mini|hochkant|Mary Ward (1621) Maria Ward (, * 23. Januar 1585 in Mulwith bei Newby, Yorkshire; † 30. Januar 1645 in York) war eine englische Adelige und Ordensschwester in der römisch-katholischen Kirche. Ward versuchte, einen Frauenorden ohne kirchliche Klausurvorschriften in Anlehnung an Jesuiten zu gründen. Schwerpunkt ihrer Arbeit war Bildung für Mädchen, allerdings erhielt sie zu Lebzeiten keine päpstliche Bestätigung. Zeitgenössisch wurden die Einrichtungen Institute der Englischen Fräulein genannt, heute Congregatio Jesu. Maria Ward erhielt 2009 den Ehrentitel „Ehrwürdige Dienerin Gottes“.
Leben und Werk Maria Ward war Tochter des Landedelmannes Marmaduke Ward und dessen Frau Ursula, ebenso aus adliger Familie. Sie wuchs im elisabethanischen England zur Zeit der Katholikenverfolgung mit dem Mädchen-Vornamen Johanna auf. Den Namen Maria nahm sie zu ihrer späten Firmung in Saint-Omer in den Französisch sprechenden spanischen Niederlanden an.Sie unterzeichnete „ihre englischen Briefe mit ‚Marie Ward‘, ihre lateinischen oder italienischen mit Maria della Guardia.“ In: M. Immolata Wetter: Mary Ward. Hrsg.: P. Gerhard Eberts. Reihe Große Gestalten des Glaubens. Weltbild, Paul Pattloch Verlag, Aschaffenburg 1985, S. 7.
Historischer Hintergrund Im Jahr 1587 ließ Königin Elisabeth I. von England ihre schottische Nichte zweiten Grades, die katholische Maria Stuart, hinrichten, durch die sie ihre Herrschaft bedroht sah. In ihrer Regierungszeit wurden zahlreiche katholische Priester hingerichtet und die Teilnahme an der Heiligen Messe unter Strafe gestellt. Viele englische Katholiken, auch die Familie Ward, praktizierten ihren Glauben im Geheimen.
mini|Erstes Wort des Kindes: Iesus
Frühe Berufung In der traditionell katholischen und Notleidende unterstützenden Familie mit sechs Kindern und großem Gesinde zeigte Johanna/Maria schon als Kind starke intellektuelle und religiöse Anklänge. Ihr erstes Wort, das sie als Kleinkind sprach, soll der Überlieferung nach „Jesus“ gewesen sein. Sie selbst schrieb: „Mit vier Jahren konnte ich urteilen und die Dinge unterscheiden“. Mit fünf Jahren wurde sie in das Elternhaus ihrer Mutter gebracht und von der Großmutter erzogen, die wegen ihrer Glaubenstreue eine vierzehnjährige Kerkerhaft durchgemacht hatte. Dort lernte sie vermutlich „Lesen, Schreiben und die Anfänge der lateinischen Sprache.“ Als die Familie Ward 1597/1598 umzog, um einer neuen Verfolgungswelle auszuweichen, kam Maria zu einer Verwandten nach Harewell. Als junge Frau wies sie dort mehrere Heiratsanträge zurück. „Marmaduke Ward übte keinen Zwang auf seine Tochter aus.“ Sie schrieb, sie habe diese Werbungen „nicht aus irgendeinem Verlangen nach dem Klosterleben zurückgewiesen, auch aus keinem anderen Grund, sondern einzig, weil ich keine Neigung empfinden konnte.“
1601 kam Maria zu Verwandten, den Babthorpes, auf deren Gut „die Tagesordnung der eines Klosters (glich).“ Sie widerstand in den Jahren dort allen Argumenten zur eigenen Familiengründung, und in ihr war „die Überzeugung gewachsen, sie müsse […] in das strengste Kloster eintreten, ‚da sich eine Seele voll und ganz, nicht nur zum Teil Gott hingeben soll‘.“ Dies war nur in einem Orden auf dem Festland möglich, doch der Vater „verbot ihr, England ohne seine Erlaubnis zu verlassen.“ Einen letzten Heiratsantrag von Edward Neville, der großen Hoffnung der katholischen Partei, lehnte sie ab.
Historischer Hintergrund Mittlerweile war 1603, nach dem Tod Königin Elisabeths, der schottische König Jakob auf den englischen Thron gelangt. Der Sohn Maria Stuarts war protestantisch erzogen worden und enttäuschte die Hoffnungen englischer Katholiken auf eine Lockerung der gegen ihre Konfession gerichteten Gesetzgebung. So kam es 1605 zur sogenannten Pulververschwörung, bei der eine Gruppe fanatischer Katholiken unter der Führung von Guy Fawkes den König, seine Familie und das gesamte Parlament in die Luft sprengen wollte. Nach der Aufdeckung der Pläne kamen die Anführer auf ihrer Flucht ums Leben. Alle Katholiken wurden daraufhin zu einem antipäpstlichen Treueid gezwungen und von Staatsämtern ausgeschlossen.
mini|Der von Pater Holtby umgestoßene Kelch, 1605 Flucht aus England Auch Marmaduke Ward wurde der Beteiligung am Komplott verdächtigt, kam nach einem Verhör jedoch wieder frei. Er zog sich mit seiner Tochter in den Süden Londons, nach Holborn, zurück. Dort versuchte er nochmals, Maria von ihren Kloster-Plänen abzubringen und wollte dies auch mit deren Beichtvater, dem Jesuitenpater Holtby durchsetzen, was seine Tochter entsetzte. Doch des Paters Ungeschick, bei einer Messe, „nach der Wandlung den Kelch umzustoßen, bewirkte in ihm eine Sinnesänderung“ und auch der Vater unterstützte nun das Vorhaben „seiner Lieblingstochter“. Mit einem falschen Pass gelang es Maria, England zu verlassen.Zitate im Kapitel: M. Immolata Wetter: Mary Ward. Große Gestalten des Glaubens. Hrsg.: P. Gerhard Eberts. Paul Pattloch Verlag, Aschaffenburg 1985, ISBN 3-557-91316-3, S. 9–19.
Intermezzo im Klarissenkloster Von Dover-Calais kommend „ritt sie zu Pferd die 40 km nach Saint-Omer. […] Ihr erster Weg führte zum Englischen Seminar, um sich über die Klöster der Stadt zu erkundigen.“ Sie erschien nicht unerwartet und wurde zu den wallonischen Klarissen gebracht – jedoch nicht als Chorfrau, sondern als Laienschwester, was ihren Widerwillen erregte, den sie jedoch ihrem Stolz zuschrieb. Ihr Beichtvater sah jedoch bald ein, dass er sie falsch beraten hatte und bei einem Besuch des Ordensvisitators am 12. März 1607 erkannte auch dieser, dass sie „für diese Lebensweise nicht geeignet (sei)“.
Sie verließ das bestehende Kloster und vertrat ihren Plan der Gründung eines eigenen Klarissenklosters für Engländerinnen, in dem ebenfalls die Ordensregel der Klara von Assisi angewandt werden sollte. Sie setzte ihr Vermögen ein, erhielt ein Grundstück geschenkt, das gegen ein anderes in Gravelingen eingetauscht werden konnte, und organisierte dort den Hausbau, der als Grundlage des Vorhabens geplant war.
mini|hochkant|Isabella Clara Eugenia – Porträt von Peter Paul Rubens, 1609
Historischer Hintergrund Die Infanta Isabella Clara Eugenia war die Tochter des spanischen Königs Philipp II. von Habsburg und war mit Erzherzog Albrecht VII. von Österreich (Albert), der ebenfalls am Hof Philipps II. erzogen worden war, verlobt. Albert war 1595 zum Generalgouverneur der Niederlande ernannt worden. Das Paar erhielt als Brautschatz die katholischen spanischen Niederlande von der Krone.Das Gebiet erstreckte sich südlich von Rhein und Maas bis in das heutige Luxemburg und Belgien. De facto war zu diesem Zeitpunkt nur noch die südliche Hälfte der Niederlande unter der Kontrolle der Spanier, die nördliche Hälfte (siehe auch Achtzigjähriger Krieg), auch Generalstaaten genannt, war in der Hand der calvinistischen Niederländer und wurden von England unterstützt. Albrecht hatte 1609 einen zwölfjährigen Waffenstillstand mit den nördlichen Provinzen ausgehandelt und in dieser gesellschaftlichen Blütezeit bot sich auch Maria Ward ein von regionalen Kriegsereignissen unbelastetes Umfeld. Isabella wurde, nachdem die neue Kontur des Vorhabens deutlich war, auf lange Zeit bedeutende Förderin von Maria Ward.
Erste Gründung St. Omers Bischof Blaes stellte während des Baus des Hauses bereits Räume zur Verfügung, in der die fünf Engländerinnen des wallonischen Kloster mit einzogen und Marias Schwester Francis und sie selbst zu den Novizinnen zählten. Zur Äbtissin ernannte der Bischof am 28. Dezember 1608 Mary Stephen Goodge, die frühere Oberin Marias. Pater Roger Lee von der Gesellschaft Jesu gab den Schwestern und Kandidatinnen die Exerzitien […] Im Januar 1609 kam die Frage auf, ob die Gründerin des Konvents nicht gleich zur Profeß zugelassen sei?. […] Am 6. Februar 1609 (erhielt sie) mit den für den Chor bestimmten Anwärterinnen das Postulantinnenkleid.
mini|Erkenntnis, 1609 – (Gloria-Vision) / In London „Das Andere“ Während ihrer Befassung mit dem Konvent – im Mai 1609 – erlangte sie in einer meditativen Situation eine Erkenntnis.Die Verwendung des modernen Begriffs Meditation erlaubt die genaue Beschreibung des Vorgangs und ein Bildnis, das sie beim Kämmen ihres vollen, langen Haares vor einem Spiegel zeigt. In alter Auffassung: Vision, plötzlich Erleuchtung, Licht. Es wurde ihr klar, dass „das Andere“ die eigenständige Gründung einer Einrichtung nur für Frauen sein musste und nicht der Versuch, einen bestehenden Orden zu finden, der ihr einen gewissen Handlungsspielraum zubilligte. Den Zeitumständen gemäß konnte diese Gründung nur als klosterähnliche Einrichtung bestehen. Sie befasste sich fortan damit, welche Struktur, welche klösterliche Regel, ihrer Gründung am günstigsten sein könnte.
Die Erwartung einer weiteren Erkenntnis zur ‚anderen‘ Zielsetzung außerhalb der Zugehörigkeit zu einem angesehenen Orden, trieb sie in einen Konflikt um den Gehorsam gegenüber kirchlichen Autoritäten und ihrer Überzeugung, einem göttlichen Auftrag zu folgen, den sie in intensivem Gebet transformierte.
Auf Anraten ihres Beichtvaters, Pater Lee, begegnete sie dem Zwiespalt mit einer Rückkehr nach England als Karmelitin und somit als Mitglied eines Bettelordens, der sie als Aktivistin unverdächtig machte. Sie arbeitete in London im Dienste anderer Menschen und „hatte Zutritt zu allen möglichen Kreisen. […] Sie ging zu den Katholiken in die Gefängnisse, versorgte Kranken die Möglichkeit zum Empfang der Sakramente.“Zitate im Kapitel: Immolata Wetter: Mary Ward, 1985, S. 20 bis 24.
mini|Im Kreis der ersten Gefährtinnen / Überfahrt nach St. Omer 1610 Noch in England schlossen sich Maria fünf junge, adelige Gefährtinnen an: Winefrid Wigmore aus Herefordshire Susan Rookwood aus Suffolk Catherine Smith aus Leichestershire Jane Brown aus Sussex Mary Poyntz aus Gloucestershire
Bald darauf schlossen sich auch Barbara Ward, eine Schwester Marias, und Barbara Babthorpe an.
Rückkehr in die Niederlande Die gemeinsame Rückkehr aufs Festland Anfang 1610 hatte wiederum St. Omer in Flandern als Ziel. Dort war ihr Beichtvater Pater Lee und Maria rechnete auch auf Unterstützung durch Bischof und die Honorablen der Stadt und Provinz. Maria erwarb ein Haus in der Stadt, „schon im nächsten Jahr kaufte sie ein Nachbarhaus dazu und kurz darauf ein drittes. Sie bemühte sich auch um die Genehmigung des Bischofs Blaes, der Erzherzöge von Brüssel, des Magistrats von St. Omer.“
Englische Familien des Orts vertrauten ihnen schon am Anfang Mädchen zu Erziehung und Ausbildung an: „Die jungen Frauen führten ein hartes Bußleben, das an die Ordnung der Klarissen erinnerte.“ Doch schon bald sah Maria ein, dass diese Lebensform sich „auf die Dauer nicht mit den Anforderungen des Tages vereinen“ ließ. Im Oktober 1611 erkrankte Maria schwer, erholte sich aber wieder. Sie hatte „in einer Stunde der Gnade“ erkannt, wie ihr Orden zu gestalten sei:
Pater Lee „wollte aber von einem solch engen Anschluß an die Gesellschaft Jesu nichts hören. Er bemühte sich auch in den nächsten Jahren, den Eifer der Frauen für die integrale Übernahme der ignatianischen Ordensverfassung in bescheidenen Formen zu halten.“ Maria ließ sich auch gegen weiteren Widerstand nicht von ihrem Plan abhalten, „ein großangelegtes, zentral geleitetes Institut auf[zu]bauen, das nicht an die Klausur gebunden war, um besser, freier den Menschen dienen und helfen zu können.“ Maria widersprach niemandem, lebte und handelte aber „in der Gewißheit, Gottes Willen richtig verstanden zu haben.“
Formierung von Widerstand
Der Bischof Blaes von St. Omer trat für Maria ein und auch Pater Lee konnte sich ihrem Vorhaben „nicht frontal entgegensetzen, weil er überzeugt war, daß Gott sie führte.“ Im Jahr 1614 wurde P. Lee versetzt.
mini|Bernardine Weber schuf die Plastik der Institutsgründerin Maria Ward im Jahr 1957 Institutsplan