mini|hochkant=1.15|Township in Soweto|alternativtext=Township in Soweto mini|hochkant=1.15|Die Gedenkstätte Hector Pieterson Memorial Soweto (offizieller Name; kurz für South Western Townships, deutsch etwa „Südwestliche Vororte“) war ein 1963 administrativ vollzogener Zusammenschluss zahlreicher Townshipssiedlungen im Südwesten der südafrikanischen Industriemetropole Johannesburg. Von 1983 bis 2002 war Soweto eine eigenständige Stadt. Seit 2002 gehört es zur Metropolgemeinde City of Johannesburg.

Soweto gilt seit dem Aufstand in Soweto 1976 als Symbol des Widerstandes in der Apartheidsära.

Geographie Der geographische Mittelpunkt Sowetos ist rund zwölf Kilometer vom Stadtzentrum (CBD) Johannesburgs entfernt.

Die Einwohnerzahl betrug 2011 nach offiziellen Angaben 1.271.628 (Volkszählung 2011).Volkszählung 2011 (englisch), abgerufen am 4. Oktober 2013. Inoffizielle Schätzungen gehen jedoch von einer heutigen Einwohnerzahl von 3,5 Millionen Menschen auf 130 km² Fläche aus. Damit ist es faktisch die bevölkerungsreichste Stadt des südlichen Afrikas.

Stadtgliederung Soweto besteht aus rund 30 Townships. In alphabetischer Reihenfolge sind das: Bram Fisherville, Chiawelo, Diepkloof, Dobsonville, Dlamini (auch: Dhlamini), Dube, Emdeni, Jabavu, Jabulani, Killarney, Klipspruit, Mapetla, Meadowlands, Mofolo, Molapo, Moletsane, Moroka, Mzimhlophe, Naledi, Orlando, Phefeni, Phiri, Phomolong, Pimville, Protea, Protea Glen, Senaoane, Snake Park, Tladi, White City, Zola und Zondi. Gelegentlich werden davon abweichende Einteilungen genannt. Die Herkunft der Namen zeigt gelegentlich an, für welche Südafrikaner das Township gedacht war. So stammen etwa die Wörter Naledi („Stern“) und Phomolong („Ort des Ausruhens“) aus dem Sesotho.

Geschichte Vorbedingungen der Siedlungsbildung von Soweto Als Ausgangspunkt zur Errichtung der südwestlichen Townshipsiedlungen Johannesburgs wird eine im Jahre 1900 erfolgte Deklaration angenommen, nach der die innerstädtische Siedlung Burghersdorp und die angrenzende Indian Location zum Insanitary Area (deutsch wörtlich: unhygienisches Gebiet; gemeint ist: Gebiet mit sanitärer Unter(Nicht-)versorgung) erklärt wurde. 1902 setzten die Behörden eine Kommission zur Untersuchung jener Quartiere ein, die offiziell Verbesserungsvorschläge für die bestehenden sanitären Verhältnisse erarbeiten sollte. Der Johannesburger Stadtrat (Johannesburg City Council) sah in dem zentrumsnahen Gebiet jedoch ein Areal, das als Slumgebiet an dieser Stelle viel zu wertvoll sei, und hatte bereits im September 1903 die Enteignung der Grundstücksbesitzer vollzogen. Es fehlte bisher nur ein Plan, in welchem Stadtgebiet die 1600 indischen und 1400 schwarzen Einwohner neu angesiedelt werden konnten. Als im März 1904 in den Johannesburger Slums Coolie Location, Kaffir Location sowie Brickfields (später Burghersdorp, heute Stadtteil Newtown) die ansteckende Beulenpest ausbrach, gewann der Umsiedlungsplan eine zwangsläufige Dynamik. Die hier lebende arme Bevölkerung bestand aus Europäern, Schwarzen, Indern und Coloureds. (englisch) (englisch)Elsabe Brink: (englisch)

Frühe Suburbanisierungsprozesse in Johannesburg Die ersten Umsiedlungsaktionen von Bewohnern der betroffenen Stadtquartiere (Brickfields), von denen die Arbeitsfähigen meistens im Goldbergbau arbeiteten, gingen auf das Gebiet des späteren Sowetos zur damaligen Farm Kliptown in eine ärmliche Hüttensiedlung, als health camp (deutsch: Gesundheitslager) bezeichnet, unweit einer Abwasseranstalt (Klipspruit Sewage Farm). Hier hatte die Johannesburger Stadtverwaltung Verrieselungsanlagen eingerichtet. Teile der damaligen Siedlung Kliptown sind 1934 in Pimville umbenannt worden (nach James Howard Pim, einem Johannesburger city councillor von 1903 bis 1907 City of Johannesburg: Chronology of events in the making of Soweto. In: www.joburg.org.za (englisch).).James Ball: The Preservation of Pimville Soweto. auf www.theheritageportal.co.za (englisch).

Es folgten 1904 auf den Arealen der früheren Farmen Doornkop, Diepkloof, Klipspruit und Vogelstruisfontein weitere Ansiedlungen armer Bevölkerungsteile aus Johannesburg. Die innerstädtischen Behausungen im Gebiet der Indian Location brannten durch ein Feuer nieder. Der endgültige Hausbau für die suburbane Bevölkerungsverschiebung begann auf den Flächen von Klipspruit. Seit 1904 rekrutierte die Johannesburger Bergbauindustrie ihren Hauptbedarf (teilweise nahezu 90 Prozent) an einfachen Arbeitern über mosambikanische Migranten, später auf der Basis der Transvaal-Mozambique Convention politisch untermauert.Ruth First: The gold of migrant labour. In: Africa South, Vol. 5, Ausgabe 3 (April–Juni 1961) S. 7–31 (hier S. 13), online auf www.disa.ukzn.ac.za Downloadlink (englisch)Diana Rose Cammack: The Rand at War, 1899-1902: The Witwatersrand and the Anglo-Boer War. London 1990, S. 191, online auf www.books.google.de (englisch).

Eine zweite Etappe vollzog sich mit der Errichtung von einfachen Häusern auf einem Gelände, das Orlando genannt wurde. Dieses Areal erhielt 1935 seinen Namen nach einem früheren Bürgermeister Johannesburgs, Edwin Orlando Leaky. Orlando ist heute einer der größten Stadtteile von Soweto und besteht aus zwei Bereichen, Orlando West und Orlando East, die beidseits der vierspurigen Schnellstraße Klipspruit Valley Road liegen. Orlando entstand in den 1930er Jahren, als die Johannesburger Administration begann, die Stadtbevölkerung nach rassistisch motivierten Gesichtspunkten zu verteilen. Das geschah meist durch gewaltsame Umsiedlungsaktionen der nichteuropäischen Bevölkerungsanteile aus dem Stadtzentrum und den bisherigen Townshipsiedlungen Sophiatown (Western Native Township), Martindale und Newclare. 1932 eröffnete hier eine erste ärztliche Versorgungsstation für die hiesige Bevölkerung. In der Siedlung herrschten zu dieser Zeit Überbevölkerung und unhygienische Lebensverhältnisse.

Siedlungserweiterungen in den 1940er Jahren mini|Soweto, Orlando West, 8115 Vilakazi Street, ehemaliges Wohnhaus von Nelson Mandela (Aufnahme Oktober 1997)1945 erbaut, bezogen von Mandela 1946 und zunehmend unregelmäßig bewohnt bis 1961. 1990 für elf Tage Mandelas Wohnort. Ab 1998 restauriert, seit 1999 Mandela House Museum. – Siehe: Mandela House (englisch) In: mandelahouse.com, abgerufen am 15. November 2010. Im Zuge des Zweiten Weltkriegs errichtete man bei Orlando das Imperial Military Hospital, wo viele britische Soldaten wegen Tuberkuloseerkrankungen behandelt wurden. Das Krankenhaus benannte man später in Baragwanath Hospital um.

Um 1944 wanderten auf Initiative des politischen Landlosenaktivisten James Mpanza 20.000 Squatter in das Areal um Orlando ein. Deren informelle Siedlungen begünstigten die Bevölkerungszunahme in diesem Areal und konzentrierten sich hauptsächlich auf Orlando West.An Overview of Soweto. auf www.soweto.co.za (englisch) Allerdings wurde schon 1945 das erste gebildete Squattercamp durch die Behörden aufgelöst.

Ein Notfalllager mit der Bezeichnung Shantytown (wörtlich: „Barackenstadt“) errichteten die Behörden im Jahre 1944. Weitere Lager für Landlose kamen 1946 als Moroka Emergency Camp und Central Western Jabavu hinzu. In Moroka entstand 1947 eine Klinik. Die medizinische Versorgung im wachsenden Ballungsraum Johannesburg wurde zunehmend schwieriger. Deshalb übernahm die Verwaltung von Transvaal das Baragwanath Hospital und verlegte die medizinische Betreuung für die schwarze Bevölkerung Johannesburgs vom Johannesburg Hospital in diese Einrichtung. Mit damals 480 Betten galt es als Krankenhaus der Schwerpunktversorgung in Transvaal und ist seither das größte auf dem afrikanischen Kontinent.

„Soweto“-Siedlungen zu Beginn der Apartheid Nach dem Wahlsieg der Nasionale Party im Jahre 1948 wurde das Siedlungsgebiet im Südwesten Johannesburgs nach den Zielen der programmatisch rassistischen Segregationspolitik zielgerichtet erweitert. Das Council for Scientific and Industrial Research (deutsch etwa: „Rat für wissenschaftliche und industrielle Forschung“) und das National Building Research Institute (deutsch etwa: „Nationales Bauforschungsinstitut“) entwickelten ein Siedlungsmodell mit 4-Raum-Häusern auf Niedrigkostenbasis nach einem standardisierten Architektenentwurf. Diese Bauweise prägte später das Siedlungsbild Sowetos.

Ernest Oppenheimer besuchte 1950 die Siedlung Orlando. Von den inakzeptablen Lebensumständen der Bewohner schockiert, verhandelte er ein Abkommen mit der Stadtverwaltung, in dessen Ergebnis Oppenheimer ein Darlehen im Umfang von sechs Millionen Rand für den Hausbau zur Verfügung stellte und die Stadt sich zur Rückzahlung innerhalb von 30 Jahren verpflichtete. Schließlich wurden in fünf Jahren auf dieser Basis 24.000 Hauseinheiten errichtet.A history of Soweto. auf www.sahistory.org.za (englisch)

Auf dem Congress of the People kam es am 26. Juni 1955 in Kliptown zur Verabschiedung eines Antiapartheid-Papieres, Freedom Charter genannt, das künftig eine zentrale Grundlage im Ringen um die Gewährleistung bzw. Wiederherstellung von Menschenrechten im Land bildete.

In Dube wurde 1955 ein Hostel (Herberge) eröffnet, das zur Aufnahme von Arbeitsmigranten diente. Hier lebten nun männliche Arbeitskräfte, die meist im Dienstleistungssektor für die Wohnungsreinigung tätig waren und infolge des Natives (Urban Areas) Amendment Act (No. 12 / 1955) aus den Innenstadtbereichen vertrieben worden waren. Das Hostel-Modell wurde in den folgenden Jahrzehnten in den industriellen Ballungsräumen extensiv ausgeweitet und trug auf diese Weise zur Zuspitzung spezifischer sozialer Problemlagen bei.

1956 besuchte Oppenheimer erneut die Region und weilte dabei in Moroka. Anlässlich seiner Visite kündigte er ein weiteres Darlehen in Höhe von sechs Millionen Rand an, was nachfolgend Immobilienspekulationen auslöste. Es entstanden nun neue Townships, die eine klare ethnische Abgrenzung aufwiesen.

Für den gesamten Siedlungskomplex ist seit 1963 der Name Soweto (für: „South Western Townships“Christoph Marx: Südafrika. Geschichte und Gegenwart. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2012, S. 230.) offiziell bindend. Die Bezeichnung setzte sich im Verlaufe eines vierjährigen Wettbewerbs durch.

Verkehrsprobleme um 1970 Ende der 1960er Jahre kam es im Verlaufe des täglichen Pendlerverkehrs auf Bus- und Eisenbahnstrecken zwischen den Siedlungsteilen Sowetos einerseits und andererseits dem Stadtzentrum Johannesburgs und den Industriegebieten südlich davon immer mehr zu unzumutbaren Verhältnissen. Besonders die Überfüllung der Vorortzüge in den Morgenstunden zwischen 4 und 6 Uhr und zum abendlichen Rückreiseverkehr erregte den Unmut der Sowetoer. Als die Zahl der Passagierunfälle, besonders jene mit tödlichem Ausgang, signifikant zunahmen, erreichten diese Verhältnisse überregionale politische Aufmerksamkeit.