Der seltsame Mister Quin (Originaltitel The Mysterious Mr. Quin) ist eine Sammlung von Kurzgeschichten von Agatha Christie, die erstmals am 4. April 1930 im Vereinigten Königreich bei William Collins & SonsThe Observer. 13. April 1930, S. 9. und später im selben Jahr in den USA bei Dodd, Mead and CompanyJohn Cooper, B. A. Pyke: Detective Fiction – the collector's guide. 2. Auflage. Scholar Press, 1994, ISBN 0-85967-991-8, S. 82 und 87. erschienen ist. Erst im Jahr 1980 gab der Scherz Verlag eine deutsche Übersetzung heraus.Deutsche Erstausgabe im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek 1987 erschien die bis heute verwendete Neuübersetzung von Günter Eichel.Neuübersetzung 1987 im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Das Buch enthält zwölf Kurzgeschichten, die zwar jede einen Fall für sich behandeln, aber teilweise auch in eine Rahmenhandlung eingebunden sind.
Einführung Der „ermittelnde Detektiv“ ist der ältliche, eher stille Mr. Satterthwaite – ein etwas kauziger britischer Landedelmann mit einer Vorliebe für Bequemlichkeiten, Feinschmeckerlokale und die schönen Künste, aber auch mit einem geradezu ausschweifenden Interesse für das Leben anderer Menschen und einem untrüglichen Gespür für dramatische Entwicklungen. Am Anfang noch als stummer Zuschauer, im Verlauf der Geschichten immer mehr zu einem der wichtigsten Akteure werdend, bringt er die verstrickten unklaren Dramavorstellungen in den Häusern seiner verzweifelten Freunde zum Ende.
Der Name Satterthwaite wurde – um ihn für die deutschen Leser zu vereinfachen – in manchen Übersetzungen zu Sattersway verändert.
Die zweite und um einiges interessantere Hauptperson ist der seltsame Mr. Harley Quin, ein großer, dürrer Gentleman im einfachen Mantel, der immer dann erscheint, wenn ein Unglück geschehen ist. So begegnet Satterthwaite, immer auf der Spur eines menschlichen Dramas, Mr. Quin, als er mit einigen Bekannten eine längst verjährte tragische Selbstmordgeschichte durchgeht – und dank Mr. Quins Anwesenheit prompt die Lösung findet. Immer wieder trifft Mr. Satterthwaite auf seinen Reisen und bei Besuchen der Elite des englischen Adels auf den einsamen Wanderer in einem Harlekinkostüm – Quin.
Trotzdem erfährt man nur wenig von ihm, denn er kommt und geht, wann und wohin er will. Sein Name ist eine Anspielung auf den Harlekin (engl. harlequin) – Mr. Harley Quin.
In ihrer Autobiographie schreibt Agatha Christie, dass Mr. Quin und der kleine Mr. Satterthwaite zwei ihrer Lieblingscharaktere wurden. Der letztere tauchte dann auch in ihrem Hercule-Poirot-Roman Nikotin (Originaltitel Three Act Tragedy) wieder auf.
Außerhalb dieser Sammlung findet man Mr. Quin nur in zwei weiteren Geschichten – Die mörderische Teerunde (Originaltitel The Harlequin Tea Set) und Die Uhr war Zeuge (Originaltitel The Love Detectives). Beide sind in dem Sammelband aus dem Jahr 1993 Die mörderische TeerundeDie mörderische Teerunde (1993) im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek enthalten, die letztere auch in dem Sammelband Die Mörder-Maschen von 1982.Die Mördermaschen (1982) im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Die Kurzgeschichten Die Ankunft des Mr. Quin Originaltitel: The Coming of Mr Quin
Es ist Silvesterabend und die älteren Mitglieder einer Hausgesellschaft im Landhaus Royston versammeln sich in der Halle. Mr Satterthwaite ist einer der Gäste. Seine Gastgeber sind Sir Tom Evesham und seine Frau, Lady Laura. Unter den Gästen sind Sir Richard Conway und Alex Portal mit seiner australischen Frau Eleanor, mit der er seit zwei Jahren verheiratet ist. Mr. Satterthwaite findet sie in vielen Punkten sehr faszinierend, insbesondere fällt ihm auf, dass sie ihre blonden Haare schwarz färbt, wo es doch die meisten Frauen andersherum machen.
Die Uhr schlägt Mitternacht, alle versammeln sich am Kamin. Man erinnert sich an Derek Capel, den vorherigen Besitzer von Royston, der vor zehn Jahren, scheinbar ohne Grund, Selbstmord begangen hatte. Tom Evesham beendet abrupt das Gespräch, und ein paar Minuten später gehen die Frauen zu Bett. Satterthwaite beobachtet Eleanor intensiv, bevor sie geht.
Zu ihrem Whisky und dem Feuer zurückgekehrt, nehmen die Männer das Gespräch über Capel wieder auf. Plötzlich klopft es an der Tür, und als diese geöffnet wird, steht ein Fremder davor. Das Licht wirft durch das Buntglasfenster der Tür ein buntes Muster auf seinen Mantel. Er stellt sich als Mr. Harley Quin vor und bittet um Einlass für die Zeit, in der sein Chauffeur eine Panne an seinem Auto behebt.
Er kennt sich in diesem Teil des Landes aus und kannte auch Derek Capel. Geschickt lenkt er die Konversation auf die Ereignisse in der Nacht dessen Todes und alle diskutieren die Frage, warum er sich das Leben nahm. Satterthwaite kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass Quins Auftritt an diesem Abend nicht zufällig war. Sein Blick wird von einer Bewegung abgelenkt – am oberen Ende der Treppe kauert eine Person: Eleanor.
Capel erzählte den Gästen am Abend seines Todes, dass er beabsichtige, sich zu verloben. Alle gingen davon aus, dass es Marjorie Dilke sein würde, mit der er seit einem Jahr oft ausgegangen war, bevor die Sache ein wenig einschlief. Aber die Art und Weise, wie er aus dieser Sache ein Geheimnis macht, ließ Conway vermuten, dass er ein Verhältnis mit einer verheirateten Frau hatte. Alle sind sich einig, dass Capels Auftreten in dieser Nacht das eines Mannes war, der ein großes Spiel gewonnen hatte. Und nur zehn Minuten darauf erschoss er sich. Nach einigen Tagen im Schneechaos war an diesem Abend die Post mit Briefen und Zeitungen noch spät eingetroffen, aber Capel hatte keinen der Briefe geöffnet. Ein Polizist war ins Haus gekommen, weil sich einer der Hunde verirrt hatte und nun im Schnee gefunden worden war. Er saß in der Küche, als der Schuss fiel.
Quin fordert die Männer am Kamin auf, sich an Ereignisse zu erinnern, die in dieser Zeit passiert waren und über die vielleicht in den Zeitungen berichtet worden war. Die Männer erinnern sich an den Mordfall Appleton. Mr. Appleton war ein alter Mann, der seine viel jüngere Frau misshandelte. Capel war ein Freund des Hauses. Appleton starb durch eine Strychninvergiftung, die aber erst nach seiner Exhumierung entdeckt worden war. Seine Frau hatte am Abend seines Todes die Karaffe fallen gelassen, in der sich der Portwein befand, den ihr Mann als Letztes getrunken hatte – wahrscheinlich um Spuren zu verwischen. Sie wurde vor ein Gericht gestellt, aber für unschuldig befunden. Sie hatte England trotzdem verlassen, um der Aufmerksamkeit der Leute zu entgehen.
Nun ist Quin in der Lage, die Ereignisse des Abends zu rekonstruieren: Capel las in einer der abends gelieferten Zeitungen über die Exhumierung Appletons und sah dann den Polizisten auf das Haus zukommen, nicht ahnend, dass der nur wegen des Hundes kam. Er glaubte sich als Mörder Appletons überführt, befürchtete seine Verhaftung und erschoss sich.
Seine Zuhörer sind über die Tatsache verblüfft, dass Capel der Mörder sein soll, denn er war an dem fraglichen Tag nicht in Appletons Haus. Aber Quin verweist darauf, dass sich Strychnin nicht auflöst. Es sammelte sich am Boden der Karaffe, nachdem es Capel eine Woche zuvor in den Wein geschüttet hatte. Die Frage bleibt, warum Mrs. Appleton die Karaffe fallen ließ. Mit Hilfe von Quin stellt Satterthwaite die Theorie auf, dass sie es nur tat, um Capel zu schützen und nicht um ihre eigenen Spuren zu verwischen.
Quin verabschiedet sich und will das Haus verlassen, als Eleanor die Treppe herunter kommt und sich bei ihm bedankt. Denn sie ist Mrs. Appleton und durch den ungeklärten Selbstmord von Capel war ihre Unschuld nie bewiesen worden. Erst jetzt ist ihr Name wieder rein gewaschen und sie kann ihre eigentliche Identität wieder annehmen.
Der Kavalier am Fenster Originaltitel: The Shadow on the Glass
Mr. Satterthwaite ist zu Gast bei Mr. und Mrs. Unkerton in ihrem Haus, Greenways House. Die eingeladenen Gäste sind eine unglückliche Mischung, denn einige von ihnen hatten in der Vergangenheit Verhältnisse miteinander. Mr. Richard Scott, der hier mit seiner neuen Frau Moira ist, ist der beste Freund eines anderen Gastes, Major John Porter. Von ihren Großwildjagden in Afrika kennen beide Mrs. Iris Staverton, die vor kurzen auch im Haus angekommen ist. Sie ist eine bezaubernde Frau, die angeblich früher ein Verhältnis mit Richard Scott hatte. Ebenfalls anwesend ist Lady Cynthia Drage, eine geschwätzige Dame der Gesellschaft und der junge Captain Jimmy Allenson, der von allen gemocht wird und der Lady Cynthia im letzten Jahr in Ägypten kennengelernt hatte, wo auch die Scotts ihre Flitterwochen verbracht hatten.
Die Atmosphäre im Haus wird auch noch dadurch angespannt, dass es im Haus angeblich spukt: Der Geist eines Kavaliers, der vom Liebhaber seiner Frau getötet wurde und dessen Gesicht nun auf einer Scheibe im ersten Stock erscheint. Die Scheibe wurde schon mehrfach ausgetauscht, das Gesicht erscheint immer wieder. Das Fenster wurde mit einem Holzpaneel verdeckt und ein neues Fenster in das Zimmer, das derzeit von den Scotts bewohnt wird, eingebaut.
Bei einem Spaziergang zeigt Mr. Satterthwaite Major Porter das Fenster von einem kleinen gepflegten Garten aus, der der „verschwiegene Garten“ genannt wurde. Das Gesicht ist von dort aber schlecht zu erkennen, und so gehen die beiden weiter zu einem kleinen Hügel. Auf dem Rückweg belauschen die beiden ein Gespräch von Richard Scott und Mrs. Staverton, in dem sie sagt: „Eifersucht – sie macht einen zum Teufel! Nein, sie ist der Teufel! Sie kann einen bis zum Mord treiben. Sei vorsichtig, Richard! Um Gottes willen sei vorsichtig!“ Satterthwaite ahnt die heraufziehende Tragödie.
Am Abend erzählt Mrs. Unkerton, dass sie wieder nach dem Glaser geschickt hat, um die verfluchte Scheibe erneut zu ersetzen.
Am nächsten Abend gehen Satterthwaite und Porter wieder zu dem Hügel und stellen fest, dass der Glaser wohl noch nicht da war, denn das Gesicht ist wieder zu sehen. Auf dem Rückweg hören sie zwei Schüsse. Im verschwiegenen Garten treffen sie auf Mrs. Staverton mit einer Waffe in der Hand und auf zwei tote Personen – Captain Allenson in die Brust und Mrs. Scott in den Rücken geschossen. Mrs. Staverton behauptet, dass sie als erste am Tatort eintraf, die beiden Leichen fand und die weggeworfene Waffe an sich genommen hat. Während die Polizei geholt wird, entdeckt Mr. Satterthwaite Blut am Ohr von Mrs. Scott und sieht, dass ein Ohrring fehlt.
Die Polizei trifft ein und beginnt mit den Ermittlungen. Die Situation stellt sich als schwierig für Mrs. Staverton dar, da niemand außer ihr in den verschwiegenen Garten gegangen sein kann.
Mitten in diesen Untersuchungen trifft ein weiterer Gast im Haus ein – Mr. Harley Quin. Satterthwaite bürgt für ihn und seine Fähigkeit, Menschen zu neuen Sichtwinkeln zu führen. Zuerst bemerkt Satterthwaite, von Mr. Quin geführt, dass die Verletzung am Ohr nicht durch den Sturz entstanden sein kann. Sie muss also von zwei Schüssen getroffen worden sein, und einer davon tötete Captain Allenson. Das bedeutet aber, dass die beiden eng zusammen gestanden haben. Lag sie vielleicht in seinen Armen oder waren sie ein Liebespaar?
Als sie Mr. Unkerton befragen, erfahren sie, dass der Glaser am Morgen gekommen war. Als sie in das Zimmer mit dem Geisterfenster kommen, finden sie eine kleine Straußenfeder im Paneel, eine Feder von einem der Hüte von Mrs. Scott.
Dann kann Mr. Quin das Verbrechen aufklären. Richard Scott sah seine Frau und ihren Liebhaber im Garten, als er aus dem Geisterfenster sah. Er erinnerte sich an die Geschichte mit dem Kavalier und setzte sich einen Hut seiner Frau auf, falls ihn jemand am Fenster sehen würde. Dann schoss er auf seine Frau und warf die Waffe auf den Rasen. Darüber, dass der Verdacht auf Mrs. Staverton fiel, war er sehr glücklich, denn entgegen der allgemeinen Meinung war sie nicht in ihn, sondern in Porter verliebt.
Der Zaubertrick Originaltitel: At the Bells and Motley