Seubtendorf ist ein Ortsteil der Stadt Tanna im Saale-Orla-Kreis in Thüringen.

Geografie und Geologie Seubtendorf liegt östlich der Bundesautobahn 9 (A9) in einem Talkessel und westlich der L3002 (früher B 2). Die Lage kann zum heutigen Ostthüringen oder auch nach älterer Bezeichnung zum Thüringischen Vogtland zugeordnet werden.

mini|Obere Dorfstraße (2014) Der Talkessel von Seubtendorf ist mit bewaldeten Höhenlagen bis zu 600 m umlagert. Nördlich führt die L3002 vom Nachbardorf Schilbach kommend vorbei, was sich günstig auf die Verkehrsanbindung auswirkt. mini|Dorfkirche Seubtendorf (2014) Geologisch gesehen liegen die Flächen der Gemarkung im Südostthüringer Schiefergebirge.Manfred Graf: Organisation der kooperativen Pflanzenproduktion bei hohem Grünlandanteil im Südostthüringer Schiefergebirge. Dargestellt an der KOG „Lobenstein“. 1970, (Jena, Universität, Dissertation, 1970; maschinschriftlich). Östlich von Seubtendorf erstreckt sich der Rosenbühl als höchste Erhebung der Umgebung mit seinen ausgedehnten Waldflächen.

Nachbarorte Nachbarorte sind südlich Göttengrün und Blintendorf, südwestlich Langgrün, nördlich Schilbach und westlich durch die Bundesautobahn aber getrennt Künsdorf.

Geschichte Am 6. August 1354 wurde der Ort urkundlich erstmals erwähnt.Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch. 5., verbesserte und wesentlich erweiterte Auflage. Rockstuhl, Bad Langensalza 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 263.Die Geschichte der Kirchgemeinde Seubtendorf. Bearbeitet aus Anlass der 600 Jahr Feier von Seubtendorf im Sommer 1954. Von P. Noae, Ortspfarrer von Seubtendorf, Künsdorf und Langgrün Die Dorfkirche Seubtendorf wurde im 13. Jahrhundert erbaut.

Die Seubtendorfer Schlacht Am 9. Oktober 1806, 5 Tage vor der Schlacht bei Jena und Auerstedt, kam es zu einer Plünderung durch bayerische Koalitionstruppen der französischen Armee.Seubtendorf auf der Website der Stadt Tanna Ein Bericht aus Georg Brückner: Volks- und Landeskunde des Fürstenthums Reuß j.L., Gera 1870, beschreibt es im Detail:Bayerische Staatsbibliothek, Münchener Digitalisierungszentrum, "Brückner, Georg: Volks- und Landeskunde des Fürstenthums Reuß j.L."Georg Brückner: Volks- und Landeskunde des Fürstenthums Reuß j.L., Gera 1870, Verlag Fr. Eugen Köhler

Ein noch schwereres Los traf den Ort im französischen Kriege und zwar am 9. und 10. Oktober 1806 durch die sog. Seubtendorfer Schlacht. 27 Mann Bayern waren auf ihrem Gelderpressungszuge von Langgrün her vor Seubtendorf gerückt. Bauern aus Künsdorf, welche in Saalburg eine französische Nichtigkeitserklärung der bayerischen Erpressung erlangt hatten, eilen den Seubtendorfern zu Hilfe. Es kommt zum Kampfe, in welchem zwei Bauern getötet und viele verwundet werden. Die durch die Sturmglocke herbeigerufenen Schilbacher fallen die Bayern im Rücken an, von denen 15 erschlagen und ersäuft, 11 gefangen werden. Ein einziger Bayer rettet sich und bringt die Kunde nach Schleiz. Tags darauf rücken 1000 Mann Strafbayern mit zwei Kanonen vor die Dörfer Seubtendorf und Langgrün. Jener Ort löst seine Schuld mit Geld (2000 Gulden) und mit der Plünderung der Häuser; außerdem werden 11 Hausväter nach Schleiz in Gefangenschaft gebracht. Dieser Ort dagegen, dessen Einwohner geflüchtet waren, wurde angezündet, wobei 12 Häuser niederbrannten. Zum Glück erhalten die Bayern Befehl zum Abmarsch. Drei Monate darauf wurden die Gefangenen in Schleiz losgegeben und der Prozess durch den Fürsten niedergeschlagen. Endlich im Jahre 1815 ging der Schilbacher Bauer Eckner nach Wien zum Congreß, trug die Sache dem König von Bayern vor und bat um Schadenersatz, worauf der Anführer der Bayern bestraft wurde und jedes der zwei beschädigten Dörfer 700 Thlr. erhielt.

Kriegsende 1945 Im Mai 1945 wurde das Dorf von der Amerikanischen Armee (1. US-Armee) besetzt. Es gab kein deutsches Militär im Ort und deshalb auch keine Kampfhandlungen. Die Suche nach versteckten deutschen Soldaten verlief ergebnislos, es gab eine Ausgangssperre, keiner durfte auf die Felder, aber die die Aussaat war schon beendet und die Kartoffeln waren gelegt. Am 1. Juni verließen die Amerikaner das Dorf, am nächsten Tag kam die Rote Armee – nicht mit Panzern wie die Amerikaner, sondern mit Panjewagen. Es gab wiederum Befragungen nach Soldaten und Nazis. Einige Seubtendorfer wurden nach Buchenwald gebracht.Ronald Petzold: Feinde und Freunde in Seubtendorf 1945, epubli 2026, ISBN 978-3-565-53219-3

Fürstentum Reuß und Thüringen Durch seine Lage in Ostthüringen gehörte Seubtendorf in der Vergangenheit zum Fürstentum Reuß jüngere Linie und damit zu Reuß-Schleiz und später zu Reuß-Gera, 1919 zum Volksstaat Reuß, zum Land Thüringen von 1920 bis 1952. Von 1952 bis 1990 gehörte Seubtendorf zum Bezirk Gera und seit 1990 zum wiedergegründeten Thüringen.

Am 1. Januar 1997 wurde Seubtendorf nach Tanna eingemeindet.

Wirtschaft Der einst ländlich gebaute Ort nimmt immer mehr die Gestalt einer Wohnsiedlung an. Es gibt aber auch einige gewerbliche Unternehmen, die das Dorf mitprägen. Bis zur Wende war die Wirtschaft durch die Entwicklung in Ostdeutschland landwirtschaftlich geprägt. Aus der LPG „Heimatscholle“ (gegründet im April 1960 mit politischem Druck)Frank Thrum: Die schwarze Tafel im Dorf, Berlin epubli 2026, ISBN 978-3-565-53137-0 wurde nach der Deutschen Wiedervereinigung die „Rinderhof Agrar GmbH Seubtendorf“, die im Jahr 2026 35 Beschäftigte hat.Rinderhof Agrar GmbH Seubtendorf

Persönlichkeiten Bruno Coder, Landwirt, Bürgermeister von Seubtendorf und Abgeordneter Ludwig Oldewage, 1904–1920 Missionar in Deutsch-Ostafrika und 1920–1948 Pfarrer in Seubtendorf Karlheinz Schaller (1944–2024), Sozialhistoriker, wurde in Seubtendorf geboren

Einzelnachweise

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