Mentalisten sind ein Genre von Zauberkünstlern. Ihre Form der Unterhaltungskunst stützt sich hauptsächlich auf das Vortäuschen paranormaler Phänomene, einen der fünf Aspekte der Zauberkunst. Dabei wird eine Fähigkeit zur Vorhersage oder Telepathie dargestellt, die z. T. auf Gedächtniskunst, Suggestionstechniken, Zahlentricks/Schnellrechnen und Ähnlichem, z.b. Cold Reading, aber auch auf den Standard-Techniken der Zauberkunst beruht.Ottokar Fischer, Das Wunderbuch der Zauberkunst, Stuttgart:Perthes 1929, S. 143 ff.Die magischen Grundeffekte in Handbuch der Magie, Kapitel 3, Jochen Zmeck, Universitas Verlag, Berlin 1978, ISBN 3-8004-0857-0
Allgemeines Der US-amerikanische Mentalist und Autor Robert Cassidy definierte die Darstellungssparte folgendermaßen:
Der US-amerikanische Mentalist und Autor Phil Goldstein schrieb:
Die Faszination für das Publikum ergibt sich aus der Illusion der paranormalen Fähigkeit und nicht aus der ästhetischen Inszenierung eines unmöglichen Geschehens, wie in anderen Sparten der modernen Bühnenmagie. Unter Umständen geben sich Mentalisten als Hellseher aus, jedoch lediglich auf der Bühne.
Da Mentalisten weniger den Kunstsinn und stärker die Empfänglichkeit der Zuschauer für Übersinnliches ansprechen, die aus deren Einstellung zum Übernatürlichen resultiert, ist es für den Mentalisten besonders schwer, die Grenzen zwischen Kunst und Scharlatanerie zu wahren. Auf der einen Seite benötigt der Mentalist die Bereitschaft des Publikums, an Phänomene zu glauben. Will er sich jedoch als Künstler verstanden wissen, muss er gerade mit diesem Glauben der Zuschauer mit Bedacht umgehen, um nicht Gefahr zu laufen, für „echt“ gehalten zu werden.
In Deutschland trat der Mentalismus verstärkt in den Sendungen The Next Uri Geller in den Fokus, die in den Jahren 2008 bis 2009 beim Sender ProSieben ausgestrahlt wurden. Dabei wurde von den Zauberkünstlern zunächst vertraglich verlangt, der Öffentlichkeit gegenüber zu behaupten, über übersinnliche Kräfte zu verfügen. Mehrere der Kandidaten protestierten gegen diesen Passus, den sie mit ihrer Berufsehre als Bühnenkünstler für unvereinbar hielten.Vgl. Knebelverträge für Mental-Artisten, focus.de, 15. Januar 2008.
Geschichte Der Begriff Mentalist ist eine Weiterentwicklung der Bezeichnung „Mindreader“ (Gedankenleser). Zu den ersten bekannten Gedankenlesern gehörte der US-amerikanische Zauberkünstler C. A. George Newmann (1880–1952), der sich als „Mindreader“ und „Master of Mental Marvels“ bezeichnete. Seine Vorstellungen ähnelten Seminaren von Universitätsdozenten. Die Programme waren jedoch keine trockenen Vorlesungen, sondern boten reichlich Unterhaltung und Humor.James B. Alfredson, The Great Newmann Show, Davic Meyer, Magic Books, Glenwood, Illinois, 1989, S. 7.
Einer der ersten nachgewiesenen Zauberkünstler, der sich als Mentalist bezeichnete, war Harry Kahne (1895–1955), der auch als „the incomparable mentalist“ bezeichnet wurde..Programmzettel KahneSphinx, Vol. 20, Nr. 12, Februar 1922.
Ab etwa 1929 wurde der Ausdruck Mentalist konsequent von dem US-amerikanischen Zauberkünstler Theodore Annemann verwendet.The Sphinx, Vol. 28, Juli 1929
In Europa war es vor allem der Engländer Chan Canasta, der sich in den 1940er Jahren mit der Mentalzauberkunst beschäftigte. Er trat 1951 zum ersten Mal im Fernsehen bei der BBC auf und führte Mentalzauberkunststücke vor. Insgesamt konnte Canasta an über 300 Fernsehsendungen als Mentalist teilnehmen. Er war auch Gast in der legendären Talkshow von Ed Sullivan.David Britland: A Review of Chan Canasta: A Remarkable Man, 2000Ed Sullivan Show 1962
In Deutschland hat sich die Mentalzauberkunst erst ab etwa Mitte des 20. Jahrhunderts zu einer eigenständigen Präsentationsform entwickelt. Einen großen Anteil daran hatte der Zauberkünstler Punx, der in seinem Abendprogramm, das in vier Akte gegliedert war, einen Bereich Alessandro Cagliostro widmete und dazu ausschließlich Mentalzauberkunststücke zeigte.Programmheft Punx, ca. 1955
Ab etwa 1980 zeigte der Berliner Zauberkünstler Ted Lesley vermehrt Mentalzauberkunst und benutzte häufig für sich die Bezeichnung Mentalist.Ted Lesley, Mental Mind up, Zauberzentrale München, 1992.
Bekannte Mentalisten (Auswahl) Jan Becker Manuel Horeth Banachek Theodore Annemann Uri Geller Jan Forster Lucca Lucian Derren Brown Joseph Dunninger Lior Suchard Nicolai Friedrich Thommy Ten und Amélie van Tass Max Maven Thorsten Havener Christoph Kuch Ted Lesley Bodo Lorenzen Punx Timon Krause
Literatur
Theodore Annemann: Practical Mental Magic Barry Richardson, Theatre of the minds Borodin: Final Curtain Borodin: Shereazade Robert Cassidy, The Art of Mentalism Phil Goldstein, The Blue Book of Mentalism Tony Corinda: 13 Steps To Mentalism Ted Lesley: Mental Mind Up Utz Napierala: Geistes-Blitze Utz Napierala: Geheimnisvolle Zahlenwunder Perkeo, Geheimnisse der Parapsychologie Perkeo, Im Bannkreis der Psychometrie Perkeo, Dr. Stanley Jacks, 2 Bände Max Maven, Prism James Randi: Conjuring, The Truth of Uri Geller Wonder Man Fred: Semi Mental Journey Ian Rowland: The Full Fact Book of Cold Reading Robert Marteau, Der Schlüssel zur Bühne
Weblinks
Psychic Entertainers Association British Society of Mystery Entertainers
Einzelnachweise
Mentalist