mini|hochkant=1.3|Duke Ellington und das Duke Ellington Orchestra 1943 Das Duke Ellington Orchestra (auch: Duke Ellington and his Orchestra, zunächst The Washingtonians) war eine Jazzband des Swing von den 1920er bis in die 1970er Jahre in unterschiedlichen Besetzungen, geleitet von Duke Ellington.

The Washingtonians Die Ursprünge des „Duke Ellington Orchestra“ (im weiteren: DEO) liegen in den Probesessions Duke Ellingtons um 1917 mit den Miller-Brüdern in der True Reformers Hall in Washington, D.C.Zu dieser Gruppe um die Brüder Bill, Felix und „Brother“ Miller gehörten William Escoffery, Lloyd Stewart, Sherling Conaway, Ted Nickerson und u. a. Musiker, Vgl. Collier, S. 43. An den Proben beteiligte sich auch Otto „Toby“ Hardwick, zuerst als Bassist, später mit einem C-Melody-Saxophon. Er wurde so zum ersten Mitglied des DEO; nach ihm kam Arthur Whetsol in die Band und der Schlagzeuger Sonny Greer, dem Ellington näher stand als irgendeinem anderen Musiker seines Orchesters. Der letzte Zugang der ersten Band war der Banjospieler Elmer Snowden, der im Unterschied zu den anderen Musikern schon eine Weile als Berufsmusiker gearbeitet hatte und in der Anfangszeit der Washingtonians der offizielle Bandleader war. Sie spielten damals auf Tanzveranstaltungen und Hintergrundmusik bei Empfängen, vorwiegend populäre Ragtime-Songs, Walzer und Schlager der Zeit.

Urbesetzung 1923–1926 Klavier: Duke Ellington Saxophon: Otto Hardwick Trompete: Arthur Whetsol Banjo: Elmer SnowdenSchlagzeug Sonny Greer

Im Zuge des Erfolges schwarzer Bands und Shows gelangten Hardwick und Sonny Greer im Gefolge des Klarinettisten Wilbur Sweatman nach New York; schließlich kam Ellington nach. Sie arbeiteten bei Sweatman im Lafayette Theatre in Harlem. Ihre Versuche, in New York Fuß zu fassen, missglückten aber zunächst. Als „Washington Black Sox Orchestra“ spielten Ellington, Snowden, Hardwick, Whetsol und Greer in Atlantic City. Im zweiten Anlauf erhielten sie ein Engagement in einem populären Harlemer Nachtclub, dem „Barron Wilkins’ Exclusive Club“; dort spielten sie vorwiegend Hintergrundmusik und Schlager. Im Juli 1923 entstanden die ersten Aufnahmen des „Washingtonians“ für das Label Victor; Der Komponist Maceo Pinkard ließ Songs von sich aufnehmen. Im September 1923 wechselten sie vom „Barron'“ zur „Harper Dixie Revue“ an den Broadway, die in dem winzigen Nachtclub „Hollywood Inn“ stattfand, dem späteren „Kentucky Club“.vgl. Collier, S. 76, Ruland, S. 13: „in den vier Jahren, die die 'Washingtonians' im Hollywood Inn verbrachten, veränderte sich die ganze Konstellation der Band – Personal, Musik und Management – drastisch. Als sie im Herbst 1927 den Club endgültig verließen, waren sie Duke Ellingtons Band, die Duke Ellingtons Musik spielte.“ (Collier)

Das „Hollywood Inn“ Eine entscheidende Veränderung war der Ersatz von Whetsol durch James Wesley Bubber Miley als Trompeter. Er galt als Spezialist für den „plunger“ oder „Wah Wah“-Dämpfer-Effekt. Mileys Stil stand im starken Gegensatz zu der eher glatten Spielweise der „Washingtonians“. Außer Miley kamen John Anderson (Trompete und Posaune) und Roland Smith (Saxophon und Fagott) in die Band; sie blieben aber nicht lange in der Gruppe.

Besetzung 1924 Klavier: Duke Ellington Saxophon: Otto Hardwick Trompete: Bubber Miley Posaune: Charlie Irvis Banjo: Elmer SnowdenSchlagzeug Sonny Greer

Ellington sagte später: „Unsere Band veränderte ihren Charakter, als Bubber kam. Er pflegte den ganzen Abend seinen „growl“ und spielte so richtig „gut-bucket“ auf seinem Horn. Das war, als wir uns entschlossen, die „sweet music“ ganz zu vergessen“.Collier,. S. 75. Er zitiert im Folgenden Mercer Ellingtons Einschätzung, dass Miley die „Washingtonians“ „machte“. (S. 76) Damit war Miley der Hauptfaktor in der Schaffung des Stils, der die Gruppe berühmt machen sollte. In dieser Zeit, als Snowden formell noch Leiter der Gruppe war, begann Ellington Songs zu schreiben. Da das meiste Geld mit dem Schreiben von Kompositionen verdient wurde, veränderte sich die Position Duke Ellingtons in der Gruppe erheblich. Im März 1924 ersetzte Charlie Irvis den Posaunisten John Anderson, einen Monat später verließ Elmer Snowden die Band; damit war Duke Ellington Leiter der „Washingtonians“.

1924 bis 1926 Das DEO spielte in dieser Zeit „eine Art synkopierter Musik, wie sie schwarze Tanzorchester spielten; eine Band, die gerade erst begann, die Essenz des Jazz zu begreifen.“vgl. Collier, S. 86. Im Sommer 1924 spielten sie in „Salem Willows Park“ in einem Tanzsaal namens „Charleshurst“ In dieser Periode gab es zwei wichtige Veränderungen in der Band: die erste brachte Freddy Guy als Banjospieler ins Orchester; er sollte 25 Jahre in der Band bleiben. Außerdem kam der New Orleans-Jazzpionier Sidney Bechet ins DEO.

Besetzung 1926 Klavier: Duke Ellington Saxophon: Otto Hardwick, Harry Carney Trompete: Bubber Miley Posaune: „Tricky Sam“ Nanton Gitarre: Fred GuySchlagzeug Sonny Greer

Bechet hatte eine wesentliche Wirkung auf die Band, „besonders durch seine Fähigkeit, sie aus dem rhythmischen Dschungel, in dem sie sich verirrt hatten, heraus zu holen und auf die breiten Pfade des Jazz zu führen.“vgl. Collier, S. 89. Bechet blieb aber nur im Sommer 1924 in der Band. Die Mitglieder des DEO hatten große Schwierigkeiten, mit ihm umzugehen Neben dem „Hollywood Inn“, der inzwischen „Kentucky Club“ hieß, traten sie in verschiedenen anderen Clubs der Stadt auf und wurden allmählich bekannter. Hinzu machten Radio-Übertragungen das Orchester bekannt; außerdem fanden sie Erwähnung in den Musik-Fachblättern. 1925 stieß der Banjospieler und Gitarrist Fred Guy zur Band, der Elmer Snowden ersetzte. 1925 kam auch Henry „Bass“ Edwards als Tuba-Spieler hinzu, wechselte aber im Frühjahr 1926 zu einer anderen Band. Sein Ersatz war Mack Shaw, der Mitte 1927 von Wellman Braud abgelöst wurde. Braud spielte sowohl Kontrabass als auch Tuba und seine Verwendung des Basses, der im Begriff war, die Tuba in den Jazzbands zu ersetzen, half der Rhythmusgruppe, ein wenig mehr „swing“ zu entwickeln. Ein bedeutender Neuzugang war Joe Nanton, genannt „Tricky Sam“, wegen seiner „plunger“ und „growl“-Effekte. Er löste Charlie Irvis ab. Als der Jungle Style das Markenzeichen der Band wurde, war Nantons Stimme mehr als jede andere der kennzeichnende Klang.vgl. Collier, S. 93. Nach Nantons Tod 1946 hatte Duke Ellington große Probleme, Ersatz für Nantons eigenes Klangbild zu finden.

Der „Jungle Style“ mini|links|150px|Duke Ellington Orchestra: „The Mooche“ Im Herbst 1926 kam Louis Metcalf in die Band und blieb bis zum Frühjahr 1928, als Arthur Whetsol zurückkehrte. Im Sommer 1927 kam Rudy Jackson.Gegenüber Ellington hatte dessen Musiker Rudy Jackson das Stück „Creole Love Call“ als seine eigene Komposition ausgegeben. Nachdem Ellingtons Version erschienen war und King Oliver Rechtsansprüche geltend machte, aber nicht durchsetzen konnte, feuerte Ellington Rudy Jackson wegen dieses Vorfalls und holte für ihn Barney Bigard als Ersatz ins Orchester. Vgl. A. H. Lawrence, Duke Ellington and His World (London: Routledge, 2001) S. 112, ISBN 0-415-93012-X, ISBN 978-0-415-93012-3 ins DEO und verstärkte den Saxophonsatz. Von da an sollte die Band immer drei und mehr Saxophone haben. Der dritte Saxophonist war Harry Carney, der bei Ellington ohne Unterbrechung 47 Jahre bleiben sollte, bis Ellington starb. Carney war als Baritonsaxophonist die Basis des Saxophonsatzes während der längsten Zeit des Bestehens der Band.

Am Ende ihres Engagements hatte sich die Band erheblich verändert – die wichtigste Veränderung war jedoch die Verbindung mit dem Musikverleger Irving Mills ab 1925. Er wusste, dass das große Geschäft mit Songs zu machen war und drängte Ellington ständig zu komponieren, ließ die Songs aufnehmen und promotete sie massiv. So zwang die Vereinbarung mit Mills Ellington ständig dazu, kreativ zu sein.Collier, S. 100: Er schildert, wie Duke unter dem Druck Mills’ die besten Kompositionen schuf Duke und Mills schlossen 1926 einen rechtsverbindlichen Vertrag; die „Washingtonians“ wurden zu „Duke Ellington and his Orchestra“. Im März 1926 erschienen noch Platten unter dem Namen der „Washingtonians“, einen Monat später hießen sie „Duke Ellington and the Washingtonians“, im November kam sie unter „Duke Ellington and his Kentucky Club Orchestra“ heraus.Irving Mills verwendete bei den Schallplatten-Veröffentlichungen auf den verschiedenen Labeln noch zahlreiche weitere Namen; 1927 spielten sie den Titel „Chicago Stomp Down“ als „The Chicago Footwarmers“, 1928 den Titel „Diga Diga Doo“ als die „Harlem Footwarmers“ (beide auf Okeh Records). Als „Whoopee Makers“ begleiteten sie im Oktober 1928 die Sängerin Ozie Ware. 1929 firmierten sie auch als „Duke Ellington and his Memphis Men“ mit dem Song „That Rhythm Men“ bzw. als „Sonny Greer and his Memphis Men“, unter der sie 1929 mit „Saturday Night Function“ einen Hit hatten. 1930 spielten sie als Begleiter des Sängers „Sunny“ Smith (hinter diesem Pseudonym verbarg sich Irving Mills) als die „Ten Black Berries“. Erst im Februar 1927 hieß es endgültig „Duke Ellington and his Orchestra“. Mills beschleunigte nun die Folge der Aufnahmetermine; waren es 1925 nur drei Sitzungen und 1926 sechs, so waren es 1927 bereits dreizehn. Der „Jungle Style“, besonders gekennzeichnet durch die Growl-Effekte auf Trompete und Posaune, wurde nun zum Markenzeichen der Ellington-Band.

Der Cotton Club 1927 erhielt das DEO die Gelegenheit zu einem Engagement im legendären Harlemer Cotton Club. Am 4. Dezember 1927 war ihre Eröffnungsvorstellung. Duke füllte die Band sogleich auf die erforderlichen zehn Mann auf. Hinzu kam nun der Klarinettist Barney Bigard aus New Orleans; er sollte vierzehn Jahre in der Band bleiben.

Besetzung 1929 Klavier: Duke Ellington Saxophon: Otto Hardwick, Harry Carney, Johnny Hodges Klarinette: Barney Bigard Trompete: Cootie Williams, Freddie Jenkins, Arthur Whetsol Posaune: „Tricky Sam“ Nanton, Juan Tizol Banjo: Freddy Guy Bass: Wellman BraudSchlagzeug Sonny Greer

Der zweite neue Mann war Johnny Hodges, der zu eines der führenden Solisten im DEO werden sollte. Im Mai 1928 ersetzte er Otto Hardwick, der sich bei einem Unfall das Gesicht verletzt hatte. Hodges blieb mit einer Unterbrechung bis in die 1950er Jahre in der Band. Mit seinem warmen, swingenden Stil prägte er stark den Klang des Orchesters. Kurz darauf wurde der Trompetensatz umbesetzt. Im Juni 1928 kam Arthur Whetsol für Louis Metcalf wieder. Ellington stellte einen weiteren Trompeter ein, Freddie Jenkins. Der dritte neue Musiker, der in den Trompetensatz kam, war Cootie Williams, der vorher im Fletcher Henderson Orchester spielte. Keiner sollte so viel Einfluss auf die Form von Duke Ellingtons Musik haben wie er.vgl. Collier, S. 127. Cootie Williams schrieb auch eine Reihe wichtiger Kompositionen für die Band, wie „Do Nothin’ Till You Hear from Me“ Er ersetzte den Anfang 1929 wegen seiner Unzuverlässigkeit entlassenen Bubber Miley.Bereits im März 1926 hatte Ellington den Trompeter bei Aufnahmen durch Harry Cooper und Leroy Rutledge ersetzt. Vgl. Mark Tucker: Ellington: The Early Years. Urbana & Chicago: University of Illinois Press 1905, S. 136. Cootie, ein Mann mit tadellosen Manieren, hatte auch die Aufgabe, die „bösen Buben“Colliers Sammelbezeichnung für die Problematik vieler Bandmitglieder; Drogensucht, Alkoholismus und notorische Unzuverlässigkeit ließ Ellington bei langjährigen Bandmitgliedern oft durchgehen, weil er lieber Konflikten aus dem Weg ging, wie in Colliers Buch häufig geschildert. zu maßregeln, wenn sie der Musik nicht ihrer volle Aufmerksamkeit widmeten. „Ich liebe Musik“, sagte er, „und ich kann es nicht mit ansehen, wenn jemand die Musik versaut... aber mir macht das nichts aus.“zit. nach Collier, S. 133

mini|links|190px|Cootie Williams. Fotografie von William P. Gottlieb.