Übach-Palenberg ist eine an der Grenze zu den Niederlanden gelegene mittlere kreisangehörige Stadt im nordrhein-westfälischen Kreis Heinsberg.

Geografie Übach-Palenberg liegt 17 Kilometer nördlich von Aachen im Süden des Kreises Heinsberg. Unmittelbar angrenzende Nachbarkommunen sind die Gemeinde Landgraaf auf niederländischer Seite und die Städte Geilenkirchen, Baesweiler, Alsdorf und Herzogenrath auf deutscher Seite.

Gewässer Die Wurm fließt in Süd-Nord-Richtung durch die Stadtteile Zweibrüggen und Frelenberg. Ein Bach mit Namen Übach entspringt südlich des Alsdorfer Stadtteils Busch. Er fließt, teilweise unterirdisch, im Bogen nördlich um Merkstein herum, weiter Richtung Norden an Herbach vorbei nach Übach und weiter im Bogen nach Westen in Richtung Palenberg, wo er in der Nähe des Naherholungsgebietes nach etwa 9 Kilometern in die Wurm mündet.. Fachinformationssystem ELWAS mit dem Auswertewerkzeug ELWAS-WEB. Abgerufen am 11. Juni 2014.

Naturschutzgebiet Eine Teilfläche des Naturschutzgebietes Teverener Heide gehört zum Gebiet der Kommune.

Stadtgliederung mini|Stadtgliederung Die Stadt besteht aus den Ortsteilen (in Klammern Einwohnerzahlen vom 31. Dezember 2015): Boscheln 4.650 Frelenberg 3.180 Holthausen 459 Marienberg 1.856 Palenberg 4.931 Rimburg 346 Scherpenseel 2.036 Siepenbusch 129 Stegh 33 (1. Juni 2023) Übach * 6.812 Windhausen 369 Zweibrüggen 86 sowie den Gehöften Hoverhof, Drinhausen, Blaustein, Valkerhofstadt und Weißenhaus.

(* = Sitz der Stadtverwaltung)

Geschichte Ursprünge Die Via Belgica, eine römische Hauptverkehrsstraße, durchschnitt das heutige Stadtgebiet und überquerte in der Nähe des Schlosses Rimburg die Wurm. Etwa anderthalb Kilometer flussabwärts zwischen Palenberg und Marienberg fand man die Grundmauern eines römischen Gutshofs. Die zu dem Hof gehörende Therme ist zwischenzeitlich teilweise rekonstruiert und an ihrer Fundstelle zu besichtigen.

Im Ortsteil Boscheln entsprechen die heutige Friedensstraße und Brünestraße dem Verlauf der Römerstraße.Jeanne-Nora Andrikopoulou-Strack: Zu Fuß, zu Pferd, im Wagen – auf der Via Belgica von Köln nach Rimburg S. 17ff. in: Landschaftsverband Rheinland – Rheinische Bodendenkmalpflege (Hrsg.): Erlebnisraum Römerstraße – Via Belgica. print'n'press-Verlag Aachen 2008, ISBN 978-3-935522-01-4

Vom Mittelalter zur Neuzeit Der Ortsteil Palenberg wird in einer Urkunde vom 20. Januar 867 über einen Güteraustausch zwischen einem Vasallen des Jülicher Grafen Matfridt namens Otbert und dem fränkischen König Lothar II. erstmals schriftlich erwähnt.Leo Schaefer: Früher Kirchenbau im Kreis Heinsberg. Museumsschriften des Kreises Heinsberg 8. Eigenverlag des Kreises Heinsberg, Heinsberg 1987, ISBN 3-925620-02-8, S. 13. Um das Jahr 1000 gehörte der Ort vermutlich zur Herrschaft Geilenkirchen, die im 12. Jahrhundert in den Besitz der Herren von Heinsberg gelangte. Mit der Herrschaft Heinsberg kam Palenberg schließlich zum Herzogtum Jülich und wurde Teil des Jülicher Amtes Geilenkirchen.

Die erste Erwähnung von Übach erfolgte 1172 mit Nennung einer Adligen gleichen Namens als Ministerialin der Abtei von Thorn an der Maas. Die Abtei übte mindestens seit dieser Zeit die Herrschaft über den Ort aus, vermutlich aber bereits früher.

1794 wurde nach der französischen Besetzung des Rheinlandes die Mairie (Bürgermeisterei) Übach gebildet und dem Département de la Roer unterstellt. Nach dem Wiener Kongress 1815 waren die heute zu Übach-Palenberg gehörenden Orte Teile des neugebildeten Kreises Geilenkirchen. Im Jahr 1827 hatte Palenberg 98 Einwohner und Übach 1268 Einwohner.

Industrialisierung Übach-Palenberg verfügt seit der Fertigstellung der Eisenbahnlinie Aachen-Mönchengladbach 1852 über einen Bahnanschluss.

Von 1917 bis 1962 wurde auf der Grube Carolus Magnus Steinkohle abgebaut. In diesem Zeitraum entwickelte sich parallel zum Wachstum der Steinkohlengrube das zusammenwachsende Übach-Palenberg. Das Wachstum Palenbergs begann gegenüber der Betriebsfläche der Zeche entlang der Carlstraße und dehnte sich bis zur Wurm aus. In den rund 50 Jahren des Bestehens der Zeche stieg die Einwohnerzahl des Weilers Palenberg von rund 400 auf 4436 und diejenige Übachs von rund 1600 auf 5570.

In Boscheln entstand zu Beginn der 1920er-Jahre eine weitere Bergmannssiedlung. Diese war nicht für die Grube Carolus Magnus bestimmt, sondern für die im benachbarten Baesweiler liegende Grube Carl Alexander.

Nationalsozialismus Vorkriegszeit Im Jahr 1935 entstand die Gemeinde Übach-Palenberg aus den Gemeinden Frelenberg, Scherpenseel und Übach. 1936 wurden von der Gemeindeverwaltung 14 Übach-Palenberger als Juden erfasst. Zwei mit Nichtjuden verheiratete Frauen überlebten den Holocaust, während der Jude Baruch Dellman 1938 nach Polen ausgewiesen wurde und nachweislich 1940 als erstes Übach-Palenberger Holocaustopfer den Tod im Konzentrationslager Sachsenhausen fand.Jürgen Klosa: Zur Geschichte der Juden in Übach-Palenberg. In: Heimatkalender des Kreises Heinsberg S. 148 ff. Die Schicksale und Spuren anderer Juden verlieren sich mit der Deportation in das Vernichtungslager Auschwitz oder in die Ghettos von Warschau und Riga.Helmut Landscheidt: Schicksale der Juden aus Übach-Palenberg. Ausgegrenzt, ausgeliefert, ausgelöscht. Vereinsschrift ds vereins für denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V. im Kreis heinsberg. 2011

Während des Kriegs Heinrich Himmler ordnete am 9. September 1940 die überregionale Einrichtung von Bordellen für Gemeinden an, in denen mehr als hundert fremdvölkische Arbeiter untergebracht waren. Der Übach-Palenberger Bürgermeister Carl sowie die Zeche Carolus Magnus versuchten dies zu verhindern. Die Bemühungen waren erfolglos. Im Jahr 1941 wurde ein Bordell in einer Holzbaracke mit drei polnischen Prostituierten eingerichtet. Mit der zurückgehenden Kohleförderung nahm auch die Nutzung des Bordells ab, das in der Folge aufgelöst wurde. Die freiwerdende Baracke wurde dann mit sowjetischen Kriegsgefangenen belegt.

Nach dem Einmarsch der Amerikaner war die Bevölkerung zunächst erleichtert. Für die Gemeinde datiert das Ende der Kampfhandlungen auf den 5. Oktober 1944. Als sich eine amerikanische Infanterieeinheit eines Abends gegen 22 Uhr auf ihren Abmarsch in den Kölner Raum für den folgenden Tag vorbereitete, schlug eine für einen Angriff auf Antwerpen bestimmte V1 in ein Doppelhaus in der Hügelstraße ein. Die Schäden in der bis zu diesem Zeitpunkt von Kriegseinwirkungen weitgehend verschonten Siedlung waren verheerend. Die Anzahl der Toten wurde nie bekannt.Die nationalsozialistische Zeit in Übach-Palenberg. Eine Dokumentation von Helmut Landscheidt von 2005.

Nach 1945 Im Jahr 1967 erhielt die Gemeinde Übach-Palenberg die Stadtrechte.

Am 1. Januar 1972 wurde ein Teil der Gemeinde Merkstein mit damals etwa 300 Einwohnern eingegliedert. Gleichzeitig änderte sich die Kreiszugehörigkeit. Die Stadt wechselte aus dem aufgelösten Selfkantkreis Geilenkirchen-Heinsberg in den neuen Kreis Heinsberg.

In den 1970er- und frühen 1980er-Jahren erfolgte eine Sanierung der Bergarbeitersiedlungen Boscheln, Palenberg, Marienberg und Frelenberg sowie des Ortskerns von Übach. Im Jahre 1989 wurde ein großes Naherholungsgebiet rund um den Wurmtalsee zwischen Palenberg und Marienberg eingeweiht. Im Jahre 1993 erfolgte der Umbau des ehemaligen Verwaltungsgebäudes der Grube Carolus Magnus zum Carolus-Magnus-Centrum für Umwelttechnologie (CMC).

Einwohnerentwicklung (jeweils am 31. Dezember)

Jahr Einwohner 1998 24.128 1999 24.386 2000 24.804 2001 25.049 2002 25.362 2003 25.452 Jahr Einwohner 2004 25.436 2005 25.327 2006 25.206 2007 25.110 2009 24.817 2010 24.776 Jahr Einwohner 2011 24.706 2012 24.052 2013 23.948 2016 24.198 2022 24.215 Religion Katholische Kirche Die erste Kirche in Palenberg war eine Holzpfostenkirche aus dem 8. Jahrhundert. Im 11. Jahrhundert wurde eine kleine Steinkirche errichtet, von dieser ist der Kern heute noch erhalten. Sie ist damit eine der ältesten Kirchen im Kreis Heinsberg. Die St.-Petrus-Kapelle wird auch Karlskapelle genannt.

Bis zum 31. Dezember 2009 bestand das Dekanat Übach-Palenberg aus sechs Pfarreien bzw. Weggemeinschaften. In den dazugehörigen Kirchen wurden entsprechende Gottesdienste abgehalten. Seit dem 1. Januar 2010 existiert durch den Zusammenschluss dieser sechs Pfarreien nur noch die Pfarre St. Petrus Übach-Palenberg. Ihre Hauptkirche liegt in Übach (früher St. Dionysius).

Katholische Kirchen in der Pfarre St. Petrus Übach-Palenberg: Die Kirche in Übach, geweiht im Jahre 1953, wurde dem Heiligen Dionysius geweiht. Es gab zwei Vorgängerkirchen und zwar von zirka 930 bis zum 16. Jahrhundert eine alte Sandsteinkirche, die 1303 dem Damenstift Thorn inkorporiert wurde sowie der Folgebau, der im Laufe des 16. Jahrhunderts entstand. Im Jahre 1581 wurde der Folgebau mit großem Turm fertiggestellt. Er wurde bei dem Kampfhandlungen während der Einnahme Übachs durch die Alliierten im Oktober 1944 fast vollständig zerstört. Nach Nutzung einer Notkirche konnte – wie schon erwähnt – 1953 die jetzige Kirche geweiht werden. Die Palenberger Kirche ist der Heiligen Theresia geweiht. Sie wurde im Jahre 1930 nach dem Entstehen der dortigen Bergmannssiedlung der Grube Carolus Magnus erbaut. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde die St. Petrus-Kapelle aus dem 11. Jahrhundert für die Gottesdienste benutzt. Die St.-Fidelis-Kirche in Boscheln existiert seit 1930 und war die ersten 20 Jahre Rektoratskirche (Bestandteil der Übacher Pfarre). Von 1951 bis 2009 war St. Fidelis Boscheln eine selbstständige Pfarre. In Frelenberg existieren zwei katholische Kirchen, und zwar die alte Pfarrkirche (siehe Sehenswürdigkeiten), die bis zum Jahre 1960 genutzt wurde. Die neue Pfarrkirche, die wie die alte Kirche dem Heiligen Dionysius geweiht ist, ist ein großer und moderner Sakralbau, der seit 1960 für Gottesdienste genutzt wird. Im Jahre 1895 wurde in Scherpenseel die dortige Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt fertiggestellt. Die Pfarre von Marienberg trägt den Namen St. Mariä Heimsuchung. 1911 ließen sich die Oblaten des hl. Franz von Salesin Marienberg nieder. Die alte Kirche in Marienberg wurde im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört. In den Jahren 1957 und 1958 erbaute man an der alten Stelle das heutige Gotteshaus.

Evangelische Kirche mini|Die Evangelische Erlöserkirche in Übach, die „weiße Kirche“ Durch die Ansiedlung von zahlreichen Bergleuten zogen auch evangelische Christen in größerer Zahl zu. Bis Ende 2006 gab es im Stadtgebiet zwei evangelische Kirchengemeinden (Übach-Palenberg-Ost und Übach-Palenberg-West), die zum 1. Januar 2007 zur Evangelischen Kirchengemeinde Übach-Palenberg fusionierten. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenkreis Jülich der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Seit den 1950er-Jahren gab es vier evangelische Kirchen in Übach-Palenberg. Die Kreuzkirche (erbaut 1953) im Stadtteil Boscheln wurde zum 1. Januar 2011 an die Freikirchliche Gemeinde verkauft. Die Auferstehungskirche in Marienberg (erbaut 1957) wurde im Februar 2014 entwidmet, die Immobilie im Jahr 2022 an den Kirchenkreis Jülich verkauft,Evangelisch in Übach-Palenberg, Heft 2022/3, S. 23 ( [PDF; 1,9 MB]). die Gebäude wurden 2025 abgerissen. Somit verfügt die evangelische Gemeinde noch über zwei Kirchen, die Erlöserkirche in Übach (erbaut 1932) und die Christuskirche in Frelenberg (erbaut 1954). Die Kirchengemeinde hat derzeit ca. 3900 Gemeindeglieder (Stand: Dezember 2023) und zwei Pfarrstellen. Der Anteil der Evangelischen an der Gesamtbevölkerung der Stadt macht damit knapp 20 % aus.

Freikirchen mini|Apostolische Gemeinde Von den Freikirchen ist die Apostolische Gemeinschaft mit ihrem Gemeindezentrum in Boscheln und von anderen Konfessionen die Neuapostolische Kirche mit ihrer Kirche in Übach vertreten. Von 1981 bis 2017 gab es auch eine neuapostolische Kirche in Boscheln.