Freie Theater (auch Off-Theater, Offtheater oder Off-Off-Theater genannt) sind Theater neben dem etablierten Theaterbetrieb, die unkonventionelle Konzepte verfolgen, ein kleines oder kein festes Ensemble haben und mit einem geringen Budget auskommen müssen. Gelegentlich erhalten Freie Theater staatliche Subventionen.
Begriffsherkunft Die Theaterfreiheit hing im 19. Jahrhundert eng mit der Meinungsfreiheit und der Versammlungsfreiheit als erstrebten Werten zusammen.Michael Walter: Oper. Geschichte einer Institution. Kapitel Rechtsfragen. Seite 219–276. J. B. Metzler’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 2016. ISBN 978-3-476-02563-0. Die Vergabe von Spielgenehmigungen war reglementiert, und bis ins 20. Jahrhundert war die Theaterzensur der aufgeführten Stücke üblich.Roswitha Körner: Theaterzensur. In: Manfred Brauneck, Gérard Schneilin (Hrsg.): Theaterlexikon 1. Begriffe und Epochen, Bühnen und Ensembles. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 1986, 5. vollständig überarbeitete Neuausgabe August 2007, ISBN 978-3-499-55673-9. Als die Hoftheater nach dem Ersten Weltkrieg ihre Vorherrschaft verloren und durch die öffentlich-rechtlichen Theater des 20. Jahrhunderts ersetzt wurden, verstand sich das freie Theater in Europa als Freiraum gegenüber dem Stadt- oder Staatstheater und den kommerziellen Theateraufführungen der privaten Unternehmer.Gesellschaft für Theatergeschichte (Hrsg.): Aus Trümmern entstanden: Theater in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Kleine Schriften der Gesellschaft für Theatergeschichte, Gesellschaft für Theatergeschichte e. V., Berlin 1991. Keine ISSN.
Der Begriff Off-Theater ist an die seit den 1960er-Jahren übliche Bezeichnung Off-Broadway angelehnt.Jürgen Brinkmann. Off-Off-Broadway: Das amerikanische Experimentaltheater der sechziger Jahre. Dissertation an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, gebundenes Manuskript, Kiel 1973. Keine ISBN. Freie Theatergruppen wie das Group Theatre stellten sich in New York City gegen die marktbeherrschenden, großen Theaterproduzenten wie das Theatrical Syndicate und später die Shubert Organization.Stephen J. Bottoms: Playing Underground: A Critical History of the 1960s Off-Off-Broadway Movement. Univ. of Michigan Press, Michigan 2004. ISBN 978-0-472-11400-9.
Bei den amerikanischen Vorbildern war eine staatliche Subventionierung nicht üblich, daher waren und sind sie von privaten Gönnern abhängig. In den meisten europäischen Ländern sind dagegen nicht die privaten kommerziellen Unternehmen und Stiftungen Träger des Theaterwesens, sondern Stadttheater und Staatstheater, die öffentlich finanziert werden. In Ergänzung zu ihnen etablieren sich freie Gruppen. In den Niederlanden bestreiten Freie Theater mittlerweile fast ausschließlich das öffentliche Theaterleben.Manfred Brauneck: Das freie Theater im Europa der Gegenwart, transcript, Bielefeld 2016, S. 19.
Ein Teil dieser Theater erhält eine finanzielle Förderung durch Steuermittel, wobei es sich in den meisten Fällen um Beiträge pro Produktion und selten um eine dauerhafte Unterstützung handelt.Schriftliche Kleine Anfrage „Hamburgs Off-Theater – Zahlen, Daten, Fakten“ und Antwort des Senats (Drucksache 20/13809) vom 9. Dezember 2014. Zur Abgrenzung von den „etablierten“ Freien Theatern hat sich die Steigerung Off-Off-Theater als Bezeichnung für Bühnen ohne staatliche Förderung ergeben.Wendell C. Stone: Caffe Cino. The birthplace of off-off-Broadway. Southern Illinois University Press, Carbondale 2005. Dabei handelt es sich teilweise um Amateurbetriebe,Off-Off-Theater in Hamburg: „Auch Amateure gehören dazu“, in: Spiegel Online, 27. Juli 2010, abgerufen am 27. Februar 2017. teilweise um professionelle Theaterkünstler, die Ausdrucksmöglichkeiten fern des etablierten Theaterbetriebs suchen. Organisiert sind eine Reihe von ihnen im Bundesverband Freier Theater und in den jeweiligen Landesverbänden ihrer Bundesländer sowie in städtischen Zusammenschlüssen wie zum Beispiel der Koalition der freien Szene Berlin, dem Netzwerk Freie Szene München e. V., dem Verein Freie Theater Stuttgart oder der Interessengemeinschaft Freie Theaterarbeit in Wien.
Liste Freier Theater Diese Liste ist nicht vollständig, einige Theater bestehen nicht mehr. Deutschland
Baden-Württemberg Bad Liebenzell Freies Theater Bad Liebenzell Horb das chamaeleon – THEATERWELTENdas chamäleon Lörrach Freies Theater Tempus fugit Melchingen Theater Lindenhof, Burladingen Stuttgart Figurentheater Wilde & Vogel, auch Leipzig
Bayern München HochX Metropoltheater Pathos München Rationaltheater Schwere Reiter Teamtheater Theater am Sozialamt Theater Blaue Maus theater … und so fort Theater Viel Lärm um Nichts
Nürnberg Theater rote Bühne
Berlin
Die meisten Theater in Berlin sind freie Theater.Freie Theater Berlin, mit einigen mit einigen ausgewählten freien Theatern
Theater 89 Theater unterm Dach Brandenburg Brandenburg an der Havel Event-Theater
Cottbus Piccolo Theater, Kinder- und Jugendtheater Puppentheater Regenbogen TheaterNative C, Kleine Komödie
Zäckeritzer Loose Theater am Rand, Oderbruch, von Thomas Rühmann
Hamburg Lichthof Theater Theater das Zimmer
Hessen Frankfurt am Main Die Dramatische Bühne Marburg Theater neben dem Turm Mecklenburg-Vorpommern Rostock Compagnie de Comédie
Niedersachsen Altenmedingen JahrmarkttheaterJahrmarkttheater
Hannover Eisfabrik Freies Theater Hannover Kindertheaterhaus Klecks Theater an der Glocksee Theater fensterzurstadt Theater im Pavillon theaterwerkstatt hannover
Hildesheim R.A.M. KindertheaterR.A.M. Kindertheater aus Hildesheim Theaterhaus Hildesheim
Osnabrück Figurentheater
Visselhövede Theater Metronom
Nordrhein-Westfalen Bochum Rottstraße 5 Theater Theater Total
Dortmund Theater im Depot Düsseldorf Forum Freies Theater Theater der Klänge
Essen theater glassbooth, auch in Dortmund und weiteren Städten
Münster Freuynde + Gaesdte Siegburg Studiobühne Siegburg
Wuppertal TalTonTheater
Sachsen Leipzig Figurentheater Wilde & Vogel, auch Stuttgart LOFFT Schaubühne Lindenfels Figurentheaterzentrum Westflügel Leipzig Puppentheater Sterntaler Cammerspiele Leipzig
Schleswig-Holstein Flensburg Theaterwerkstatt Pilkentafel
Thüringen Eisenach Theater am Markt
Österreich Graz LeBe – Theater Lechthaler-Belic Theater im Bahnhof
Innsbruck BRUX / Freies Theater InnsbruckBRUX, Freies Theater Innsbruck
Linz Theater PhönixTheater Phönix
Oberzeiring Theater Oberzeiring (THEO)
Wien Das Off TheaterDAS OFF THEATER aus Wien Dramatisches Zentrum Rabenhof Theater (Theater im Rabenhof)Rabenhof Theater sirene Operntheatersirene Operntheater aus Wien Volxtheater Favoriten
Weitere Orte Bronski & Grünberghttps://www.bronski-gruenberg.at/
Schweiz Zürich Freies Theater Zürich
Ehemalige Freie Theater Deutschland Theater in der Washingtonallee, Hamburg Theater Sturmvogel, ReutlingenTheater Sturmvogel
Österreich Theaterarbeiterkollektiv (Graz bzw. Salzburg bzw. Wien, 1977–1986)
Off-Theater-Preise Nestroy-Theaterpreis/Beste Off-Produktion Stuttgarter Tanz- und Theaterpreis
Literatur Georg Stenzaly, Annette Waldmann, Wolfgang Beck: Freies Theater, in: Manfred Brauneck, Gérard Schneilin (Hrsg.): Theaterlexikon, Bd. 1, Rowohlt Verlag, Reinbek 2007, S. 401–407. ISBN 978-3-499-55673-9. Eva Brenner (Hrsg.): Anpassung oder Widerstand: Freies Theater heute. Vom Verlust der Vielfalt. Promedia Verlag, Wien 2013. ISBN 978-3-85371-364-8. Martin Frey: Creatieve Marge: Die Entwicklung des Niederländischen Off-Theaters. Böhlau, Köln 1991. ISBN 978-3-205-05407-8. Henning Fülle: Freies Theater. Die Modernisierung der deutschen Theaterlandschaft (1960-2010). Theater der Zeit, Berlin 2016. ISBN 978-3-95749-076-6. Manfred Brauneck (Hrsg.): Das freie Theater im Europa der Gegenwart. Strukturen – Ästhetik – Kulturpolitik, transcript, Bielefeld 2016. ISBN 978-3-8376-3242-2. Waltraud Heindl: Probebühnen der Moderne. Kleine Wiener Theater 1950 bis 1960. Hollitzer Verlag, Wien 2024, ISBN 978-3-99094-235-2.
Einzelnachweise
Kategorie:Theaterbetriebsform Kategorie:Theatername