Der Reinweiße Wasserhahnenfuß (Ranunculus ololeucos), auch Reinweißer Hahnenfuß genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Diese seltene Art gehört zur Artengruppe Wasser-Hahnenfuß (Ranunculus aquatilis agg.) und ist in Deutschland „vom Aussterben bedroht“. Auch innerhalb Mitteleuropas gilt diese Art als „gefährdet“.
Beschreibung
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Vegetative Merkmale Der Reinweiße Wasser-Hahnenfuß ist eine wintergrüne, mehrjährige krautige Pflanze. Diese Wasserpflanze bildet am oberen Stängelteil etwa drei Zentimeter große, dreiteilige Schwimmblätter aus. Sie wurzelt in 30 bis 60 Zentimeter tiefen Flachwasser. Angepasst an das Leben unter Wasser, hat der Reinweiße Wasser-Hahnenfuß Pflanze neben den Schwimmblättern robuste, fein zerteilte, haarförmige Wasserblätter. Die Blattzipfel befinden sich nicht auf einer Ebene, sondern sitzen nieren- bis kreisförmig auf einem langen Stiel. Die Blätter sind länger als die Abstände der Stängelknoten und erreichen maximal 10 Zentimeter. Die etwa kreisförmigen Nebenblätter sind zu mehr als 2/3 mit dem Blattstiel verwachsen.
Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von Mai bis Juni. Die langen Blütenstiele entspringen den Achseln der Schwimmblätter.
Die zwittrige Blüte ist radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die Kelchblätter sind 3,5 bis 4,5 Millimeter lang, zurückgebogen und haben zuweilen blaue Spitzen. Die länglich eiförmigen, 7 bis 15 Millimeter langen, rein weißen Kelchblätter wirken hinfällig. Es werden im Allgemeinen 15 bis 20 Staubblätter gebildet, es kommen aber auch zwischen 10 und 25 Staubblätter vor. Die Nektarblätter sind länger als 6 mm und die Nektardrüsen wirken halbmondförmig.
Je Blüte werden 16 bis 30 dicht zusammenstehende kahle Nüsschen gebildet. Im unreifen Zustand sind die Früchtchen behaart.
Es liegt Diploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n = 16 vor.
Vorkommen Der Reinweiße Wasserhahnenfuß gedeiht in den gemäßigten Gebieten Europas bis in Höhenlagen von etwa 700 Metern. Sein Verbreitungsschwerpunkt liegt in Süd- und Westeuropa von Portugal und Spanien bis Nordwestdeutschland; außerhalb Europas kommt er nicht vor. Es gibt Fundortangaben für Portugal, Spanien, Frankreich, Deutschland, Belgien und die Niederlande. In Deutschland gibt es nur Bestände in Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Nicht nur in Deutschland, sondern auch im restlichen Europa kommt er nur selten vor.
In Deutschland findet man sie in Flachwasserbereich (30 bis 50 Zentimeter Tiefe) nährstoffarmer Klargewässer (Heideweiher) der pleistozänen Sandgebiete. Er ist eine Charakterart des Ranunculetum ololeuci aus dem Verband Hydrocotylo-Baldellion.
Der Reinweiße Wasserhahnenfuß benötigt sonnige bis halbschattige Standorte in mäßig warmen, nährstoffarmen Gewässern. Ihre Anwesenheit deutet auf extremes Seeklima bei häufig wechselnde Wasserständen, und stickstoffarme Böden hin. Man findet sie in Teichen und Gräben außerhalb von Städten, vorwiegend in den Uferregionen in kleinen bis größeren Gruppen.
Gefährdung In Deutschland ist der Reinweiße Wasserhahnenfuß als „Vom Aussterben bedroht“ eingestuft. Es bestehen nur noch Restvorkommen in Niedersachsen, Bremen und Nordrhein-Westfalen. In Sachsen ist sie bereits erloschen. Die Bestandsentwicklung ist auch weiterhin rückläufig. Da die Art hier den Status Vorposten-Charakter hat der Arealanteil in Deutschland von weniger als 10 % beträgt, wird die Verantwortung Deutschlands für den Erhalt der Art nur mit „mittel“ bezeichnet.
Einem weiteren Rückgang dieser konkurrenzschwachen Art kann nur durch den Erhalt offener Flachwasserzonen, der Verhinderung weiterer Trockenlegungen und der Vermeidung weiterer Versauerung, dieser Bereich entgegengetreten werden. Allerdings war der Reinweiße Wasserhahnenfuß, wegen der starken Bindung an pleistozäne Sandlandschaften, stets selten.H. E. Weber: Zur Verbreitung und Soziologie des Reinweißen Hahnenfußes (Ranunculus ololeucos LLOYD) in Mitteleuropa. In: Osnabrücker naturwissenschaftliche Mitt., Band 14, Osnabrück. 1988, S. 157–166.
Inhaltsstoffe
Wie alle anderen Ranunculus-Arten ist der Reinweiße Wasserhahnenfuß giftig.
Taxonomie Die Erstbeschreibung wurde von Ranunculus ololeucos erfolgte 1844 durch James Lloyd in Flore de la Loire-Inférieure Seite 3. Synonyme für Ranunculus ololeucos sind: Batrachium ololeucon , Ranunculus paucicarpus , Ranunculus lusitanicus .
Quellen und weiterführende Informationen Der Artikel beruht hauptsächlich auf folgenden Unterlagen: Einzelnachweise Jaakko Jalas, Juha Suominen: Atlas florae europaeae. Band 8: (Nymphaeaceae to Ranunculaceae). S. 209, Helsinki 1989, ISBN 951-9108-07-6. E. Hörandl, E. von Raab-Straube (2015): Ranunculeae. – Datenblatt Ranunculus ololeucos In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Jens G. Rohwer: Ranunculaceae. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024. ISBN 978-3-494-01943-7. S. 345.
Weblinks
Verbreitung in den Niederlanden. Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben). Steckbrief beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen. Fotos von J.K. Lindsey.
Kategorie:Hahnenfuß