mini|Das Kloster Frauenberg hoch über der Stadt Fulda

Das Kloster Frauenberg (lateinisch: Conventus Beatae Mariae Virginis in monte Fuldensis ‚Konvent der seligen Jungfrau Maria auf dem Fuldaer Berg‘) ist ein Kloster der Franziskaner auf dem gleichnamigen Berg in Fulda. Im Kloster befand sich das Provinzialat der Thüringischen Franziskanerprovinz, die 2010 mit den vier anderen Provinzen zur Deutschen Franziskanerprovinz vereint wurde. Zum Kloster gehört auch eine spätbarocke Klosterkirche.

Nördlich des Klosters befindet sich der städtische Friedhof Frauenberg.

Geschichte mini|links|Franziskanerkloster Frauenberg vor Stadtansicht von Fulda, 1850

744 – ca. 1049: Von Bonifatius bis zum Ende der Gemeindekirche Im Jahr 744 kam Sturmius nach Fulda, um im Auftrag seines Meisters Bonifatius das Kloster Fulda zu errichten, welches die Keimzelle der Stadt Fulda wurde. Dieser folgte ihm etwas später, um das Vorankommen des Bauunternehmens selbst zu begutachten. Wie die Mönche dieser Zeit berichteten, habe sich Bonifatius auf einen Berg nördlich des Baugeländes zurückgezogen, um Ruhe vor dem Baulärm zu finden und um dort zu beten und die Heilige Schrift zu studieren. Er habe auch gelegentlich Messen auf dem Berg gefeiert, wozu er einen Altar in der zuvor errichteten hölzernen Kirche geweiht habe.

Nach Bonifatius’ Tod in Friesland 754 sollte der Berg seine Erinnerung tragen. Deswegen wurde er Bischofsberg genannt. Abt Ratgar (802–817) ließ die Kirche auf dem Bischofsberg neu bauen, da die hölzerne Kirche zu verfallen drohte. Die neue Kirche war ein massiver Steinbau, den der Erzbischof Richulf von Mainz 809 auf Wunsch Ratgars dem Patrozinium der Muttergottes unterstellte. Sie diente für die Seelsorge der um sie herum lebenden Menschen. Aufgrund dessen ließ Ratgar ein zusätzliches Gebäude bauen, in dem die Seelsorger wohnen konnten. Anfangs waren die Seelsorger Mönche aus der Abtei. Um 817 wurden sie aber von Abt Ratgar durch weltliche Chorherren ersetzt. Die Kirche auf dem Bischofsberg blieb bis etwa 1049 die Pfarr- und Gemeindekirche Fuldas, bis die Stadtpfarrkirche diese Funktion übernahm.Hadrian W. Koch, S. 8–11; P. Beda Schmidt, S. 26–29; Schnell, S. 3; P. Sigfrid Klöckner, S. 7–9.

Ca. 1049 – 1525: Benediktiner und mehrfache Zerstörung Nachdem die Kirche auf dem Bischofsberg als Gemeindekirche ausgedient hatte, zogen Benediktiner in das Kloster und in die Kirche. Der Bischofsberg war eine Propstei des Klosters Fulda, welche bis zur Aufhebung der Abtei Fulda 1802 Bestand hatte. Da die Kirche dem Patrozinium der Muttergottes unterstellt war und im Laufe des 11. und 12. Jahrhunderts zum Mariendenkmal Fuldas wurde, findet sich in den Quellen immer mehr die Bezeichnung „Mons s. Mariae“, also „Marienberg“ oder dem „Berg Unserer lieben Frau“. Daraus wurde im Volksmund der Frauenberg, wie er auch heute noch heißt.

Abt Rugger II. (1176–1177) ließ in seiner Amtszeit die Kirche renovieren, da die Propstei selbst nicht viel Besitz hatte. Da die Wasserversorgung auf dem Berg ein großes Problem war, ließ Abt Heinrich VI. von Hohenberg (1315–1353) einen Ziehbrunnen errichten, der auch heute noch vorhanden ist. Während Heinrichs Regierungszeit fand die erste Verwüstung auf dem Frauenberg statt, als Heinrich sich gegen den späteren Kaiser Ludwig IV. dem Bayern auf die Seite des Papstes Johannes XXII. stellte. Die königlichen Truppen brannten den Frauenberg 1327 nieder. Als Ausgleich schenkte der Papst der Propstei Frauenberg die Pfarrei Salzschlirf.

Nachdem man die Schäden beseitigt hatte, wurde der Frauenberg erneut von aufständischen Bürgern 1331 heimgesucht, weil sich Abt Heinrich dort versteckt hielt. Ein weiteres Mal wurde der Frauenberg niedergebrannt. Doch Heinrich konnte den Aufstand niederschlagen, baute den Frauenberg wieder auf und ließ ihn befestigen. Nach diesen stürmischen Zeiten kehrte wieder Ruhe auf dem Berg ein, die rund 200 Jahre anhielt. An Ostern 1525 kam der Bauernaufstand auch ins Fuldaer Land. Am Dienstag nach Ostern zerstörten die Aufständischen alle Gegenstände im Kloster und der Kirche. Anschließend zündeten sie die Gebäude an und der Frauenberg brannte zum dritten Mal. Die Benediktinermönche flohen vom Berg. Landgraf Philipp von Hessen kam zur Hilfe und befreite den Frauenberg von den Aufständischen. Jedoch blieben nichts als Ruinen übrig und die Benediktiner kamen nicht zurück.Koch, S. 12–17; Schmidt, S. 29–31; Schnell, S. 3; Klöckner, S. 9–11.

Wiederaufbau und Ansiedelung der Franziskaner ab 1620 Fünfzig Jahre lag der Frauenberg brach, ehe Fürstabt Balthasar von Dernbach das Marienheiligtum wiederaufbauen ließ. Aufgrund seiner Verbannung konnte aber nicht alles fertiggestellt werden. Fürstabt Friedrich von Schwalbach (1606–1622) kümmerte sich um die restlichen Bauarbeiten. Da es kein Zeugnis über eine Kirchweih in dieser Zeit gibt, ist davon auszugehen, dass die alte Ratgar-Kirche wiederaufgebaut worden war. Nach den Überlieferungen des Frauenbergs weihte der Mainzer Weihbischof Christoph Weber (1616–1633), der in Erfurt residierte, nur die Altäre. Nachdem die Gebäude auf dem Frauenberg wiederaufgebaut waren, wollte Fürstabt Friedrich das Kloster gern wieder an eine Ordensgemeinschaft vergeben.

Um nach den Wirren der Reformation die Bevölkerung wieder an den katholischen Glauben heranzuführen, nahm man Kontakt mit dem Provinzial der Kölnischen Provinz ("Colonia") der Franziskaner auf. Im Jahr 1618 wurde darum gebeten, einige Brüder für die Seelsorge nach Fulda zu entsenden, die sich dort niederlassen sollten. Der Provinzial gab seine Zusage. Nun blieb die Frage, wo man die Brüder am besten unterbringen konnte, da man das alte, 1246 erbaute Franziskaner-Kloster hinter der Stadtpfarrkirche den Jesuiten gegeben hatte. Franziskaner waren erstmals 1237 oder 1238 nach Fulda gekommen. Um 1550 hatten sie infolge der Reformation die Stadt verlassen müssen.Deutsche Franziskanerprovinz: Der Frauenberg und seine Geschichte, abgerufen am 22. August 2015.

So zogen am 12. Februar 1620 vorerst zwei Franziskanerbrüder der Colonia feierlich in die Severikirche ein, die eine kleine angrenzende Wohnung für die Brüder hatte. Einen Konvent konnte man dort allerdings nicht unterbringen, und so wurde weiter nach einem geeigneten Ort gesucht. Den Vorschlag, die Franziskaner auf dem Frauenberg zu beheimaten, lehnte Fürstabt Friedrich ab. Doch nach seinem Tod 1622 übergab sein Nachfolger Fürstabt Johann Bernhard Schenk zu Schweinsberg den Frauenberg im März 1623 feierlich an die Franziskaner. Drei Patres, zwei Fratres und ein Laie zogen auf den Frauenberg.Koch, S. 17–22; Schmidt, S. 31–36; Schnell, S. 3; Klöckner, S. 12–14; Christian Plath: Zwischen Gegenreformation und Barockfrömmigkeit. Mainz 2010, S. 50f.

Die Überlassungsurkunde für den Frauenberg wurde erst im Januar 1626 ausgestellt. In dieser Urkunde gab es zwei schwerwiegende Einschränkungen für die Franziskanerbrüder. Die erste Einschränkung lautete, dass die Franziskaner den Berg zu verlassen hatten, falls wieder Benediktiner in Fulda angesiedelt werden sollten oder der Fürstabt den Berg für etwas anderes bräuchte. Es wurde ihnen aber zugestanden, dass die Stadt in diesem Fall eine andere Bleibe für die Franziskaner finden würde. Die zweite Einschränkung war die Unveräußerlichkeit des Frauenberges. Kirche und Kloster auf dem Frauenberg sind bis heute formal Eigentum des Bischöflichen Stuhls.Kloster auf Frauenberg soll bleiben, osthessen-news.de vom 29. Oktober 2015, zuletzt abgerufen am 25. März 2016. Abgesehen von diesen Einschränkungen wünschten sich die Franziskaner eine Unterkunft in der Stadt, da sie auf dem Frauenberg mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. Doch alle Schreiben an die verschiedenen Fürstäbte brachten keinen Erfolg, die Brüder blieben auf dem Frauenberg. 1627 trat die Kölnische Franziskanerprovinz neben anderen Klöstern auch den Frauenberg an die nach der Reformation wiedererrichtete Sächsische Franziskanerprovinz (Saxonia) ab.Dieter Berg (Hrsg.): Spuren franziskanischer Geschichte. Chronologischer Abriß der Geschichte der Sächsischen Franziskanerprovinzen von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Werl 1999, S. 343.

1631 – 1887: Mehrfache Vertreibung und Rückkehr der Franziskaner Während des Dreißigjährigen Krieges wurden auch Fulda und der Frauenberg 1631 besetzt, geplündert und verwüstet. Die Franziskanerbrüder wurden 1633 des Landes verwiesen, und der Frauenberg ging in den Besitz der hessischen Regierung über. 1634 wurde das Territorium allerdings wieder zurückgewonnen und die Franziskaner zogen wieder auf den Frauenberg und gehörten jetzt zu der 1633 wieder konstituierten Thüringischen Provinz von der hl. Hedwig („Thuringia“).

mini|Die barocke Kirche des Klosters Frauenberg in Fulda Zwischen 1737 und 1757 unternahmen die Franziskanerbrüder einige Renovierungsarbeiten am Kloster und der Kirche. Doch wurde ein Großteil der Gebäude durch einen Brand 1757 zerstört. Die Brüder bauten alles wieder auf, obwohl sie keine Verbleibsgarantie für den Frauenberg bekamen. Viele Arbeiten verrichteten die Brüder selbst, da sich Architekten, Kunstschreiner, Bildhauer und andere unter ihnen befanden. Trotzdem kamen noch immense Kosten hinzu, die durch Spenden finanziert wurden. Ende des 18. Jahrhunderts war alles fertiggestellt. Doch bereits 1802 kamen weitere Probleme auf die Franziskaner zu. Da der Fürst von Hessen-Nassau das Hochstift Fulda übernommen hatte und nacheinander die Klöster der Benediktiner und Kapuziner geschlossen hatte, war der Verbleib des Klosters Frauenberg ungewiss. Doch es blieb vorerst bestehen.

Die Vereinigung Hessen-Kassels mit Preußen brachte zunächst Verbesserungen, da die preußische Verfassung die Selbstständigkeit der katholischen Kirche respektierte. Somit konnte sich das Kloster Frauenberg vergrößern. Doch der Kulturkampf in Preußen machte den Aufschwung zunichte. Im Mai 1875 wurde das Ordensgesetz verabschiedet, das besagte, dass alle Orden, die keine Krankenpflege betrieben, von preußischem Boden verwiesen wurden. Somit mussten auch die Franziskaner ihr Kloster Frauenberg aufgeben. Am 20. Oktober mussten die Brüder unter Polizeiaufsicht den Berg verlassen. Die Kirche und das Kloster wurden verschlossen. Vier Jahre später bot der preußische Staat der Stadt Fulda den Frauenberg für 20.000 Mark zum Kauf an und die Stadt willigte ein. Sogleich öffnete man wieder die Pforten der Kirche und des Klosters, und 1884 kamen die ersten vier Franziskanerbrüder ins Kloster zurück. Doch erst 1887 durften sie wieder als Ordensgemeinschaft im Kloster leben.

Nationalsozialismus und Nachkriegszeit