kreuz.net war eine deutschsprachige, katholisch-traditionalistische und rechtskatholische WebsiteSonja Angelika Strube: Rechtskatholizismus und die Neuen Rechte bei der Hanns-Seidel-Stiftung in Das Kreuz mit der Neuen Rechten? Seiten 14–25 mit religions- und kirchenbezogenen Texten. Sie verbreitete auch rechtsextreme, antisemitische, frauenfeindliche, homophobe, diffamierende, rassistische und islamfeindlicheWolfgang Benz: Vom Vorurteil zur Gewalt. Herder Verlag 2020, Seite 358. ISBN 978-3-451-82121-9 Inhalte. Die Website existierte von 2004 bis Dezember 2012, die Domain war am 14. Mai 2002 registriert worden.Who-is-Auskunft: kreuz.net, Abruf am 20. Mai 2014 Die anonymen Betreiber behaupteten, hauptamtliche Mitarbeiter der römisch-katholischen Kirche zu sein.
Alle deutschsprachigen Bischofskonferenzen, die Redaktion von Radio Vatikan (als offizielles Medium des Heiligen Stuhls) und mehrere deutschsprachige Bistümer distanzierten sich von kreuz.net. Gegen bekannt gewordene kirchliche Mitarbeiter und Priester, die für kreuz.net schrieben, erfolgten jedoch in dieser Sache keine kirchlichen Sanktionen.
Die Website wurde durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien in Deutschland indiziert. Das Portal wurde von Verfassungsschutzbehörden in Deutschland und Österreich beobachtet, die Staatsanwaltschaft Berlin hat 2012 Ermittlungen wegen des Verdachts der Volksverhetzung aufgenommen. Im Dezember 2012 wurde kreuz.net abgeschaltet; der Rechner wurde im August 2013 von der österreichischen Polizei beschlagnahmt.
Konzept Die Website war seit Oktober 2004 in Betrieb und veröffentlichte namentlich oder anonym eingereichte sowie eigene Beiträge. Die Redaktion von kreuz.net veröffentlichte im redaktionellen Teil täglich mehrere Artikel, die von registrierten Benutzern kommentiert werden konnten, darunter zunächst für jeden Tag die so genannten kreuzmeldungen, in denen Meldungen aus aller Welt zusammengefasst wurden, sowie Artikel in Kommentarform. Die Redaktion von kreuz.net beeinflusste dabei den Verlauf der Leserdiskussionen durch Löschung kritischer Leserkommentare.Jonas Nonnenmann: Gottes Vorschlaghammer, Berliner Zeitung, 28. September 2011 Bis Juli 2011 konnten die Benutzer in einem inzwischen gelöschten, als Leserzeitung bezeichneten Bereich eigene Beiträge erstellen, die teilweise in den redaktionellen Teil übernommen wurden.Abrufe von kreuz.net am 30. und 31. Oktober 2010 sowie vom 29. Juli 2011
Thematik kreuz.net bot nach Ansicht von Michael Sontheimer und Peter Wensierski in einem Beitrag im Magazin Spiegel Online „Eiferern“ ein Podium für die Verbreitung „rechtsextremer, vorgeblich katholischer Positionen“.Michael Sontheimer, Peter Wensierski: Zur Rechten Gottes. Spiegel Online, 16. Februar 2009 Themenkomplexe waren unter anderem: Ablehnung von Schwangerschaftsabbruch und der Sterbehilfe, der Homosexualität und des Zweiten Vatikanischen Konzils, katholischer Traditionalismus, Berichte über und Werbung für Kirchenmusik,, Frankfurter Rundschau, 23. November 2012 Privatoffenbarungen und Neue Geistliche Gemeinschaften, Kreationismus, IslamfeindlichkeitKreuz.net steht in der Kritik, n-tv, 21. November 2012 sowie Verbreitung von Antisemitismus und Holocaustleugnung. Die dabei verwendete aggressive Ausdrucksweise wurde von der Frankfurter Allgemeine Zeitung als „Hetzvokabular des Stürmers“ bezeichnet. Dazu wurden in bestimmten Themenbereichen gerne – meist pejorative – neologistische Eigenkreationen verwendet. Der Historiker und Publizist Volker Weiß und der Zentralrat der Juden in Deutschland stufen kreuz.net als Hass-Website ein.Volker Weiß: Rechter Bruder der Dschihadisten. In: Spiegel Online, 28. Juli 2011Tobias Kühn: Hass im Namen des Glaubens, Jüdische Allgemeine, 5. April 2012
Betreibergemeinschaft „Sodalicium for Religion and Information“ Das Impressum verwies auf eine Adresse in den Vereinigten Staaten: Sodalicium for Religion and Information („Vereinigung für Religion und Information“), 1018 E. Mariposa Ave, El Segundo, CA 90245-3114 U.S.A. Bis Dezember 2004 wurde im Impressum noch „Prof. P. G. Ferocior“ (lat. ferocior, Komparativ von ferox, -cis, bei de.pons.eu bedeutet „wilder“ oder „gewalttätiger“ bzw. „grimmiger“) als Verantwortlicher genannt; ob es sich dabei um ein Pseudonym handelte, ist unbekannt. In jüngeren Aufzeichnungen der Seite (seit Februar 2005) war dieser Name nicht mehr enthalten. bei archive.org, Stand vom 4. Dezember 2004; zum Vergleich vom 19. Februar 2005
Die Betreiber von kreuz.net waren bis zu einer Durchsuchung im August 2013 in der Öffentlichkeit nicht als solche bekannt. Sie bezeichneten sich selbst als „Initiative einer internationalen privaten Gruppe von Katholiken in Europa und Übersee, die hauptberuflich im kirchlichen Dienst tätig sind. Kreuz.net akzeptiert ohne Namen eingereichte Informationen und betrachtet es als Ehrensache, die strikte Anonymität seiner Informanten zu wahren.“Selbstaussage im Impressum von kreuz.net: vom 23. Februar 2012 Als letzte Anschrift des „Sodalicium for Religion and Information“ wurde im Whois eine Adresse in Panama-Stadt genannt.
Autoren Auf kreuz.net erschienen Beiträge des inzwischen verstorbenen, als „Pornojäger“ bekannten Aktivisten Martin Humer, seines Nachfolgers Klaus Günter Annen, Europäische Bürgerinitiativen zum Schutze des Lebens und der Menschenwürde, Abruf am 23. Februar 2022 des Vorsitzenden der rechtsextremen Parteien und Vereine Pro Köln, Pro NRW und des Dachverbandes Pro-Bewegung Markus Beisicht, der Kölner Stadträtin Regina Wilden (Pro Köln), des Politikers Ewald Stadler (FPÖ), des Publizisten Mathias von Gersdorff, kreuz.net vom 23. August 2006, im Internet Archive des Bundesobmanns der österreichischen Partei CPÖ Alfons Adam, des wegen Volksverhetzung verurteilten Erlanger Holocaustleugners Johannes Lerle,Gebhard Schultz: kreuz.net - rechtsextreme Katholiken im Internet, Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung, 25. März 2009kreuz.net/article.5860.htmlkreuz.net/article.3968.htmlUrteil des Landgerichts Nürnberg-Fürth (PDF; 72 kB) Az 11 Ns 404 Js 45504/2006 in Verbindung mit kreuz.net/article.7724.htmlkreuz.net/article.7467.html des Ökonomen Friedrich Romig,Peter Wensierski: Neue Heimat Der Spiegel, 10. Dezember 2012 des dem Engelwerk angehörenden Weihbischofs Athanasius Schneider ORC, kreuz.net vom 4. Mai 2006, archiviert von archive.org, unter Autorenlizenz CC-BY-NC-SA des ehemaligen Jesuiten Andreas Hönisch SJM (Gründer der Katholischen Pfadfinderschaft Europas), kreuz.net vom 10. Januar 2005 sowie des von kreuz.net als „Heldenbischof“ bezeichneten HolocaustleugnersLängre intervju med Williamson Richard Williamson aus London.Williamson schrieb in kreuz.net-Artikel 16100
Auch antisemitische Reden des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, antiamerikanische Reden des libyschen Präsidenten Muammar al-Gaddafi, Texte der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Christa Meves und Artikel von Christian Bärthel, Aktivist einer selbsternannten „Kommissarischen Reichsregierung“, wurden als Beiträge veröffentlicht.kreuz.net/article.9050.htmlkreuz.net/article.6469.htmlkreuz.net-Artikel Nr. 13703 und 13792, abgerufen am 1. September 2011 Die meisten Texte waren nicht namentlich gekennzeichnet. Gelegentlich erschienen Artikel verstorbener Personen wie Charles de Foucauld und Edgar Julius Jung, aber auch Joseph Goebbels und Heinrich Himmler.So im Fall der Artikel Nr. 12740, 12702, 11249 und 8493 Einzelne Artikel erschienen unter Decknamen, darunter der des judenfeindlichen Dompredigers Balthasar Hubmaier aus dem 16. Jahrhundert., Wochenblatt Regensburg, 28. November 2012
Nach Informationen von Spiegel Online „sind oder waren (…) mindestens zwei Dutzend Autoren mit kirchlichem Hintergrund auf dem katholischen, teils als verfassungsfeindlich eingestuften Nachrichtenportal aktiv, darunter Priester, Kirchenangestellte und mindestens ein Religionslehrer“.Katholische Kirchenmitarbeiter publizieren auf kreuz.net, Spiegel Online, 28. Oktober 2012, abgerufen am 30. Oktober 2012 Auf kreuz.net fanden sich Texte des Theologen Georg May aus dem Bistum Mainz, des im Bistum Limburg tätigen Religionslehrers Hubert Hecker und des Priesters Hendrick Jolie, eines Sprechers des Netzwerkes katholischer Priester. Rudolf Neumaier und Frederik Obermaier weisen in der Süddeutschen Zeitung unter anderem darauf hin, dass „kirchenpolitisch und liturgisch“ die Ziele von kreuz.net und des Netzwerkes identisch seien und bis 2009 auf der Webseite des Netzwerkes ein kreuz.net-Liveticker geschaltet war.Rudolf Neumaier, Frederik Obermaier: Im Namen des Herrn, Süddeutsche Zeitung, 17. November 2012 May gab an, die Veröffentlichung eines in den 1990er Jahren von ihm verfassten Textes sei ohne sein Wissen und ohne seinen Willen erfolgt; er habe mit kreuz.net nichts zu tun., Wiesbadener Kurier, 14. November 2012 Das Bistum Limburg erklärte, es habe Hecker im Jahr 2010 jegliche Publikation auf kreuz.net untersagt.Berliner Staatsanwaltschaft erhält Namensliste zu kreuz.net, kath.net, 7. November 2012
Hendrick Jolie gab zunächst an, seine Texte seien ohne seine Zustimmung auf kreuz.net erschienen; das Bistum Mainz teilte daraufhin mit, es sehe keine Notwendigkeit, den Vorgang zu untersuchen.Geistlicher aus Bistum Mainz hat Texte auf Hetzportal kreuz.net, Rhein-Zeitung, 30. Oktober 2012 Zu weiteren Informationen, die Spiegel Online im November 2012 veröffentlichte, darunter ein vom Netzwerk katholischer Priester selbst verbreiteter Text über einen Artikel von „Pfarrer Hendrick Jolie in kreuz.net am 23.3.2005“ unter dem Titel „Vom Priester zum Zelebrationskasper?“, wollte sich Jolie nicht äußern; sowohl kreuz.net als auch das Priesternetzwerk löschten die Spiegel Online vorliegenden Beiträge.Birger Menke: Die Priester und das Hetzportal, Spiegel Online, 6. November 2012 Am 14. November 2012 räumte Jolie ein, doch an kreuz.net beteiligt gewesen zu sein., Frankfurter Rundschau, 15. November 2012 Jolie hatte in Kommentaren auf kreuz.net Papstprediger Raniero Cantalamessa und Kurienstaatssekretär Angelo Sodano als „Gehirngnome“ bezeichnet.Rudolf Neumaier: Last der Indizien, Süddeutsche Zeitung, 26. November 2012, Eintragung vom 4. April 2010, 18:24 Uhr im Internet Archive In einem Gespräch mit Verantwortlichen des Bistums Mainz am 23. November 2012 gab Jolie zu, dass er entgegen früheren Darstellungen auch Texte an kreuz.net geliefert habe, in denen es um kirchenpolitische Sachverhalte und Urteile, aber auch um Personen ging. In einem Brief an Kardinal Lehmann entschuldigte er sich hierfür. Der Kardinal ermahnte ihn, zukünftig mit Verlautbarungen sensibel umzugehen.
Durch Analysen des Mailverkehrs mit der kreuz.net-Redaktion, der der Aktion Stoppt kreuz.net anonym zugespielt wurde, konnten im November 2012 weitere Verfasser von kreuz.net-Artikeln identifiziert werden: Walter B., ein in Israel mit Einreiseverbot belegter Rentner als Verfasser antiisraelischer Texte, Wilhelm D., ein ehemaliger Religionslehrer in Augsburg, und der Abtreibungsgegner Andreas K. aus Österreich. Alle drei bestätigten ihre Autorentätigkeit für kreuz.net.Rudolf Neumaier, Frederik Obermaier: Im Namen des Herrn. Seite 1, Seite 2, Seite 3. Süddeutsche Zeitung, 17. November 2012
Öffentlich rezipierte Artikel → Artikel mit strafrechtlichen Folgen werden im Abschnitt Strafrecht behandelt. Im Jahr 2007 erschien auf kreuz.net ein Interview einer Regensburger Journalistin, das Gloria von Thurn und Taxis über eine Wallfahrt der von ihr selbst gegründeten und geleiteten Marianischen Frauencongregation gegeben hatte. Auf deren Website wurde kreuz.net noch bis zum 28. November 2012 verlinkt. im Internet Archive, Aufzeichnung vom 9. Februar 2012, Abruf am 3. Juni 2014
Im Januar 2009 war kreuz.net bereits einen Tag vor der offiziellen Bekanntgabe über die Ernennung des Windischgarstener Pfarrers Gerhard Maria Wagner zum Weihbischof in Linz informiert.