Die Metriorhynchidae sind eine Gruppe ausgestorbener mariner Krokodilverwandter, die vom Mitteljura bis in die Unterkreide lebten. Ihre fossilen Überreste fand man in Europa sowie in Nord- und Südamerika. Sie waren die am stärksten dem Wasserleben angepassten Archosauria.
Merkmale Alle Metriorhynchidae waren stark an das Leben im Meer angepasst. Sie haben einen bis zwei Halswirbel weniger als die heutigen Krokodile, die Anzahl der Präsakralwirbel (Wirbel vor dem Becken) ist mit 26 allerdings höher. Die Wirbel sind an beiden Enden konkav (amphicoel), ein Kennzeichen aller urtümlichen Krokodilartigen. Am Ende des Schwanzes knickt die Wirbelsäule nach unten ab und stützt, ähnlich wie bei den Ichthyosauriern, eine hypocerke Schwanzflosse. Abdrücke der Schwanzflosse haben sich bei einigen in Deutschland gefundenen Exemplaren erhalten. Den bei allen anderen Krokodilen und Krokodilartigen üblichen Knochenpanzer unter der Haut haben die Metriorhynchidae verloren. Ihre Gliedmaßen sind zu Flossen umgewandelt.
Im Unterschied zu anderen Meereskrokodilen und den heute lebenden Krokodilen hatten die Metriorhynchidae in Anpassung an ihre pelagische Lebensweise keine Schuppen, sondern eine völlig glatte Haut wie Delfine. Durch lange Fasern in der Haut war sie elastisch.
Die obere Temporalöffnung, die die Metriorhynchidae wie alle Diapsiden haben, ist bei ihnen im Vergleich zu halbaquatischen und terrestrischen Krokodilartigen stark vergrößert. Die Ursache können besonders lange Kiefernmuskeln sein, die eine sehr weite Öffnung des Mauls ermöglichten. Die größte Art, Dakosaurus andiniensis, erreichte eine Länge von sechs Metern, andere große Arten erreichten Längen von vier bis fünf Metern.
Lebensweise Dass die fossilführenden Gesteine ihrer Fazies zufolge weit von der Küste entfernt im offenen Meer abgelagert wurden, spricht dafür, dass die Metriorhynchidae Hochseebewohner waren. Sie müssen schnelle Jäger gewesen sein, die sich von Fischen und Kopffüßern ernährt haben. Der erst 1996 in Patagonien gefundene Dakosaurus andiniensis hatte einen massigen Schädel und fraß wohl andere Meeresreptilien und große Meerestiere. Es ist unbekannt, wie sich die Metriorhynchidae fortgepflanzt haben. Sie können wie heutige Meeresschildkröten an Land gekrochen sein und Eier gelegt haben oder wie einige heutige Seeschlangen und die Ichthyosaurier lebendgebärend gewesen sein.
Systematik miniatur|Dakosaurus maximus Die nächsten Verwandten der Metriorhynchidae sind die Teleosauridae, mit denen sie die doppelt konkaven Wirbel, den Bau des Schädels sowie die Struktur des sekundären Gaumens gemeinsam haben. Mit ihnen und der Gattung Pelagosaurus bilden die Metriorhynchoidea das Taxon der Thalattosuchia.
Gattungen Unterfamilie: Metriorhynchinae , 1843 Metriorhynchus , 1830 Enalioetes Gracilineustes et al., 2010 Rhacheosaurus , 1831 Maledictosuchus et al., 2013 Cricosaurus , 1858 (Synonym Enaliosuchus , 1883) Unterfamilie: Geosaurinae , 1889 Suchodus , 1890 Purranisaurus , 1948 Neptunidraco & , 2011 Tyrannoneustes et al., 2010 Plesiosuchus , 1884 Torvoneustes et al., 2010 Geosaurus , 1824 Dakosaurus , 1856 Aggiosaurus , 1913
Teleidosaurus , 1869 (steht außerhalb der Metriorhynchidae)
Literatur Michael J. Benton: Paläontologie der Wirbeltiere. Übersetzung der 3. englischen Auflage durch Hans-Ulrich Pfretzschner. Pfeil, München 2007, ISBN 978-3-89937-072-0. Robert L. Carroll: Paläontologie und Evolution der Wirbeltiere. Thieme, Stuttgart u. a. 1993, ISBN 3-13-774401-6. Éric Buffetaut: The evolution of the Crocodilians. In: Scientific American. Bd. 241, Nr. 4, 1979, S. 124–132.
Weblinks
Mikko’s Phylogeny Archive Metriorhynchidae The Paleobiology Database Classification of the Metriorhynchidae Einzelnachweise Sven Sachs et al. 2024. A new genus of metriorhynchid crocodylomorph from the Lower Cretaceous of Germany. Journal of Systematic Palaeontology 22 (1): 2359946; doi: 10.1080/14772019.2024.2359946
Frederik Spindler, René Lauer, Helmut Tischlinger und Matthias Mäuser: The integument of pelagic crocodylomorphs (Thalattosuchia: Metriorhynchidae). Palaeontologia Electronica, 24(2):a25. doi: 10.26879/1099 Einige Urzeit-Krokodile hatten keine Schuppen bei scinexx.deKategorie:Crocodylomorpha Kategorie:Crocodylomorpha (Archosaurier) Kategorie:Ausgestorbenes Krokodil