Home Box Office, kurz HBO, ist ein US-amerikanischer Fernsehprogrammanbieter mit Sitz in New York City. Das 1972 gegründete Unternehmen ist im Besitz von Warner Bros. Discovery und gilt wirtschaftlich und technisch als Pionier des Kabelfernsehens. Insbesondere in den 1990er und 2000er Jahren galt das Unternehmen mit seinen Serienformaten als künstlerisch führend. Weltweit hat das Unternehmen 2016 über 130 Millionen Abonnenten in über 70 Ländern, außerdem werden die Eigenproduktionen in über 150 Ländern lizenziert.

Geschichte Gründung und Konsolidierung (1965–1977) Als Vorläufer von HBO gilt das 1965 von Charles Dolan (1926–2024) gegründete Sterling Manhattan Cable, das als erstes Fernsehunternehmen der USA sein Kabelsystem unterirdisch verlegte. Grund dafür waren die Abschattungen der Funksignale durch die hohen Gebäude New Yorks. Unmittelbar danach beteiligte sich Time Life mit 20 % am Unternehmen. Dolan stellte kurz darauf Time Life seine Idee des „Green Channel“ als „Kabelkanal ohne Kabel“ vor und bekam vom Management Rückendeckung für dessen Aufbau. Das Signal wurde über ein Mikrowellen-Netzwerk gesendet, Satellitenübertragungen waren zu dieser Zeit technisch noch nicht machbar. Am 8. November 1972 ging der „HBO“ getaufte Sender mit der Ausstrahlung des Films Sometimes a Great Notion und der Übertragung eines Eishockey-Spiels zwischen den New York Rangers und den Vancouver Canucks für 365 Abonnenten-Haushalte in Wilkes-Barre, Pennsylvania, an den Start.

Da Sterling Manhattan nur 20.000 Kunden hatte, allesamt in Manhattan, gelang es dem Unternehmen nicht, profitabel zu werden. Time Life erhöhte seinen Anteil auf 80 %, stellte das Unternehmen als Sender ein und benannte es um in Manhattan Cable Television. Nach nur drei Monaten löste Gerald Levin im März 1973 Gründer Charles Dolan als Präsidenten und CEO ab; im September des Jahres übernahm Time Life das Unternehmen vollständig und kurz darauf war HBO in insgesamt 14 Netzen in New York und Pennsylvania zu empfangen.

Zu dieser Zeit wurde das Angebot von HBO noch durch die Betreiber lokaler Kabelnetze vermittelt, üblicherweise kostete es den Endkunden monatlich 6 Dollar, wovon HBO 3,50 Dollar erhielt. Problematisch war die extrem hohe Fluktuation der Kundschaft. Da das Programm aus immer denselben Filmen bestand, wurden die Zuschauer seiner schnell überdrüssig und kündigten bereits nach einigen Wochen wieder. HBO reagierte darauf mit der testweisen Einführung eines Systems in Lawrence, Massachusetts, das Kunden eine vierwöchige Gratisvorschau ermöglichte, bevor das Angebot auf einem anderen Kanal verschlüsselt weiter ausgestrahlt wurde. Dieses System setzte sich dann sowohl bei HBO als auch bei anderen Pay-TV-Sendern als Vertriebsmodell durch. Weitere Wachstumshindernisse waren die nur fragmentarisch vorhandene technische Infrastruktur und massiven inhaltlichen Regulierungen durch die Bundesbehörden. Erst nachdem diese Hindernisse durch den Ausbau der Infrastruktur und die Aufhebung der Regulierungen (teils auf dem Klagewege) beseitigt waren, boten sich auf diesem Markt größere Wachstumspotentiale.

Am 1. Oktober 1975 war HBO dann mit dem „Thrilla in Manila“, dem berühmten Boxkampf zwischen Muhammad Ali und Joe Frazier, der weltweit erste Fernsehsender, der sein Sendesignal über eine Satellitenverbindung übertrug. Wichtig für HBO dabei war aber nicht die technische Leistung, sondern die damit schlagartig entstandene Möglichkeit, das Sendesignal flächendeckend auch in voneinander isolierte Kabelnetze einzuspeisen und so das ganze Land abzudecken, was den Absatzmarkt enorm vergrößerte. Für den Zugang zu Satcom 1, dem entsprechenden Satelliten, hatte HBO 7,5 Millionen Dollar bezahlt, eine hohe Summe für den zu dieser Zeit aufgrund der überschaubaren Kundenbasis wirtschaftlich noch nicht gefestigten Sender.

Gary Edgerton sieht in dieser Entscheidung den Grund für den Erfolg von HBO im folgenden Jahrzehnt, Levins Vorgehen zahlte sich aus. 1976, im ersten „Satellitenjahr“, wuchs die HBO-Kundschaft von 15.000 auf fast 290.000 Abonnenten, bis Ende 1977 auf rund 600.000 und 1977 konnte HBO erstmals Gewinne einfahren. Mit seinem enormen Wachstum wurde HBO die treibende Kraft des jungen Kabelmarktes, der von 1974 bis 1978 in den USA von 50.000 auf 1,5 Millionen Kunden anstieg.

Marktführerschaft und Wachstum (1978–1982) Seit seiner Gründung verfolgte HBO eine klare Programmstrategie, nach der man sich auf das Abspielen von hochwertigen Kinofilmen und besondere Ereignisse (z. B. Sport) spezialisierte, die der Zuschauer ungekürzt und ohne Werbeunterbrechungen sehen konnte. Zugleich war die Inanspruchnahme des Angebots noch ein Luxus, der monatsweise gebucht wurde, Kabelsender unterlagen also dem Druck, durch ein regelmäßiges Angebot neuer Filme und ähnlich hochwertiger Inhalte den Kunden immer wieder neu von der Buchung des Angebots zu überzeugen.

Nachdem 1978 Teleprompter, der damals größte Kabelnetzbetreiber der USA, einen Exklusivvertrag mit Viacom, der Mutter von HBOs stärkstem Konkurrenten Showtime abgeschlossen und so HBO in seinem Wachstumskurs empfindlich getroffen hatte, kaufte der Mutterkonzern Time für 145 Millionen Dollar den zweitgrößten Kabelnetzbetreiber American Television & Communications und sicherte damit die Wachstumsmöglichkeiten des Senders. Aber auch inhaltlich entwickelte sich HBO; so gab es etwa erste kleinere Eigenproduktionen wie Sitcoms (unter anderem mit Robin Williams und Pee-Wee Herman als Newcomern). Zugleich konnte sich HBO aufgrund seiner guten Kapitaldecke auch die Ausstrahlungsrechte für große Filme sichern, die neue Kunden anzogen. Für rund 35 Millionen Dollar erwarb der Sender beispielsweise ein Paket von 40 Filmen von MGM/United Artists. Konfliktträchtiger war das Vorgehen von HBO bei der Produktion von Filmen. Gegen eine Vorabfinanzierung erhielt HBO exklusive Pay-TV-Ausstrahlungsrechte, was sowohl riskant war, falls der Film floppte, als auch die Filmindustrie verärgerte, die sich durch das Vorgehen bedrängt sah.

Auch die Einführung eines zweiten Kanals namens Cinemax im Jahr 1980 stärkte die marktbeherrschende Position von HBO, da Cinemax deutlich günstiger war als HBO selbst und so vor allem den größten Konkurrenten Showtime weiter attackierte. 1982 hatte HBO dann 9,8 Millionen Kunden, fast die Hälfte des ganzen Pay-TV-Marktes, machte 440 Millionen Dollar Umsatz und rund 100 Millionen Dollar Gewinn. Damit war HBO dreimal so groß wie Showtime, was zu enormen Vorteilen beim Einkauf von Ausstrahlungsrechten führte.

Programmstrategie im Wandel (1983–1995) Ende 1982 gründete HBO zu gleichen Teilen mit Columbia Pictures und CBS Tri-Star Pictures als neues Filmstudio, HBO erhielt dafür die Pay-TV-Rechte der entsprechenden Filme. Gleichzeitig intensivierte der Sender die Eigenproduktionstätigkeit. 1983 strahlte er den ersten Fernsehfilm eines Kabelsenders aus, The Terry Fox Story, ein Biopic über das Leben des kanadischen Sportlers Terry Fox. Im selben Jahr konnte HBO mit 13,4 Millionen Zuschauern erneut einen Rekord melden, zugleich zeichneten sich aber erstmals Probleme ab. In großen Städten und potentiellen Wachstumsmärkten wie Chicago, Philadelphia, Detroit und Baltimore fehlten Kabelnetze, die zunehmende Verbreitung von Videorecordern führte zu einem alternativen Angebot insbesondere angesichts steigender Preise für Kabelangebote, und nicht zuletzt erwies sich HBO als zunehmend weniger geschickt in den Verhandlungen um Ausstrahlungsrechte. Der Marktanteil von HBO sank von 50,4 (Juni 1983) auf 48,1 Prozent (Juni 1984), und zugleich brachen die Gewinnmargen ein.

Der Krise suchte Time durch einen Wechsel an der Spitze zu begegnen: Frank J. Biondi wich Michael J. Fuchs als Vorstandsvorsitzendem. Fuchs kündigte 125 Beschäftigte, reduzierte allgemein Kosten und startete eine große Werbekampagne. Zusätzlich verhandelte er auch den erst kürzlich geschlossenen Tri-Star-Vertrag neu. In diesem Rahmen gab HBO auch die Exklusivrechte an vielen Filmen auf, denn man war zu der Ansicht gelangt, dass Exklusivrechte die zusätzlichen Kosten meist nicht wert waren. Zum Problem wurde dies, als Konkurrent Showtime als neue Strategie bekannt gab, man wolle in Zukunft Filme exklusiv zeigen oder gar nicht. Das heizte den Markt an und durchkreuzte so die Sparpläne von HBO, die mehr Inhalte als gewollt exklusiv erwerben und zugleich allgemein höhere Preise als erhofft für Filme zahlen mussten. Trotzdem waren Fuchs’ Maßnahmen erfolgreich: 1985 hatte HBO 14,6 Millionen Kunden und Umsätze von mehr als 800 Millionen Dollar. mini|Sendeunterbrechung durch „Captain Midnight“, April 1986GOODEVENING HBOFROM CAPTAIN MIDNIGHT$12.95/MONTH ?NO WAY ![SHOWTIME/MOVIE CHANNEL BEWARE!] 1986 dann verschlüsselte HBO als erster Sender sein Sendesignal digital mit dem sogenannten Videocipher-II-Verfahren, so dass nur noch zahlende Kunden das Programmangebot verfolgen konnten. Zuvor existierte das Schlupfloch, dass jeder Besitzer einer Satellitenschüssel das Signal abfangen konnte, mit dem HBO das Programm über Satellit an die Kabelnetzbetreiber lieferte. Vier Monate später, am 27. April 1986, kam es zu einem Vorfall, bei dem der Fernsehtechniker John R. MacDougall unter dem Pseudonym Captain Midnight mit Hilfe einer Satellitenschüssel für mehrere Minuten das Sendesignal von HBO unterbrach und ein eigenes an dessen Stelle setzte, eine Protesterklärung gegen eine Preiserhöhung vor einem Testbild.

1989 verklagte Viacom HBO auf 2,4 Milliarden Dollar Schadensersatz: Es beschuldigte HBO, es habe versucht, Showtime durch Einschüchterungen von Kabelnetzbetreibern und versuchte Marktbeherrschung bei Hollywoodfilmen aus dem Markt zu drängen. Die Klage schadete nicht nur HBO, sondern auch der gesamten Kabelfernsehindustrie, da es zu dieser Zeit politische Bestrebungen zu einer stärkeren Regulierung des Marktes gab. Erst im August 1992, nach Dutzenden von Millionen Rechtskosten beiderseits, fanden die Parteien eine Regelung. Neben einigen finanziellen Zugeständnissen von Time Warner an Viacom sicherte Time Warner in seinen Kabelnetzen eine stärkere Präsenz der Viacom-Kanäle zu. Darüber hinaus einigten sich beide Unternehmen auf eine gemeinsame Imagekampagne für das Kabelfernsehen, da dieses in Mitleidenschaft gezogen worden war. Nicht zuletzt wurde HBO auch noch durch die Broadcast Music Incorporated verklagt, eine musikalische Verwertungsgesellschaft, die den von HBO gezahlten Gebührensatz für verwendete Musik als zu niedrig ansah. Im Januar 1991 konnte dieser Rechtsstreit durch eine Erhöhung des Satzes von 12 auf 15 Cents je HBO-Kunde beigelegt werden.

1989 kam es auch zu einer weiteren Diversifizierung des Angebotes, als HBO „The Comedy Channel“ gründete. Der Sender war nur auf die ausschnittsweise Ausstrahlung von Comedy spezialisiert, ein Konzept, das von der Kritik vielfach verrissen und auch vom Publikum bzw. den Kabelnetzbetreibern trotz umfangreicher Werbung nicht angenommen wurde. Die Situation verschärfte sich, als Viacom 1991 das Alternativangebot „HA!“ etablierte, das Comedy nicht nur ausschnittsweise zeigte, da die Kabelnetzbetreiber keines der beiden Angebote zeichneten, sondern abwarteten, wer sich durchsetzen würde, was den Markt regelrecht paralysierte. Die Situation löste sich erst auf, als beide Sender überraschenderweise zu „Comedy Central“ fusioniert wurden.

Die Ära Bewkes (1995–2002)