mini|Mary Anderson,Foto: Napoleon Sarony, 1883rahmenlos|class=notpageimage|200px Mary Antoinette Anderson, verheiratete Mary Antoinette Navarro (* 28. Juli 1859 in Sacramento, Kalifornien, USA; † 29. Mai 1940 in Broadway, West Midlands, England) war eine US-amerikanische Film- und Theaterschauspielerin.

Leben

Kindheit und Jugend Mary Anderson war die Tochter von Charles Henry Anderson, eines an der University of Oxford ausgebildeten New Yorkers, und seiner Frau Antonia Leugers, die von ihrer katholischen Familie aus Philadelphia enterbt wurde, nachdem das Paar nach Kalifornien geflüchtet war.

Kurz nach der Geburt von Mary zog das Ehepaar nach Louisville (Kentucky) um, wo ihr Vater sich in die Armee der Konföderierten Staaten von Amerika einschrieb und am Amerikanischen Bürgerkrieg teilnahm. Er fiel bei Mobile (Alabama), als Mary Anderson drei Jahre alt war.

Mary besuchte die Schule am Konvent der Ursulinen und der katholischen Mädchen-Highschool Presentation Academy in Louisville. Abgesehen von ihrem Interesse an der Lektüre von Shakespeare war sie keine eifrige Schülerin. Im Alter von vierzehn Jahren wurde sie, ermuntert von ihrem Stiefvater, nach New York geschickt, um zehn Lektionen beim Schauspieler George Vandenhoff zu besuchen, was ihre einzige professionelle Ausbildung blieb.

Bühnenkarriere 1875 trat Mary Anderson erstmals auf der Bühne auf. Es handelte sich um eine Wohltätigkeitsveranstaltung am Macauley’s Theatre in Louisville. Sie spielte die Julia in einer Aufführung von Shakespeares Romeo und Julia. Der Manager, Barney Macauley, war so beeindruckt, dass er Anderson für eine weitere Woche als Julia auftreten ließ, außerdem als Julia in The Hunchback von Sheridan Knowles, als Bianca in Henry Hart Milmans Fazio und in R. L. Sheils Evadne. mini|hochkant|links|Mary Anderson Weitere Engagements in St. Louis (Missouri), New Orleans und am Theater von John McCullough in San Francisco führten zu einem Vertrag mit John T. Ford. 1877 begann sie als Lady Macbeth in seinem Theater in Washington, D.C. mit einer ausgedehnten Tournee durch die USA, die in einem sechswöchigen Engagement in Edward Bulwer-Lyttons The Lady of Lyons am 5th Avenue Theatre in New York gipfelte. Die Kritiken ihrer Auftritte fielen unterschiedlich aus, sie war jedoch beim Publikum sofort sehr beliebt und wurde „unsere Mary“ genannt.

Es folgte eine zwölfjährige Karriere ungebrochenen Erfolgs mit regelmäßigen Auftritten in New York und US-Tourneen. 1879 begab sie sich auf eine Reise nach Europa, wobei sie Sarah Bernhardt und Adelaide Ristori traf.

1883 begab sie sich nach einer Hauptrolle in einer amerikanischen Produktion des Stücks Pygmalion and Galatea von W. S. Gilbert nach London zur Bühne des Lyceum Theatre und blieb sechs Jahre in England, wo sie mit großem Erfolg am Shakespeare Memorial Theatre in Stratford-upon-Avon auftrat. Bei ihrem Aufenthalt dort befreundete sie sich mit dem Schriftsteller William Black.

1887 trat sie in London in Ein Wintermärchen in der Doppelrolle von Perdita und Hermione auf (als erste Schauspielerin, die diese Neuerung einführte). Diese Produktion erlebte 160 Aufführungen und wurde auch in den USA gespielt. Anderson brach jedoch 1889 aufgrund starker nervlicher Belastung auf der Bühne in Washington zusammen. Sie löste ihre Gesellschaft auf und erklärte im Alter von 30 Jahren ihren Rückzug. Einige Kommentatoren, vor allem in der britischen Presse, schrieben dies feindseligen Presseberichten nach Andersons Rückkehr in die USA zu.Return of Mary Anderson. In: New York Times, 7. Oktober 1911. Die Autorin Willa Cather ging weiter und schrieb die Schuld einer besonders verletzenden Kritik eines nahen Freundes zu.Bernice Slote (Hrsg.): The Kingdom of Art: Willa Cather’s First Principles and Critical Statements. University of Nebraska Press, Lincoln 1966; Google Books

Weiterer Lebenslauf Mary Anderson wurde nach ihrem Zusammenbruch Ruhe verordnet und sie reiste nach England. 1890 heiratete sie Antonio Fernando de Navarro, einen amerikanischen Sportler und Anwalt baskischer Abstammung. Sie ließen sich in Broadway (Worcestershire) nieder, wo Anderson ihr musikalisches Interesse pflegte und eine bekannte Gastgeberin mit einem angesehenen Zirkel musikalischer, literarischer und kirchlicher Gäste wurde. Sie wurde als Modell für Figuren in den Lucia-Romanen von Edward Frederic Benson genannt, entweder für den Sopran Olga BracelyMr Benson remembered in Rye, and the world of Tilling. Cynthia & Tony Reavell, 1984.The Papers of the Bibliographical Society of America. Contributor Adolf Carl von Noé, v.47. University of Chicago Press, 1953. oder für Lucia selbst,Dictionary of American Biography. The American Council of Learned Societies, Scribner, 1959. und als die Inspiration für die Heldin in William Blacks Roman The Strange Adventures of a House-Boat.

Sie verweigerte sich Ermunterungen, ans Theater zurückzukehren, erschien jedoch in einigen Aufführungen zur Spendensammlung während des Ersten Weltkriegs in Worcester, Stratford und London. Letztere beinhalteten Rollen in Galatea, Julia und Clarice in W. S. Gilberts Stück Comedy and Tragedy.Obituary, Mme. de Navarro. In: The Times, 30. Mai 1940. Sie veröffentlichte zwei Bände mit ihren Erinnerungen, 1896 A Few Memories und 1936 A Few More Memories, und arbeitete 1911 mit Robert Smythe Hichens an einer New Yorker Bühnenfassung seines Romans The Garden of Allah zusammen.

Das Oxford Dictionary of National Biography fasst ihre Stärken als „Schauspielerin mit großer äußerer Schönheit“ (sie wurde häufig gemalt und fotografiert und ihr Bild war oft in der Werbung zu sehen) und einer „deutlichen, ausdrucksstarken Stimme“ zusammen. Die Encyclopædia Britannica fügt den Faktor hinzu. Die Ansichten der Kritiker teilten sich in jene, die ihre Darstellung als kraftvoll und bewegend ansahen, und jene, die sie für zu statuenhaft und zu eingeschränkt in ihren Ausdrucksmöglichkeiten (durch mangelhafte Ausbildung) hielten. Sie war jedoch bei der Zuschauerschaft immer populär.Oxford Dictionary of National Biography.

Filmografie (als Mary Navarro, Auswahl) 1912: Babette (Kurzfilm) 1912: Bridge (Kurzfilm) 1912: The Days of Terror; or, In the Reign of Terror (Kurzfilm) 1912: The Night Before Christmas (Kurzfilm) 1913: Cinderella’s Slipper (Kurzfilm) 1914: Hearts of Oak 1914: When Broadway Was a Trail 1915: The Battle of Ballots 1918: Mrs. Dane’s Defense 1918: Eve’s Daughter

Literatur

Ronald Tracy: Our Mary : the stage life of Mary Anderson, Columbus, Ohio : Gatekeeper Press, 2021, ISBN 978-1-6629-1421-8

Weblinks

Einzelnachweise

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