Die Hamburger U-Bahn ist das Hoch- und Untergrundbahn-System der Freien und Hansestadt Hamburg sowie einiger angrenzender Gemeinden und Städte in Schleswig-Holstein.
Das System wurde 1912 in Betrieb genommen und hat eine Streckenlänge von rund 106,4 km. Es ist damit das zweitälteste und zweitlängste U-Bahn-Netz Deutschlands nach der Berliner U-Bahn. Betreiber ist die städtische Hamburger Hochbahn AG (Hochbahn), die mit Ausnahme des Streckenabschnitts Norderstedt Mitte – Garstedt auch Eigentümer des Systems ist. Der Norderstedter Abschnitt gehört einschließlich einiger Fahrzeuge des Typs DT4 der Verkehrsgesellschaft Norderstedt (VGN), einem Tochterunternehmen der Stadtwerke Norderstedt, die jedoch die Hamburger Hochbahn mit dem Betrieb beauftragt hat.
Die U-Bahn bildet zusammen mit der S-Bahn, der AKN und der Regionalbahn das Angebot des schienengebundenen öffentlichen Personennahverkehrs in der Hansestadt und ihrem Umland. Im Jahr 2022 beförderte die U-Bahn insgesamt 195,8 Mio. Fahrgäste bei 1.169,4 Mio. Personenkilometern.
Strecken- und Liniennetz Übersicht Die U-Bahn hat eine Streckenlänge von rund 109,6 km. Das Netz ist normalspurig ausgeführt und vollständig unabhängig von anderen Verkehrsarten trassiert, die Stromversorgung erfolgt über eine seitliche, von unten bestrichene Stromschiene mit 750 Volt Gleichspannung. Charakteristisch ist der große Anteil offener Streckenabschnitte, insgesamt verlaufen rund 61 km auf Dämmen und Viadukten oder im Einschnitt, während auf Tunnelstrecken etwa 45 km entfallen.
Das Netz ist im Wesentlichen radial strukturiert und verläuft vom Hauptbahnhof in die nördlichen und östlichen Teile Hamburgs und das anschließende Umland in Schleswig-Holstein. Das Hamburger Stadtgebiet südlich der Norderelbe und westlich der bis 1937 bestehenden Grenze zwischen den bis dahin selbstständigen Städten Hamburg und Altona sowie der Bezirk Bergedorf werden hingegen bislang nicht bedient (siehe hierzu auch hier).
Die Hochbahn betreibt die vier U-Bahn-Linien U1, U2, U3 und U4, die Strecke für eine fünfte Linie befindet sich in Bau und soll ab 2029 sukzessive den Fahrgastbetrieb aufnehmen.
Linie Stationen Länge davon im Tunnel 55,383 km 13,444 km 24,534 km 21,132 km 20,681 km 5,113 km 13,318 km1,9 km in Bau8,048 km geteilt mit U2 11,508 km ~25 km in Bau
Die 0,505 km lange sogenannte „Moorkamp-Kurve“ zwischen dem Ringbahnsteig der heutigen U3 an der Station Schlump und Christuskirche wird seit dem 3. Juni 1973 nicht mehr im Linienbetrieb befahren und dient seitdem nur noch als Betriebsstrecke.
Die heutigen Linienbezeichnungen wurden 1966 zunächst bei der U1 und der U2 eingeführt, 1967 folgte die Bezeichnung U3. Die Bezeichnung U4 wurde 2012 mit Inbetriebnahme der Linie zwischen HafenCity nach Billstedt eingeführt.
Die Buchstaben-Strecken Die Hochbahn verwendet zur betriebsinternen Bezeichnung der einzelnen Strecken bzw. Streckenabschnitte ein Buchstabensystem, das die Strecken im Wesentlichen nach dem Zeitpunkt ihrer Inbetriebnahme alphanumerisch ordnet. Das System wurde Anfang der 1950er Jahre eingeführt und ordnete zunächst den zu diesem Zeitpunkt bestehenden Strecken die Buchstaben A bis D zu, die später hergestellten Strecken erhielten bzw. erhalten die Buchstaben ab E.
Die im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstörte Rothenburgsorter Strecke wurde bei der Vergabe der Buchstaben nicht mehr berücksichtigt, nachdem ihr Komplettabriss bereits 1944 beschlossen worden war.
Die Lücken in der Benennung ergeben sich aus der Berücksichtigung ehemals geplanter, jedoch nicht in die Realisierung geführter Strecken.
Strecke Streckenname Länge davon Tunnel Streckenverlauf und AnmerkungenA Ring 17,487 km 5,113 km Schlump – St. Pauli – Rathaus – Hauptbahnhof Süd – Berliner Tor – Mundsburg – Barmbek – Kellinghusenstraße – SchlumpB Eimsbütteler Strecke 9,540 km 8,126 km Schlump (Ringbahnsteig) – Christuskirche – Hagenbecks Tierpark – Niendorf Markt – Niendorf Nord Der 0,505 km lange Streckenabschnitt Schlump (Ringbahnsteig) – Christuskirche wird seit der Eröffnung des Innenstadttunnels (Strecke T) nur noch als Betriebsstrecke genutzt (Moorkampkurve)C Langenhorner Bahn Ohlsdorfer Strecke KellJung-Strecke 8,308 km 5,004 km 6,056 km 0,119 km 5,453 km Landesgrenze Schleswig-Holstein/Hamburg – Ochsenzoll – Langenhorn Markt – Fuhlsbüttel – Ohlsdorf Ohlsdorf – Alsterdorf – Lattenkamp – Kellinghusenstraße Kellinghusenstraße – Stephansplatz – Jungfernstieg – Hauptbahnhof SüdC1 Norderstedter U-Bahn 3,668 km 1,172 km Landesgrenze Hamburg/Schleswig-Holstein – Garstedt – Norderstedt MitteD Walddörferbahn 17,665 km Barmbek – Wandsbek-Gartenstadt – Farmsen – Berne – Volksdorf – OhlstedtD1 Großhansdorfer Ast 10,385 km Volksdorf – Ahrensburg West – GroßhansdorfE Wandsbeker Strecke 7,491 km 6,700 km Hauptbahnhof Süd (km 19,368) – Lübecker Straße – Wartenau – Wandsbek Markt – Wandsbek-Gartenstadt (km 26,859)Diese Strecke beginnt bei km 19,368 der Strecke C und führt deren Kilometrierung fortK Billstedter Strecke 10,427 km 8,192 km Berliner Tor – Burgstraße – Horner Rennbahn – Billstedt – Merkenstraße – MümmelmannsbergT Innenstadttunnel 5,072 km 5,072 km Berliner Tor – Hauptbahnhof Nord – Jungfernstieg – Messehallen – Schlump (unten) – ChristuskircheW HafenCity-Strecke 5,270 km 4,988 km Jungfernstieg – HafenCity Universität – Elbbrücken Streckenlänge gesamt: 106,373 km 44,935 km von denen 105,868 km im regulären Linienbetrieb befahren werden und 0,505 km als Betriebsstrecke
Fahrplan Die U-Bahn verkehrt täglich von ca. 4 bis ca. 1 Uhr, in den Nächten von Freitag auf Sonnabend sowie vor Sonntagen und gesetzlichen Feiertagen in Hamburg gibt es einen durchgehenden Nachtverkehr. Die U-Bahn fährt nach einem Taktfahrplan, der zwischen Werktagen, Sonnabenden und Sonn- und Feiertagen unterscheidet.
Der Grundtakt beträgt auf allen Linien und an allen Tagen von 5 bis 24 Uhr 10 Minuten, ab etwa 24 Uhr 20 Minuten. Ausgenommen hiervon sind die beiden nordöstlichen Außenabschnitte Volksdorf – Ohlstedt und Volksdorf – Großhansdorf der U1, die außerhalb der Hauptverkehrszeiten (HVZ) nur jeweils alle 20 Minuten bedient werden. Im Innenstadtbereich besteht montags bis samstags auf allen Linien außer der U4 bis etwa 21 Uhr ein 5-Minuten-Takt. An Werktagen wird das Angebot während der Hauptverkehrszeiten in der Innenstadt auf eine Zugfolge von 2½ Minuten verdichtet. Diese Verstärkerzüge sind teilweise nicht im Fahrplan verzeichnet und werden von der Hochbahn nach Bedarf eingesetzt.
Im Nachtverkehr am Wochenende werden die Linien im 20-Minuten-Takt betrieben, der Ring der U3 alle 10 Minuten und die Außenstrecken nach Ohlstedt und Großhansdorf der U1 alternierend alle 40 Minuten betrieben. Im 20-Minuten-Takt (nicht Nachtverkehr) fährt die U1 lediglich nach Großhansdorf durchgehend. Für die Weiterfahrt nach Ohlstedt fährt ein Pendelzug ab Volksdorf, in welchen ohne Wartezeit umgestiegen werden kann.
Da die U4 zwischen Jungfernstieg und Billstedt zusammen mit der Linie U2 auf derselben Strecke verläuft, verkehrt sie im schwächer ausgelasteten Nachtverkehr nur zwischen Jungfernstieg und Elbbrücken. Die Fahrpläne sind dabei so koordiniert, dass an der Station Jungfernstieg in beide Richtungen ein wartefreier Übergang zwischen beiden Linien besteht.
Alle Linien haben eine einheitliche Symmetriezeit, die bei einigen Sekunden nach der Minute ×1 liegt.
Stationen
Das Netz umfasst 93 Stationen, von denen 84 in Hamburg und neun in Schleswig-Holstein liegen. Die zentralen Knoten sind der Hauptbahnhof mit den beiden Stationen Hauptbahnhof Nord und Hauptbahnhof Süd (verknüpfen alle vier U-Bahn- und fünf S-Bahn-Linien sowie die Regional- und Fernbahn), Berliner Tor (verknüpft drei U-Bahn- und zwei S-Bahn-Linien) und der Stationskomplex aus Jungfernstieg und Rathaus im Zentrum der Innenstadt (verknüpft alle vier U- und zwei S-Bahn-Linien).
Technische Parameter Die Bahnsteige der Stationen der Linien U1, U2 und U4 und die der U3-Stationen von Berliner Tor bis Wandsbek-Gartenstadt sowie Schlump, Kellinghusenstraße und Saarlandstraße haben eine Bahnsteiglänge von mindestens 120 Metern, sodass sie von Zügen aus zwei der rund 60 Meter langen Einheiten der Baureihe DT4 bzw. aus drei der rund 40 Meter langen Einheiten der Reihe DT5 und perspektivisch DT6 bedient werden können. Die restlichen 14 Stationen auf dem südlichen, westlichen und nördlichen Teil der Ringlinie, der ältesten U-Bahn-Strecke, verfügen demgegenüber nur über rund 90 Meter lange Bahnsteige, sodass hier maximal Doppeltraktionen der Baureihe DT5 und lediglich Einzelfahrzeuge des Typs DT4 eingesetzt werden können. Eine Verlängerung der kürzeren Bahnsteige ist langfristig vorgesehen, jedoch priorisieren Senat und Hochbahn zunächst den Ausbau der Barrierefreiheit.Frag den Staat, Antwort der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation vom 3. September 2019, abgerufen am 17. September 2021
Typologie mini|Norderstedt Mitte: Gleis der AKN zwischen Gleisen der U-Bahn mini|Aussichtsplattform am südlichen Ende der Station Elbbrücken, rechts im Bildhintergrund das Entwicklungsgebiet Grasbrook
Von den 93 Stationen des Netzes liegen 45 im Tunnel, 42 im Einschnitt oder auf einem Bahndamm und sechs auf Viadukten. Alle vier Linien verfügen sowohl über unterirdische als auch über offene Stationen, wobei die U3 bislang als einzige Linie Haltestellen auf einem Viadukt hat. Mit Ausnahme der gemeinsam von U2 und U4 bedienten Strecke zwischen Billstedt und Jungfernstieg verfügen alle Linien an den einzelnen Haltestellen über eigene Gleise.
Der überwiegende Großteil der Haltestellen hat Mittelbahnsteige, so verfügen 70 Stationen mindestens über einen Mittelbahnsteig für jede dort jeweils verkehrende Linie und 22 über Seitenbahnsteige einschließlich der eingleisigen Stationen Ahrensburg Ost und Kiekut. Lübecker Straße ist eine Station, an der eine Linie einen Mittelbahnsteig (U1) nutzt, während die andere Linie an Seitenbahnsteigen (U3) hält.
Die Stationen Berliner Tor, Kellinghusenstraße und Wandsbek-Gartenstadt verfügen jeweils über zwei Mittelbahnsteige, an denen ein bahnsteiggleicher Übergang zwischen den jeweils dort verkehrenden Linien besteht. Die Fahrpläne sind dabei so abgestimmt, dass ein weitgehend wartefreier Anschluss besteht. Ein bahnsteiggleicher Übergang besteht ebenfalls am dreigleisigen Endbahnhof Norderstedt Mitte, an dem das Gleis der AKN zwischen den beiden außenliegenden Gleisen der U1 angeordnet ist.
Das Stationsbauwerk der Linien U2 und U4 am Jungfernstieg verfügt ebenfalls über zwei Mittelbahnsteige, die im Prinzip ebenfalls im Richtungsbetrieb bedient werden. Da beide Linien östlich von Jungfernstieg allerdings dieselbe Strecke nutzen, ergeben sich hieraus für Fahrgäste nur begrenzte Vorteile.
Die Stationen Barmbek, Billstedt, Farmsen und Saarlandstraße verfügen ebenfalls jeweils über zwei Mittelbahnsteige, um die dort ein- und aussetzenden Züge von den weiterverkehrenden Zügen zu trennen, in Barmbek werden außerdem die über den Ring und die nach Wandsbek-Gartenstadt verkehrenden Züge getrennt.