Wädenswil (älter zürichdeutsch Wättischwiil, jünger Wädischwiil, salopp kurz Wädi) ist eine politische Gemeinde und Mittelstadt im Schweizer Kanton Zürich, zu dessen Bezirk Horgen sie gehört. Nach der Eingemeindung von Schönenberg und Hütten am 1. Januar 2019 wuchs die Stadt Wädenswil um 17,39 km² auf 35,64 km² und ist damit flächenmässig die drittgrösste Gemeinde des Kantons Zürich. mini|Schiffstation Wädenswil am Zürichsee mini|Landschaft Schönenberg mini|Hüttnersee, im Hintergrund Pfannenstielkette
Geographie Landschaft und Siedlungen Die Stadt liegt am oberen linken Zürichseeufer mit dem volkstümlichen Namen Pfnüselküschte. Sie dehnt sich vom Zimmerberg an der Autobahn A3 Zürich–Chur über die Sihl hinaus bis ins schweizerische Voralpengebiet zur Hügelkette Höhronen () aus. Neben dem Zürichsee befinden sich auf dem Gemeindegebiet der Hüttnersee und der Ausee sowie mehrere Weiher, etwa der Reidbachweiher, der Sennweidweiher der Bachgadenweiher, der Teufenbachweiher oder der Schönenbergerweiher, sowie kleinere Tobel mit Wasserfällen, etwa das Gulmentobel oder das Reidbachtobel mit dem Giessbachfall. Der Zürichsee mit Seeuferweg, Halbinsel Au und die umliegende Landschaft, insbesondere auch die neuen Gebiete Schönenberg und Hütten, sind beliebte Freizeitziele. Die Ortsnamendatenbank ortsnamen.chOrtsnamendatenbank ortsnamen.ch mit Fundstellen von gedeuteten Siedlungsnamen der Gemeinde Wädenswil enthält in den drei ehemaligen Gemeinden rund 200 Siedlungsnamen mit Deutung über die Herkunft. In der Stadt Wädenswil dienen 60,9 % der Landwirtschaft, 15,3 % ist mit Wald bedeckt, 5,5 % ist Verkehrsfläche und 14,7 % Siedlungsgebiet, 1,3 % sind Gewässer, und 2,3 % ist unproduktiv (Stand 2018).
Ortsteile mini|Ortsteil Wädenswil mini|Ortsteile und Nachbargemeinden der Stadt Wädenswil
Die Stadt gliedert sich in folgenden fünf Orts-/Gemeindeteile: Wädenswil gehört zur Ortschaft 8820 Wädenswil und dehnt sich vom See knapp bis zur Autobahn hinauf aus. Wädenswiler Berg gehört ebenfalls zur Ortschaft 8820 Wädenswil und dehnt sich knapp unterhalb der Autobahn bis zur ehemaligen Gemeindegrenze von Schönenberg hinauf aus. Au entspricht der Ortschaft 8804 Au ZH. Schönenberg entspricht der Ortschaft 8824 Schönenberg ZH und dem Gebiet der ehemaligen Gemeinde Schönenberg ZH, welche am 1. Januar 2019 in die Stadt Wädenswil eingemeindet wurde. Hütten entspricht der Ortschaft 8825 Hütten und dem Gebiet der ehemaligen Gemeinde Hütten, welche am 1. Januar 2019 in die Stadt Wädenswil eingemeindet wurde.
Die Gliederung der Stadt Wädenswil in Ortsteile erfolgt im geografischen Sinn und hat keine rechtliche Bedeutung. Die einzelnen Ortsteile sind teilweise weiter gegliedert wie z. B. der Ortsteil Au in Ober-, Mittel- und Unterort. Solche Gebiete (Quartiere) können einzelne untergeordnete Örtlichkeiten aufweisen wie z. B. der Mittelort die Gebiete (Quartierteile) Grundstein, Appital und Moosacher. Die Begriffe für «Ortsteile» und «Quartiere» werden zum Teil unterschiedlich verwendet. Der Ortsteil Au wird z. B. auch als Quartier bezeichnet (vgl. Quartierverein). Der Ortsteil Schönenberg wird als «Dorf» (vgl. Dorfverein) bezeichnet.
Ortsteil Wädenswil Das Innerortsgebiet des Ortsteils Wädenswil respektive der Ort «Wädenswil» ist an den Hauptstrassen mit blauen und an den Nebenstrassen mit weissen Ortschildern «Wädenswil» abgegrenzt. Im Ortsteil Wädenswil existieren nicht genau abgrenzbare Quartiere. Auf Landeskarten sind aus Darstellungsgründen nicht alle Quartiere bezeichnet. Im Zentrum von Orten sind häufig gerade die Namen des Ortes kartiert.
Der Dorf-/Stadtkern,Baukultur Wädenswil, Quartiere, Dorf-/Stadtkern zu welchem der Bahnhof Wädenswil wie auch die reformierte und die katholische Kirche gehören, reicht vom Zürichsee bis etwa an die 1900 gebaute Oberdorfstrasse, welche beim Bau (wie der Name ausdrückt) das Dorf bergwärts begrenzte.Peter Ziegler: Bauerndorf, Industriestadt, Schulort: das Auf und Ab der Textilindustrie prägte Wädenswils Entwicklung. In: Hochparterre:Zeitschrift für Architektur und Design. 2010, . Im Dorf-/Stadtkern sind die Stadtverwaltung und zahlreiche Einkaufsgeschäfte angesiedelt. Am Rande des Kerngebietes befindet sich an der Schlossbergstrasse das einzige Kino in Wädenswil. Das Kernquartier des Ortsteils Wädenswil wird von seinen Bewohnern oft «Stadt» oder «Dorf» genannt, von den Bewohnern in den anderen Ortsteilen «Wädenswil». Zitat von Peter Ziegler aus dem im Jahre 2010 verfassten Artikel «Bauerndorf, Industriestadt, Schulort: das Auf und Ab der Textilindustrie prägte Wädenswils Entwicklung»: Wädenswil ist weder Dorf noch Stadt – sondern beides. Vom Charakter her ein Dorf geblieben, gut erschlossen durch einen schon 1953 eingeführten Busbetrieb. Ein Dorf mit restaurierten alten Bauten und zugehörigen Gärten und Grünflächen, mit kultureller Eigenständigkeit und einem regen Vereinsleben. Ein Dorf mit guter sozialer Durchmischung; ein Dorf auch, in dem man sich noch häufig auf der Strasse grüsst. Ein Dorf, dem manche noch lange keine Verstädterung wünschen.
Zu den auf der aktuellen Landeskarte 1:10‘000 kartierten Quartieren (oder Quartierteilen) des Ortsteils Wädenswil gehören: Boller, Eichhof, Giessen, Grüental, Hangenmoos, Holzmoosrüti, Im Staubeweidli, Meierhof, Meierhofrain, Neudorf, Oberer Leihof, Rothus, Rötiboden, Sandhof, Schloss, Tiefenhof, Tobelrain, Unterer Leihof, Untermosen, Waisenhaus. Ausserhalb des dicht bebauten Siedlungsgebietes existieren einzelne Höfe/Weiler wie Zollinger Häuser, Unterfelsen, Eichmüli und Neuguet.
Nachbargemeinden Folgende sechs Gemeinden grenzen an die Stadt Wädenswil: im Kanton Zürich die Gemeinden Horgen und Richterswil im Kanton Zug die Gemeinden Menzingen ZG und Oberägeri im Kanton Schwyz die Gemeinden Feusisberg und Wollerau
Am Höhronen findet sich ein Dreikantonseck (Schwyz, Zug und Zürich) ().
Klima Für die Normalperiode 1991–2020 beträgt die Jahresmitteltemperatur 10,0 °C, wobei im Januar mit 1,0 °C die kältesten und im Juli mit 19,3 °C die wärmsten Monatsmitteltemperaturen gemessen werden. Im Mittel sind hier rund 68 Frosttage und 18 Eistage zu erwarten. Sommertage gibt es im Jahresmittel rund 46, während im Schnitt 8 Hitzetage zu verzeichnen sind. Die Messstation von MeteoSchweiz liegt auf einer Höhe von
Geschichte mini|Wädenswil 1794 mit Schloss (oben links), auf einem Stich von Heinrich Brupbacher Altertum Archäologische Funde aus der Jungsteinzeit belegen eine frühe Besiedlung der Halbinsel Au. Weitere Funde aus der Bronzezeit sowie aus der Römerzeit (1. Jahrhundert) zeigen, dass das Gebiet des ehemaligen Wädenswil seit über 5000 Jahren bewohnt ist.
Mittelalter In einem Stiftungsbrief des Klosters Fahr, dessen Echtheit nicht ganz sicher ist, wurden die Freiherren von Wädenswil («Wadinswilere») im Jahr 1130 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Ihren Wohnsitz, die Burg Alt-Wädenswil, errichteten die Freiherren im 13. Jahrhundert. 1287 verkaufte der letzte Freiherr Rudolf III. mangels Nachkommen die Herrschaft Wädenswil – heutige Gemeinden Wädenswil, Richterswil und Uetikon am See – an die Johanniterkommende Bubikon. Wädenswil wurde 1330 eine eigenständige Johanniterkommende. Die Kommende Wädenswil ging 1342 zwar ein Burgrecht mit der Stadt Zürich ein, blieb im Alten Zürichkrieg jedoch neutral und vermittelte zwischen den Parteien. 1529 gingen die Gemeinden Wädenswil und Richterswil zur Reformation über.
Frühe Neuzeit Wegen finanzieller Schwierigkeiten und Konflikten mit den reformierten Untertanen verkaufte der Johanniterorden 1549 die Herrschaft Wädenswil mit allen Rechten an den eidgenössischen Ort Zürich. Wädenswil wurde Hauptort der Landvogtei Wädenswil. Für den Landvogt wurde 1550 bis 1555 das Schloss Wädenswil erbaut. Die Burg musste nach einem Tagsatzungsbeschluss 1557 geschleift werden, weil sich Schwyz vom vergrösserten Stadtstaat Zürich bedroht fühlte. mini|Historisches Luftbild von 1919, aufgenommen aus 200 Metern Höhe von Walter Mittelholzer mini|Schloss Wädenswil, erbaut 1550–1555 mini|Ruine Alt-Wädenswil Die Unruhen in der Landschaft Zürich in den Jahren 1645 und 1646 fanden ihren Höhepunkt im Wädenswiler Aufstand. Zürich konnte diese Unruhen mit Hilfe obrigkeitstreuer Untertanen unterdrücken, insbesondere jener der Grafschaft Kyburg unter Landvogt Johann Heinrich Waser, mit der Folge, dass die zürcherischen Untertanen im Bauernkrieg von 1653 stillhielten.
Nachdem 1798 die Herrschaft Zürichs zusammengebrochen war, musste der letzte Landvogt David von Orelli Wädenswil verlassen. In der Helvetik war die Munizipalität Wädenswil Teil des Distrikts Horgen. Nach dem Ende der Helvetik wollte die selbstbewusste Landbevölkerung – vor allem am Zürichsee – ihre neu erworbenen Rechte behalten. Gegen das aristokratische Zürich kam es 1804 zum bewaffneten Aufstand, dem Bockenkrieg. Das Schloss Wädenswil wurde niedergebrannt. Eidgenössische Truppen schlugen den Aufstand nieder.
19. bis 21. Jahrhundert In der Restaurationszeit von 1814 bis 1830 war Wädenswil Hauptort des gleichnamigen Zürcher Oberamts. Verwaltungssitz war das 1816 wieder aufgebaute Schloss.
In den letzten drei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts erlebte das damalige Wädenswil im Zuge der Industrialisierung einen starken Aufschwung und wurde bereits damals schon einmal zur drittgrössten Gemeinde im Kanton Zürich. Die Infrastruktur wurde entsprechend ausgebaut: 1872 mit einer privaten Wasserversorgung, 1873 mit einem Gaswerk, 1875 mit dem Anschluss an die NOB-Eisenbahnlinie Zürich–Näfels, 1882 mit einem Telefonnetz, 1895 mit einem Elektrizitätswerk. In diesen Jahren entstanden ausserdem ein Krankenhaus, Kinderkrippen und das erste Altersheim. Um 1900 nahm auch die Arbeiterbewegung ihren Anfang. Ganze Quartiere wurden in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts neu gebaut, mehrere Schulhäuser entstanden, und ein neuer Friedhof wurde angelegt. 1903 wurde Wädensweil – so hiess die Gemeinde bis dahin – in Wädenswil umbenannt.
Verschiedene Einrichtungen des 20. Jahrhunderts gehen auf mäzenatische Aktivitäten der Industriellen zurück. So gründeten 1911 Fabrikanten das Au-Konsortium, mit dem der Hügel der Halbinsel Au erworben wurde, um zu verhindern, dass das Kleinod überbaut wurde.
Einer der schwersten Eisenbahnunfälle der Schweiz kostete am 22. Februar 1948 in der Einfahrt in den Bahnhof Wädenswil 22 Menschen das Leben. Ein Ski-Zug aus Sattel SZ überfuhr wegen eines Bedienungsfehlers des Lokomotivführers mit 60 km/h den Prellbock und prallte in das Betriebs- und Verwaltungsgebäude der Obst- und Weinbaugenossenschaft (heute: «Seeresidenz»).
In den 1960er und 1970er Jahren erlebte Wädenswil einen weiteren starken Aufschwung. Insbesondere im Ortsteil Au entstanden zahlreiche neue Wohnsiedlungen. Der Aufschwung führte zu einer Umgestaltung des Zentrums entlang der Hauptverkehrsachse Zugerstrasse, aber auch zu Protesten der Jugend Anfang der 1980er Jahre. Einzelne Exponenten gründeten später das Theater Ticino.
1974 entschieden sich die Stimmberechtigten von Wädenswil für die Einführung eines Parlamentes als Ersatz für die Gemeindeversammlung. Der Gemeinderat wurde damals zum Stadtrat, die Gemeinderatskanzlei zum Stadthaus.
1993 geriet Wädenswil in die internationalen Schlagzeilen, nachdem der Gemeinderat eine neue Gemeindeordnung genehmigt hatte, die ausschliesslich weibliche Formulierungen enthielt. Die Stimmberechtigten lehnten die Gemeindeordnung in einer Volksabstimmung allerdings ab.
Am 21. Mai 2017 stimmte eine Mehrheit der Stimmbürger in der Stadt Wädenswil (69 %) und den beiden Berggemeinden Schönenberg (55 %) und Hütten (80 %) einem Zusammenschluss zur neuen politischen Gemeinde Wädenswil per 1. Januar 2018 zu. Aufgrund von weitergezogenen Einsprachen gegen den beschlossenen Zusammenschluss, erfolgte der Vollzug ein Jahr später.«Endgültig grünes Licht für Grossgemeinde Wädenswil» In: Zürichsee-Zeitung. 17. Dezember 2018.
Gemeindeverzeichnis vor dem Gemeindezusammenschluss am 1. Januar 2019: