St. Johann im Pongau (im Pongauer Dialekt Seiger Håns, Sénnig Håns oder Seini(g) Håns, amtliche Kurzform St. Johann/Pg.) ist die Hauptstadt und mit Einwohnern (Stand ) zugleich einwohnerstärkste Gemeinde des Bezirks St. Johann im Pongau im Bundesland Salzburg.
Geografie mini|Salzach bei St. Johann mini|Salzachtal nordwärts um St. Johann, vorn am Salzachknie Schwarzach-St. Veit
St. Johann im Pongau liegt im Salzachpongau gut 50 Kilometer südlich von Salzburg. Die Stadt befindet sich im Salzachtal im südlichen Bischofshofen-St.-Johanner Becken kurz nach dem großen Knie der Salzach, taleinwärts südlich von Bischofshofen, zwischen den Salzburger Schieferalpen im Nordteil (Dientner Berge im Westen, Fritztaler Berge im Osten), den Radstädter Tauern (Teil der Niederen Tauern) im Südosten und den Ausläufern der Ankogelgruppe (Hohe Tauern) im Südwesten. Das Gemeindegebiet umfasst die Salzachtalungen auf um die , das Hochgründeck () rechts, die Abhänge des Palfnerkogels () links, sowie die unteren Täler der Wagrainer Ache (Kleinarler Bach) und der Großarler Ache (die Liechtensteinklamm), zweier rechter Nebenbäche der Salzach, die östlichsten der Tauerntäler.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende 10 Katastralgemeinden und Ortschaften (weitgehend deckungsgleich, in Klammern Einwohnerzahl Stand und Fläche gerundet):
Rechts der Salzach im Zentrum der Gemeinde liegt die Stadt, links gegenüber Reinbach mit Steg und Halldorf. Talauswärts liegen rechts am Hochgründeck, hoch über der Stadt, Rettenstein mit der Rotte Obkirchen, und die verstreuten Häuser Maschl und Urreiting, und links die zerstreuten Häuser Einöden mit dem Palfner Dörfl. Taleinwärts liegt gegen Großarl hin die Rotte Plankenau mit dem Alpendorf, und die Wagrainer Ache hinauf die verstreuten Häuser Hallmoos, Floitensberg und Ginau.
Zählsprengel der Gemeinde sind St. Johann-Zentrum, Salzachviertel-Süd und -Nord für die Lagen am Fluss, Unterer Markt-Plankenau an der Mündung der Wagrainer Ache (Teile von Sankt Johann und Plankenau), sowie St. Johann-Nord für Rettenstein, Maschl, Urreiting, St. Johann-Südost für die anderen Teile von Plankenau, Hallmoos, Floitensberg, Ginau, und St. Johann-West für die rechte Talseite mit Reinbach, Einöden.
Sankt Johann ist die Bezirkshauptstadt des Bezirks St. Johann/Pongau und Gerichtsort des Gerichtsbezirks St. Johann im Pongau.
Die Stadt gehört zum Salzburger Planungsverband Pongau.
Nachbargemeinden
Geschichte Frühe Geschichte Funde deuten auf eine erste Besiedlung des Gebietes in der Bronzezeit etwa 2000 v. Chr. hin, speziell die Stollensysteme und hölzernen Grubeneinbauten für den Kupferabbau im Arthurstollen.
Es gibt eine Deutung, dass die Römische Fernstraße Virunum–Iuvaum (Zollfeld–Salzburg) von Altenmarkt her über die Wagrainer Höhe gelaufen sei,Geht zurück auf August Prinzinger, etwa: Befund über die Begehung des Radstädter Tauern, Pongauer Seite, zur Erhebung des Zuges der Römerstraße und ihrer Denkzeichen. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. Band 21, 1881, S. 80–89 (). dann könnte hier die Station Vocario gelegen haben; die Trasse über das Fritztal gilt aber inzwischen als gesichert, und es wird dafür Pfarrwerfen/Werfen angenommen. Jedenfalls werden sich hier aber mit Sicherheit niederrangigere Straßen über Wagrainer Höhe und in den Salzachpinzgau getroffen haben.
Erwähnt sind die Gegend und eine Kirche das erste Mal 924 in bischöflichen Aufzeichnungen. Die erste Nennung des Namens erfolgte 1074 (ad sanctum Johannem). Einen ersten Rückschlag erlitt die Besiedlung durch die Pest 1348, um 1350 dürften hier 350 Menschen gelebt haben.
Zwischen dem 14. und dem beginnenden 20. Jahrhundert Während der Bauernkriege 1525/26 der Reformationszeit stellte sich St. Johann auf Seite der Protestanten. Nach der Niederschlagung konnte sich St. Johann gut entwickeln, so wurde 1672 das Landgericht St. Johann im Pongau begründet. Im Zuge der Ausweisung von Protestanten aus dem Erzbistum Salzburg, die 1731 ihren Höhepunkt fand, mussten 2500 Einwohner als Salzburger Exulanten die Pfarre verlassen (mindestens 70 % der Einwohner). Ein weiterer Rückschlag der wirtschaftlichen Entwicklung war der Marktbrand von 1855.
1875 wurde die Giselabahn als Verbindung zwischen Salzburg und Tirol eröffnet.
1930er Jahre, Zeit des Nationalsozialismus mini|Russisches Ehrenmal Das Recht zur Führung eines Wappens erhielt St. Johann im Jahr 1929. Die Krobatinkaserne wurde 1936 errichtet.
Von 1939 bis zum 23. Dezember 1945 hieß die Gemeinde Markt Pongau (Reichsgau Salzburg). Nationalsozialistischer Bürgermeister wurde Hans Kappacher (ernannt durch Kreisleiter Josef Kastner). Kappacher wurde in den 1950er Jahren erneut Bürgermeister und vom Gemeinderat zum Ehrenbürger ernannt. 1940 wurden die Halleiner Schulschwestern, seit den 1720ern ansässig, vertrieben.Franz Ortner: Der Kampf gegen die weiblichen Orden (1938–1945), dargestellt am Beispiel der Halleiner Schulschwestern. In: Staat und Kirche in der „Ostmark“. Frankfurt am Main u. a. 1998, S. 237–280. Hier befand sich dann ab 1941 ein Stammlager für Kriegsgefangene, das Stalag XVIII C (317) mit zeitweise bis zu 30.000 Gefangenen und einer Wachmannschaft von etwa 1.000 Mann. Die ersten Gefangenen waren Serben und Franzosen, danach folgten Belgier, Polen, Engländer und nach Beginn des Russlandfeldzuges Angehörige der Roten Armee. Die meisten von ihnen waren Zwangsarbeiter bei Rüstungsfirmen, Großbaustellen wie Kaprun, bei Handwerksbetrieben und in der Landwirtschaft. Durch Hunger, Erfrieren und Seuchen starben von 1941 bis 1945 im STALAG „Markt Pongau“ an die 4000 sowjetische Kriegsgefangene. Der Russenfriedhof am Abhang der B311 nördlich der Speedwaybahn erinnert heute noch daran.
Zeit der Zweiten Republik In den letzten Jahrzehnten entwickelte sich die Gemeinde zu einer wichtigen Tourismusdestination, sie ist einer der Hauptorte des Tourismusverbands Salzburger Sportwelt und Schiverbunds Ski amadé. Damit entstand auch das Alpendorf.
Am 24. Juni 2000 wurde die Gemeinde, die ab 1290 Markt war, zur Stadt erhoben.
Bevölkerungsentwicklung
Stadt Sankt Johann im Pongau
mini|Stadtzentrum Hauptort der Gemeinde, wie auch Ortschaft und Katastralgemeinde, ist die Stadt Sankt Johann im Pongau. Sie liegt 52 km südlich des Zentrums von Salzburg, auf um die Höhe rechts über der Salzach am Fuß des Hochgründecks auf einer Talterrasse, etwa 50 Meter über dem Fluss und an dessen Ufer hinunter.
Stadtgliederung Die Ortschaft Sankt Johann im Pongau umfasst knapp 700 Gebäude mit etwa 4700 Einwohnern, das ist nicht ganz die Hälfte der Gemeindebevölkerung (gut 40 %).
Die Stadt gliedert sich in: St. Johann-Zentrum um die Dekanatspfarrkirche, mit den alten Ortslagen Oberer Markt und Unterer Markt, bis an die Terrassenkante, an der die Adelsberger Promenade verläuft, und den ehemaligen Lackenfeldern um Schulzentrum, Hotel Alpenland, Finanzamt, bis Mehrlgasse–Färbergasse, sowie den Ortslagen oberhalb (Zaglausiedlung) bis um die B163 Wagrainer Straße (ca. 1900 Einwohner/280 Gebäude) die alte Vorstadt (Vormarkt) südlich unterhalb, von der Vormarktbrücke und dem Salzachweg und an der Wagrainer Ache entlang der Mühlgasse zur alten Wagrainer Straße (ca. 850 EW/80 Geb.; Zählsprengel Unterer Markt-Plankenau mit den zu Plankenau gehörigen Ortslagen südlich der Wagrainerache) das Salzachviertel westlich an der Salzach, mit nördlich dem Sportplatz und der Krobatinkaserne bis zur Südtirolersiedlung bei der Bundesstraßenbrücke (ca. 2000 EW/350 Geb.; Zählsprengel -Süd und -Nord) die Ortslagen unterhalb von Rettenstein (Rettensteinweg, Elisabethinum und Kindergarten), die schon zu jener Katastralgemeinde gehören Die Katastralgemeinde St. Johann im Pongau mit 116,4 Hektar ist also etwas kleiner als die Ortschaft.
Ortsgeschichte Die erste Kirche dürfte schon spätestens im 10. Jahrhundert als Gründung von Pfarrwerfen her bestanden haben (Erwähnung 924). Die erste Nennung des Ortes erfolgte 1074 als (‚Im Ort bei Sankt Johann‘, womit hier noch die Kirche gemeint ist), auch das Doppelpatrozinium beider Johannes spricht für hohes Alter.Nämlich dann, wenn der genaue Patron vergessen wurde. Die Entwicklung zum Markt ist ab 1290 belegt, 1329 wurde eine neue Kirche eingeweiht.
1525/26, während der Bauernkriege wurde der Ort geplündert und verwüstet. Seit 1672 war es dann Sitz eines selbständigen Landgerichts.
Schon kurz nach ihrer Gründung 1723 ließen sich hier die Halleiner Schulschwestern nieder, um eine Volksschule zu führen. Sie wurden 1940 vertrieben, konnten aber nach dem Krieg zurückkehren (heute Höhere Lehranstalt für Wirtschaftliche Berufe Elisabethinum).Halleiner Schwestern Franziskanerinnen halleiner-schwestern.net;Halleiner Schwestern Franziskanerinnen kulturgueter.kath-orden.at;Chronik des Elisabethinums elisabethinum.ac.at.
1812 wurde St. Johann dann Dekanatssitz.Lit. Stadtbuch St. Johann im Pongau, Kapitel Kleine Kirchengeschichte, S. 150.
31. Mai 1855 ereignete sich der große Marktbrand, der einen Großteil des Ortes vernichtete; die Kirche wurde gänzlich neu aufgebaut. Noch um 1900 war der Ort nur ein größerer Marktflecken mit um die 120 Häusern, nicht mehr als im 16. Jahrhundert. Nach dem Krieg wurden dann mehrere weitere Schulen gegründet, 1973 wurde das Gemeindespital geschlossen. mini|hochkant|Pfarrkirche St. Johannes („Pongauer Dom“) mini|hochkant|Dekanatspfarrkirche St. Johann im Pongau mini|hochkant|In der Liechtensteinklamm
Politik mini|Gemeindeamt Gemeindevertretung
Die Gemeindevertretung hat insgesamt 25 Mitglieder. Die Wahlen zur Stadtverwaltung finden alle fünf Jahre statt. Die bisherigen Sitzverteilungen zeigt die folgende Übersicht:
Mit den Gemeindevertretungs- und Bürgermeisterwahlen in Salzburg 2004 hatte die Gemeindevertretung folgende Verteilung: 14 ÖVP, 9 SPÖ, und 2 FPÖ. Mit den Gemeindevertretungs- und Bürgermeisterwahlen in Salzburg 2009 hatte die Gemeindevertretung folgende Verteilung: 14 ÖVP, 6 SPÖ, 3 FPÖ, und 2 GRÜNE. Mit den Gemeindevertretungs- und Bürgermeisterwahlen in Salzburg 2014 hatte die Gemeindevertretung folgende Verteilung: 13 ÖVP, 5 FPÖ, 4 SPÖ, und 3 GRÜNE. Mit den Gemeindevertretungs- und Bürgermeisterwahlen in Salzburg 2019 hatte die Gemeindevertretung folgende Verteilung: 11 ÖVP, 6 SPÖ, 5 FPÖ, und 3 BBJO. Mit den Gemeindevertretungs- und Bürgermeisterwahlen in Salzburg 2024 hat die Gemeindevertretung folgende Verteilung: 10 ÖVP, 9 SPÖ, 5 FPÖ und 1 BBJO.
Bürgermeister
1936–1938 Adalbert Mueller (Regierungskommissär) 1938–1945 Hans Kappacher 1945–? Hans Messmer ?–1949 Franz Höhenwarter 1949–1978 Hans Kappacher 1978–1998 Leonhard Neumayer (ÖVP) 1998–2003 Josef Dengg (ÖVP) 2003–2024 Günther Mitterer (ÖVP) seit 2024 Eveline Huber (SPÖ)
Wappen rahmenlos|75px|links
Das 1929 verliehene Wappen der Stadt ist beschrieben: Im roten Schilde die auf einem grünen Boden stehende, halb rechts gewendete Figur des Hl. Johannes des Täufers mit gelblichem Unter- und braunem, lodenfärbigen Obergewande, in der Rechten ein Buch mit daraufliegendem Osterlamm mit Fahne haltend.
Johannes der Täufer ist der Patron der Stadt; die katholische Pfarrkirche ist jedoch beiden Johannes gewidmet, auch dem Evangelisten.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Sehenswürdigkeiten
Katholische Dekanatspfarrkirche St. Johann im Pongau hl. Johannes der Täufer: 924 erstmals urkundliche Erwähnung einer Kirche an dieser Stelle. Der heutige Kirchenbau ist ein Wiederaufbau von 1855, nach dem großen Marktbrand: neugotisch mit einem Turm, welcher jedoch 1871 einstürzte. Die Kirche wurde im selben Stil, jedoch zweitürmig wieder aufgebaut. Die neugotischen Altäre beherbergen mehrere spätgotische Figuren. Die Kirche stellt ein Hauptwerk kirchlicher Architektur im Alpenraum dar. Im Volksmund wird sie auch als „Pongauer Dom“ bezeichnet. Diese Bezeichnung erklärt sich aus der Größe und Bauform des Gebäudes, jedoch nicht aus seiner Geschichte, da die Pfarrkirche zu keiner Zeit Bischofssitz war.