Thomas Gerhardt Hornauer (* 3. Juli 1960 in ReutlingenVita Seiner Königlichen Hoheit Thomas G. Hornauer. Homepage von Thomas Hornauer. Abgerufen am 26. Dezember 2015.) ist deutscher Geschäftsmann und Unterhaltungskünstler.
Der Unternehmer Hornauer ist Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter der Firmen Telekontor, b2c.tv GmbH & Co. KG sowie des Kanal Telemedial, bei dem er auch als Programmdirektor agiert.
Öffentliche Aufmerksamkeit erlangte er mit der Verbreitung von esoterischen Inhalten und Produkten in den 2000er Jahren sowie erfolglosen Bürgermeister-Kandidaturen in der Region Stuttgart. Seit 2023 hat er ein gewisses "Come-back" mit monetarisierten TikTok-Videos.
Neben esoterischen Inhalten verbreitet Hornauer auch Versatzstücke von verschwörungsideologischen, wissenschaftsfeindlichen und teilweise sexistischen Inhalten.
Leben Hornauer wurde als Sohn von Gastronomen aus Welzheim geboren. Er lernte den Beruf des Handformers bei der Firma Bauknecht in Stuttgart. Das erste Geld verdiente Hornauer mit dem Bedrucken von T-Shirts. Ab 1984 wurde er als Gastronom tätig und betrieb zwei Nachtlokale.Hornauer: „Ich will gar nicht Bürgermeister werden“, Zeitungsverlag Waiblingen, 19. Februar 2018, abgerufen am 5. März 2023.
In Plüderhausen war Hornauer zu Zeiten des wirtschaftlichen Erfolgs mit B.TV zeitweise der zweitwichtigste Gewerbesteuerzahler. Er besitzt eine Villa am Ortsrand und wollte dort in den 2000er Jahren von der Gemeinde einen Hubschrauberlandeplatz genehmigt bekommen.
2015 rief der Unternehmer das "Vereinte Heilige Deutsche Königreich" als spirituelle Institution der von ihm gegründeten proklamierten Religion des "Christ-Buddhismus" aus. Fortan trat er in wechselnden Intensität in der Rolle seines Fantasie-Königreiches kombiniert mit esoterischen-Versatzstücken auf. Seinen Anspruch dies als Unterhaltungskunst zu sehen, unterstreicht er durch die Forderung nach Gagen bei öffentlichen realen oder online Auftritten.
Hornauer lebt in Plüderhausen und ist Vater von drei Töchtern.Robin Szuttor: Thomas Hornauer: Unternehmer und „Christbuddhist“. Die Exzentriker. In: stuttgarter-zeitung.de. Stuttgarter Zeitung, 25. März 2016, abgerufen am 24. Oktober 2016.
Telekontor 1998 gründete er die Telekontor GmbH & Co. KG, mit der er insbesondere über den Betrieb zahlreicher 0190-Telefonsex-Hotlines eigenen Angaben zufolge zum Multimillionär wurde.Fritz Schwab: „Kohle scheffeln“. In: Focus Magazin, Nr. 11 vom 10. März 2003, abgerufen am 24. Oktober 2016. Zudem trat er als Produzent von Erotik-Clips in Erscheinung.SPD führt entlarvendes Video vor: B.TV-Chef in Porno verstrickt? In: rp-online.de. Rheinische Post, 14. März 2003, abgerufen am 25. Oktober 2016.
Für Empörung sorgte ein der SPD-Landtagsfraktion Baden-Württemberg anonym zugestellter Pornofilm, in dem Hornauer dabei zu sehen ist, wie er junge Frauen bei der Masturbation filmt und auch selbst Hand an die Darstellerinnen legt.
B.TV Im Februar 2003 übernahm er für 1,6 Millionen Euro den insolventen baden-württembergischen Regionalsender B.TV. Trotz großer Bemühungen verschiedener Personen und negativer Medienresonanz – die Bild-Zeitung berichtete über Hornauer als einen eine „Stöhnfabrik“ betreibenden „Irren“ – wurde eine Lizenz zum Vollprogramm bis zum 30. April 2004 erteilt. Hornauer benannte B.TV in BTV4U um, kürzte das Programmangebot und führte lediglich die Bestandteile fort, mit denen auch die Vorbesitzer Gewinne erzielt hatten: Wahrsager, Kartenleger und Hellseher, denen die Zuschauer über kostenpflichtige Telefonnummern Fragen stellen konnten und die esoterische Lebensberatung betrieben. Auch er selbst trat in diesen Sendungen auf. Die Telefonnummern wurden ebenfalls durch Unternehmen Hornauers betrieben.
Im Rahmen seiner Fernseharbeit soll Hornauer massiv Mitarbeiter eingeschüchtert haben, die er nach Angaben der Tageszeitung in „mehrstündigen Einzelgesprächen“ einer Gehirnwäsche unterzogen habe.Bizarr-TV im Aus. Stuttgarter Regionalprogramm BTV4U und seinem Besitzer Thomas Hornauer wird die Lizenz entzogen In: Die Tageszeitung, Ausgabe 7413 vom 20. Juli 2004, S. 18, abgerufen am 25. Oktober 2016. Schon bei B.TV herrschten nach Angaben von Mitarbeitern teils „sektenähnliche Zustände“.Zitiert nach Andreas Wagner: Keine Zukunft für den Esoterik-Sender. In: welt.de. Die Welt, 19. Juli 2004, abgerufen am 25. Oktober 2016.Pressemitteilung der SPD-Landtagsfraktion Baden-Württemberg: SPD fordert Aufklärung über skandalöse Zustände bei B.TV
Ab Dezember 2003 ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen Hornauer wegen des Verdachts des tateinheitlichen Betrugs in 1.503.000 Fällen und der strafbaren Werbung in 501 tateinheitlichen Fällen. Die Staatsanwaltschaft schätzte den Schaden auf 662.823 Euro. Hintergrund waren unrichtige Angaben zum Anruferaufkommen und damit zu den Gewinnchancen. Seine der B.TV-Geschäftsräume wurden durchsucht. Aufgrund einer Verjährung wurde die öffentliche Klage am 17. September 2009 vom Landgericht Stuttgart jedoch nicht zugelassen.Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 14/5796, 2. Februar 2010, abgerufen am 17. Oktober 2018. (PDF; 48 kB.)
Der Sender BTV4U wurde am 31. Dezember 2004 aufgrund mehrerer Verstöße gegen das Medienrecht zwangsweise eingestellt. Ein Eilantrag auf Verlängerung der Sendelizenz wurde abgelehnt. Das Verwaltungsgericht Stuttgart stellte fest, dass Hornauer den Sender für persönliche Zwecke missbraucht und damit gegen das gesetzliche Gebot der Unabhängigkeit und Sachlichkeit von Informationssendungen verstoßen habe.Urteil des VG Stuttgart vom 22. März 2007, Az. 1 K 4220/04 sowie vorangegangene Beschlüsse im Eilverfahren VG Stuttgart vom 20. Dezember 2004, Az. 1 K 4276/04 und VGH Baden-Württemberg vom 12. Januar 2005, Az. 1 S 2987/04
Kanal Telemedial 2006 erhielt Hornauer von der österreichischen Behörde KommAustria die Genehmigung für das neue Projekt Kanal Telemedial. der RTR Der Sitz des Senders war formal in Wien. Der Großteil des Programms wurde jedoch in den ehemaligen B.TV-Studios in Ludwigsburg produziert. Die KommAustria stellte am 5. Juni 2008 das Erlöschen der Sendelizenz von Telemedial fest. Der Kanal habe keinen regelmäßigen Sendebetrieb aus Österreich nachweisen können und daher keinen rechtmäßigen Betrieb entsprechend der Zulassung ausgeübt.Medienbehörde entzieht Heiler-TV Telemedial Lizenz Der Standard Nach dem Erlöschen der Sendelizenz führte Hornauer seinen Kanal Telemedial als Streaming-Angebot online weiter.Lisa Priller-Gebhardt: Medien-Satire „Der Gründer“: Nach Unterlassungklage startet „Thomas G. Hornauer“-Parodie. In: wuv.de. Werben & Verkaufen, 4. Dezember 2012, abgerufen am 25. Oktober 2016.Livestream von Kanal Telemedial. Abgerufen am 25. Oktober 2016.
mini|Hornauers „Lichtkristallzentrum“ in Plüderhausen
Regionale Aktivitäten Im Juni 2015 eröffnete er in Plüderhausen im Rems-Murr-Kreis das „Lichtkristallzentrum“, eine esoterische Edelsteinausstellung mit EdelsteinverkaufPhillip Weingand: Kristallpalast in der Ex-Fabrik. In: stuttgarter-zeitung.de. Stuttgarter Zeitung, 5. Juli 2015, abgerufen am 19. Oktober 2015. und Thronsaal. Um diese Zeit rief er auch ein „Heiliges Deutsches Königreich“ als „Mentaldemokratie gegen die Volksverblödung“ aus.
Am 25. Februar 2018 kandidierte Hornauer bei der Wahl des Bürgermeisters in PlüderhausenBürgermeisterwahl Plüderhausen. König Hornauer will Schultes werden In: stuttgarter-zeitung.de. Stuttgarter Zeitung, 30. Januar 2018 und erzielte knapp 4,76 % der abgegebenen Stimmen. Hornauer trat auch als Kandidat bei der am 11. März desselben Jahres stattfindenden Bürgermeisterwahl in der benachbarten Stadt Welzheim an und erzielte hier 4,48 % aller Stimmen.Rainer Stütz: Wahl-Check Welzheim: ZVW-Podiumsgespräch am Montag In: Waiblinger Kreiszeitung, 23. Februar 2018, abgerufen am 26. Februar 2018 Er trat außerdem erfolglos bei Bürgermeisterwahlen in Urbach, Remshalden, Kernen im Remstal, Alfdorf, Lorch und Kornwestheim an, wo er zuletzt 0,22 % der Stimmen (18) erhielt.
Die Waiblinger Zeitung ließ Hornauer im Rahmen einer Bürgermeisteramtskandidatur bei vier Podiumsdiskussionen teilnehmen. Daraufhin verlangte Hornauer für seine Teilnahme als „Lebensberater, Künstler und Unterhalter“ ein Honorar von 300.000 Euro vom Verlag der Zeitung. Da ihm dies verweigert wurde, klagte Hornauer. Nachdem das Landgericht Stuttgart den Anspruch abgelehnt hatte, ging er in Berufung und auch das Oberlandesgericht Stuttgart wies 2020 Hornauers Berufung ab, laut OLG bestand zwischen Hornauer und dem Verlag kein Vertrag, der einen Honoraranspruch rechtfertige. Zudem gab es Widersprüchlichkeiten zwischen seiner Begründung und seinem Auftreten.
Öffentliche Auftritte seit 2020 Bis Juni 2020 trat Hornauer bei drei Veranstaltungen auf, die der Gründer der „Querdenken 711“-Initiative Michael Ballweg angemeldet hatte. Für seinen letzten Auftritt zahlte Hornauer 5.000 Euro an Ballweg, später distanzierte er sich jedoch wieder von diesem.
2021 war Hornauer Gast in der von Kurt Krömer moderierten rbb-Talkshow Chez Krömer.Peter Schwarz: Selbst ernannter König geht viral, Backnanger Kreiszeitung, 3. März 2023. Die Sendung musste auf Drängen Hornauers umgeschnitten werden, weil er von der Produktionsfirma Pro Bono Honorare für gezeigte Filmausschnitte verlangte.Aussagen Hornauers in: Massengeschmacks TV, 2021 Beitrag auf youtube.com
Während Hornauers Präsenzen auf Plattformen wie Facebook oder Instagram zunächst auf wenig Interesse stießen, ging er auf TikTok, wo er seit Ende 2021 schon vereinzelt Videos hochgeladen hatte,Berliner Zeitung: Von „Stöhnfabrik“ zu TikTok: Ein 0190-Nummern-Millionär versetzt Jugendliche in Trance, 7. Mai 2023, abgerufen am 7. Mai 2023. ab Anfang 2023 mit dem so genannten „TAM Dance“ (Transzendentale Aktiv Meditation) viral. Während der Live-Streams führen Teilnehmer einen speziellen Tanz zu einer schon von Kanal Telemedial bekannten Musik aus. Hornauer spielt zusätzliche Töne von einem Keyboard ab und kommentiert dabei die Tänzer. Bis Ende März 2023 hatte Hornauer auf TikTok 350.000 Follower angesammelt, seine Beiträge werden millionenfach angesehen.derstandard.de: Esoterische Lebensberatung: Majestät Thomas G. Hornauer ist zurück, 20. Februar 2023.WALULIS DAILY: Wieso Kids plötzlich die “Telemedial”-Legende Thomas G. Hornauer feiern, 1. März 2023, abgerufen am 2. März 2023.zvw.de: TikTok-Hype: Warum Thomas Hornauer und sein TAM Dance viral gehen - eine Analyse, 2. März 2023.medieninsider.com: TikTok-Charts im Februar 2023, 28. Februar 2023.
Weltanschauung und Rezeption Hornauers Auftreten ist generell schrill, häufig trägt er eine goldene Krone und ein Prunkgewand. Hornauer gibt an, ein unehelicher Urenkel von König Ludwig II. von Bayern zu sein, bezeichnete sich zeitweise als afrikanischer Yoruba-Prinz und präsentiert sich als Stifter einer neuen Religion, des so genannten „Christbuddhismus“. In Thailand baut er nach eigener Darstellung einen Wallfahrtsort auf. Für eine Art Segen steht sein Ausspruch „Herz 5“. Hornauer betreibt die „geistige Lehre“ seiner „Telemedialen Lebensschule“ und tritt als selbsternannter König seines 2008 ausgerufenen „Vereinten Heiligen Deutschen Königreichs“ auf, als Währung fungiert die fiktive „Deutschmarkt“. Hornauer distanziert sich dabei von Reichsbürgern, sein Reich habe keinen territorialen Anspruch, sondern es sei als eine „Weltanschauung“ zu verstehen,ZVW-Podiumsdiskussion: Reichsbürger und Könige, 24. April 2018, abgerufen am 5. März 2023. jeder solle Herrscher über seinen Körper und Geist sein. Hornauer bietet als „Königliche Heiligkeit“ regelmäßig kostenpflichtige Audienzen per Stream an.