Die Adidas AG (Eigenschreibweise: adidas) ist ein international tätiger deutscher Sportartikelhersteller mit Sitz in Herzogenaurach bei Nürnberg.

Das Unternehmen bietet weltweit über eigene Ladengeschäfte und den Einzelhandel Bekleidung, Schuhe, Sportausrüstung, Accessoires sowie Lizenzprodukte wie Uhren, Kosmetik und Brillen an. Der Konzern ist gemessen am Umsatz der zweitgrößte Sportartikelhersteller der WeltFlorian Langenscheidt, Bernd Venohr (Hrsg.): Lexikon der deutschen Weltmarktführer: Die Königsklasse deutscher Unternehmen in Wort und Bild. Deutsche Standards Editionen, Köln 2010, ISBN 978-3-86936-221-2, S. 43. und gilt als bedeutender Ausstatter von berühmten Sportlern, Sportmannschaften und internationalen Sportveranstaltungen.

Geschichte

Anfangsjahre Zu Beginn der 1920er Jahre fertigten die Brüder Adolf und Rudolf Dassler in der alten Waschküche ihrer Mutter in Herzogenaurach Sportschuhe, die optimal an den Fuß der jeweiligen Profi-Sportler angepasst waren. 1924 erfolgte die Eintragung der Firma als Gebrüder Dassler Schuhfabrik in das örtliche Handelsregister. Allerdings kam es schon damals zwischen den Brüdern immer wieder zu Differenzen. Rudolf Dassler, der versierte Geschäftsmann, war der Extrovertiertere der beiden; Schuhmachermeister Adolf Dassler dagegen war eher introvertiert und handwerklich begabter.

Ab 1925 produzierten die Dasslers spezielle Sportschuhe jeweils für Fußballer und Läufer. Außerdem brachten sie an den Fußballschuhen erstmals Stollen an. Im Jahre 1928 kamen das erste Mal Dassler-Schuhe bei den Olympischen Spielen in Amsterdam, in der Leichtathletik, zum Einsatz. Eine der ersten international bekannten Sportlerinnen in Dassler-Schuhen war Lina Radke. Mitte der 1930er Jahre wurden mehrere verschiedene Sportschuhmodelle für unterschiedliche Sportarten hergestellt, darunter ab 1931 Tennisschuhe. Bei den Olympischen Spielen 1936 gewann Jesse Owens vier Goldmedaillen; er hatte in Dassler-Schuhen trainiert.

Adolf und Rudolf Dassler traten im Mai 1933 der NSDAP bei und waren später auch Mitglieder des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps.details="28" Adolf hielt zudem von 1935 bis Kriegsende als Sportwart einen Funktionärsposten in der Hitlerjugend inne. Während des Krieges unterhielt das Unternehmen die letzte noch laufende Sportschuhfabrik des Landes und belieferte vornehmlich die Wehrmacht mit Sport- und Spezialschuhen. Ab 1943 musste die Schuhproduktion eingestellt werden, stattdessen wurde an beiden Fabrikstandorten die Panzerabwehrwaffe Raketenpanzerbüchse 54 der Firma Schricker & Co. hergestellt. Zwischen 1942 und 1945 kamen in den Betrieben mindestens neun Zwangsarbeiter zum Einsatz.

Nach dem Krieg zerstritten sich Adolf Dassler und sein Bruder Rudolf endgültig und gingen getrennte Wege, nachdem bereits 1946 die Schuhproduktion wieder angelaufen war. Rudolf Dassler gründete 1948 die Firma Puma, die lange Zeit einer der schärfsten Konkurrenten bei Sportschuhen war. Beide Herzogenauracher Firmen stellen die gesamte Bandbreite an Sportschuhen für eine Vielzahl von Sportarten her. Ihre Rivalität wurde 2016 in dem Fernsehfilm Duell der Brüder – Die Geschichte von Adidas und Puma thematisiert.

Internationaler Aufstieg Die heutige Adidas AG wurde am 18. August 1949 durch Adolf Dassler als Adi Dassler adidas Sportschuhfabrik mit 47 Mitarbeitern gegründet. Noch am selben Tag ließ Dassler ein Schuhmodell patentieren und drei parallele Streifen als Marke eintragen. Beim Namen der Firma handelt es sich um ein Akronym, das sich aus Dasslers Spitznamen Adi und den ersten drei Buchstaben seines Nachnamens zusammensetzt.

Dasslers Fußballschuhe nutzte in den Nachkriegsjahren unter anderem die deutsche Fußballnationalmannschaft, deren Sieg bei der Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz – dem sogenannten Wunder von Bern – die Schuhe mit den drei Streifen und den innovativen Schraubstollen aus dem Hause Adidas schließlich weltbekannt machte.

In der Folge gab Dassler auf Bitten von Nationaltrainer Sepp Herberger bei der Süßener Firma Schwahn mit drei Streifen versehene Sporthosen und Sportanzüge exklusiv für die Fußballnationalmannschaft in Auftrag. Mit dem Aufkauf der Firma Schwahn und einer Zusammenarbeit mit Franz Beckenbauer als Markenbotschafter entstand 1967 mit einem nach dem Fußballspieler benannten Trainingsanzug das erste Bekleidungsstück aus dem Hause Adidas für den Endverbraucher.Sportanzug-Style für jede Randgruppe. In: fr.de, 20. Juni 2008 Seit 1963 produziert Adidas Fußbälle und rüstete seit 1970 jede FIFA Fußball-Weltmeisterschaft mit dem offiziellen Spielball aus. 1986 endete mit dem Azteca México aus Kunststoff die Produktion von Lederfußbällen, seither wird Synthetik-Material verwendet.

mini|Fußballer mit Adidas-Schuhen im WM-Finale 1974

1960 eröffnete Adolfs Sohn Horst Dassler in Dettwiller eine Adidas-Fabrik. Durch den Zukauf mehrerer anderer elsässischer Fabriken entstand unter seiner Leitung im Lauf der Jahre Adidas France. 1973 wurde deren Sitz in Landersheim etabliert, 2018 erfolgte der Umzug nach Straßburg. Seit 1994 gibt es im Elsass keine Adidas-Produktionsstätten mehr. 1966 erfolgte im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft 1966 von Frankreich aus eine Zusammenarbeit von Adidas mit der Marke Le Coq Sportif, womit der Einzug in die Textilbranche für Adidas eingeläutet wurde. Weil Le Coq Sportif nach einem Gerichtsbeschluss in Frankreich das Recht auf die Nutzung von drei parallelen Streifen hatte, kaufte Adidas das Unternehmen 1974 auf. Es wurde 1995 abgestoßen.

Die 1972 eingeführte Badesandale adidas adilette Slipper ist bis heute erhältlich. 1965 wurde von Adidas für den französischen Tennisspieler Robert Haillet (1931–2011) ein Tennisschuh aus Leder geschaffen; zuvor hatte man hauptsächlich in Canvas-Schuhen Tennis gespielt. Damit etablierte sich Adidas in der Welt des Tennissports. Nach Haillets Rückzug aus dem Profisport wurde das Schuhmodell ab 1971 leicht modifiziert als Adidas Stan Smith weitergeführt. 1972 nahm Adidas Ilie Năstase für 50.000 Dollar unter Vertrag.

Mit dem Adidas Superstar aus Leder, der 1969 für amerikanische Basketballspieler entwickelt wurde, die zuvor vornehmlich mit Textilschuhen der Marke Chuck Taylor All Star gespielt hatten, hielt Adidas Einzug im Basketballsport. Gleichzeitig trugen die amerikanischen Kunden die Sportschuhe vermehrt auch in ihrer Freizeit, was den Absatz weiter beflügelte.

Weil Adi Dassler die Idee seines Sohnes Horst, in den Bademoden-Markt einzusteigen, unterband, gründete letzterer 1972 über Adidas France die Marke Arena. Arena wurde 1990 verkauft. Horst Dassler hatte Adidas France zuvor zudem die Produktions- und Distributionsrechte für Façonnable gesichert und baute somit ein Textilunternehmen mit Adidas-Bekleidung in Frankreich auf, wohingegen sein Vater dem Thema Adidas-Textilien und insbesondere -Freizeitmode immer noch skeptisch gegenüberstand. Für die Olympischen Sommerspiele 1972 ließ er auf Drängen seiner Frau Käthe allerdings ein Logo entwerfen, das als Dreiblatt/Trefoil bekannt wurde, womit eine Reihe von Bekleidungsartikeln verziert wurden. Das Dreiblatt-Logo wurde als offizielles Unternehmenslogo übernommen und später für alle Bekleidungsprodukte verwendet. Bald machte das Textilgeschäft 40 % der Adidas-Einnahmen aus. Seit 1974 produziert Adidas auch Tennisschläger. 1976 wurde der Trikot-Hersteller Erima aufgekauft. Das Adidas-Sortiment wurde in den Folgejahren stetig erweitert; so kamen Artikel für den Wintersport und den Bergsport hinzu.

Für die Fußball-WM 1974 hatte der nationale Fußballverband der Niederlande KNVB einen Vertrag mit Adidas abgeschlossen. Die Nationalmannschaft spielte in orangefarbenen Trikots, auf den Ärmeln die drei Streifen, das Kennzeichen von Adidas. Johan Cruyff, der Kapitän und Star der Mannschaft, hatte zu dem Zeitpunkt jedoch einen Exklusiv-Vertrag mit dem Rivalen Puma. Puma stattete ihn mit Puma King Boots aus. Cruyff weigerte sich, in einem Adidas-Outfit zu spielen. Daraufhin beauftragte Adidas Erima, eine Sonderanfertigung des niederländischen Trikots herzustellen. Diese Version zierten nur zwei Streifen. Cruyffs Mannschaftskollegen, die Kerkhof-Zwillinge, die ebenfalls einen Vertrag mit Puma abgeschlossen hatten, schlossen sich der Idee Cruyffs an. So wurde das Trikot mit den zwei Streifen bei den Weltmeisterschaften 1974 und 1978 getragen.

mini|Run-D.M.C. machte Adidas-Produkte in den 1980er Jahren zu ihrem Markenzeichen.

Als Adolf Dassler 1978 verstarb, wurde das Unternehmen, das mittlerweile Weltmarktführer für Sportartikel war, von seiner Familie weitergeführt. Seine Frau Käthe übernahm die Geschäftsführung bis zu ihrem Tod 1984.Käthe Dassler. In: spiegel.de, 7. Januar 1985 Auf sie folgte ihr Sohn Horst, der den Bereich Lifestyle ausbaute und Adidas-Sneakers im Freizeitmodesegment etablierte. Durch zahlreiche Marketing- und Sponsoring-Aktivitäten baute er die Marke Adidas auf dem Weltmarkt aus.Dassler will alles kontrollieren. spiegel.de, 2. Juni 1986 Damals produzierte das Unternehmen etwa 280.000 Paar Sportschuhe täglich, die 60 % des Umsatzes ausmachten und beschäftigte ca. 10.500 Mitarbeiter, davon fast 4.500 in West-Deutschland.Das Reich im Zeichen der drei Streifen. In: spiegel.de, 2. Juni 1986 Der Umsatz betrug mehr als drei Milliarden D-Mark Umsatz plus über eine Milliarde D-Mark aus Lizenzprodukten. 1985 wurde erstmals ein Herrenparfüm samt Kosmetiklinie von Adidas in Zusammenarbeit mit Margaret Astor (heute mit Coty Inc.) aufgelegt; 1988 folgte ein Damenduft. Seither sind zahlreiche Adidas-Duftwässer erschienen.

Verkauf und Börsengang Obgleich die Produktion zunehmend in Niedriglohnländer verlagert wurde, kam Adidas Mitte der 1980er Jahre in eine wirtschaftliche Schieflage; das Familienunternehmen musste für familienfremde Investoren geöffnet werden. 1987 starb Horst Dassler überraschend. Das Unternehmen erbten seine vier Schwestern. Der Rechtsanwalt Albert Henkel übernahm vorübergehend die Geschäftsleitung, bevor er diese an René C. Jäggi abgab. 1989 verlor Adidas die Weltmarktführerschaft an Nike.Andreas Haslauer: auf focus.de, 14. Oktober 2004. Abgerufen am 27. Juli 2024. Adidas hatte unter anderem die Nachfrage nach Jogging- und Running-Artikeln unterschätzt. Im April 1989 erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Im Geschäftsjahr 1989 verzeichnete Adidas einen Jahresverlust von ca. 130 Millionen D-Mark.

Am 7. Juli 1990 verkauften die vier Dassler-Töchter 80 % ihrer Anteile an den französischen Unternehmer Bernard Tapie für 1,6 Milliarden französische Francs,Jacques Neher: Pentland Breaks Deal to Buy Adidas. In: International Herald Tribune, 16. Oktober 1992. damals etwa 470 Millionen DM., AFP-Meldung vom 8. Juni 2005. Abgerufen am 27. Juli 2024. Tapie verkaufte im folgenden Jahr 20 % seiner Anteile an die britische Pentland Group, die wiederum 1992 zunächst ein Übernahmeangebot für Adidas machte, dieses nach Wirtschaftsprüferberichten im Sommer 1992 zurückzog und den 20-Prozent-Anteil schließlich Ende 1992 an Tapie zurückverkaufte.Auf Pump gegründet. spiegel.de, 19. August 1991.Pentland sells Adidas holding back to Tapie. independent.co.uk, 1. Dezember 1992.Adidas: Trost für die Briten. In: spiegel.de, 19. Oktober 1992.Das Geschäft seines Lebens. spiegel.de, 13. Juli 1992. Ende 1992 beauftragte Tapie, der ab 1992 französischer Städte-Minister (Ministre de la Ville) im Kabinett Pierre Bérégovoy war, seine Hausbank Crédit Lyonnais, seine Adidas-Anteile für umgerechnet fast 320 Millionen Euro zu verkaufen. Die staatliche Bank übernahm die Anteile über Tochterfirmen selbst und verkaufte sie 1994 für mehr als das Doppelte (rund 671 Millionen Euro) an den französischen Unternehmer Robert Louis-Dreyfus.Muss Tapie 400 Millionen Euro zurückzahlen? In: welt.de, 17. Februar 2015.html Daraus entstand in Frankreich ein Skandal, der die dortigen Gerichte bis 2017 beschäftigte.Tapie muss 404 Millionen Euro zurückzahlen. In: n-tv.de, 18. Mai 2017