Die Schnellfahrstrecke (auch Hochgeschwindigkeitseisenbahn, ital. ferrovia ad alta velocità) Rom–Neapel zählt zu den wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen in Italien und ist ein wichtiger Abschnitt der Eisenbahnachse Berlin–Palermo (TEN-Achse Nr.1). Die ersten 186Kilometer von Rom bis zum Verknüpfungsbauwerk Gricignano sind seit 19.Dezember2005 in Betrieb, die restlichen 18Kilometer durch Neapel seit dem 13.Dezember2009.
Geschichte Die Bauarbeiten der 204,6Kilometer langen Strecke umfassten
39,0km Tunnel, davon 26,4km im Schildvortrieb 12,6km in offener Bauweise 39,0km Viadukte und Brücken 17,5km Verknüpfungen einen neuen Bahnhof Napoli Afragola
Im Januar2005 begannen Testfahrten. Bei Testfahrten stellte ein ETR-500-Hochgeschwindigkeitszug mit acht Zwischenwagen am 9.Juli2005 mit 323km/h einen neuen italienischen Geschwindigkeitsrekord für Schienenfahrzeuge auf. Zu dieser Zeit war vorgesehen, die ETR-500-Züge auf der Strecke für 330km/h zuzulassen.Meldung Geschwindigkeitsrekord in Italien. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 10/2005, S.483.
Der Vorlaufbetrieb wurde am 12.September2005 aufgenommen.
Der kommerzielle Betrieb wurde am 23.Januar2006 mit zwei Zugpaaren pro Tag aufgenommen.Meldung Italien: zwei neue Hochgeschwindigkeitsstrecken in Betrieb. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 4/2006, , S.193. Die Fertigstellung des zu diesem Zeitpunkt noch ausstehenden Abschnitts zwischen Bivio Gricgnano und dem Bahnhof Napoli Afragola war für 2008 geplant. Der Abschnitt wurde jedoch erst am 13.Dezember2009 eröffnet. Die Bauarbeiten zum neuen Bahnhof Neapel Afragola, den Zaha Hadid entworfen hat, dauerten mit Verzögerungen noch jahrelang an; er wurde im Juni2017 eröffnet.Dauerbauprojekt: Zaha-Hadid-Bahnhof bei Neapel eingeweiht. In: Spiegel Online. 6. Juni 2017.
Streckenbeschreibung
Technik Die Strecke ist mit GSM-R und ETCS Level 2 (ohne Signale, von Alstom) ausgerüstet.Zweisystemanpassung der Eurostar-Züge von Trenitalia. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 7/2006, , S.364f. Aufgrund der fehlenden Rückfallebene wurde das System für eine besonders große Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit ausgelegt. Die Verfügbarkeit in Bereichen, in denen ausschließlich ETCS zum Einsatz kam, erwies sich dabei als größer als in Knotenbereichen, in denen auch andere Zugsicherungssysteme installiert waren. Zum Test des Systems wurde die Streckenbelastung von anfangs 4 Zügen pro Tag schrittweise erhöht. Die Mindestzugfolgezeit beträgt zwei Minuten und 30Sekunden. Im März2014 begann die Hochrüstung der Strecke von der SRS2.2.2 zur SRS2.3.0d. Die Arbeiten sollten im Dezember2015 abgeschlossen werden. Die Hälfte der Kosten von sechs Millionen Euro übernahm die EU.
Entlang der Strecke entstanden 19 Stellwerke, 70 GSM-R-Basisstationen sowie mehrere Radio Block Centres. Die GSM-R-Basisstationen sind über ein SDH-Ring-Netzwerk miteinander verbunden, das GSM-R-Netzwerk ist weitgehend redundant aufgebaut. Nach dem Planungsstand von 2000 waren 50 Basisstationen vorgesehen, die in der Regel zwei (in Einzelfällen drei) Kanäle bedienen sollten.
Die Strecke ist mit 25kV / 50Hz elektrifiziert. An beiden Enden gehen Züge in das konventionelle italienische 3kV-System über.
Streckenverlauf Die SFS "Ferrovia ad alta velocità Roma-Napoli" fädelt nach Verlassen von Roma Termini Richtung Osten im Bereich des Bahnhofs Roma Prenestina aus der Bahnstrecke nach Pescara aus und wendet sich nach kurzer Bündelung bei Lunghezza südostwärts. Sie umfährt dann San Cesareo westlich im Massiv der Albaner Berge und gelangt, in weitgehend paralleler Führung mit der Autostrada A1, ins Tal des Sacco bei Colleferro. Südöstlich davon besteht teilweise eine Bündelung mit der Altstrecke, wobei Frosinone dann im westlichen Saccotal und damit den Abhängen der Monti Lepini umfahren wird. Bei Ceprano besteht wieder eine Bündelung mit der Bestandsstrecke und die SFS wechselt nun in das nördliche Hinterland der Sacconiederung. Bei Cassino kann man die berühmte Abtei auf dem Bergsporn sehen und bis etwa Teano dann die Bündelung mit der Autostrada A1 verfolgen, wobei der Monte Camino und der erloschene Vulkan Roccamonfina östlich passiert werden und gleichzeitig in das Einzugsgebiet des Volturno gewechselt wird. Westlich der Stadt wird Caserta (und auch das historisch bedeutsame Capua) – in der Ebene des Volturno zum Golf von Gaeta hin – umfahren und südlich davon in einem großzügigen Bogen Richtung Afragola (und weiter nach Neapel) mit seinem architektonisch interessanten Bahnhof Neapel-Afragola abgedreht. Etwas südlich davon, bei Arpino bzw. Volla, fädelt die "Ferrovia ad alta velocità" wieder in die Altbaustrecke ein und gelangt so zum Hauptbahnhof Napoli Centrale.
Betrieb Die Neubaustrecke reicht von Salone (Streckenkilometer 10,9) bis Bivio Gricignano (km 195,3). Dort schließt sich ein 18,6km langer Abschnitt zum Bahnhof Napoli Afragola an. In Afragola kann man zur Schnellfahrstrecke Richtung Battipaglia–Reggio Calabria, zur Circumvesuviana sowie zum Nahverkehr umsteigen.
Die Reisezeit zwischen Rom und Neapel hat sich nach Fertigstellung der Strecke auf 1 Stunde 10 Minuten verkürzt.
Weblinks Informationen zur Strecke (italienisch)
Einzelnachweise
Rom-Neapel Roma-Napoli, Schnellfahrstrecke Roma-Napoli, Schnellfahrstrecke