Die Bastei Lübbe AG ist ein deutscher Verlag mit Sitz in Köln.
Das Unternehmen hatte von 1953 bis 2009 seinen Sitz in Bergisch Gladbach und zog 2010 in den benachbarten Kölner Stadtteil Mülheim um. Die Aktien des Unternehmens werden seit dem im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt.
Das Unternehmen veröffentlicht Bücher, Hörbücher und E‑Books in verschiedenen Genres von Sachbuch bis Belletristik und bündelt unter seinem Dach mehrere Imprints. Dazu gehören unter anderem Lübbe, Eichborn, Baumhaus, der Hörbuchverlag Lübbe Audio sowie Beteiligungen an anderen Verlagen. Neben der Buchsparte betreibt das Unternehmen weiterhin den Bereich der Romanhefte.Bastei Lübbe AG, Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.04.2024 bis zum 31.03.2025 , veröffentlicht im Bundesanzeiger am 31. Juli 2025, abgerufen am 1. August 2025.
Geschichte Bastei-Verlag Gustav H. Lübbe mini|Unternehmensgründer Gustav Lübbe (1981) mini|Logo des Bastei-Verlages, heute Teil der Bastei Lübbe AG Der gelernte Zeitungsredakteur Gustav Lübbe (1918–1995) begann 1949 zusammen mit seiner Ehefrau Ursula (1922–2016) mit dem Vertrieb von Romanheften an Pressegrossisten und Bahnhofsbuchhändler. Lübbe rettete 1953 den von Ilse Tormin 1949 gegründeten Kölner Bastei-Verlag, in den er bereits 1950 investiert hatte, vor dem Konkurs und übernahm ihn als Verleger.Der Verleger Stefan Lübbe ist tot. In: Märkische Allgemeine. 15. Oktober 2014, S. 2.
Die Anfänge des in Bastei-Verlag Gustav H. Lübbe umbenannten Unternehmens sind eng verknüpft mit Romanheftserien, sogenannten Groschenromanen, die in den Nachkriegsjahren enorme Auflagen erreichten und zum großen Teil noch heute existieren. Im März 1954 brachte der Verlag den fiktiven G-Man-Helden Jerry Cotton auf den Markt, den mit 850 Millionen Exemplaren erfolgreichsten deutschsprachigen Kriminalroman in Heftform.
Mit einfachster Ausstattung begann Gustav Lübbe in diesen Jahren damit, Pressegrossisten und Bahnhofsbuchhändler in ganz Deutschland mit Romanheften zu beliefern.
Lübbe gründete 1963 den Bastei Lübbe Verlag für Taschenbücher (Gustav Lübbe Verlag), mit dem er das Verlagsgeschäft auf Buchromane ausweiten konnte. In Zusammenarbeit mit dem italienischen Verlag Fabbri in Mailand verlegte Bastei in den 1960er Jahren auch andere Reihen: Die Galerie der großen Maler lief von 1966 bis 1969 und brachte es auf 91 Bände, das Wunderland der schönsten Märchen (1968 bis 1969) hatte 24 Ausgaben.
1967 bis 1969 verlegte der Bastei-Verlag eine Schallplattenreihe mit dem Titel Die großen Musiker, die deutsche Lizenzausgabe der italienischen Reihe I Grandi Musicisti (ab 1966): Alle 14 Tage erschien eine Ausgabe mit Klappcover und ausführlichen Hintergrundinformationen (Biografien der Komponisten sowie Material zu der Zeit und den Umständen, in der die Musik entstand) auf 12 Seiten als 10", LP oder Doppelalbum. Jede EP kostete 5 DM, die Doppelalben jeweils 8 DM, die Scheiben wurden mit 33 1/3 Umdrehungen abgespielt und waren zusätzlich in einer Extrahülle eingetütet. Bastei stellte die deutsche Reihe nach 50 Ausgaben ein.
Ein inhaltlicher Schwerpunkt lag zudem auf populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen, insbesondere im Bereich der Archäologie. Eine archäologische Sachbuchreihe wurde mit dem Ceram-Preis ausgezeichnet.Hartmut Wilmes: Er schwor auf das Hinauflesen. In: Kölnische Rundschau. 12. April 2018, S. 10. Neben archäologischen Publikationen veröffentlichte der Gustav Lübbe Verlag außerdem Werke zur historischen und kulturgeschichtlichen Thematik, darunter Bildbände und Sachbücher von populären Autoren wie Philipp Vandenberg und Siegfried Fischer-Fabian.Lesen macht glücklich. Zum Tod des Verlegers Gustav Lübbe. In: Süddeutsche Zeitung. 20. Mai 1995, S. 14. Lübbe erhielt zudem die Rechte für die deutschsprachige Veröffentlichung von Werken internationaler Schriftsteller. Zu den bekanntesten Autoren, die bei Bastei Lübbe erschienen, zählen unter anderem Heinz G. Konsalik, Ken Follett sowie Stephen King.Katrin Voss: Sicherer Instinkt für Menschen. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 13. Juli 2002.
Lübbe erweiterte das Buchprogramm zu dieser Zeit und etablierte neben dem Taschenbuchverlag auch einen Verlag für Hardcover-Ausgaben sowie einen Zeitschriftenverlag, der Zeitschriften wie Goldenes Blatt, Goldene Gesundheit sowie Rätselhefte und Comics verlegte. Vor allem in den 1960er- und 1970er-Jahren erreichte der Verlag eine hohe Bekanntheit durch populäre Comicpublikationen wie Bessy, Silberpfeil, Felix und Gespenster Geschichten, die zu einer wichtigen Verlagssparte wurden.
Nach dem Tod des Firmengründers Gustav Lübbe im Jahr 1995 erbten seine Tochter Cornelia und sein Sohn Stefan jeweils 40 % und seine Ehefrau Ursula 20 % des Unternehmens. Geschäftsführer wurde Peter Roggen, Ehemann von Cornelia Lübbe.Die Mitgründerin. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 23. August 2016, Nr. 196, S. 15.Birgit Eckes: Die große Dame der deutschen Verlagswelt. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 23. August 2016.
1997 erfolgte die Übernahme des Ehrenwirth Verlags in München.Verlagskauf. Gustav Lübbe übernimmt den Münchner Ehrenwirth Verlag. In: Süddeutsche Zeitung. 3. Oktober 1997, S. 15.
Verlagsgruppe Lübbe mini|Logo der Verlagsgruppe Lübbe Nach der Neuordnung der Bereiche firmierte das Unternehmen ab 2000 als Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co KG.
Im September 2001 überschrieb Ursula Lübbe von ihren 20 % am Unternehmen 11 % an den Sohn Stefan, der damit 51 Prozent des Verlages hatte. Cornelia Lübbe-Roggen hielt weiterhin 40 %. Peter Roggen trat von der Geschäftsführung zurück. Nach jahrelangem familiären Kleinkrieg wegen des Anteilsankaufs Cornelia Lübbe-Roggens führte Stefan Lübbe das ehemalige Familienunternehmen von 2006 bis 2013 als Alleineigentümer.
Anfang 2006 erfolgte die Gründung des Deutschen Rätselverlags. Dieser war ein Joint Venture der Verlage Bastei und Gong mit Sitz in Ismaning und wurde 2008 übernahm Gong die Bastei-Anteile.Stefan Kunze: Lübbe beteiligt sich an Baumhaus. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 10. Oktober 2008. Im März 2006 wurden die letzten beiden Comicreihen Gespenster Geschichten und Gespenster Geschichten Spezial beendet und die Comicproduktion des Verlags eingestellt.Jerry Cotton geht an die Börse. In: Finanz und Wirtschaft. 18. September 2013, S. 15.
Die Verlagsgruppe begann sich unter Stefan Lübbe im Juli 2008 neu zu strukturieren. Im selben Jahr wurde der Baumhaus-Verlag aus Frankfurt am Main übernommen.
Bastei Lübbe GmbH & Co. KG mini|Sitz auf dem Gelände des Carlswerks in Köln Nach 56 Jahren in Bergisch GladbachAngelika Jockers/Reinhard Jahn, Lexikon der deutschsprachigen Krimi-Autoren. BUCH&media, 2005, ISBN 3-86520-093-1, S. 8 verlegte der Verlag seinen Sitz im Januar 2010 nach Köln-Mülheim auf das Carlswerk-Gelände. Die Verlagsgruppe Lübbe nannte sich zugleich in Bastei Lübbe GmbH & Co. KG um.
Zum 1. Juli 2010 erfolgte die Übernahme des Boje Verlages in Stuttgart, der unter anderem Titel von James Krüss, Andreas Gößling, Hilke Rosenboom, Charlotte Link und Christiane Gohl verlegt.Übernommen. In: Kölnische Rundschau. 2. Juli 2010.
Zum 1. Juli 2011 erwarb Verleger Stefan Lübbe für die Bastei Lübbe GmbH & Co. KG eine 74%ige Beteiligung an der Münchner PMV Partner Medien Verlagsgesellschaft mbH, die im Juli 2002 gegründet worden war. Zu diesem Zeitpunkt verlegte PMV 25 Magazine mit insgesamt 150 Ausgaben. Ende 2012 erwarb Bastei Lübbe die restlichen 26 % der Geschäftsanteile an der PMV.
Im September 2011 erfolgte die Gründung des Hauptstadtverlags Quadriga.Eine spannende Verlagsgeschichte wird fortgeschrieben: Bastei Lübbe gründet Hauptstadtverlag Quadriga neu. Buchmarkt.de (4. Oktober 2010). Abgerufen am 29. Juli 2013. Im Dezember 2011 wurde der Eichborn Verlag übernommen. Der „Verlag mit der Fliege“ war 1980 von Vito von Eichborn und Matthias Kierzek in Frankfurt am Main gegründet worden. Außerdem erfolgt die Übernahme der Räder Wohnzubehör GmbH & Co KG, die im Juni 2012 in das Unternehmen verschmolzen wurde. Börsenblatt.net (13. Dezember 2011). Abgerufen am 29. Juli 2013.
Mit „Digital First“ brachte Bastei Lübbe im Januar 2012 als erster deutscher Verlag ein rein digitales Programm auf den Markt.Bastei Lübbe startet Digital First. Buchmarkt.net (18. Januar 2012). Abgerufen am 29. Juli 2013.
Von 2013 bis 2018 gehörte die B+M Entertainment GmbH (ehemals Bastei Media) zum Unternehmen. Sitz des Film- und Fernsehproduktionsunternehmens war der Medienstandort Erfurt. Geschäftstätigkeit war die Entwicklung crossmedialer Programme für Kinder und Erwachsene. Im Februar 2013 erwarb B+M Entertainment die Produktionsgesellschaft Family Entertainment.tv, ebenfalls mit Sitz in Erfurt.
Bastei Lübbe AG, Börsengang Im Juni 2013 gab Bastei Lübbe bekannt, dass das Unternehmen seinen Börsengang anstrebe. Im Zuge dessen wandelte sich das Unternehmen am von einer GmbH & Co. KG in eine Aktiengesellschaft, die mit 10 Millionen Inhaberstammaktien ausgestattet war. Das Unternehmen plante, 5,3 Millionen Aktien zwischen dem und dem in einer Spanne zwischen 9 und 11 Euro zeichnen zu lassen und damit 58 Millionen Euro zu erlösen. In den Streubesitz sollten bei Erstnotierung 30,08 % der Anteile gehen, Stefan Lübbe und seine Ehefrau Birgit sollten mit knapp 56 % Mehrheitseigentümer bleiben.
Kurz vor dem Börsengang verlängerte das Unternehmen die Zeichnungsfrist bis zum und senkte die Preisspanne auf 7,50 bis 9 Euro. Trotzdem konnte das Unternehmen nur vier Millionen Aktien am unteren Ende der Angebotsspanne veräußern. 3,3 Millionen davon stammten aus einer Kapitalerhöhung, woraus sich ein Emissionserlös von 25 Millionen Euro ergab. Bei der Erstnotiz am im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse starteten die Aktien unter dem Ausgabekurs mit 7,40 Euro.
Im Mai 2014 gab Bastei Lübbe den Erwerb eines Mehrheitsanteils von 51 % am deutschen Computerspielentwickler Daedalic Entertainment bekannt. Der Verlag bezeichnete den Schritt als Teil seiner Wachstumsstrategie zu einem international tätigen, multimedialen Verlagshaus, das seine Marken in allen Bereichen selbst vermarkten kann. Daedalic erhoffte sich im Gegenzug neue Vermarktungsmöglichkeiten seiner bisherigen Spielemarken in den Bereichen Buch, Comic, Audio und Film sowie zusätzliches Kapital zum Ausbau seiner bisherigen Geschäftstätigkeiten.
Zum 1. Januar 2016 übernahm Bastei Lübbe BuchPartner. Im Juli 2016 deckte die Wirtschaftswoche auf, dass Bastei Lübbe durch zwei Transaktionen mit der Daedalic-Beteiligung und einer mutmaßlichen Briefkastenfirma hohe Buchgewinne erzielt hatte. Der Aktienkurs brach daraufhin um etwa 20 % ein, und der Aufsichtsrat der Bastei Lübbe AG trat geschlossen zurück. Das Unternehmen kündigte an, die Bilanzen für die Geschäftsjahre 2014/15 und 2015/16 zu korrigieren, wodurch sich der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen um schätzungsweise rund 40 beziehungsweise 50 % vermindere., adhoc-Meldung auf dgap.de, 23. August 2016. Die Daedalic-Beteiligung wurde 2017 verkauft.Tillmann Neuscheler: Renaissance der Liebesschmöker. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 20. März 2024, Nr. 68, S. 19.