mini|Neue Chirurgische Klinik, Im Neuenheimer Feld 420 mini|Historische Logovariante, ab Anfang der 2000er verwendet Das Universitätsklinikum Heidelberg in Heidelberg, im Nordwesten von Baden-Württemberg, ist eines der größten medizinischen Zentren Deutschlands. Mit 2.599 Betten ist es das drittgrößte Universitätsklinikum (Liste) in Deutschland. Ihr Campus mit den meisten Einrichtungen befindet sich im Westen der Stadt auf dem rechten Ufer des Neckars im so genannten Neuenheimer Feld.
Die Einrichtung des Landes Baden-Württemberg besteht 2026 aus 50 Medizinischen Abteilungen und 11 Medizintheoretischen Instituten und einigen Zentren der Medizinische Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Sie und ihre Vorläufer existieren seit 1388. Sie ist damit das älteste Uniklinikum in Deutschland; sie zählt neben ihrem Beitrag zur Krankheitsversorgung auch zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Das Gesamtklinikum beschäftigt am Standort Heidelberg etwas über 2.100 Ärztinnen und Ärzte. Im Wintersemester 2019/20 wurden 4.098 Medizinstudierende an der Fakultät und ihren Einrichtungen ausgebildet.
Gemeinsames Ziel von Klinikum und Medizinischer Fakultät ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Der Leitspruch des Universitätsklinikums lautet In Scientia Salus („Heilung erfolgt durch Wissenschaft“).
Zum Universitätsklinikum-Konzern gehören die Thoraxklinik, das Kreiskrankenhaus Bergstraße in Heppenheim, sowie 12 weitere Tochterunternehmen in Bereichen wie medizinischer Versorgung, Service, Logistik und Ausbildung. Konzern und Fakultät beschäftigen 14.352 Mitarbeiter (2020) und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen werden jährlich rund 84.000 Patienten vollstationär und mehr als 1,1 Mio. Patienten ambulant behandelt.
Geschichte
Anfänge Die Universität Heidelberg wurde 1386 durch Kurfürst Ruprecht I. mit päpstlicher Genehmigung gegründet. Eine der vier vorgesehenen Fakultäten war die medizinische Fakultät. Diese nahm 1388 den Betrieb auf. Die Anschaffung von zwei medizinischen Büchern von 1474 ist dokumentiert. Obwohl ein praktischer Unterricht nicht stattfand, betrug die Dauer des Medizinstudiums bereits damals sechs Jahre.Historie des Universitätsklinikums Heidelberg. Website des Universitätsklinikums Heidelberg. Abgerufen am 28. September 2016. Den Ersten Lehrstuhl für Medizin hatte von 1552 bis zu seinem Tod 1557 der Superintendent des Collegium principis, Medizinprofessor und praktische Arzt Johannes Wagenmann inne.Rolf Heyers: Dr. Georg Marius, genannt Mayer von Würzburg (1533–1606). (Zahn-)Medizinische Dissertation Würzburg 1957, S. 7 f. Ein Botanischer Garten wurde 1593 als Kräutergarten angelegt und diente der Pharmakologie. Das Spital in der Bussemergasse wurde 1561 gegründet. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurden das Spital mit der medizinischen Fakultät für die praktische Ausbildung der Studenten zusammengelegt.
19. Jahrhundert Die poliklinische Anstalt wurde 1805 eröffnet. Erstmals bestand die Möglichkeit, die Medizinstudenten systematisch praktisch am Patienten auszubilden. 1818 wurde die chirurgische Klinik eröffnet. Die Poliklinik wurde unter Friedrich August Benjamin Puchelt 1826 neueröffnet. Um 1864 kam es mit der Abtrennung der Augen- und Kinderklinik zu einer weiteren Aufteilung der Fachgebiete. Die vier vorklinischen Institute an der Heidelberger Hauptstraße wurden 1874 neugebaut. Das Klinikum im Stadtteil Bergheim wurde 1867 unter der Leitung von Wilhelm Manchot gebaut.Ferdinand Werner: Wilhelm Manchot und die Villa Enzinger in Worms. In: INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte, 1 (2/2009), S. 41–64 (47). Die Zahnärztliche Klinik und Poliklinik (so benannt seit 1927) nahm ihren Anfang mit der am 1. Oktober 1895 gegründeten und von Carl Jung (1895–1900) geleiteten Zahnärztlichen Abteilung in der Chirurgischen Universitätsklinik und der 1924 erfolgten Einrichtung eines persönlichen Ordinariates, besetzt mit Georg Blessing und 1930 planmäßigen Ordinariates.Axel Bauer, Karin Langsch: Die Etablierung der Zahnmedizin an der Universität Heidelberg 1895–1945. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 9, 1991, S. 377–392, hier: S. 377–383. Erstmals wurden 1899 Frauen zum Medizinstudium zugelassen.
Klinik in Bergheim Im Stadtteil Bergheim wurde 1922 die Ludolf-Krehl-Klinik bezogen.Die ersten Patienten ziehen nach Ostern in die neue Klinik. Vom 8. April 2004, abgerufen am 14. Februar 2010 In den 1920er und 1930er Jahren folgte ein Neubau der Chirurgie auf der gegenüberliegenden Neckarseite im Neuenheimer Feld (wohin ab 1960 auch die meisten anderen Kliniken übersiedelten). Über 20 Hochschullehrer, auch Mediziner, wurden von 1933 bis 1945 aus politischen Gründen aus der Universität Heidelberg ausgeschlossen. In der Chirurgie und Frauenklinik kam es zu Zwangssterilisationen. Kinderpatienten der Psychiatrie werden in der so genannten „Euthanasie“-Aktion ermordet.
Klinik im Neuenheimer Feld Die Chirurgische Universitätsklinik zog 1939 als erste Klinik ins Neuenheimer Feld. Der Neubau bietet Platz für 350 Betten.Die Geschichte der Chirurgie in Heidelberg. Website des Universitätsklinikums Heidelberg. Abgerufen am 28. September 2016. Karl Heinrich Bauer wurde am 8. August 1945 der ärztliche Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik, der erste Nachkriegsdirektor der Universität Heidelberg. Die Fakultät für Klinische Medizin Mannheim der Universität Heidelberg wurde 1964 als zweite medizinische Fakultät eingerichtet, später wurde sie in Medizinische Fakultät Mannheim umbenannt. Der Ministerrat beschloss 1976 das Konzept des „Heidelberger Klinikrings“, der die Kliniken des Universitätsklinikums Heidelberg im Neuenheimer Feld vereinen sollte. Die einzelnen Gebäude wurden durch ein unterirdisches Gangsystem verbunden.Heidelberger Klinikring Geschäftsbericht 2015 des Universitätsklinikums Heidelberg, S. 22. Die Kopfklinik im Neuenheimer Feld wurde 1987 eröffnet, der erste Stein im Klinikring.mini|„Clinomobil“, ein mobiler Operationswagen der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg 19572001 wurde der Reformstudiengang Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) eingeführt. Der Neubau der Medizinischen Universitätsklinik im Neuenheimer Feld 410 wurde ab April 2004 bezogen. Die Universität Heidelberg wurde unter maßgeblicher Beteiligung der Medizinischen Fakultät „Elite-Universität“.Pressemitteilung vom 19. Oktober 2007: Exzellenzinitiative: „Die Heidelberger Biomedizin ist wesentlich am Erfolg beteiligt“ Website des Universitätsklinikums Heidelberg. Abgerufen am 28. September 2016. 2007 ist aus einer studentischen Initiative der Fakultät das Medinetz Rhein-Neckar entstanden, das sich um Patienten ohne Krankenversicherung kümmert. Am 31. März 2008 wurde das Gebäude der Angelika-Lautenschläger-Kinderklinik übergeben in Anwesenheit des Ministerpräsidenten Günther Oettinger und des Finanzministers Gerhard Stratthaus.A. Tuffs: Übergabe der neuen Angelika-Lautenschläger-Kinderklinik am 31. März 2008. In: IDW-Online vom 25. März 2008, abgerufen am 14. Februar 2010 Im März 2013 übernahm das Universitätsklinikum 90 Prozent des im Bundesland Hessen gelegenen Kreiskrankenhauses Bergstraße. Die umgebauten und durch einen Neubau ergänzten Flächen der Technischen Orthopädie wurden 2015 eröffnet. Patienten und Mitarbeiter profitieren dadurch von mehr Raum in Werkstätten und Anprobenbereichen für Prothesen und Orthesen.Pressemitteilung vom 15. Juni 2015: Erweiterung der Technischen Orthopädie abgeschlossen Website des Universitätsklinikums Heidelberg. Abgerufen am 28. September 2016. Das im laufenden Klinikbetrieb umfassend sanierte und erweiterte Funktionsgebäude der Thoraxklinik wurde im Oktober 2015 eröffnet. Das Gebäude bietet erweiterte OP-Kapazitäten, räumliche Verzahnung der Bereiche und modernste Technik für die Hochleistungsmedizin.Pressemitteilung vom 29. Oktober 2015: Neues Funktionsgebäude der Thoraxklinik Heidelberg offiziell eingeweiht Website des Universitätsklinikums Heidelberg. Abgerufen am 28. September 2016. Im November 2015 feierten Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum Heidelberg Richtfest für den Neubau des Zentrums für Infektionsforschung (CIID).Pressemitteilung vom 30. November 2015: Richtfest für das neue Zentrum für Integrative Infektionsforschung (CIID) der Medizinischen Fakultät Heidelberg Website des Universitätsklinikums Heidelberg. Abgerufen am 28. September 2016.
2019 wurde bekannt, dass die Heidelberger Universitätsklinik einen nicht ausgereiften Brustkrebs-Bluttest mit einer PR-Kampagne als medizinischen Meilenstein angekündigt hatte. Im Gefolge des Skandals mussten drei von fünf Vorständen sowie der Klinik-Justiziar ihren Hut nehmen. Darüber hinaus verlies der Direktor der Frauenklinik, Christof Sohn, im Jahr 2022 das Universitätsklinikum.
Aktuelle Entwicklung Seit 2019 betreibt das Universitätsklinikum ein Medical Intervention Car (MIC) einem Konzeptfahrzeug zur Verbesserung der außerklinischen Notfallmedizin. 2022 wurde nach 2-jähriger Bauzeit die um 1.700 Quadratmeter erweiterte Apothekte übergeben. Im Oktober 2025 wurde das Gebäude des 2024 insolventen St. Vincentius Krankenhauses in Heidelberg übernommen.
Nachdem das Vorhaben zur Übernahme des defizitären Universitätsklinikums Mannheims durch ein Veto des Kartellamts vorerst untersagt wurde, legten das Land und die Stadt Mannheim Beschwerde ein und bekamen vom Oberlandesgericht Düsseldorf Recht. Im Januar 2026 wurde der neue Klinikverbund besiegelt, an welchem das Land zu 89,9 % und die Stadt Mannheim zu 10,1 % beteiligt sind. Nach vollzogener Fusion stieg der Klinikverbund im Stern Klinikranking zur besten Klinik Deutschlands auf.
Im Dezember 2025 übernahm die Klinik das Nierenzentrum Heidelberg, welches angrezend an den Klinikring im Neuenheimer Feld liegt, mit welchem zuvor bereits zusammengearbeitet wurde. Im Rahmen der Übernahme vom bisherigen Trägers der Nierenzentrum Heidelberg e.V., wurde eine W3-Professur eingerichtet.
Zur Jahresmitte 2026 übernahm das UKHD, dass im Jahr zuvor insolvente Krankenhaus Salem in Heidelberg, welches wie das Krankenhaus St. Vincentius zuvor, ebenfalls Teil der Ev. Stadtmission Heidelbergs war. Im Rahmen der Integration wurde die dortige Zentrale Notaufnahme sowie die Gynäkologie geschlossen, da eine ausreichende Versorgung am Standort Neuenheimer Feld besteht.
Die aktuellen (Stand 2025) Bauvorhaben der Universitätsklinik sind:
Neubau Herzzentrum & Informatics for Life
Neubau Hopp-Kindertumorzentrum (KiTZ) Sanierung der Kopfklinik Ausbau NCT Sanierung der Rechtsmedizin und Pathologie
Forschung Die Medizinische Fakultät Heidelberg gilt als eine der bedeutendsten Forschungseinrichtungen in Deutschland. Es besteht insbesondere eine intensive Zusammenarbeit mit anderen in Heidelberg angesiedelten Forschungseinrichtungen wie dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), dem Max-Planck-Institut für Medizinische Forschung, dem Zentrum für Molekulare Biologie Heidelberg (ZMBH) und dem Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL). Im Rahme der Exzellenzstrategie wird unter anderem an molekularen Grundlagen von Krankheiten geforscht.