Wüsten ist mit 18,62 Quadratkilometern der flächenmäßig größte Ortsteil der nordrhein-westfälischen Stadt Bad Salzuflen im Kreis Lippe in Deutschland.
Geographie mini|zentriert|hochkant=4.5|Wüsten, Ansicht von Osten Lage Wüsten liegt nordöstlich, etwa vier Kilometer außerhalb des Salzufler Stadtzentrums. Es grenzt im Südwesten an Bad Salzuflen, im Süden an die beiden Ortsteile Ehrsen-Breden und Grastrup-Hölsen. Im Osten grenzen die Lemgoer Ortsteile Matorf-Kirchheide und Welstorf an Wüsten. Im Norden liegen die Vlothoer Stadtteile Steinbründorf, Wehrendorf und Exter an der Stadtgrenze, die hier gleichzeitig die Kreisgrenze bildet.
Ortsgliederung Die ehemalige Gemeinde Wüsten war zweigeteilt, Unterwüsten mit den Ortsteilen und Fluren Altedorf, bzw. Altes Dorf An der Salze: der Name Salze geht auf ihr Quellgebiet zurück, die Steinegge in der alten Bauerschaft Solterwisch („Solter“ = „Salz, salzig“ und „wisch“ = „Wiese“) in Exter Frettholz, der Name leitet sich vom alten Wort Fredde für „Gebüsch“ (insbesondere Buchenholz) ab; historische Namensbezeichnungen sind Fritholt und Fredde. Heute ist das Frettholz vollständig mit dem Siedlungsgebiet des benachbarten Stadtteils Waldemeine verschmolzen. An den früheren getrennten Ort erinnert nur noch die Straße „Im Frettholz“. Glimke, 1492 als „Glyntbeke“ erstmals erwähnt,Birgit Meineke: Die Ortsnamen des Kreises Lippe. (= Westfälisches Ortsnamenbuch. Band 2). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-89534-842-6, S. 174; rep.adw-goe.de (PDF; 5,0 MB) . später „Glimbeke“: die Glimke entspringt am Glimberg, der aufgrund seines steinigen Bodens den Namen vom niederdeutschen Wort „Klint“ = „Fels“ bekam Hellerhausen, ehemals „Hed(d)erhusen“ und „Hedderhausen“: der wohl älteste bewohnte Wüstener Flecken Krutheide, ehemals „Krytgove“, „Kruth Hove“ und „Krut Hofte“: sie war eine mit Kräutern durchwachsene Heidelandschaft Langenberg, ehemals „Lamberge“ Loose: der Name geht wohl auf die Silbe „loh“ zurück, sie bedeutet Holzung, Gebüsch, Dickicht Pehlen, ehemals „Pythelon“, „Pethelen“, „Pideln“ und „Pedeln“: das Wort leitet sich wohl aus „pith“ = „Sumpf“ und „loh“ = „Gehölz“ ab = ein sumpfiges Gebiet beim Tal der Glimke Hier, an der lippischen Grenze nach dem ehemaligen Land der Sachsen, wurden schon vor mehr als 800 Jahren zwei Meierhöfe genannt: der ‚Tieß-Hof‘ und der ‚Pedeler Sundern-Hof‘; beide hatten an die Oberlehensherrin, die Äbtissin zu Herford, jährlich drei Fuder Brennholz, ein Schaf und 33 Scheffel Getreide(mehl) zu liefern. 1359 übergingen mehrere Güter – darunter auch die beiden genannten Höfe – im lippischen Norden in den Besitz des Friedrich von Callendorp, Ritter auf der Burg Varenholz, und später an die Herren von Wend in Varenholz. Zwischen 1536 und 1787 wechselten die Höfe im Zuge von Grenzziehungen immer wieder ihre Besitzer.Otto Pölert: Pehlen. In: Wüsten – Eine Höfe- und Siedlungsgeschichte. S. 26 bis 28. Schwaghof: Der Schwaghof war ursprünglich ein Unterhof des nahe gelegenen Amtshofes Seligenwörden und wird erstmals im 12. Jahrhundert als Gut Svevedeshusun genannt, später Svavedessen (1361), dann Schwobedissen (1767).Birgit Meineke: Die Ortsnamen des Kreises Lippe. (= Westfälisches Ortsnamenbuch. Band 2). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-89534-842-6, S. 437–438; rep.adw-goe.de (PDF; 5,0 MB). Gut Steinbeck Sundern: diese Flurbezeichnung wird auf „aussondern“ zurückgeführt = aus der gemeinsam genutzten Mark wurden Flächen ausgesondert, die als Privatbesitz weitergeführt wurden Vierenberg: eine Deutung lautet, dass auf dem „Feuerberg“ die Sonnenwendfeuer brannten, die andere sagt, dass hier Feuer- und Rauchzeichen von der Grotenburg im Teutoburger Wald zum Wittekindsberg im Wiehengebirge weitergegeben wurden Waldemeine liegt im Westen des Ortsteils. Historische Namensbezeichnungen sind Woldemeyne (1541) und Wolemene aus dem Jahr 1867. Weitere alte Bezeichnungen sind Wollemeine, Waltgemeine, Woldemene, Weidtgemeine und Wohlgemeine.Otto Pölert: Wüsten - Eine Höfe= und Siedlungsgeschichte, S. 20 und 55f. 1964.
mini|Hinweisschild „Historische Grenze“ an der Kirchheider Straße sowie Oberwüsten mit den Ortsteilen und Fluren Bergkirchen Boberg: der Name leitet sich vom mundartlichen „boben“ = ‚oben‘ ab – es will bekunden, dass der Boberg höher als die benachbarten Berge ist Erdsiek: „Siek“ steht für ein ‚niedrig gelegenes, nasses Land‘ Giershagen: aus „Gier“ = ‚Gerhard‘ und „Hagen – Hag“ = ‚Hecke‘ leitete sich dieser Name ab Hollenstein: der Name ist wahrscheinlich mythologischen Ursprungs Kätchenort Lehmkuhle Neuedorf, bzw. Neues Dorf Pillenbruch: der Name leitet sich aus dem zu Pehlen gehörenden Bruch (= Sumpflandschaft) ab; im Mittelalter als Hagenhufendorf entlang der Glimke wahrscheinlich durch die Herren von Varenholz gegründet, 1338 erstmals urkundlich erwähnt, als das westfälisch-waldecksche Uradelsgeschlecht zu Gogreven den „Hagen zu Pillincbroke“ samt Zubehör an Bernhard von Exterde verpfändete; bis 1969 zur Lemgoer Gemeinde Welstorf gehörendG. Odenthal: Das doppelte Denkmal – 675 Jahre Pillenbruch: Dorfgemeinschaft feierte In: LIPPEaktuell. S. 9, 28. August 2013. Voßhagen wird im 13. Jahrhundert als Vosseshaghen erstmals erwähnt.Birgit Meineke: Die Ortsnamen des Kreises Lippe. (= Westfälisches Ortsnamenbuch. Band 2). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-89534-842-6, S. 498; rep.adw-goe.de (PDF; 5,0 MB). Aus „Voß“ = „Fuchs“ und „Hagen – Hag“ = ‚Hecke‘ entstand diese Flurbezeichnung Wiensiek: der Wiensiek ist nach dem Weidenbaum, der im feuchten Siek wächst, benannt Windberg, heute Boberg
Gewässer Fließgewässer Durch Wüsten fließen (von Norden nach Süden) die Glimke oder Glimbach, bei Pehlen der Forellenbach, die Wüstener Bieke, der Wüstener Bach, ein Bach ohne Namen vom „Pecherhof“ zur Glimke, bei Voßhagen die Ilse, bei Istorf der Istorfer Bach sowie ein namenloser Bach bei Bergkirchen zum Sudbach. Im Westen bildet die Salze die Grenze zum Kreis Herford.
Stillgewässer Zu den Stillgewässern in Wüsten zählen vier kleine Teiche in der Waldemeine (), der Teich unterhalb des Stumpfen Turms (), die Steinbecker Teiche (), zwei Weiher südlich der Loosestraße (), sieben Teiche im Salzetal westlich der Ringstraße (), zwei Teiche beim Haus Salzeweg 1 (), zwei Weiher beim „Hof Stucke“ (), ein Weiher nördlich der Hellerhauser Straße (), ein Weiher nördlich Glimke 2 (), zwei Teiche in Pillenbruch (/) sowie ein Weiher südlich von Boberg ().
Schutzgebiete Im Gebiet des Ortsteils Wüsten sind zwei Naturschutzgebiete (NSG), elf Landschaftsschutzgebiete (LSG) und neun Naturdenkmale ausgewiesen.Landschaftsplan Nr. 3, „Bad Salzuflen“ (PDF; 2,1 MB) des Kreises Lippe, 2004; abgerufen am 22. August 2017.
Naturschutzgebiete Glimketal: Das 71,9 Hektar große NSG umfasst den Talbereich der Glimke mit überwiegend naturnahem Bachlauf. Salzetal: Das 61,4 Hektar große NSG umfasst einen naturnahen Teil der Salzeaue mit zusammenhängenden feuchten Grünlandflächen, Seggenrieden, Röhrichten, halophilen Gesellschaften und naturnahen Eichen-Buchen- und Erlen-Eschenwäldern; ein Teilbereich des Gebiets ist als FFH-Gebiet „Salzquellen bei der Loose“ (DE-3818-301) ausgewiesen.
Landschaftsschutzgebiete Bachtal an der Kirchheider Straße: Das 19,4 Hektar große LSG umfasst das etwa 1,2 Kilometer lange Tal der Bieke einschließlich umfangreicher Wiesen und Weidenbereiche auf den umgebenden Hängen zwischen Giershagen und dem Ortsrand von Wüsten. Glimkeentstehungsbereich: Das nur zwei Hektar große LSG umfasst den Bereich zwischen dem NSG „Glimke“ im Westen und der Stadtgrenze von Bad Salzuflen im Osten. Grünlandkomplex östlich Hollenstein Östliches Seitental des Glimkebaches: Das 7,1 Hektar große LSG umfasst den Talbereich eines Quellzuflusses des Glimkebaches einschließlich des angrenzenden grünlandgenutzten Hangbereiches. Seitenbach der Glimke am Pecherhof: Das 8,4 Hektar große LSG umfasst einen rund 1,3 Kilometer langen Quellzufluss des Glimkebaches im Bereich des Pecherhofes; er wird im Süden durch einen dichten, bachbegleitenden Gehölzmantel geprägt und weist in seinem nördlichen Bereich vor allem Grünlandanteile sowie Acker- und Brachflächen auf. Siek bei Krutheide: Das nur 1,8 Hektar große LSG umfasst ein rund 350 Meter langes Seitensiek des Salzetals mit Grünlandnutzung und Altholzbestand. Siek bei Wüsten-Kätchenort: Das rund 4,3 Hektar große LSG umfasst einen Talbereich am nordöstlichen Ortsrand Wüstens, der einen wertvollen Lebensraum für Wiesenvögel und Amphibien bietet. Siek östlich Langenberg: Das 2,7 Hektar große LSG umfasst einen etwa 600 Meter langen und rund 30 Meter breiten Kerbtalbereich östlich der Siedlung „Langenberg“ mit Grünland, Obstwiesen und Gehölzbereichen. Seitenbach der Glimke am Boberg: Das 10 Hektar große LSG umfasst ein Seitental des Glimkebaches mit zahlreichen Fischteichen, Gehölz- und Weideflächen sowie am Nordhang des Bobergs gelegene Grünlandbereiche. Voßhagener Bach: Das 13,7 Hektar große LSG umfasst ein fast zwei Kilometer langes und etwa 50 Meter breites Bachtal entlang der Kirchheider Straße sowie einen angrenzenden ehemaligen Steinbruchbereich. Wüstener Bach: Das etwa 29,4 Hektar große LSG umfasst den gesamten Lauf des Wüstener Baches von der Quelle beim Neuen Dorf bis zum Salzetal.
Naturdenkmale
Geschichte mini|hochkant=0.7|Amor von Hellerhausen Erste Siedlungsspuren in Wüsten sind aus der Jungsteinzeit nachgewiesen: Bei Grabungen in den 1930er Jahren – unter anderem durch Leo Nebelsiek – und 1992 wurden im Bereich der Krutheide„Der Grabhügel von Wüsten-Hellerhausen“ Keramiken und bearbeitete Flinte, sowie nordöstlich von Wüsten ein 17 Zentimeter langer durchlochter Dechsel aus Paragneis entdeckt. Aus der Römischen Kaiserzeit sind auf dem Hühnerbrink (vom mittelhochdeutschen hiunen = Hüne(n), hier der Hinweis auf ein Hünengrab)Otto Pölert: Wüsten – Eine Höfe= und Siedlungsgeschichte, Kapitel Das Hünengrab, Seite 11. sowie bei der Krutheide und des heutigen Verkehrskreisels zwei Augenfibeln, eine Bronzeapplik – der Amor von Hellerhausen, zwei Spielsteine und Münzen (ein DenarFoto und Beschreibung des Denars im Lippischen Landesmuseum; abgerufen am 29. April 2021. des Gaius Iulius Caesar, geprägt 49/48 v. Chr., und ein Sesterz des Nero, geprägt 63/68 n. Chr. in der Münzstätte Rom) gefunden worden.Elke Treude: Römische Kaiserzeit. In: Bad Salzuflen – Epochen der Stadtgeschichte. Bad Salzuflen, 2007, S. 23 und 24, 34 und 35.Geschichtswerkstatt Exter: Spurensuche VIII – Auf dem alten Handelsweg von Frankfurt nach Bremen / Von Valdorf-Horst nach Bad Salzuflen-Wüsten. Heft K05, , März 2016, S. 26f.
Am 13. Juni 1011 wird der Meierhof Hedereshusen (Hellerhausen) in einer Schenkung der Äbtissin Godesdiu erstmals genannt – die früheste Erwähnung des heutigen Wüstener Gebiets. Vor 1447 gehörte die Gegend zum Schloss Varenholz – das Wüsten in seiner heutigen Form gab es bis zum Jahr 1600 nicht – dann erfolgte die Zugehörigkeit zur Vogtei Schötmar. Wüsten wird namentlich erstmals 1493 als Woisten schriftlich erwähnt.Birgit Meineke: Die Ortsnamen des Kreises Lippe. (= Westfälisches Ortsnamenbuch Band 2). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-89534-842-6, S. 539; rep.adw-goe.de (PDF; 5,0 MB) Vereinzelte Höfe lagen an den Talrändern der Woiste. Lediglich die Salzsieder Bad Salzuflens nutzten die Woiste zum Holzschlag für ihre Betriebe: Graf Bernhard zur Lippe gestattete 1560 dem Salzufler Rat für jährlich 20 TalerRoland Linde: Stadt, Kirche und Landesherr im konfessionellen Zeitalter. In: Bad Salzuflen – Epochen der Stadtgeschichte. Bad Salzuflen, 2007; Seite 104 den Holzabbau in Wüsten. Die Freiwillige Feuerwehr gründete sich 1882 im Ort.Chronik der Wüstener Freiwilligen Feuerwehr; abgerufen am 29. März 2020.