mini|Verbreitungskarte mini|Mittelmeer-Mönchsrobbe – Diorama im Naturkundemuseum Mailand Die Mittelmeer-Mönchsrobbe (Monachus monachus) ist eine vom Aussterben bedrohte Robbenart aus der Familie der Hundsrobben. Mit geschätzten 444 bis 600 geschlechtsreifen Individuen ist sie eines der seltensten Säugetiere Europas.

Beschreibung Hauptcharakteristikum ist die doppelte Schwanzflosse. In der Farbe sind diese Robben sehr variabel; sie liegt zwischen hellgrau und schwarzbraun. Mit einer Länge von 240 Zentimeter und einem Gewicht von 280 Kilogramm (Weibchen), bis zu 400 Kilogramm (Männchen) ist die Mittelmeer-Mönchsrobbe deutlich größer als ein Seehund. Weibchen sind etwas kleiner als Männchen. Jungtiere werden mit etwa 80 Zentimeter und einem schwarzen Geburtsfell, welches oftmals einen weißen Fleck aufweist, geboren.

Verbreitung Die einzige Robbenart des Mittelmeers ist durch Verfolgung extrem selten geworden. Die größten Populationen befinden sich an den griechischen und türkischen Küsten Foça, Anamur und Alonnisos. Allein im griechischen Meeres-Nationalpark Alonnisos-Nördliche Sporaden sollen zwei Drittel des Bestandes beheimatet sein. Kleinere Restpopulationen leben an der afrikanischen Küste zwischen Marokko und der Westsahara (dort an der Südspitze der Halbinsel Ras Nouadhibou) und bei den Ilhas Desertas im Madeira-Archipel im Atlantik, aber auch in der Straße von Sizilien bei den Galite-Inseln (Tunesien). Die Kolonie bei Madeira umfasst ca. 30 Tiere und der Bestand ist in den letzten Jahren im Anstieg begriffen. Weiterhin finden sich kleine Populationen an der Küste Istriens, etwa in der Nähe der Stadt Pula.

Lebensweise Die Mittelmeer-Mönchsrobbe ist ein tagaktiver Fischfresser, der in kleinen Kolonien von maximal zwanzig Tieren anzutreffen ist. Sie ernährt sich von Kopffüßern und Fischen. An der Küste der Westsahara vor allem von Meeräschen. Sie dringt auf ihren Beutezügen im Wasser meist in eine Tiefe von 30 Metern vor, in Ausnahmefällen auch bis zu 750 Meter Meerestiefe.

Fortpflanzung Über das Fortpflanzungsverhalten der Mittelmeer-Mönchsrobbe ist nur sehr wenig bekannt. Wissenschaftler vermuten, dass die Art polygyn lebt. Die Tragzeit beträgt etwa 11 Monate. Obwohl Geburten über das ganze Jahr verteilt vorkommen, erreichen sie im Oktober und November einen Höhepunkt. Zum Gebären sucht sie typischerweise Höhlen auf, die nur unter Wasser erreichbar sind, wobei historische Beschreibungen zeigen, dass bis zum 18. Jahrhundert auch offene Strände genutzt wurden. Das Gewicht der Neugeborenen beträgt ca. 20 Kilogramm. Auch weil in dieser Zeit viele Höhlen durch Hochwasser oder Sturmfluten überschwemmt werden, ist die Sterblichkeit unter Jungtieren sehr hoch: so geht die IUCN davon aus, dass von den zwischen September und Januar geborenen Tieren lediglich 29 % überleben. Die Laktationszeit beträgt durchschnittlich 134 Tage.

Mittelmeer-Mönchsrobbe und Mensch Schon Aristoteles lieferte eine Beschreibung der Mönchsrobbe, die somit die erste beschriebene Robbe überhaupt ist. Seit Jahrhunderten sahen viele Fischer in dieser Robbe eine Konkurrenz. Dadurch und durch die starke Umweltverschmutzung der Lebensgebiete z. B. durch Geisternetze, Besiedlung der Küstenstreifen, den Tourismus ist dieses Säugetier heute sehr stark vom Aussterben bedroht.

Funde von Knochen mit Schnittspuren in der Gorham-Höhle, Gibraltar belegen, dass bereits der Neandertaler zumindest gelegentlich Mönchrobben nutzte. Eine aktive Jagd mit Waffen auf erwachsene Robben ist bislang nicht nachweisbar. Dies belegt jedoch eine frühere Verbreitung der Mönchsrobbe auch entlang der iberischen Südküste.

Schutzmaßnahmen Zum Schutz der Art wurden 1992 die Nationalparks um die Ilhas Desertas bei Madeira und die Nördlichen Sporaden in der Ägäis eingerichtet. Des Weiteren ist diese Art im CITES-Anhang I (totales Handelsverbot) gelistet.

Eine Studie des italienischen Umweltministeriums von 2013 bestätigt das Vorhandensein von Mönchsrobben im Meeresschutzgebiet der Ägadischen Inseln. 2020 konnte dort eine Robbe in einer Höhle fotografiert werden.https://www.isprambiente.gov.it/files/comunicati-stampa/ComunicatoEgadiMinistrorev13_05_revisione2.pdf Eine Studie des spanischen Umweltministeriums kam 2018 zu dem Ergebnis, dass eine Wiederansiedlung der Mittelmeer-Mönchsrobbe auf Fuerteventura machbar wäre. 2023 wurden Interessengruppen auf den Kanarischen Inseln zu dem Thema befragt. Die Fischer positionierten sich strikt gegen jegliche Wiederansiedlungsbemühungen, weil sie um ihre Existenz fürchten.

Einzelnachweise

Literatur David Macdonald: The New Encyclopedia of Mammals. Oxford University Press, Oxford 2001, ISBN 0-19-850823-9 Tiere der Meeresküste. Lebendige Wildnis. Verlag Das Beste GmbH, Stuttgart 1993, ISBN 3-87070-462-4

Weblinks

Dokumentation von 2010: Bedrohte Paradiese - Kreta und die Inseln Griechenlands. Ab ca. der 30 Minute sind sehr gute Videoaufnahmen der Mönchsrobbe zu sehen. Webseite über die Situation der Mönchsrobbe in ihren derzeitigen Verbreitungsgebieten (engl.)

Kategorie:Robben Kategorie:FFH-Arten (Anhang IV) Kategorie:FFH-Arten (Anhang II)