Die ehemalige Gemeinde Alstaden an der Ruhr, meist kurz Alstaden (IPA: [], , in der örtlichen bergischen Mundart auch [])Alfred und Ulrich Lindemann: 500 Kilometer Oberhausener Straßengeschichte. Oberhausen 1997, S. 25. ([], []), ist eine Ortschaft im westlichen Ruhrgebiet und heute Stadtteil der kreisfreien Stadt Oberhausen in Nordrhein-Westfalen. Mit 17.581 Einwohnern Ende 2023 auf einer Fläche von 3,85 km² handelt es sich bei Alstaden um den bevölkerungsreichsten Stadtteil Oberhausens.Im Statistischen Jahrbuch der Stadt Oberhausen werden die Stadtteile Königshardt, Walsumermark sowie ein Teil von Schmachtendorf zu "Sterkrade-Nord" zusammengefasst, das dann zusammen bevölkerungsreicher als Alstaden ist, zumal dieses in Alstaden-West und Alstaden-Ost aufgeteilt wird. Benutzt man die Auffassung des Sozialstrukturatlas, so ist (Gesamt-)Alstaden der bevölkerungsreichste Stadtteil. Zum Sozialstrukturatlas siehe hier:

Alstaden ist heutzutage vor allem durch lockere Wohnbebauung mit lokalem Handel, Grünflächen und Gebiete zur Naherholung am Ufer der Ruhr geprägt. Eine Besonderheit sind die vielfältigen Baustrukturen. Neben der hohen „Beschwerdeaktivität“ der Alstadener gilt vor allem die außerordentliche Identifikation der Einwohner mit ihrem Stadtteil als typisch für Alstaden.

Historisch bildete Alstaden vom Spätmittelalter bis ins frühe 19. Jahrhundert den nördlichsten Teil der Grafschaft, bzw. des Herzogtums Berg.

Geographie Lage und Gebiet Alstaden ist der südlichste Stadtteil Oberhausens und liegt im Südwesten des Stadtbezirks Alt-Oberhausen. Er ist der einzige Oberhausener Stadtteil am Ufer der Ruhr, an der Alstaden 1,8 km Anteil hat. Der bei Alstaden fließende Ruhrarm wird oft Alte Ruhr oder Kleines Strömchen genannt, im Gegensatz zum Ruhrschifffahrtskanal in Mülheim. Naturräumlich liegt der Stadtteil größtenteils wie der gesamte Westen Alt-Oberhausens auf der Ruhr-Emscher-Platte (575.321), nahe der Grenze zum Niederbergischen Land und Westenhellweg. Als einziger Oberhausener Stadtteil umfasst Alstaden auch Gebiete in der Unteren Ruhraue (575.320).Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands: Blatt 108/109: Düsseldorf/Erkelenz (Karlheinz Paffen, Adolf Schüttler, Heinrich Müller-Miny) 1963; 55 S. und Digitalisat der zugehörigen Karte (PDF; 7,4 MB)

Nach Norden hin bildet die Bahnstrecke Oberhausen–Duisburg-Ruhrort die Grenze nach Lirich-Süd, nach Nordosten bilden die Bahnstrecke Duisburg–Dortmund und die Grenzstraße die Grenze nach Alt-Oberhausen. Im Osten bildet die Bogenstraße die Grenze zwischen Alstaden und dem Oberhausener Teil Styrums, bevor dies im Südosten die Straße Landwehr übernimmt. Südöstlich und südlich grenzt Alstaden an den Mülheimer Stadtteil Styrum, getrennt durch die Straße Rechenacker und die Bahnstrecke Duisburg–Mülheim-Styrum. Im Westen bildet zunächst die Obermeidericher Straße die Grenze zwischen Alstaden und Meiderich sowie Duisburg-Dümpten, bevor dies die Autobahn A3 übernimmt. Die Ruhr trennt den Stadtteil im Südwesten von Speldorf.

Der westlichste Punkt Alstadens liegt in den Ruhrauen westlich der Alten Ruhr, der nördlichste Punkt befindet sich am Ende der Erftstraße. Den östlichsten Punkt bildet die Kreuzung Landwehr/Rechenacker, während der südlichste Punkt dort liegt, wo die Bahnstrecke Duisburg–Mülheim-Styrum die Ruhr überquert. Dies ist gleichzeitig der südlichste Punkt der Stadt Oberhausen.

Das Ruhrufer bildet mit 25 m über NN den tiefsten Punkt Alstadens.

Nutzungsarten des Gebietes Am 31. Dezember 2009 betrug die Katasterfläche des Stadtteils im Stadtteilentwicklungskonzept der Stadt Oberhausen 338 ha. Die Abweichung dieses Werts von der offiziellen Angabe (385 ha) ist durch die Grenzziehung zu erklären: Teile des Ostens Alstadens werden im Stadtteilentwicklungskonzept dem Bereich Oberhausen-Mitte/Styrum zugeordnet.

Von den 338 ha wurden 168 ha (49,8 %) für Wohnflächen genutzt, wirtschaftlich genutzt wurden 10 ha (3,1 %). 14 ha (4,1 %) zählen zu den gemischten Bauflächen und Sondergebieten. 17 ha (4,9 %) dienten dem Verkehr. 35,5 % der Fläche (120 ha) bestand aus Wald, Wasserflächen, Landwirtschaftsflächen, Parks und Grünanlagen.Stadt Oberhausen: Stadtteilentwicklungskonzept 2020, 2009.

Die durchschnittliche Besiedlungsdichte beträgt 4672 Einwohner je km².

Geschichte Vorindustrielle Phase Eine Besiedlung Alstadens in vor- und frühgeschichtlicher Zeit kann bisher durch archäologische Funde nicht nachgewiesen werden, mittelsteinzeitliche Überreste hat man in Lirich im Tal der Emscher gefunden, jungsteinzeitliche nördlich Alstadens im Bereich der Lipper Heide.Christoph Eger: Vorgeschichtliche Funde aus Oberhausen. In: Historische Gesellschaft Oberhausen (Hrsg.): Ursprünge und Entwicklungen der Stadt Oberhausen. Quellen und Forschungen zu ihrer Geschichte. Bd. 2. Laufen, Oberhausen 1992, S. 17, Fundkarten S. 22–24.

Auch eine Besiedlung in germanischer Zeit ist bislang für den Raum Alstaden nicht nachgewiesen, die nächstgelegenen germanischen Siedlungsplätze hat man in Lirich und Meiderich gefunden.Christoph Eger: Reste einer römischen Amphore aus Lirich. In: Historische Gesellschaft Oberhausen (Hrsg.): Ursprünge und Entwicklungen der Stadt Oberhausen. Quellen und Forschungen zu ihrer Geschichte. Bd. 3. Oberhausen: Laufen, 1993, S. 9–14, Fundkarten S. 14.

Alstadens Lage an der Ruhr und seine Topographie haben in der vorindustriellen Phase die Entwicklung des Dorfes geprägt: Nächst dem Fluss befanden sich die Ruhrauen, ein fruchtbares Überschwemmungsgebiet, das sich zur Viehzucht eignete und zu einer Niederterrasse anstieg, die hochwasserfrei war und aus gutem Ackerboden bestand. An der Kante der Niederterrasse zur Ruhraue, im Bereich der heutigen Kewerstraße und Speldorfer Straße, entstand der früheste Siedlungskern, eine einem Straßendorf ähnliche Aneinanderreihung von Bauernhöfen. Dass diese Ansiedlung ihre Ursprünge bereits in fränkischer Zeit hatte, wird zwar in der Literatur häufig behauptet, kann jedoch bisher nicht belegt werden.In Meiderich und Styrum sind fränkische Gräberfelder gefunden worden, vgl. K. Böhner: Die Franken im Raum zwischen Lippe und Wupper. In: Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.): Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern. Bd. 15: Essen – Düsseldorf – Duisburg. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1975, S. 26–39. Ebenfalls unbelegt ist die Erwähnung in einem Werdener Urbar um 1200. Die früheste Überlieferung über Alstaden stammt aus dem Jahr 1393, als der Bauernhof „Höffkenscheidts Gut“ an das Kloster Sterkrade verkauft wurde. Auch das Kloster St. Gereon in Köln verfügte über Grundbesitz in Alstaden.Marianne Vier, Rudi Pilat: Alstaden. 1000-jähriger Stadtteil an der Ruhr. Hg. vom Bürgerring Oberhausen-Alstaden 1950. Selbstverlag, Oberhausen 1998, S. 14 f, 131. Aus den Gerichtsakten sind um 1400 einige Alstadener Hofbesitzer als Schöffen beim Gericht in Mülheim überliefert: Gerhard Schriver 1385, Hermann Scheper 1401, Sweder van Alstaden 1407 und Hermann van Alstaden 1432Geschichtsverein Mülheim an der Ruhr (Hrsg.): Mülheim an der Ruhr 1808–1908. Denkschrift zur Hundertjahrfeier. Mülheim-Ruhr: Verlag Julius Bagel, 1908, S. 340. 1550 wurde in Alstaden als Teil der Herrschaft Broich die Reformation durchgeführt, und die Einwohner mussten den reformierten Glauben annehmen.Alfred Lindemann: Oberhausen im Spiegel der Zeitgeschichte. Selbstverlag, Oberhausen 2006, S. 20.

mini|Karte der Herrschaft Broich um 1790. Im Nordwesten die Bauerschaften „Altstade“ und „Heider Höfe“

In späterer Zeit bildete sich ein zweiter Siedlungskern nordwestlich am Rande des nördlich von Alstaden gelegenen Heidegebietes, auf den Karten des 17. und 18. Jahrhunderts wird noch klar unterschieden zwischen dem Dorf Alstaden und dem Dorf Heiderhöfen, das etwa entlang der heutigen Straßen Heiderhöfen, Flockenfeld und Lickenberg lag. Der Name „Heiderhöfen“ wird noch 1907 zur Benennung des westlichen Teils Alstadens genutzt.

In dieser ersten Phase der Entwicklung des Dorfes war Alstaden rein agrarisch geprägt. Dies änderte sich ab ca. 1800, 1791 wird der erste Alstadener Schiffer erwähnt, mit der wachsenden Bedeutung der Ruhrschifffahrt, die ihren Höhepunkt von 1840 bis 1855 erreichte, als bis zu hundert Kähne täglich Alstaden passierten.Roland Günter: Oberhausen (= Die Denkmäler des Rheinlandes, Bd. 22). Düsseldorf: Schwann, 1969, S. 55. Im Jahre 1840 befuhren knapp 400 Kohlefrachter die untere Ruhr, hierbei waren ca. 1500 Schiffsleute und etwa 250 Pferdeknechte mit rund 500 Pferden beschäftigt.Alfred Lindemann: Oberhausen im Spiegel der Zeitgeschichte. Oberhausen: Selbstverlag, 2006, S. 32. Zunehmend ließen sich Schifferknechte, Werftbesitzer – zeitweise gab es drei Werften für Ruhrkähne – Frachtkahnbesitzer und Schiffszimmerleute nieder, so dass in Alstaden am Vorabend der Industrialisierung eine Mischstruktur aus Landwirtschaft, Handwerk und Transportwesen entstand. An diese Blütezeit der Ruhrschifffahrt erinnert heute noch der Straßenname Schifferstraße.vgl. hierzu: Marianne Vier, Rudi Pilat: Alstaden. 1000-jähriger Stadtteil an der Ruhr. Hg. vom Bürgerring Oberhausen-Alstaden 1950. Selbstverlag, Oberhausen 1998, S. 14 f, 26 f – Straße heißt erst seit 1937 Schifferstraße, vorher Koloniestraße, weil sich eine Bergarbeitersiedlung der Zeche Alstaden an der Straße befindet. Vgl. Alfred Lindemann, Ulrich Lindemann: 500 Kilometer Oberhausener Straßengeschichte. Selbstverlag, Oberhausen 1997, S. 139.

Alstaden gehörte im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit zur Herrschaft Broich, welche als Unterherrschaft zur Grafschaft Berg gehörte, Alstaden also somit der nordwestliche Zipfel der Grafschaft war. Das Verzeichnis der Mülheimer Höfe um 1556 listet für die Honnschaft Alstaden 12 Bauernhöfe auf, die den Herren von Broich dienstpflichtig waren.Herbert Rühl: Das Werden einer Großstadt (= Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Mülheim an der Ruhr, Bd. 1). Mülheim-Ruhr 1939, S. 9. Im „Rauchhühnerverzeichnis der Herrschaft Broich“ aus dem Jahre 1648 werden für Alstaden 32 Haushalte aufgelistet, die Abgaben an die Herren von Broich zu entrichten haben.Rühl, Herbert: Das Werden einer Großstadt (= Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Mülheim an der Ruhr, Bd. 1). Mülheim-Ruhr, 1939, S. 18. In der „Untertanenrolle“ von 1672 sind dreißig Alstadener Höfe bzw. Kotten aufgelistet.Günter Hoffmann: Die „Untertanenrolle“ von 1672. Eine bevölkerungsgeschichtlich wichtige Quelle und der Versuch ihrer genealogischen Interpretation. In: 900 Jahre Mülheim an der Ruhr 1093–1993. Zeitschrift des Geschichtsvereins Mülheim an der Ruhr, Bd. 66. Selbstverlag, Mülheim/Ruhr 1993, S. 318–320. Das „Wach- und Dienstgelderverzeichnis“ von 1750 führt für die Honnschaft Alstaden 38 Haushalte auf.Herbert Rühl: Das Werden einer Großstadt (= Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Mülheim an der Ruhr, Bd. 1). Mülheim-Ruhr 1939, S. 32. Genauere Zahlen über die Bevölkerung liegen für das Jahr 1812 vor, damals lebten in Alstaden 280 Menschen, davon gehörten 15 zur katholischen Konfession, 259 waren Reformierte und 6 Lutheraner; 141 waren männlichen Geschlechtes, 139 weiblich.Geschichtsverein Mülheim an der Ruhr (Hrsg.): Mülheim an der Ruhr 1808–1908. Denkschrift zur Hundertjahrfeier. Verlag Julius Bagel, Mülheim-Ruhr 1908, S. 75. Die zur Bürgermeisterei Mülheim an der Ruhr gehörige Gemeinde Alstaden hatte 1822 383 Einwohner, im Jahre 1847 733.Geschichtsverein Mülheim an der Ruhr (Hrsg.): Mülheim an der Ruhr 1808–1908. Denkschrift zur Hundertjahrfeier. Verlag Julius Bagel, Mülheim-Ruhr 1908, S. 80.

Verwaltungsgeschichte mini|Das alte Gemeindeamt