mini|hochkant=1|Pfarrkirche St. Bartholomäus Kettig ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Mayen-Koblenz in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Weißenthurm an.
Geographische Lage
Klimatisch günstig am Rand des Neuwieder Beckens gelegen, werden die landwirtschaftlichen Flächen der Gemeinde zunehmend von Sonderkulturen (insbesondere des naturnah bewirtschafteten Holunders) geprägt.
Geschichte
Kettig wird erstmals in einer schriftlichen Quelle als Ketichi im Gau Maifeld in einer Urkunde des Klosters Echternach aus dem zweiten Viertel des 10. Jahrhunderts erwähnt. Weitere Namensformen nach 1200 waren Ketge, Ketghe, Ketige und Kettich. Vom 13. bis 16. Jahrhundert hatte die Abtei St. Thomas Landbesitz und zinspflichtige Güter in Kettig.
Schwer getroffen wurde Kettig vom Dreißigjährigen Krieg. Von 128 Häusern, die aus dem Jahr 1563 überliefert sind, standen 1648 nur noch 85. Auch die Burg, die Kurfürst Werner von Falkenstein zwischen 1409 und 1419 hatte errichten lassen, war zerstört worden. Ähnlich hart traf der Zweite Weltkrieg Kettig: Bei einem Bombenangriff am 29. Dezember 1944 wurden 25 Wohnhäuser, 15 landwirtschaftliche Betriebsgebäude, 1 Industrieanlage, Schule und Kirche zerstört oder schwer beschädigt.Gerhard Elingshäuser: Die Geschichte von Kettig im Wandel der Zeit. Hrsg. Gerhard Elingshäuser, Kettig 2000. Der Krieg endete für Kettig am 8. März 1945, als der Ort von amerikanischen Einheiten des Combat Command B (CCB) der 4th Armored Division eingenommen wurde.Lt. Col. George Dyer: XII Corps, Spearhead of Patton's third Army
Bevölkerungsentwicklung
Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Kettig, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen: Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
Jahr Einwohner 1815 634 1835 1.050 1871 1.049 1905 1.343 1939 1.527 1950 1.709 1961 1.954 Jahr Einwohner 1970 2.577 1987 2.656 1997 2.977 2005 3.331 2017 3.320 2022 3.493
Politik Gemeinderat
Der Gemeinderat in Kettig besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.
Die Sitzverteilung im Gemeinderat:
Wahl SPD CDU FDP FWG Gesamt 2024 3 7 1 9 20 Sitze 2019 3 10 1 6 20 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: 2014 4 11 1 4 20 Sitze 2009 8 6 2 4 20 Sitze 2004 7 7 2 4 20 Sitze FWG = Freie Wählergruppe Kettig e. V.
Bürgermeister Florian Heyden (FWG Kettig) wurde am 19. August 2024 Ortsbürgermeister von Kettig. Bei der Stichwahl am 23. Juni 2024 wurde er mit einem Stimmenanteil von 53,5 % gewählt und setzte sich damit gegen die Mitbewerberin Jennifer Reski (CDU) durch, nachdem bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 keiner der ursprünglich drei Bewerber eine ausreichende Mehrheit erreicht hatte.
Heyden ist Nachfolger von Peter Moskopp (CDU), der nach 15 Jahren im Amt nicht mehr zur Wahl des Bürgermeisters antrat. +Liste der Bürgermeister ab 1900NameAmtszeitParteiAnmerkungFlorian Heyden19.08.2024 – FWGPeter Moskopp17.08.2009 – 19.08.2024CDUNorbert Hansen17.08.1988 – 16.08.2009SPDHans Höfer25.11.1960 – 17.08.1988FWGAdam Kreuz19.12.1956 – 24.11.1960Heinrich Müller30.04.1955 – 18.11.1956Wilhelm Sorger20.03.1947 – 29.04.1955Josef Urmersbach02.09.1946 – 20.03.1947Wilhelm Sorger28.04.1945 – 09.1946Josef Krieger07.10.1941 – 03.1945stets als „beurlaubt“ geführtWilhelm Kohl07.10.1941 – 03.1945unterzeichnete mit „m.d.F.b.“ (mit der Führung beauftragt)Peter Fink11.08.1933 – 18.06.1941Peter Schulz11.1922 – 11.06.1933Joh. Josef Hammer1906 – 09.1922Joh. Peter Hillesheim1893 – 1906
Wappen
Bildung Kettig ist der Standort der Grundschule Kettig. Die erste Schule des Ortes ist 1616 im Visitationsbuch der Pfarrei Kettig nachgewiesen. Sie war im Haus des Küsters eingerichtet. Als erster Schulmeister wird 1624 Friedrich Andreas Eisner genannt. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) war ein Schulbesuch kaum möglich; 1654 wurde laut Aufzeichnung im Visitationsbuch im Gemeindehaus der Unterricht wieder aufgenommen. 1820 baute die Gemeinde das erste Schulhaus mit zwei Klassenräumen und zwei Lehrerwohnungen und 1882 in der Nähe der Kirche ein zweites Schulhaus mit Keller, großem Schulsaal und Lehrerwohnung. Ein weiteres Haus entstand 1904. 1938 beschloss der Gemeinderat den Bau eines neuen „Gesamtschulhauses“ mit sechs Klassenräumen, einem Lichtbildsaal, einer Turnhalle, einer kleinen Kapelle, Kellerräumen, Toilettenanlage und Wohnungen. Zum Herbst 1939 sollte die Schule bezugsfertig sein. Nach Kriegsausbruch gab es nur noch fünf Klassen, sodass ein Klassenzimmer von Soldaten belegt wurde. 1942 war die Schule fertiggestellt, wurde aber nicht für Schulzwecke genutzt, sondern von der Wehrmacht als Lazarett eingerichtet. 1960 baute die Gemeinde Kettig ein neues Schulhaus. 1992 wurde es umgebaut und um ein Stockwerk erweitertGerhard Elingshäuser: 400 Jahre Schule in Kettig. Hrsg. Gerhard Elingshäuser, Kettig 2015. und bis heute genutzt.
Seit 1973 bestand die Anne-Frank-Schule in Kettig, eine Schule für Kinder mit besonderem Förderbedarf. Baubeginn des Schulhauses war 1971. Ihren Namen erhielt die Schule 1988. Der Schulbetrieb begann mit 188 Schülerinnen und Schülern. Diese Zahl ging jedoch stetig zurück, sodass die Schließung der Schule drohte.. Abgerufen am 14. Juli 2021. 2016 mietete die Mennoniten-Brüdergemeinde den Gebäudekomplex, um ihre Grundschule von Weißenthurm nach Kettig zu verlegen.Rhein-Zeitung: Es wird wieder unterrichtet. Abgerufen am 14. Juli 2021. Inzwischen wird die Sporthalle von Sportvereinen und für den Schulsport genutzt, andere Gebäulichkeiten stehen als Jugendtreff zur Verfügung.CDU Kettig. Wahlprogramm 2019. Abgerufen am 14. Juli 2021.
Kulturdenkmäler Das älteste Kultur- bzw. Baudenkmal in Kettig ist die 1988 unter Denkmalschutz gestellte Pfarrkirche St. Bartholomäus; sie wurde um 1470 erbaut. Die Pfarrkirche ist eine römisch-katholische Kirche und ist nach Apostel Bartholomäus, als Schutzheiliger benannt.
Siehe Liste der Kulturdenkmäler in Kettig
Weblinks
Offizielle Website der Ortsgemeinde Kettig Geschichtliche Informationen zu Kettig bei regionalgeschichte.net
Kettiger Heimatkundler – lokale Geschichtsquellen, Anekdoten und Dokumentationen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Mayen-Koblenz Kategorie:Ersterwähnung im 10. Jahrhundert