miniatur|250px|Der Memminger Marktplatz, die Geburtsstätte der Stadt Die Geschichte der Stadt Memmingen umfasst mehr als zwei Jahrtausende. Der Raum Memmingen ist bereits seit der Jungsteinzeit besiedelt. Erste Bauten wurden aus der römischen Zeit nachgewiesen. Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt fand 1128 statt. Bis 1191 war sie in welfischen, danach in staufischem Besitz, von 1268 bis 1803 Freie Reichsstadt. Seit dem Reichsdeputationshauptschluss gehörte die Stadt erst zum Königreich Bayern, später zum Freistaat Bayern. Oberzentrum wurde Memmingen im Jahr 1993 und ist seitdem für den oberschwäbischen, grenzübergreifenden Raum der Region Donau-Iller als solches nach dem Landesentwicklungsplan zu entwickeln.
Frühgeschichte (bis 8. Jahrhundert n. Chr.) miniatur|hochkant=1.9|Die älteste noch erhaltene Stadtansicht von 1573 Auf dem Gebiet der späteren Stadt Memmingen befand sich schon in der Römerzeit ein kleiner Wacht- und Siedlungsposten. In Frage kommen die Orte CassiliacumJochen Garbsch, Peter Kos: Das spätrömische Kastell Vemania bei Isny. Zwei Schatzfunde des frühen vierten Jahrhunderts (= Münchner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte. Bd. 44). C.H.Beck, München 1988, ISBN 3-406-33303-6, S. 109. oder Viaca. Reste davon befinden sich unter der St.-Martins-Kirche und dem Antonierkloster. Im nahe gelegenen Stadtteil Amendingen wurden ebenfalls mehrere römische Mauerreste entdeckt. Ob nach Abzug der Römer direkt ein neuer Herr die Siedlung übernahm, kann nicht gesagt werden. Die patronymischen Ortsnamen (zu denen der Name Memmingen zählt) wurden etwa vom 4. bis ins 8. Jahrhundert gebildet. In den 150 Jahren ab 500 n. Chr. ist daher sehr wenig von der Besiedelung der Fluren bekannt. Lediglich ein paar Gräber befinden sich im Bereich des heutigen Amendingen und Besiedelungsspuren im Bereich Ferthofen an der Iller. Eine Vorgängerkirche der Marienkirche kann vor 500 anhand von früheren Fundamenten datiert werden. Da der Bereich des Klosters St. Gallen kurz vor Memmingen endete, müssen vor allem Unterlagen über die Fluren im Kloster Augsburg vorhanden gewesen sein. Durch die häufige Zerstörung der Augsburger Bibliothek gingen allerdings einzigartige und unwiederbringliche Dokumente verloren. Aufgrund der Endung -ingen, welche zur ersten Schicht der Ortsnamen in Schwaben gehört, kann allerdings von einer Namensgebung im 4. bis 5. Jahrhundert ausgegangen werden. Dadurch ist ziemlich sicher, dass im 5. Jahrhundert eine alemannische Siedlung gegründet wurde. Der Namensgeber, der Alemanne Mammo, war Namensgeber für viele Siedlungen (unter anderem für Hohenmemmingen, Mammendorf und Mamming). Ab dem 7. Jahrhundert wird ein fränkischer Königshof vermutet. Der Name Memmingen ist vermutlich auf einen Königshof bei der Siedlung des Mammo zurückzuführen. Im Laufe der Zeit verschwand nach und nach die Siedlung und nur der Name blieb bestehen. Man geht davon aus, dass sich die Siedlung des Mammo am heutigen Autobahnkreuz befunden hat, der Königshof befand sich vermutlich im heutigen Stadtkern in der Nähe des Marktplatzes. 1990 wurden bei Notgrabungen nur bis zur Elefantenapotheke Reste von Asche gefunden. Diese Ascheschicht stammt vermutlich von der Zerstörung Memmingens durch Friedrich II. von Schwaben im Jahre 1130.
Mittelalter bis 17. Jahrhundert mini|Die einzelnen Entwicklungsstufen der Stadt Memmingen mini|Das Herrschaftsgebiet des Milden Welfs Durch die Einäscherung Memmingens durch Friedrich II. von Schwaben im Jahre 1130 wird erkennbar, dass Memmingen zu dieser Zeit anscheinend schon eine sehr große Bedeutung für die Welfen hatte, da Friedrich mit Sicherheit keine solche Aktion für irgendeine kleine Bauernsiedlung unternommen hätte, auch unter der Prämisse, dass es Ravensburg und Altdorf (heute Weingarten) genauso getroffen hat wie Memmingen. Die heute mit Nachweisen belegbare Siedlung befand sich im Bereich des Antoniterklosters. Dort wurde 1991 ein Grubenhaus gefunden, in dem Reste eines Webstuhles nachgewiesen werden konnten.
Durch die Salzstraße aus Böhmen, Österreich und München nach Lindau und die Italienstraße aus Norddeutschland in die Schweiz und nach Italien erlangte der Handelsposten zunehmende Bedeutung. Erstmals erwähnt wurde der Ort „Mammingin“ im Jahre 1128, als die Verhandlung eines Streitfalles und ein Landtag von 1099 erwähnt wurden. Diese Aussage besagt auch gleichzeitig, dass Memmingen für die Welfen bereits eine große Relevanz hatte, da Landtage nur in machtpolitischen Zentren stattfanden. Diese Urkunde wurde im Kloster Ochsenhausen verfasst. Der Ort Memmingen ist relativ schnell zur Stadt herangewachsen. Ausgrabungen 1991 im Bereich des Antoniterklosters und des Marktplatzes belegen anhand von gefundenen Keramikscherben, dass die Besiedelung im 9. Jahrhundert noch relativ spärlich gewesen sein muss. Im 11. und 12. Jahrhundert ist allerdings ein hohes Bevölkerungswachstum nachzuzeichnen. Bereits 1142 siegelte Heinrich der Löwe in der „Villa nostra Maemingen“. Kurz darauf, im Februar 1151, trafen sich in der Stadt Heinrich der Löwe, Welf VI., der Stauferherzog Friedrich III. von Schwaben, Graf Adolf II., Graf Gottfried von Ronsberg sowie mehrere staufische und welfische Ministeriale, um einen Kompromiss im andauernden Streit zwischen den Welfen und den Staufern zu finden. Dieses Ereignis zeigt auf, welch hohen Rang der Ort bereits zu dieser Zeit gehabt haben muss. Bereits zu dieser Zeit müssen in der Herrenstraße hohe welfische Ministeriale gewohnt haben. Die vielen Namenszusätze „von Memmingen“ unter dieser Bevölkerungsschicht lassen diesen Schluss zu. Im Jahr 1158 wurde Memmingen durch Herzog Welf VI. zur Stadt erhoben. Die ersten Befestigungsanlagen wurden jedoch schon um das Jahr 1000 erbaut, wenn auch nur mit Gräben und Holzpalisaden. Diese wurden 1991 bei Grabungen gefunden und nachgewiesen. Die erste Klostergründung vor den Toren der Stadt stiftete 1167 mit dem Schottenkloster der „milde Welf“. Durch den Tod des kinderlosen Herzogs ging die Stadt 1191 an den Staufer Konrad, den Bruder Kaiser Heinrichs VI. über.
1214 wurde das Antoniterkloster (in Memmingen „Antonier“) gegründet. Es war vermutlich das zweite Kloster des Ordens auf deutschem Boden. Konradin von Hohenstaufen starb 1268 in Neapel. Damit fiel die Stadt zurück an das Reich. 1286 wurde die Stadt durch Rudolf I. von Habsburg freie Reichsstadt und damit direkt dem Kaiser unterstellt. Bereits Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die alte Welfenstadt zu klein. Deshalb wurde bis 1268 die Stauferstadt mit in die Stadtbefestigung einbezogen. Die Zeit vom 14. bis ins 16. Jahrhundert war die Blütezeit der freien Reichsstadt. Dies zeigt sich vor allem in der regen Bautätigkeit, dem Handel und dem Aufblühen der Kultur. 1347 wurde der erste Bürgermeister neben dem Ammann erwähnt.
mini|Das große Rondell vor der Frauenkirche in der alten Wegbachsiedlung
1348 wurde die Stadt von der großen Pestepidemie heimgesucht. Die Bevölkerungszahl schrumpfte merklich. Dies wurde, wie in vielen anderen Reichsstädten den Juden angelastet. Diese wurden im November des Jahres ermordet und verbrannt, ihr Besitz wurde in Beschlag genommen. Am 20. Juni 1349 verzieh Kaiser Karl IV. der Stadt.Die Geschichte der Memminger Juden Größere jüdische Ansiedlungen gab es weiterhin in Ravensburg, Augsburg und Ulm. 1373 gab Kaiser Karl IV. die Erlaubnis, Juden für sechs Jahre in der Stadt Memmingen zu schirmen.1StaatsAAug MüB RU Mem 67; 1373 Okt 14. 1401 und 1414 wurde eine Judensteuer erwähnt, die an den König abzugeben war. Eine formelle Einbürgerung eines Juden ist aus dem Jahr 1427 erhalten. Der Rat nahm einen Juden namens Vryn aus Günzburg für fünf Jahre gegen 2 Gulden Steuer und 8 Gulden Beitrag zum Stadtaufbau auf. Gleichzeitig musste er sich verpflichten, bei Geldgeschäften nur drei Heller pro rheinischen Gulden und Woche zu erheben. Bei Ausleuten konnte er vier Heller verlangen. 1428 gab es einen gleichartigen Vertrag mit einem Laemblin, einem Juden aus Zürich. 1431 wurden die Jüdinnen Kungund und Fröd steuer- und baugeldfrei aufgenommen, lediglich ein Wachgeld mussten sie entrichten. Für das Jahr 1524 lassen sich keine Juden in der Stadt nachweisen. Die Stadt erließ eine restriktive Ordnung gegen sie und gebot den Bürgern, „gar nichtz mit den Juden zu hanndeln, Unnd kain Juden herein zu lassen, dann sie seyen ainer gemaind beschwärlich.“StadtAMM A RPr 1524 Nov. 14 Vermutlich war dies gegen die Ansiedlung der Juden im nahen Amendingen gerichtet. Die Bürger sollten keine Finanz- und Handelsbeziehungen mit Juden unterhalten. Am 17. März 1531 entschied aber der Rat der Stadt,Julius Miedel: Die Juden in Memmingen. Aus Anlaß der Einweihung der Memminger Synagoge. Otto, Memmingen 1909. dass Juden in Begleitung eines Stadtknechtes gegen Bezahlung und durch ein „gelbes Ringlein“ gekennzeichnet, tagsüber in die Stadt kommen durften. Kaiser Karl V. erwirkte ein Privileg, das es Juden verbot, Memminger Bürgern ohne das Wissen des Rates Geld zu leihen.StA Augsburg, RU Memmingen 666. Bei Nichteinhaltung wurde den Juden Kerkerhaft und den Memminger Bürgern die Ausweisung aus der Stadt angedroht.
Um 1340 wurden die sogenannte Wegbachsiedlung, auch Oberstadt genannt, und das Gerberviertel mit der alten Welfenstadt durch einen Mauergürtel verbunden. Dadurch entwickelten sich auch in der Oberstadt Handel und Gewerbe prächtig. Diese Ummauerung war um 1380 abgeschlossen, die Tore wurden mit dem Lindauer Tor (1371) und dem Kempter Tor (1395) erst später vollendet. Für diese Aufgabe erließ der Kaiser teilweise Vorschriften für Zölle und andere Abgaben. miniatur|Der 1471 erbaute Bettelturm Im 15. Jahrhundert schloss sich die Memminger Handelsfamilie Vöhlin mit der Augsburger Handelsfamilie Welser zur Großen Deutschen Kompanie zusammen. Diese Handelsgesellschaft unternahm auch die erste Handelsfahrt nach Venezuela. Durch die vermögenden Kaufleute wurde die Kunst gefördert und so entstanden in Memmingen viele Meisterwerke deutscher Mal- und Schnitzkunst.
Zwei Memminger Juden leisteten 1429 eine Bürgschaft für sechs in Ravensburg gefangen genommene Juden. Dies ist zugleich auch die letzte Nachricht über Juden in den Stadtchroniken und Schriften des ausklingenden Mittelalters.Jüdischer Friedhof Memmingen auf alemannia-judaica.de Die erste Mädchenschule in Deutschland wurde 1435 in Memmingen eingerichtet. 1445 wurde die Stadt letztmals mit einem Mauergürtel erweitert. Hierbei wurden das Ulmer Tor sowie vier neue Türme (Bettel-, Schwalbenschwanzturm, Weißer Mehlsack, Luginsland) errichtet. Der Luginslandturm war bis zu seinem Abbruch der höchste Turm der Stadtbefestigung, was ihm auch seinen Namen gab.
mini|Jacob Stoppels Repertorium in formam alphabeticam mini|Die Verkündigung der Zwölf Artikel 1475 entschloss sich die Stadt, anstatt des bisherigen Wächterhäuschens den Einlaß zu bauen. Dieses Tor war bis zum Wegfall der Nachtsperre der einzige Weg, um nach Torschluss in die Stadt zu gelangen. 1478 wurde in der Stadt eine Papiermühle durch Peter Fort errichtet. Dadurch konnte 1480 eine Druck-Offizin durch Albrecht Kunne aus Duderstadt eingerichtet werden. In diesem Offizin entstanden bis 1520 rund 200 Drucke. Unter anderem wurde 1519 dort erstmals weltweit das Wort „America“, als Bezeichnung des neuen Kontinents in Memmingen gedruckt (Jacob Stoppls Repertorium in formam alphabeticam…).
Kaiser Friedrich III. besuchte die Stadt 1485 und übernachtete im Künershaus. Er wurde vom Rat der Stadt mit Bargeld, Silbergeschirr, Wein, 150 Fischen und vielem mehr beschenkt. Im 15. und 16. Jahrhundert besuchte Kaiser Maximilian I. die Stadt insgesamt 13 mal. Er nannte sie auch seine „Ruh- und Schlafzell“. Wegen der engen Beziehung zur Stadt ernannte er auch den wohl größten Künstler der Stadt, Bernhard Strigel, zu seinem Haus- und Hofmaler, der ihn erstmals 1504 porträtierte. Zu dieser Zeit entstand auch das Chorgestühl in St. Martin, das zu den bedeutendsten Chorgestühlen Deutschlands zählt.