte ′ Octave 4′ Spitzflöte 4′ Quinte ′ Superoktave 2′ Mixtur IV ′ Zimbel III ′ Cornet V 8′ Fagott 16′ Trompete 8′ III Schwellwerk C–g3 Bourdon 16′ Principal 8′ Rohrflöte 8′ Spitzgambe 8′ Unda maris 8′ Principal 4′ Nachthorn 4′ Nasard ′ Doublette 2′ Terz ′ Sifflöte 1′ Mixtur V 2′ Trompete 8′ Oboe 8′ Clairon 4′ Tremulant Pedalwerk C–f1 Untersatz 32′ Principal 16′ Subbaß 16′ Octavbaß 8′ Bourdon 8′ Octave 4′ Mixtur V ′ Posaune 16′ Trompete 8′ Trompete 4′ Koppeln: I/II, III/II, I/P, II/P, III/P Spielhilfen: drei Gruppenzüge (Choralforte, Mixturen, Pedalzungen) Im Chorraum befindet sich noch ein tragbares Positiv der Firma Rudolf von Beckerath mit fünf Registern.
Glocken Im Jahr 1954 erhielt St. Johann acht neue Bronze-Glocken aus der Glockengießerei von Friedrich Wilhelm Schilling aus Heidelberg. Es war damals das größte Geläut in Freiburg und ist seit 1959 nach dem Münster das zweitgrößte.Glockeninspektion Erzdiözese Freiburg – Kath. Pfarrkirche St. Johann in Freiburg Nr. Gewicht Durchmesser Schlagton 1 3665 kg 1766 mm b°-4 2 2107 kg 1458 mm des′-2 3 1415 kg 1287 mm es′-4 4 1098 kg 1177 mm f′-4 5 616 kg 977 mm as′-2 6 433 kg 871 mm b′-4 7 366 kg 822 mm c″-4 8 314 kg 774 mm des″-2 Die Glocken sind über beide Türme verteilt: Die Glocken 2 und 3 hängen im Nordturm, die restlichen sechs im Südturm.
Anbindung Die Johanneskirche befindet sich an der gleichnamigen Haltestelle Johanneskirche der Straßenbahnlinien 2 und 4. Dort befindet sich auch eine Station des Fahrradverleihsystems Frelo.
Literatur Die Pfarrkirchen der Vorstädte. In: Badischer Architekten- und Ingenieur-Verein (Hrsg.): Freiburg im Breisgau. Die Stadt und ihre Bauten. H. M. Poppen & Sohn, Freiburg im Breisgau 1898, S. 402–404 (Digitalisat). Ernst Föhr: Kirche und Pfarrei St. Johann Baptist zu Freiburg i. Br. Aus den Akten des Pfarrarchivs (Hrsg. vom kathol. Stadtpfarramt St. Johann, Freiburg i. Br.). Tuttlingen 1958. Ulrike Grammbitter: Josef Durm (1837–1919). Eine Einführung in das architektonische Werk. (Dissertation, Universität Heidelberg 1982). tuduv-Verlagsgesellschaft mbH, München 1984, , S. 369–378, 455. (Digitalisat). Hundert Jahre auf dem Weg. Pfarrgemeinde und Pfarrkirche Sankt Johann in Freiburg-Wiehre. Festschrift. Katholische Pfarrgemeinde Sankt Johann, Freiburg 1999. Karl Suso Frank: St. Johann Freiburg i. Br. (= Kleine Kunstführer, Heft 1450). Schnell und Steiner, Regensburg 2003, ISBN 3-7954-5161-2.
Weblinks
Bilder bei Alt-Freiburg (1) Bilder bei Alt-Freiburg (2) Informationen zur Baugeschichte Metzler-Orgel St. Johann Freiburg im Breisgau – Beitrag auf Orgel-Verzeichnis
Einzelnachweise
Johanneskirche Freiburg im Breisgau Freiburg Freiburg im Breisgau, Johanneskirche Freiburg im Breisgau, Johanneskirche Freiburg im Breisgau, Johanneskirche Freiburg im Breisgau Kategorie:Wiehre Freiburg im Breisgau, Johanneskirche Kategorie:Josef Durm Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Bauwerk des Historismus in Freiburg im Breisgau Kategorie:Kulturdenkmal in Freiburg im Breisgau