Biberach ist eine Gemeinde im Schwarzwald im Ortenaukreis in Baden-Württemberg.
Geografie Geographische Lage Der staatlich anerkannte Erholungsort Biberach liegt im Mittleren Schwarzwald am Zusammenfluss von mehreren Wasserläufen. Rechtsseitig fließt der Erlenbach, von der linken Seite fließen Prinzbach, Emmersbach, Erzbach und Haubach in die Kinzig. Der Ort selbst liegt in . In einem Seitental liegt der Ortsteil Prinzbach.
Gemeindegliederung mini|Die Kinzig bei Biberach/Baden Die Gemeinde Biberach gliedert sich in die beiden Ortsteile Biberach und Prinzbach, die räumlich mit den ehemaligen Gemeinden gleichen Namens identisch sind. Im Ortsteil Prinzbach ist eine Ortschaft im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender eingerichtet. Die Ortschaft hat eine eigene Verwaltungsstelle unter der Bezeichnung „Ortsverwaltung Prinzbach“.Hauptsatzung der Gemeinde Biberach vom 28. Juli 2014 (PDF; 127 kB)
Zum Ortsteil Biberach gehören das Dorf Biberach, die Weiler Bruch und Fröschbach, der Zinken Rebhalde und die Höfe Erzbach, Haubach, Rebberg und Reiherwald. Zum Ortsteil Prinzbach gehören das Dorf Dörfle und die Höfe Bergle, Emersbach, Kachelberg, Obertal und Untertal.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 435–437
Nachbargemeinden Folgende Gemeinden grenzen an das Gemeindegebiet von Biberach: Die Städte Gengenbach im Norden, Zell am Harmersbach im Osten, die Gemeinden Steinach und Schuttertal im Süden sowie Seelbach und Friesenheim im Westen.
Geologie An den Talhängen und auf den Bergen rings um Biberach kann man anstehende Gneise beobachten, diese bilden den ältesten Teil des Schwarzwalds, das Grundgebirge. In diesem Grundgebirge liegen auch die Erzgänge der Gegend rund um Biberach. Aus den Pflanzenablagerungen im Karbon bildeten sich in Mulden des inzwischen zu einer Hochfläche abgetragenen Grundgebirges die Kohleablagerungen im hinteren Emmersbach. Material, das sich im nachfolgenden Perm ablagerte, bekam durch eisenhaltige Mineralien eine rote Farbe. Am Schönberg-Pass ist diese rote Erde auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen noch zu sehen. Das heutige Gesicht Biberachs begann sich in den Eiszeiten (Diluvium) und der Nacheiszeit zu formen. Die Schmelzwässer schufen sich ihre Täler, an den Rändern häuften sich die Geröllmassen. So entstand durch das Zusammenwirken der Bauelemente (Grundgebirge) mit Naturkräften (Abtragung, Aufschüttung) die Naturlandschaft, in der heute die Gemeinde Biberach liegt.
Geschichte mini|Biberach im Kinzigtal um 1903 Name Die Herkunft des Ortsnamens „Biberach“ ist bis heute nicht geklärt. Die Deutungen gehen in mehrere Richtungen. Heinrich Hansjakob in Bauernblut und Ludwig Heizmann in seiner Heimatstudie vom Amtsbezirk Offenburg führen den Ortsnamen auf die vielen Biber in der Kinzig zurück. Andere Sprachforscher meinen, der Name Biberach sei keltischen Ursprungs. Dafür spricht, dass andere keltische Orte mit den Namen „Bibrax“ und „Bibracte“ bekannt sind. Es gibt aber bis heute keine handfesten Beweise dafür, dass Kelten in Biberach gelebt haben. Eine andere Deutung leitet sich aus der Lage Biberachs zwischen zwei Wasserläufen her. Die älteste überlieferte Schreibweise Biberachs „Biberaha“, urkundlich erwähnt im Jahre 1222, könnte sich aus bi = zwei und aha = Wasser zusammensetzen.
Herrschaftsgeschichte Biberach gehörte als Stabgemeinde ab Ende des 13./ Mitte des 14. Jahrhunderts bis zum Jahre 1802 zur Reichsstadt Zell am Harmersbach. Dem Reichsstift Kloster Gengenbach blieben in Biberach zahlreiche Rechte erhalten, so dass die Biberacher einen jährlichen Zehnt zu entrichten hatten. Mit der Aufhebung des Reichsstiftes im Jahre 1803 wurde die badische Landesherrschaft Zehntherr der Biberacher. Durch die Ablösung des Groß- und Kleinzehnts ab 1838 löste man sich vom Anbauzwang für Früchte des Großzehnts, die freie Bebauung von Grund und Boden war möglich. Ab 1504 übte Biberach für die Freie Reichsstadt Zell am Harmersbach das Wasser- und Straßenzollrecht aus. Diese Einnahmen stellten eine wichtige Finanzquelle für die Zeller dar, bis die Reichsstadt dem 1803 neugegründeten Großherzogtum Baden einverleibt wurde. Am 15. Juni 1803 wurde Biberach von allen Eiden und Pflichten gegen die Stadt Zell befreit und in die Selbständigkeit entlassen. Prinzbach gehörte damals zur Grafschaft Hohengeroldseck, bis es 1819 schließlich auch badisch wurde. Biberach gehörte zum Landkreis Wolfach, während Prinzbach zum Landkreis Lahr gehörte. Mit der Kreisreform im Jahre 1973 wurden sowohl Biberach als auch Prinzbach Gemeinden des Ortenaukreises.
Eingemeindung Das heutige Biberach entstand im Zuge der Gemeinde- und Verwaltungsreform in Baden-Württemberg. Der rund 400 Einwohner zählende Ort Prinzbach wurde auf Grundlage eines Eingemeindungsvertrages vom 29. April 1974 am 1. Juli 1974 in die Gemeinde Biberach eingegliedert.
Flößerei auf der Kinzig Biberach war durch seine Lage an der Kinzig kurz unterhalb des Erlenbach-Zulaufs ein wichtiger Ort für die Kinzigflößerei. Der selbst nur kurze Nebenfluss erschloss die waldreichen Täler seiner beiden langen Oberläufe Nordrach und Harmersbach. Weil die Straßen in einem hierfür völlig unzureichenden Zustand waren, kam für den Transport des Holzes nur der Wasserweg in Frage. Die Flößerei entwickelte sich gut, in Wolfach wurde 1470 eine Floß- und Zollordnung und im Jahre 1527 eine Schifferordnung erlassen. Nach einer zweiten Blütezeit der Flößerei in der Mitte des 19. Jahrhunderts endete der Holztransport auf dem Wasserweg am Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Aufkommen der Eisenbahn. Im Jahr 1895 fuhr das letzte Floß auf der Kinzig zu Tale.
mini|St. Blasius in Biberach, 2015 Kirchen und Pfarrämter Katholische Kirche St. Blasius in Biberach Katholische Kirche St. Mauritius in Prinzbach Katholisches Schwesternhaus in Prinzbach Seit der Dekanatsreform am 1. Januar 2008 gehört Biberach und die St. Blasius-Kirche zum römisch-katholischen Dekanat Offenburg-Kinzigtal und gehört zudem zur Seelsorgeeinheit Haslach.
Demographie mini|500px|Biberach Bevölkerungsentwicklung Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Schätzungen, Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg.
Jahr Einwohner 1804 757 1814 841 1864 1.348 1871¹ 1.721 1880¹ 1.938 1890¹ 1.744 1900¹ 1.868 1910 1.929 1913 1.508 1925¹ 2.013 1933¹ 1.969 1939¹ 2.003 1950¹ 2.215 1956 2.447 Jahr Einwohner 1961¹ 2.582 1966 2.803 1970¹ 2.891 31. Dezember 1975 2.775 31. Dezember 1980 2.639 1985 2.792 31. Dezember 1990 2.928 31. Dezember 1995 3.173 31. Dezember 2000 3.221 31. Dezember 2005 3.305 31. Dezember 2010 3.365 31. Dezember 2015 3.601 31. Dezember 2020 3.735 31. Dezember 2022 3.750
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Biberach besteht aus 12 Mitgliedern und dem Bürgermeister als Vorsitzenden. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem vorläufigen Endergebnis.Statistisches Landesamt, Vorläufiges Ergebnis der Gemeinderatswahlen 2019
Parteien und Wählergemeinschaften%2024Sitze2024%2019Sitze2019%2014Sitze 2014 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands41,3532,7435,44 FW Freie Wähler Biberach37,6444,6639,35 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands21,1319,1225,33 AfD Alternative für Deutschland——3,50——gesamt 100,0 12100,012100,012Wahlbeteiligung69,4 %66,9 %55,7 %
Bürgermeister
1892–1904: Gustav Isidor Schweiß 1904–1913: Josef Ringwald 1913–1921: Gustav Karl Schweiß 1921–1923: Franz Xaver Jehle 1924–1930: Leonhard Willmann 1930–1935: Josef Himmelsbach 1935–1942: Theodor Seiberlich (NSDAPEintritt in die NSDAP am 1.5.1933, Mitgliedsnummer 3.028.080, 1935-1942 Bürgermeister und 1937-1942 Ortsgruppenleiter in Biberach (Baden), 1943-1945 Bürgermeister in Oberkirch) 1943–1946: Johann Dürrholder 1946–1953: Hermann Kühn 1953–1974: Karl Allgeier 1974–1998: Wolfgang Bösinger 1998–2014: Hans Peter Heizmann 2014–2022: Daniela Paletta seit 2022: Jonas Breig
Am 13. März 2022 wurde Jonas Breig mit 96,2 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Amtsinhaberin Paletta trat aus gesundheitlichen Gründen nicht für eine zweite Amtszeit an. Breig trat das Amt am 13. Mai 2022 an.
Wappen und Logo Bis Ende des 19. Jahrhunderts hatte Biberach ein anderes Wappen als das heutige verwendet. In älteren Siegeln wurde ein Wappen mit grüner Tanne, schwarzem Stamm und Wurzeln auf blauem Grund verwendet. Am Haupteingang des 1913 erbauten Rathauses ist jedoch bereits ein anderes Logo zu sehen, das nach jahrzehntelanger Verwendung der Gemeinde Biberach am 3. Oktober 1969 durch das Innenministerium Baden-Württemberg staatlich verliehen wurde. In der Urkunde wird das Wappen wie folgt beschrieben: „In Grün eine bewurzelte silberne (weiße) Linde, vor deren Stamm kauernd ein silberner (weißer) Biber, der in den Vorderpfoten ein silbernes (weißes) Holzstück hält“. Die Gemeinde Biberach entwickelte später ein Stadtlogo, es zeigt den Schriftzug „Biberach – Ein schönes Stück Schwarzwald“ überspannt von der Silhouette eines Bibers.
Verwaltung Biberach gehört der Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft Zell am Harmersbach an, zu der außerdem noch die Gemeinden Nordrach und Oberharmersbach gehören.
Patenschaften Ein Fahrzeug der Ortenau-S-Bahn trägt den Namen von Biberach.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Theater und Museen mini|Kettererhaus
Kettererhaus Das „Kettererhaus“, benannt nach seinem letzten privaten Besitzer, dem „Kettererschmied“, ist wohl eines der ältesten Bauwerke Biberachs. Nach der Meinung namhafter Fachleute weist der Fachwerkbau Konstruktionsmerkmale des 17. Jahrhunderts auf. Das genaue Baujahr lässt sich jedoch weder am Gebäude selbst, noch in den Akten des Biberacher Gemeindearchivs erkennen. Heute ist in dem Gebäude das „Heimatmuseum Kettererhaus“ untergebracht, in dem wertvolles heimisches Kulturgut aus den Bereichen Ländliches Arbeiten, Wohnen, Brauchtum und Vereinswesen ausgestellt werden.
Stadtkammer Prinzbach Im Rathaus Prinzbach befindet sich die „Stadtkammer“, in der einige bemerkenswerte Fundstücke und Kleinode aus der Geschichte der ehemaligen Bergwerksstadt Prinzbach untergebracht sind. Bauwerke
Rathaus Biberach mini|RathausDas Rathaus Biberach wurde in 2 Bauabschnitten 1913 und 1925 erbaut. Es war für die damalige Zeit ein sehr stattliches Gebäude; eine Teilsanierung der Fassade und des Daches wurde in den Jahren 1978–80 durchgeführt. Das historische Rathaus wurde 2002 umfassend saniert und modernisiert.
Rathaus Prinzbach Das Rathaus in Prinzbach wurde bereits im Jahr 1880 erbaut. Nach der Eingemeindung Prinzbachs 1974 wird das Rathaus für Verwaltungszwecke nur noch sporadisch genutzt, im Erdgeschoss ist die „Prinzbacher Stadtkammer“ untergebracht.
Stadtmauer Prinzbach Nach dem Silberfund in Prinzbach wurde die Siedlung nun nicht mehr nur von Bauern, sondern auch von Bergleuten, Handwerkern und Händlern bewohnt. Diese hatten andere Rechte, die es genauso wie die großen Silberfunde zu schützen galt. Die Verleihung des Stadtrechts und der Bau einer Stadtmauer waren die Folge. Die Stadt wurde komplett von einer ellipsenförmigen Stadtmauer mit einem vorgelagerten Graben umschlossen. Dieses Maueroval hatte einen Umfang von 800 m, es war nur durch das „Untertor“ im Norden und das „Riesentor“ im Süden unterbrochen. Heute noch sind Teile der historischen Stadtmauer sichtbar.
St. Mauritius Prinzbach St. Mauritius Prinzbach ist die römisch-katholische Pfarrkirche von Prinzbach, eine Chorturmkirche mit einem prächtigen barocken Hochaltar Philipp Winterhalders.
Burg Alt-Geroldseck