mini|Logo des ehemaligen Unternehmens Executive Outcomes mini|Executive Outcomes kämpfte in den afrikanischen Bürgerkriegen mit ehemaligen südafrikanischen Spezialkräften, die ehemals sowjetische Waffensysteme benutzten (hier ein Mil-Mi-24-Kampfhubschrauber (Hind)).
Executive Outcomes (EO) war ein privates Sicherheits- und Militärunternehmen, das Söldner und militärisches Material für den weltweiten militärischen Einsatz zur Verfügung stellte. EO setzte sich aus Mitgliedern ehemaliger Eliteeinheiten der südafrikanischen Armee zusammen, die nach dem Ende der Apartheid im demokratischen Südafrika keine militärpolitische Funktion mehr hatten.
Innerhalb weniger Jahre wurde Executive Outcomes Teil eines globalen Netzes aus Militärdienstleistern, Bergbau- und Ölunternehmen, das in Pretoria, London und in einigen Steueroasen seine Stammsitze hatte. Anfang 1999 löste sich das Unternehmen offiziell auf. Das Netz existierte aber in Unternehmen wie Lifeguard und Ibis Air fort. Executive Outcomes wurde durch spektakuläre und weit publizierte Einsätze in Angola und Sierra Leone zu einem bekannten Beispiel für moderne globale Militärunternehmen.
Gründung und frühe Jahre Grundlagen in der südafrikanischen Armee Hintergrund für die Gründung waren die politischen Reformbestrebungen in der Spätphase der Apartheid in Südafrika und die damit einhergehende Umgestaltung des politischen Systems. Aus dieser folgte ein Umbau der südafrikanischen Streitkräfte. 1989 begann die südafrikanische Regierung ihre Spezialeinheiten aufzulösen, die sowohl im Bürgerkrieg in Angola als auch im Innern des Landes zur Bekämpfung politischer Opposition, insbesondere des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) eingesetzt wurden.
Unter diesen Einheiten befanden sich das 32-Bataljon, die Koevoet und das Civil Cooperation Bureau (CCB). Das 32-Bataljon hatte im angolanischen Bürgerkrieg die antikommunistische UNITA unterstützt, um einen Sieg der von kubanischen Truppen sowie sowjetischen und nordkoreanischen Spezialisten unterstützten MPLA zu verhindern. Das 32-Bataljon war militärisch effektiv – es hatte das beste Verhältnis getöteter Gegner zu eigenen Verlusten der südafrikanischen Armee –, wurde aber später vor der Wahrheitskommission zahlreicher gravierender Verletzungen der Menschenrechte angeklagt.Singer 2003; 102 Die Koevoet war eine südafrikanische Antiterroreinheit, die in Südwestafrika (Namibia) operierte. Das Civil Cooperation Bureau hatte mit Hilfe von Scheinunternehmen die internationalen Waffenembargos gegen Südafrika zu umgehen versucht und mehrere Anschläge auf Führungskräfte des ANC in Westeuropa verübt.
Der Gründer Eeben Barlow war kommandierender Offizier der Aufklärungseinheit des 32-Bataljons und arbeitete später für die Westeuropa-Sektion des CCB und vermutlich für die Armaments Corporation of South Africa. Dabei soll er sowohl am Waffenhandel beteiligt gewesen sein als auch Mordkommandos gegen einzelne, sich in Europa aufhaltende ANC-Führer geplant haben.Pech 2003: 84 Er war daran beteiligt, Desinformationen über den ANC auszustreuen; beispielsweise in Großbritannien die Behauptung, dass ANC und IRA eng zusammenarbeiten würden.
Erste Jahre Seine Erfahrungen in südafrikanischen Militär- und Nachrichtendienststrukturen, wo er nicht nur unmittelbare Kampferfahrung, sondern auch umfangreiche Kontakte im Waffenhandel und verwandten Branchen sammelte, konnte Barlow erfolgreich für Executive Outcomes einsetzen. Er verfügt über Kenntnisse in Öffentlichkeitsarbeit und das organisatorische Wissen, um später das international verzweigte und nur schwer nachzuvollziehende Unternehmensnetz um Executive Outcomes aufbauen zu können. Aus den ehemaligen Soldaten seiner früheren Militäreinheiten rekrutierte er die ersten EO-Mitarbeiter. Innerhalb kurzer Zeit standen Executive Outcomes 500 militärische Berater und 3000 Mann Spezialkräfte zur Verfügung.
In seinen ersten Jahren funktionierte EO noch als privatisierter Teil des Apartheid-Südafrikas. Das Unternehmen spionierte ANC-Führungspersonal aus und bildete die Spezialeinheiten der South African Defence Force aus. Zu dieser Zeit boten sie auch noch Leistungen an, zu denen sie in späteren Jahren jede Beziehung abstritten: Unterstützung „geheimer Kriegführung“ Training von „Freiheitskämpfern“ Beschaffung „jeder Art von Waffen und Ausrüstung“ Durchführung „geheimer Sabotageakte“ „… einzelne Aktionen in Gebieten hinter der Front“ Durchführung „politischer Propagandaaktionen“ „… totaler Guerillakrieg hinter den feindlichen Linien“Executive Outcomes, Special Training Programme Proposal, 1992–1993. zit. nach Pech 2003: 85
Aus dieser Zeit stammen noch die ersten Kontakte zu Bergbauunternehmen, sowohl im angloamerikanischen Raum als auch zu Südafrikas Diamantengiganten De Beers.
Haltung Südafrikas Führungspersonal und Soldaten von Executive Outcomes setzten sich vor allem aus den militärischen Eliten des südafrikanischen Apartheidsstaats zusammen. Diese hatten vor allem in Antiaufstandseinheiten der alten Regierung gedient und so entweder direkt gegen den ANC oder gegen enge Verbündete des ANC gekämpft. In seinen ersten Jahren unterstützte Executive Outcomes die Machteliten des alten Staats weiter. Trotzdem gelang es ihnen, über mehrere Jahre von der neuen südafrikanischen Regierung toleriert zu werden. Als Executive Outcomes seine Aktionen internationalisierte, verkündete es offiziell, nur noch „legitime Regierungen“ zu unterstützen, die der neuen südafrikanischen Regierung politisch entsprachen. So kam es, dass das 32-Bataljon noch bis 1989 mit der UNITA gegen die angolanische Regierung kämpfte, Executive Outcomes ab 1993 mit der angolanischen Regierung gegen die UNITA.
Die offizielle Position zum Unternehmen fasste Kader Asmal, damals südafrikanischer Minister für Wasserressourcen und Vorsitzender des nationalen Komitees für Waffenverkäufe, 1996 zusammen: „Ich denke, wenn ausländische Streitkräfte militärisches Personal anheuern, sollte dies genauso reguliert werden wie Waffenverkäufe. … Man reguliert es im Verhältnis zur Legitimität der Regierung und im Verhältnis dazu, wie demokratisch sie ist und in welchem Maße sie die Menschenrechte akzeptiert. Ich sehe keinen Unterschied zwischen Waffenexporten und militärischer Beratung oder militärischen Dienstleistungen. Sie sind dasselbe.“zit. n. Arnold 1999; 117 Diese Position hielt die Regierung auch durch, als die Organisation für Afrikanische Einheit zunehmend Druck auf Südafrika ausübte, um die Aktivitäten von EO zu beschränken.
Nicht offiziell verkündete die südafrikanische Regierung, dass sie es gerade in den turbulenten Zeiten der Transition zum „neuen Südafrika“ nicht ungern sah, wenn die militärischen Eliten des Apartheidsstaats sich nicht beschäftigungslos in Südafrika aufhielten. So lange sie in anderen Teilen des Kontinents Geld verdienten, konnten sie den Transitionsprozess nicht stören.Arnold 1999; 121 Erst als sich das neue Südafrika stabilisiert hatte, verschärfte Südafrika seine Gesetze gegen Söldnerunternehmen und ging so gegen EO vor.
Einsätze Erster Einsatz in Angola: Das Unternehmen expandiert mini|Karte Angolas
International bekannt wurde das Unternehmen durch seinen ersten Einsatz in Angola. Barlow wurde vom britischen Geschäftsmann Tony Buckingham beauftragt, die Öllager von Kefekwena und die Ölstadt Soyo in Nordwestangola zurückzuerobern. Buckingham war Aufsichtsratsmitglied mehrerer nordamerikanischer Ölunternehmen und Gründer und Inhaber von Heritage Oil and Gas in London. Die Ölfelder gehörten Heritage Oil und waren im März 1993 von der UNITA überrannt und besetzt worden.
Nachdem die angolanische Armee, die Forças Armadas Angolanos (FAA), nicht in der Lage war, das Lager zurückzuerobern, verpflichtete Buckingham Executive Outcomes. Das Unternehmen stellte eine Gruppe von 50 Offizieren und Unteroffizieren zusammen. Die Executive-Outcomes-Angestellten organisierten einen Angriff von 600 Mann der angolanischen Armee. Die Rückeroberung des Gebiets gelang innerhalb kürzester Zeit mit minimalen Verlusten dreier Verwundeter. EO sicherte das Lager in den nächsten Monaten. Während die UNITA sofort die angolanische Regierung beschuldigte, weiße Söldner eingesetzt zu haben, sprach diese erst von einem gemischtrassigen Sicherheitsdienst.Adams 1999 Erst als die militärische Ausrüstung und Mannstärke der Truppe bekannt wurde, gab Angola Einzelheiten zum Einsatz und den beteiligten Truppen bekannt. Die Aktion sorgte für Unruhe sowohl bei ehemaligen Angehörigen der südafrikanischen Armee als auch bei der UNITA. Beide fühlten sich von ihren ehemaligen Kampfgenossen verraten. Zugleich demonstrierte es aber den militärischen Unterschied, den selbst eine kleine Truppe machen konnte, wenn sie aus EO-Personal bestand. Der Unterschied wurde auch dadurch deutlich, dass die UNITA die Ölfelder zurückerobern konnte, nur kurz nachdem EO das Gebiet wieder verlassen hatte.Singer 2003; 108
Dem schloss sich ein Auftrag an, die Diamantenmine von Canfunfo in Lunda Norte zu bewachen. Für etwa 40 Millionen US-Dollar besorgte EO Männer und militärische Ausrüstung. Obwohl offiziell als Berater eingestellt, war die Erlaubnis, Präventivschläge gegen die UNITA auszuführen, auch Teil des Vertrags, den EO mit stillschweigendem Wohlwollen der Regierung ausgiebig ausnutzte.
Zweiter Einsatz in Angola Executive Outcomes gelang der internationale Durchbruch, als die Regierung Angolas das Unternehmen im September 1993 direkt für ein Jahr verpflichtete. Unter der Vermittlung Buckinghams und des ehemaligen Special-Air-Service-Manns Simon Mann suchte die MPLA, die den Bürgerkrieg in Angola zu verlieren drohte, ein Militärunternehmen, das die UNITA kannte. Die Rechnungen von EO wurden teilweise vom staatlichen angolanischen Ölunternehmen Sonangol bezahlt, und inoffiziell durch Konzessionen an Buckinghams Ölunternehmen erweitert.
Executive Outcomes, die wahrscheinlich mit einer Truppe mehrerer Tausend Mann im Einsatz war, trainierte und unterstützte seinen ehemaligen Bürgerkriegsgegner, die Forças Armadas Angolanos im Kampf gegen ihre ehemaligen Mitstreiter der UNITA. Die FAA baute die 16. Brigade wieder auf, die ironischerweise von den südafrikanischen Truppen in den 1980er-Jahren aufgerieben worden war. Durch die langjährige Kampferfahrung auf verschiedenen Seiten des Konflikts gelang es den Angolanern und ihren Beratern, alte Fehler ausfindig zu machen und neue Strategien gegen die UNITA zu entwickeln. 5000 Mann der angolanischen Armee und 500 EO-Söldner kämpften nach Aufbau und Training der Brigade als Speerspitze im Kampf der angolanischen Regierung bei der Rückeroberung des Landes.Singer 2003; 109
Den gemeinsamen FAA/EO-Truppen gelang es, die gesamten Ölfelder des Landes ebenso wie die Diamantminen unter ihre Kontrolle zu bringen. Sie setzten neue Artillerietaktiken ein, ebenso wie sie das erste Mal in der 30-jährigen Geschichte des Angola-Kriegs gezielt bei Nacht kämpften, um ihren Gegnern keine Ruhepausen zu gönnen. Der Einsatz von EO war maßgeblich daran beteiligt, die UNITA so weit zu schwächen, dass sie 1994 das Lusaka-Protokoll unterschrieb, das den Bürgerkrieg im Land beendete.Pech 2003; 83–85 Sie unterschrieb nur unter der Bedingung, dass Executive Outcomes das Land verließ. Unter den unsicheren Friedensbedingungen blieb EO allerdings im Land, bis Bill Clinton Ende 1995 persönlich Lobbyarbeit dafür leistete, dass Executive Outcomes Angola im Dezember 1995 verließ.
Öffentlichkeitsarbeit