mini|hochkant=1.3|Residenzschloss Dresden
Das Residenzschloss Dresden ist die ehemalige Hauptresidenz der Kurfürsten und Könige von Sachsen in der Altstadt von Dresden. Die Vierflügelanlage wurde 1548 durch Kurfürst Moritz von Caspar Vogt von Wierandt im Renaissancestil begonnen und 1901 durch König Albert von Gustav Dunger und Gustav Frölich im Neurenaissancestil vollendet.Dehio, S. 65–66. Nach der Zerstörung 1945 wird das Residenzschloss seit 1986 für die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden wiederaufgebaut und ist inzwischen eines der meistbesuchten Museen der Stadt. Hervorzuheben sind das Grüne Gewölbe, das Kupferstich-Kabinett, das Münzkabinett, die Rüstkammer und die Paraderäume Augusts des Starken.Pressemitteilung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden vom 28. Februar 2024
Geschichte Gründung und Ausbau mini|Ansicht des Residenzschlosses im 14. Jahrhundert
Um 1220/30 errichtete der Burggraf von Dohna auf dem Gelände des heutigen großen Schlosshofes eine Burg. Im Bereich der Schloßstraße standen im 12. Jahrhundert erbaute einfache Wohnhäuser, die 1220 bei einem Großbrand zerstört wurden. Im Jahre 1289 erfolgte eine erstmalige urkundliche Erwähnung der Burganlage als Castrum; der Innenhof der damaligen Burg maß 38 mal 36 Meter.Dirk Syndram, Peter Ufer: Die Rückkehr des Dresdner Schlosses. edition Sächsische Zeitung, Dresden 2006, ISBN 3-938325-28-3, S. 12–23.
Um 1400 begann der Ausbau der Burg unter Wilhelm dem Einäugigen zu einer fürstlichen Residenz. Damals wurden die unteren Teile des Hausmannsturms sowie der östlich damit verbundene zweigeschossige Palas von Grund auf errichtet. Vermutlich wurde das Erdgeschoss des Palas durch eine Hofstube und das Obergeschoss durch ein herrschaftliches Wohnappartement eingenommen.Norbert Oelsner: Zur Typologie der Dresdner Burganlage bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts. In: Landesamt für Denkmalpflege Sachsen (Hrsg.): Das Residenzschloss zu Dresden. Band 1: Von der mittelalterlichen Burg zur Schlossanlage der Spätgotik und Frührenaissance. Petersberg 2013, S. 175–188. Hierdurch verlagerte sich der Schwerpunkt der Burganlage vom Süden mit der im 13. Jahrhundert errichteten Kemenate auf die Nordseite des annähernd quadratischen Burghofes.
Von 1468 bis 1480 wurde die Anlage zu einer geschlossenen Vierflügelanlage erweitert, die in einem um 1530 entstandenen und seit 1945 verschollenen Holzmodell dokumentiert war. Dabei wurde der zweigeschossige Palas von 1400 im Norden um ein Geschoss für die Räume des Frauenzimmers aufgestockt und in einer östlichen Erweiterung das Appartement des Kurfürsten untergebracht. Im Westen entstand damals der Flügel mit Schlosskapelle und Küchenbereich. Im Osten entstand ein neuer dreigeschossiger Flügel, vermutlich mit Hofstube und Küche im Erdgeschoss, Wohnbereichen im ersten Obergeschoss und einem großen Festsaal im zweiten Obergeschoss. Erschlossen wurde die Anlage durch ein aufwändiges Torhaus im Süden, dass um 1472 durch den Hofbaumeister Arnold von Westfalen errichtet wurde.Norbert Oelsner: Die Errichtung der spätgotischen Schlossanlage (1468 bis 1480) und ihre weitere Entwicklung bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Bauaufgabe – Strukturen – Befunde. In: Landesamt für Denkmalpflege Sachsen (Hrsg.): Das Residenzschloss zu Dresden. Band 1: Von der mittelalterlichen Burg zur Schlossanlage der Spätgotik und Frührenaissance. Petersberg 2013, S. 189–231.
Der am Schlossplatz liegende Georgenbau mit dem Georgentor wurde unter Herzog Georg 1530–1535 erbaut. Der später weitgehend veränderte und nur noch in Fragmenten erhaltene Bau gehörte zu den bedeutendsten Bauten der Architektur der Renaissance in Deutschland. Von großer Bedeutung war auch sein figürlicher Bauschmuck, der in der Werkstatt des Bildhauers Christoph Walther I angefertigt wurde. Herzog Georg ließ das alte stark befestigte Elbtor am linkselbischen Aufgang zur Brücke durch einen fast 30 Meter hohen Wohnbau ersetzen. Dabei wurden Teile des mittelalterlichen Elbtores, des damaligen Stadtausgangs zur Elbbrücke, integriert. Unter dem Georgentor hat sich ein Bogen der alten Elbbrücke erhalten.
Die heutige äußere Gestalt des Georgenbaus geht auf einen Umbau im Jahr 1899 zurück. Die Neorenaissance-Fassade mit hohem Schaugiebel verbindet die Nordostecke des Schlosses mit dem auf der anderen Seite der Schloßstraße gelegenen, 1565–1567 errichteten Kanzleihaus. Diese Fassade und die integrierte Triumphpforte empfingen den Besucher bei seinem elbseitigen Eintritt in die Stadt Dresden.
Kurfürstliches Schloss mini|Ansicht des Residenzschlosses im 16. Jahrhundert mini|Großer Schlosshof mit Fresken (2021)
In den Jahren 1548–1556 wurde der Schlosshof nach Westen auf die doppelte Größe gebracht.Landesamt für Denkmalpflege Sachsen (Hg.): Das Residenzschloss zu Dresden, Bd. 2, Die Schlossanlage der Renaissance und ihre frühbarocken Um- und Ausgestaltungen. Petersberg 2019. Unter Verwendung der älteren Bauteile im Osten entstand mit dem neuen Flügel auf der Westseite, den drei Treppentürmen in den Hofecken und dem Altan mit Säulenarkaden vor dem Hausmannsturm ein prachtvolles Schloss der Renaissance, das auf die Erwerbung der Kurwürde durch Moritz von Sachsen reagierte. Ihn nennt im Großen Schlosshof das umlaufende Fassaden-Schriftband mit der Inschrift MAURITIUS / DEI GRATIA DUX SAXONIÆ SACRI ROMANI IMPERII / ARCHI=MARSCHALCUS ET ELECTOR LANDGRAVIUS / THURINGÆ MARCHIO MISNIÆ BURGGRAVIUS / MAGDEBURGENSIS – Moritz, durch Gottes Gnade Herzog von Sachsen, des Heiligen Römischen Reiches Erzmarschall und Kurfürst, Landgraf von Thüringen, Markgraf von Meißen, Burggraf von Magdeburg.Peter Witzmann, Inscriptiones Latinae Dresdenses, Dresdens redende Steine, Dresden 2019, S. 62f. Für den Umbau wurden auch renommierte Künstler von außerhalb an den Hof geholt, so die Gebrüder Gabriel und Benedetto Tola, die die Fassaden mit Szenen aus Bibel und römischer Geschichte mittels Sgraffitotechnik verzierten und in der Loggia die farbigen Fresken mit den Szenen der Königin von Saba bei König Salomon und der Drei Weisen aus dem Morgenland schufen (heute rekonstruiert).Angelica Dülberg: Der Große Schlosshof. Stil, Ikonografie und Ikonologie seines plastischen und malerischen Schmucks, in: Landesamt für Denkmalpflege Sachsen (Hg.): Das Residenzschloss zu Dresden, Bd. 2, Die Schlossanlage der Renaissance und ihre frühbarocken Um- und Ausgestaltungen. Petersberg 2019, S. 205–260. Moritz’ Bruder und Nachfolger Kurfürst August, der von 1553 bis 1586 regierte, vollendete den Bau, der zu einem Hauptwerk der Sächsischen Renaissance wurde.
Einige Jahrzehnte später, 1586–1591, wurde als Erweiterung des Schlosskomplexes nach Osten das Stallgebäude errichtet und der Stallhof unter Kurfürst Christian I. angelegt.Esther Münzberg: Aula enim Principis non equorum videbatur. Der neue Stall- und Harnischkammerbau in Dresden 1586. In: Sybille Ebert-Schifferer, Elisabeth Kieven (Hrsg.): Scambio culturale con il nemico religioso. Italia e Sassonia attorno al 1600. (Atti della giornata internazionale di studi nell’ambito della serie di incontri „Roma e il nord“, percorsi e forme dello scambio artistico, 4 – 5 aprile 2005, Roma, Bibliotheca Hertziana). Mailand 2007, S. 143–151. (Onlineversion auf ART-Dok der UB Heidelberg). Esther Hoppe-Münzberg: Das Kurfürstliche Stall- und Harnischkammergebäude mit Langem Gang und Stallhof - eine neue Bauaufgabe im Komplex des Dresdner Residenzschlosses, in: Landesamt für Denkmalpflege Sachsen (Hg.): Das Residenzschloss zu Dresden, Bd. 2, Die Schlossanlage der Renaissance und ihre frühbarocken Um- und Ausgestaltungen. Petersberg 2019, S. 397–419. Beinahe zeitgleich dazu entstand 1589–1594 der kleine Schlosshof auf der Südseite mit einem zweigeschossigen Torhaus nach Osten zur Schloßstraße hin nach Plänen des Architekten Paul Buchner.
Der Hausmannsturm wurde ursprünglich um 1400 als neuer Hauptturm der Burg errichtet. In den Jahren 1674–1676 wurde er von dem Architekten Wolf Caspar von Klengel mit einer komplizierten Dachlandschaft aufgestockt und in seiner heutigen Form vollendet. Er war mit seinen 100,27 Metern Höhe bis 1945 der höchste Turm Dresdens. Dieser nordwestliche Eckturm des Schlosses, der 1991 seine im Zweiten Weltkrieg verlorene Spitze zurückbekommen hat, ist eines der markantesten Bauwerke Dresdens. Von der Aussichtsplattform in 38,62 Meter Höhe ist ein weiter Blick über Dresden möglich.
Ein Schlossbrand 1701 zerstörte unter anderem den Georgenbau, den Ostflügel mit Riesensaal und den Schössereiturm, die man 1717–1719 wieder aufbaute. Die Innenräume im zweiten Obergeschoss wurden dabei barock gestaltet, unter anderem das Audienzgemach, das Schlafzimmer Augusts des Starken, das Turmzimmer und das Porzellanzimmer. Ein Zwischenflügel beherbergte die Gemäldegalerie Alte Meister. Die Bauleitung hatte der Ingenieuroffizier Johann Georg Maximilian von Fürstenhoff, ein illegitimer Halbbruder des Königs. Louis de Silvestre gestaltete im Jahre 1715 das Deckengemälde im Schlafzimmer König Augusts des Starken und 1719 dasjenige im Thronsaal.
Zwischen 1723 und 1729 wurde im Erdgeschoss des Westflügels ein aus neun Räumen bestehender prunkvoller Sammlungsbereich eingerichtet, der den Namen Grünes Gewölbe erhielt. Bis 1725 wurden der Pretiosensaal im Norden und das anschließende Eck-Kabinett in ihren heutigen Formen unter Einbeziehung der Gewölbearchitektur und des Stucks der Renaissancezeit geschaffen. 1727 veranlasste August eine Erweiterung des ursprünglichen Grünen Gewölbes mit Wanddurchbrüchen nach Süden um weitere Räume. Die Architektur der Schatzkammern gestaltete Matthäus Daniel Pöppelmann in Verbindung mit Raymond Leplat.Dirk Syndram, Jutta Kappel, Ulrike Weinhold: Die barocke Schatzkammer. Das Grüne Gewölbe zu Dresden. München / Berlin 2006.
1737 kam es zur Auflösung der lutherischen Schlosskapelle, die erst in den letzten Jahren teilweise rekonstruiert wurde. Auf dem Schlossturm wurde 1775 der erste Blitzableiter Dresdens angebracht.
Das Turmgeläut besteht aus drei Bronzeglocken, welche als Schlagglocken fungieren. Im Folgenden eine Datenübersicht des Geläutes: Nr. Gussdatum Gießer Durchmesser Masse Schlagton 1 1857 Glockengießerei E.F. Gruhl 1253 mm 1150 kg es′ 2 1857 Glockengießerei E.F. Gruhl 826 mm 330 kg b′ 3 1857 Glockengießerei E.F. Gruhl 608 mm 125 kg es″
Königliches Schloss mini|Ansicht des Residenzschlosses im 20. Jahrhundert
In den Jahren 1889–1901 nahm man anlässlich der 800-Jahr-Feier des Hauses Wettin einen großen Schlossumbau durch Gustav Frölich und Gustav Dunger mit Errichtung eines neuen südlichen Schlossflügels und einheitlicher Fassadengestaltung im Neorenaissancestil vor. 1899 wurde ein hölzerner Übergang zwischen Schloss und Katholischer Hofkirche fertiggestellt, im Volksmund „Seufzerbrücke“ genannt (nach dem Ponte dei Sospiri, der den Dogenpalast in Venedig mit dem auf der anderen Kanalseite gelegenen Gefängnis verbindet), weil sie das Bild der zwei Bauwerke nicht gerade positiv beeinflusste. Die Straße darunter trug lange Zeit keinen Namen und wurde erst im März 2007 nach dem Architekten der Hofkirche als Chiaverigasse benannt.
1899 bis 1900 wurde auch ein Fernheiz- und Elektrizitätswerk in direkter Nachbarschaft der Semperoper errichtet, das sowohl das Schloss als auch die Oper und das neu errichtete Polizeipräsidium beheizte. Mit Rücksicht auf die umgebende Bausubstanz und den „Canaletto-Blick“ der Stadtsilhouette erbaute man den Industriebau in Elbsandstein und gestaltete den Kamin als Aussichtsturm.